Hafenbericht Vilamoura – Teil 9

Der erste Morgen von 2026 startet ruhig. Während Axel noch ein wenig ausschläft, räume ich die Reste von der Silvesterparty auf. Gläser abwaschen, Leergut entsorgen, Luftschlangen absammeln. Schnell gemacht und schon gibt’s ein leckeres Frühstück. Frisch gepresster Saft, Ei und Käse aufs Brötchen. Geht schon wieder! Das Wetter zeigt sich derweil in Katerstimmung. Grau und leicht regnerisch. Für die nächsten Tage ist mal wieder Starkregen und Wind im Anmarsch. Das bekommt dann auch der nächste Besuch leider erst einmal ab. Laura und Lars kommen aus Hannover angeflogen und müssen erst einmal das Prasseln vom Regen auf dem Deck ertragen. Wir machen das Beste draus und fahren zum Shopping-Center. Ich bekomme mein Weihnachtsgeschenk – einen schönen Handstaubsauger – und Axel ein paar neue Schuhe. Außerdem fahren wir zum Decathlon in Faro und versuchen noch einmal unser Glück mit meinem defekten Fahrrad-Akku. Erfreulicherweise glaubt man uns dort, dass wir den Akku nicht kaputt gemacht haben und stuft den Schaden als Garantiefall ein. Zwar dauert es ein paar Wochen, bis der neue Akku geliefert werden kann, aber immerhin müssen wir keine 500 Euro bezahlen. Zurück in der Marina lauschen wir weiter dem Regenprasseln und gehen in einer Regenpause schnell zum Inder in der Marina um leckere Curries zu genießen.

Am nächsten Tag sieht das Wetter wieder deutlich besser aus und wir fahren nach Paderne. Dort ist Mittelalterfest und wir laufen durch die netten Gassen. An jeder Ecke gibt es Musik, Tanz und Gaukelei. Zahlreiche Verkaufsstände und Fressbuden säumen die Wege. Handbetriebene Karussels und viele Spiele erfreuen die kleinen und großen Kinder. Anschließend geht es noch zur Festung von Paderne, die etwas außerhalb des Ortes liegt. Allerdings ist die Straße – oder sollte ich eher der Feldweg sagen – nach den starken Regenfällen der letzten Tage kaum befahrbar. Ralley-Fahrer Axel meistert aber in unserem aktuellen Peugeot-Leihwagen jedes Schlagloch bravourös und so kommen wir unbeschadet bei der Ruine auf eine Hügel an. Leider ist die Festung selbst geschlossen, aber wir können ein wenig an den Außenmauern entlanglaufen und einen Blick auf den aktuell reißenden Bach von Quarteira werfen. Geologisch interessant ist zudem, dass der Hügel vor zigmillionen Jahren einmal unter Wasser lag und sich noch Korallenformationen entdecken lassen. Während Laura und Lars zurück in der Marina noch einen Ausflug zum Praia de Falesia machen, kehren Axel und ich an Bord zurück und genießen einen sonnigen Nachmittag im Cockpit. Abends gibt es einen mediterranen Tortellini-Salat und dann ist ein schöner Tag auch schon wieder vorbei.

Am nächsten Tag werden wir von einem strahlend blauen Himmel und Sonne geweckt. Allerdings weht auch ein frischer und recht kühler Wind. Egal! Wir starten nach dem Frühstück zu einem weiteren Ausflug und fahren zunächst nach Silves. Dort durchwandern wir das Städtchen von unten nach oben und wieder zurück. Ein Besuch der Festung darf dabei natürlich nicht fehlen. Weiter geht es nach Ferragudo und Carvoeiro. An unserem neuen Lieblingsfelswanderweg Algar Seco finden wir ein nettes Pool-Café und stärken uns mit einem Sandwich. Dann noch ein wenig Felsen durchwandern und schon geht es wieder zurück nach Vilamoura. Wie immer ein schöner Ausflug und immer wieder tollen Ausblicken auf die Landschaft und die Felsküste. Daran kann man sich einfach nicht satt sehen. Nach dem auswärtigen Mittagessen bleibt die Bordküche abends kalt und es gibt nur ein paar Snacks und Brote.

Bei erneut eher bedecktem Wetter machen Laura und Lars am nächsten Tag einen Ausflug nach Faro. Da wir der Innenstadt von Faro weiterhin nicht viel abgewinnen können, bleiben wir an Bord und kümmern uns um unser Dinghy. Der Segelmacher will es am nächsten Tag abholen, um unsere neuen Dinghychaps maßgeschneidert anzufertigen. Also wird zunächst La Ola nach vorne berholt, damit wir das Schlauchboot herunterlassen können. Dann drücken wir La Ola nach Steuerbord zur Seite und treideln das Dinghy an der Backbordseite zwischen Steg und Kat nach vorne. Klingt einfach, braucht aber gefühlt eine Ewigkeit, bis La Ola schließlich wieder mittig in ihrer Box liegt. Abends geht es mit Laura und Lars, sowie den Crews von Seren Wen und Playmobil heute mal zum All you can eat Chinesen ums Eck. Danach sitzen wir noch gemütlich bei einem Absacker-Wein gemeinsam mit allen im Salon von La Ola. Kater Lucky entwickelt sich derweil immer mehr zum Partykater und lässt sich von der Menschenmenge nicht mehr beeindrucken. Für ein Leckerli setzt er sich sogar wie selbstverständlich mit dazu und lässt sich Streicheln. Wer hätte das vor 1 1/2 Jahren gedacht?!

Letzter Tag für Laura und Lars und Zeit für einen weiteren Ausflug. Bei herrlichem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel geht es zunächst nach Tavira. Wir parken am Fluß und laufen durch die Stadt, klettern bergauf zur Festung und genießen den Ausblick und den Garten innerhalb der Festungsmauern. Man könnte meinen, es wäre Frühling! Weiter geht es nach Cacela Velha, wo um diese Jahreszeit leider alles geschlossen ist. Aber der schöne Ausblick auf die Lagunenlandschaft bleibt natürlich und ist heute bei Niedrigwasser und Kaiserwetter besonders schön. Next Stopp ist Castro Marim, wo wir diese Mal eine der Festungen erklimmen und die Mauern entlangwandern. Im Vergleich zur Festung von Silves ist hier noch einiges im Innenhof der Festung erhalten oder rekonstruiert worden. Der Blick auf die Salzmarschen und zum Rio Guadiana ist ebenfalls nett anzuschauen, so dass der Besuch lohnt. Anscheinend finden in der Festung auch Mittelalterfeste statt, denn es gibt zahlreiche, aktuell unbenutzte Stände und eine Tribüne. Da das Wetter einfach zu schön ist, um bereits nach Hause zu fahren, geht es für uns noch weiter den Guadiana flußaufwärts nach Alcoutim. Die Fahrt den Fluß entlang ist wie immer schön und ich würde die Landschaft durchaus mit einer Fahrt durch das Moseltal vergleichen. Allerdings gibt es hier kaum Tourismus und erfreulicherweise auch keine Hotelburgen. Stattdessen Landschaft pur und ein unverbauter Blick auf den Fluß. In Alcoutim ist leider ebenfalls alles geschlossen, so dass wir nur eine kurze Pause machen, bevor wir den Heimweg nach Vilamoura antreten. Abends geht es zum Abschiedspizzaessen zu unserem Lieblingsitaliener Luna Rossa. Schade, dass die Zeit mit Laura und Lars schon wieder vorbei ist!

Nachdem uns Laura und Lars frühmorgens um 6:30 Uhr verlassen, kehrt bei uns der Brodalltag wieder ein. Wir nutzen den Mietwagen für ein Fahrt zu IKEA und kaufen dort tatsächlich ein neues Regal. Die Idee haben wir von anderen Lagoon 450 Eignern geklaut, die bei IKEA ein absolut perfekt passendes Regal für die vordere Gästedusche entdeckt haben. Die Dusche dient bereits jetzt bei uns als Stauraum, war bisher allerdings eher schwer zugänglich. Neben hängenden Sachen, wie Ölzeug und Tauchanzügen, gab es verschiedene Boxen. An deren Inhalt kam man nur unter Ausräumung der gesamten Kabine und damit entsprechend schwer heran. Zurück an Bord muss allerdings erst einmal das Bad ausgeräumt werden. Dabei stellen wir fest, dass sich in der Dusche auch erschreckend viel Dreck und Spack breit gemacht haben. Also wird erst einmal alles sauber gemacht und blitzblank geputzt. Den Regalaufbau verschieben wir auf den nächsten Tag und gönnen uns zum Abendessen leckere Bandnudeln mit Lachs an Bord.

Bevor wir uns dem Regalaufbau widmen, wird erst noch einmal der Mietwagen für einen Einkaufsrun zu Auchan genutzt. Mit Katzenfutter und Katzenstreu, sowie einigen Lebensmitteln und Getränken im Auto, geht es dann zurück an Bord. Ich starte das Projekt Regalaufbau mit einer kleinen Bordyoga-Übung. Der Aufbau ist zwar sehr simpel, aber das Regal passt leider aufgebaut nicht durch die Badezimmertür. Also muss es im Bad aufgebaut werden und der Platz ist entsprechend eng. Ich schlängel mich so gut wie möglich durch die Regalstangen und schon stehe ich mitten im Regal in der Dusche. Ein paar Schrauben hier und da gelöst und schon passt alles perfekt und ich kann mich wieder aus dem Regal hinausschälen. Puh! Aber was tut man nicht alles für ein wenig mehr Stauraum? Zur Belohnung gehen wir abends mit Corinne, Matthias und Guido zum Inder essen. Mücke ist leider schon wieder in Deutschland. Wie üblich gibt es anschließend noch einen Absacker auf La Ola.

Am nächsten Tag wird weitergearbeitet. Die Regalarbeiten werden abgeschlossen und die Regalkörbe können eingeräumt werden. Damit das Regal auch auf See sicher steht, hat Axel über Nacht noch mal eben ein paar Halterungen gedruckt. Nach der Umorganisation muss der Stauplan neu geschrieben werden, damit wir auch alle verstauten Sachen irgendwann wiederfinden. Anschließend wird die Steuerbord-Segellast aufgeräumt. Der neue Paradailor kommt rein, dafür muss erst einmal alles andere raus. Damit der Parasailor passt, muss er allerdings erst einmal aus seinem Sack raus und dann in der Backskiste wieder hinein. Natürlich ist der Platz in der Backskiste mehr als eng und ich lege direkt noch eine Bordyoga-Session ein. Nachdem alles wieder verstaut ist, kommt auch noch die Backbord-Segellast dran. Dort werden das Raclettegerät wieder verstaut und die Tauchsachen neu organisiert. Last, but not least, holen wir unsere Nähmaschine und Sunbrella-Stoff raus, um uns am nächsten Tag einem Nähprojekt für Seren Wen widmen zu können.

Bevor das Nähprojekt startet, kommt allerdings am nächsten Tag erst einmal Besuch von der Segelyacht Morning Sun vorbei. Claudia und Jonas kennen wir über Trans-Ocean bisher nur virtuell und da sie gerade für eine Nacht in Vilamoura liegen, bietet sich nun die Gelegenheit für ein persönliches Kennenlernen. Dann geht es der Persenning von Seren Wen an den Leib. Im letzten Sturm haben sich leider große Risse ergeben, die es nun zu flicken gilt. Die Persenning ist allerdings bereits recht betagt und das Material so brüchig, dass sich bereits beim Nähen neue Risse zeigen. Aber eine Neuanschaffung würde mit 8k Euro zu Buche schlagen. Da versuchen wir doch lieber gemeinsam noch einmal eine Reparatur hinzubekommen. Als Belohnung für meine Arbeitsleistung und den zur Verfügung gestellten Ssunbrella-Stoff, werden wir abends bei Tai-Tai zum chinesischem Essen eingeladen. Am nächsten Tag wird weitergenäht, wobei die arme Corinne diesmal leider per Hand nähen muss, da meine Nähmaschine keinen ausreichend großen Arm hat, um Risse in der Mitte nähen zu können. So vergeht auch dieser Tag arbeitsreich und endet mit einem leckeren Essen beim Alxama-Steakhaus. Am nächsten Tag darf meine Nähmaschine dann noch einmal ran. Diesmal wird das Bimini von Seren Wen repariert, bei dem sich ein Reißverschluss abgelöst hat. Schließlich sind alle großen Risse genäht und die Nähmaschine kann wieder weggeräumt werden. Da es der letzte Tag von Corinne und Matthias in Vilamoura ist, bevor es erst einmal wieder nach Hause in die Schweiz geht, laden wir die Beiden abends zu einem Abschiedsessen an Bord ein. Nachdem die Vegetarierin Corinne am Vorabend das Steakhouse ertragen musste, gibt es leckere Veggie-Gefüllte Paprikaschoten mit Korianderpesto. Am nächsten Tag verabschieden wir dann auch noch Guido von der Playmobil und servieren auch ihm ein Abschiedsessen an Bord von La Ola in Form von einer leckeren Möhrensuppe.

Lucky übt sich derweil nicht nur als Partykater, sondern arbeitet auch an seinem Ruf als Killer-Cat! Spaß beiseite, unser kleiner Lucky könnte natürlich keiner Menschenseele etwas tun! Aber wenn er hungrig ist und sein Abendessen auf der Cockpitablage ins Napf gefüllt wird, dann vergisst er schon mal seine gute Erziehung und springt nach oben. In diesem Fall verschätzt er sich, rutscht ab, bleibt hängen und erwischt leider Axel beim verzweifelten Versuch doch noch zum Futter hochzukommen. Der arme Axel hat im Nu zahlreiche blutende Kratzer am Bein und sieht ziemlich malträtiert aus. Wir säubern die Wunden, desinfizieren und pflastern so gut es geht und am nächsten Morgen ist auch schon wieder alles fast verheilt. Und Lucky versucht durch besondere Kuscheligkeit seinen Faux Pax wieder gutzumachen…

Nachdem wir nun wieder allein in Vilamoura sind, kehrt ein wenig Ruhe in den Bordalltag ein. Das Wetter zeigt sich weiter Aprilhaft, aber es gibt ausreichend sonnige Moment, die wir genießen können. Nachts ist es allerdings ganz schön kühl und im Monchique-Gebirge fällt in Foia sogar Schnee! Brrrr!!! Hoffen wir mal, dass nach dem Aprilwetter demnächst dann Maiwetter folgt und es wieder wärmer wird. Ansonsten planen wir weiter den Verlauf der beginnenden Saison und bereiten uns auf die längeren Strecken nach Madeira und zu den Kanarischen Inseln vor. Dafür müssen einige Sachen angeschaftt werden, die wir bisher noch nicht brauchten. Insbesondere einige Ersatzteile, aber auch medizinisches und Notfall-Equipment, die wir im Fall der Fälle auf hoher See benötigen. Aus Erfahrung wissen wir, wie schwer es auf den Kanaren ist, Pakete zugestellt zu bekommen. Zwar haben wir seit unserem letzten Besuch mit Hello World ja eine NIE-Nummer, eine spanische Steuernummer, die eine Zustellung deutlich erleichtert. Aber darauf ankommen lassen wollen wir es lieber auch nicht und so wird einiges, was erst bei einer Atlantiküberquerung benötigt wird, lieber jetzt schon angeschafft. So häufen sich die Pakete im Marina Office und wir sind froh, dass die Damen an der Rezeption es als Selbstverständlichkeit betrachten, sich um unsere Paketannahmen zu kümmern. Zeit, an der Stelle noch einmal den Superservice und die Freundlichkeit in der Marina Vilamoura zu loben! Ohne zu Murren, werden Pakete gehandelt, jedes Mal wird man freundlich begrüßt, jede Frage wird hilfreich beantwortet. Zudem freue ich mich, dass ich meine – ehrlich gesagt noch sehr geringen Portugiesischkenntnisse – mit den Rezeptionistinnen üben und erweitern darf. Großer Dank, was Post- und Pakethandling angeht, geht übrigens auch an Axels Schwester Anja und seine Eltern raus! Manche Sachen gehen halt leider nicht online und virtuell und manche Sachen werden einfach nur nach und in Deutschland versandt.

Eine Anschaffung ist dem Zustand geschuldet, dass unser Lieblingspizzabäcker Jens von der Segelyacht Marieke inzwischen wieder in Norddeutschland weilt und wir nicht mehr regelmäßig zum Pizzaessen eingeladen werden. Beim letzten Pizzariabesuch haben wir daher beschlossen, dass wir daran etwas ändern müssen. Und Geburtstag habe ich ja auch bald, da ist ein Geschenk naheliegend. In unserer Daverdener Mühle hatten wir einen schönen Holzbackofen für die Pizzaherstellung, dem trauern wir ebenfalls noch ein wenig nach. Aber, es gibt Alternativen! Elektrische Pizzaöfen, die bis zu 450° C Hitze leisten können, lassen sich auch mit dem Bordnetz betreiben und so wird schnell recherchiert, bei Jens nachgefragt und schließlich bestellt. Wenige Tage später kommt dann auch schon ein Paket mit unserem ersten Ferrari in der Marina an!!! Wir nennen ihn Giovanni und müssen ihn nach Ankunft natürlich auch direkt ausprobieren. Jens schickt uns eine umfangreiche Liste mit Zutaten, die wir für die optimale Pizza benötigen. Kein Problem, denn in der Marina Vilamoura gibt es einen kleinen italienischen Supermarkt, wo wir hoffen, alle Zutaten zu bekommen. Dumm nur, dass der gerade Winterferien hat und geschlossen ist. Ein weiterer italienischer Supermarkt in Quarteira ist als Ersatz zwar schnell gefunden, aber bietet leider nur wenig der benötigten Produkte. Also bleibt nur der Weg zu den größeren internationalen Supermärkten. Gut nur, dass wir schon wieder einen Mietwagen zur Verfügung haben! Axel hat für sage und schreibe 9 Euro pro Tag, inklusive Versicherung und Zweitfahrerin, bei Europcar für gleich drei Wochen gebucht. Zu Günstig, um es nicht zu buchen. Insbesondere, weil mein eBike ja aktuell dem E-Antrieb beraubt ist. Dort bekommen wir Step by Step alle gewünschten Zutaten zusammengesammelt. Es gibt sogar Pizzakäse von Giovanni Ferrari. Wenn das mal nicht ein gutes Omen ist! Die erste Pizza gelingt durchaus gut. Zwar ist sie nicht so schön rund, aber dafür knusprig und fluffig am Rand. Die zweite Pizza wird zwar runder, aber dafür scheitern wir am Belag bzw. daran, sie ohne Probleme vom Pizzaheber in den Ofen zu bugsieren. Dadurch wird sie leider ziemlich schwarz von unten. Mist! Aber, Übung macht den Meister und wir werden den Pizzaofen bestimmt noch ausgiebig testen.

Während wir uns indoor mit Pizzabacken beschäftigen, zieht draußen ein Tiefdruckgebiet nach dem nächsten durch. Mit schlechtem Wetter, Regen und teils viel Wind. Allerdings bleiben wir an der Algarva von dem ganz großen Chaos zum Glück verschont! Cyclone Harry tobt sich erst im Mittelmeer aus und verwüstet Mallorca, Sizilien und Malta. Und Verwüsten ist hier wörtlich gemeint. Wer wissen möchte, was ich meine (und warum wir ganz bestimmt nicht ins Mittelmeer fahren werden) sollte mal nach Cyclone Harry und Catania im Internet suchen. Die Bilder sind erschreckend! Unser nächstes Tiefdruckgebiet heißt Ingrid und bringt bereits viel Regen und Wind. Wir „wehren“ uns mit Schietwetteressen und Axel bereitet uns leckere Rinderrouladen mit Spätzle.

Danach kommen die Tiefs Joseph und Kristin über den Nordatlantik angerauscht und bringt deutlich mehr Wind und Regen mit. Da unsere Segel immer noch beim Segelmacher zum Durchchecken sind, brauchen wir uns darum schon mal keine Sorgen machen. Aber den Rest von La Ola machen wir so gut es geht sturmsicher. Die Fahrräder – inzwischen habe ich auch meinen neuen Akku bekommen – kommen ins Cockpit. Das SUP, welches sonst windanfällig an der Reling hing, ist verkauft und durch ein aufblasbares Kayak ersetzt worden. Das liegt allerdings noch in seiner Verpackung in einer Backskiste und wartet auf seinen ersten Einsatz. Also auch kein Problem. Die Gangway wird eingeholt und weggepackt, so kann sie nicht hin- und herrutschen. Alle Fender und Leinen kontrolliert. Auch die Yachten unserer Freunde am Steg schauen wir uns einmal an, können aber keine großen Probleme vor dem Sturm feststellen.

Gut vorbereitet treten wir also dem Sturm bzw. den Stürmen entgegen. Sturmtief Kristin hat sich inzwischen mit den Sturmtiefs Joseph und Chandra vereint und stürmt mit gewaltiger Kraft auf Portugal zu. Das Auge des Sturms zieht zwar weiter im Norden bei Aveiro durch, doch auch die Algarve bekommt mächtig viel Wind und Regen ab. In Portugal werden in den nächsten Tagen 600-800 ml Regen erwartet. Das entspricht angeblich der Jahresmenge an Regen für Berlin! Und wie sollte es anders sein, der Durchzug des Tiefs wir zwischen 3 Uhr nachts und 9 Uhr morgens erwartet. Uns steht also eine unruhige Nacht bevor. Zum Glück gibt es in der Marina Vilamoura auch bei orkanartigem Wind keinen Schwell und keine Beeinträchtigung durch den hohen Seegang draußen vor den Hafenmolen. So ist es „nur“ der Wind, der uns ab Mitternacht wach hält. Er dreht beständig auf und lässt es im Schiff immer lauter werden. Es saust, heult, kreischt und klappert. Kater Lucky flüchtet vorsichtshalber lieber zu mir in die Koje und steckt seinen Kopf unter meine Hand. Sicher ist sicher. Gegen 4 Uhr nimmt die Geräuschkulisse ein neues Spektrum ein und wir werfen neugierig einen Blick auf unseren Windmesser. Erst 40, dann beständig 45 bis 50 kn und schließlich 58,8 kn zeigt das Anemometer. Puh, das sind mal wieder 11 Windstärken! Während La Ola nur ein wenig wackelt, geigen die Monohulls neben uns ganz schön von Backbord nach Steuerbord. Aber der Wind fordert auch bei uns seinen Tribut. Es kracht und klappert, so dass wir aufgeschreckt aus den Kojen springen. Ein kurzer Check zeigt, dass das achtere Fenster unserer Steuercockpitverkleidung unten auf voller Länge gerissen ist und der Wind und Regen nun ungehindert in Steuercockpit wehen. Mist! Aber eigentlich auch nur halb so schlimm, denn der Ersatz ist längst in Auftrag gegeben, da die Scheibe von der UV-Strahlung brüchig und undurchsichtig geworden war. Nun muss der Segelmacher wohl schneller an die Aufgabe ran.

Zum Glück kommt am nächsten Vormittag auch direkt jemand von Dune Sails vorbei und holt das kaputte Fenster ab. Nach dem Frühstück ist der Sturm dann auch wie weggeblasen und weitergezogen. Sogar die Sonne kommt raus und wir können die Yachten unserer Freunde begutachten. Die Reparatur bei Seren Wens Persenning hat zwar größtenteils gehalten. Aber dafür haben sich lange neue Risse aufgetan. Auch die Kuchenbude von Atlas Shrugged sieht etwas mitgenommen aus und wird nach Rücksprache mit Ralph von uns vorsichtshalber abgenommen und im Cockpit verstaut. Alle anderen Yachten haben den Sturm schadlos überstanden. Bei herrlichem Sonnenschein fahren wir mittags nach Quarteira und holen uns als Entschädigung für die durchwachte Nacht ein leckeres Piri-Piri Grillhähnchen. Vorher schauen wir kurz am Praia do Forte Novo vorbei und staunen, wie viel Strand sich das Meer hier erobert hat. Auf dem Weg kommen wir an zahlreichen entwurzelten Bäumen vorbei und auch die Glasscheibe bei unserem Stegeingang hat es zerlegt. Nach dem Mittagessen geht es zu einem kleinen Verdauungsspaziergang an den Strand, wo die Wellen schmutzig braun gegen den Strand anstürmen. Der kleine Ribeira de Quarteira, der in den Einfahrtsbereich der Marina mündet, hat sich in einen reißenden Strom verwandelt und bringt zahlreiches Treibgut mit. Berge an Schilf und Baumstämmen sammeln sich an den Stegen und am Strand. Wo der Ribeira aufs Meer trifft, steht eine unangenehme Welle mit haifischflossenartig auf- und abtauchenden Baumstämmen, die sich in Richtung Meer treiben lassen. Das macht die Ein- und Ausfahrt der Marina aktuell unbefahrbar. Zurück an Bord wird just unsere reparierte Scheibe geliefert. Pünktlich vorm erneut einsetzenden Regen. Schön, dass es so schnell geklappt hat und es nun nicht mehr in unseren Wintergarten hineinwehen und -regnen kann. Über den Tag lesen wir immer neue Informationen über die Ausmaße und die Schäden, die der Sturm hinterlassen hat. Im Norden Portugals wurden in der Nähe von Coimbra 208,8 km/h gemessen! Das entspricht Windstärke 17 und wird andernorts als Super-Hurrikan/Super-Taifun bezeichnet. Zudem hat der Sturm vielfach für Überflutungen gesorgt, die uns auch die nächsten Tage noch beschäftigen werden, wenn das Wasser aus den Bergen angeflossen kommt. Die Böden sind dermaßen mit Wasser gesättigt, dass Bäume keinen Halt mehr finden und auch nach dem Sturm noch umkippen. Zudem drohen Erdrutsche. Die Stauseen haben einen histroischen Höchstfüllstand und müssen aus Sicherheitsgründen abgelassen werden, was eine Überflutungsgefahr an den Bächen und Flüssen noch erhöht. Alles keine schönen Aussichten und wir hoffen, dass sich das Wetter bald irgendwann bessert und endlich der gewünschte Frühling mit zahlreichen Sonnentagen ankommt. Für die nächsten 10 Tage scheint dieser Wunsch aber wohl ersteinmal unerfüllt zu bleiben. Abends werden wir nicht alt und gehen früh in die Kojen, um vor dem nächsten Sturmtief ein wenig Schlaf nachzuholen.

Die Entscheidung zum Pizzaofen zieht weitere Folgekosten nach sich. Zum Teigkneten wird eine Küchenmaschine angeschafft. Die kann erfreulicherweise nicht nur Teig kneten, sondern auch noch Nudeln machen, Saft pressen, Gemüse reiben und Mehl mahlen. Da Platz an Bord limitiert ist, müssen dafür allerdings die entsprechenden andere Küchenmaschinen weichen und verkauft werden. Den ersten Pizzateig schafft die Maschine – like a Bosch – problemlos. Und Ende Januar darf die Küchenmaschine dann ans Mahlen von Haselnüssen und die Zubereitung eines Kuchenteigs ran. So entsteht in kürzester Zeit eine leckere Eierlikörtorte nach Rezept von unserer Freundin Andrea. Genau pünktlich zu meinem Geburtstag am 1. Februar!