Hafenbericht Vilamoura – Teil 7

Der November startet mit schönem Wetter. Bereits morgens früh sind es über 20°C und die Sonne strahlt von einem leicht bewölktem Himmel. Herrlich! So kann das Wetter gerne bleiben. Wir verbringen den Vormittag mit Aufräumarbeiten und basteln gemütlich vor uns hin. Am Ende sieht La Ola nach den Arbeiten der letzten Tage wieder ordentlich und aufgeräumt aus. Im Chinaladen in Quarteira habe ich zudem einige Badorganizer erstanden, mit denen wir nun auch endlich das kleine Chaos im Cockpit beseitigen können. Häufig benötigte Dinge, wie WD40- und Silikonspray-Dosen, Gardena-Wasseranschlußstücke oder Putzmittel können nun endlich schön und griffbereit verstaut werden. Am Nachmittag kündigt sich dann der erste Besuch des Monats an. Stephan und Siggi verbringen eine Woche Urlaub an der Algarve und sind im Hotel Domes Lake ums Eck abgestiegen. Wir verabreden uns zum gemeinsamen Abendessen mit den Beiden und Corinne und Matthias von der Seren Wen und genießen heute mal indisches Essen bei Gandhi Palace. Mal wieder sehr lecker und gut.

Am nächsten Tag reisen Corinne und Matthias leider wieder in Richtung Heimat ab, aber wir freuen uns bereits jetzt, dass sie pünktlich zum gemeinsamen Raclette-Essen an Silvester wieder da sein werden! Mit Stephan und Siggi sitzen wir später gemütlich beisammen, quatschen uns durch den Nachmittag und grillen Hamburger. Am nächsten Tag machen wir einen kleinen Ausflug – wir quetschen uns zu Viert in den Fiat 500 Leihwagen – nach Quinta da Lago und schaffen endlich den lang geplante Besuch in der Beachbar The Shack. Der Besuch lohnt und wir hoffen, dass wir vor der Winterpause es noch einmal dorthin schaffen. Den Nachtisch gibt es im Hotel von Siggi und Stephan mit Blick auf den hoteleigenen See und den Pool mit Sandstrand. Tolle Hotelanlage!

Am nächsten Tag kommt dann auch schon der nächste Besuch an. Meine Mutter Bärbel kommt bereits am Vormittag mit dem Flieger aus Köln-Bonn an und steigt im Hotel Vila Gale Ampalius ab. Deutlich bequemer als unsere Kabine an Bord und deutlich leichter zu betreten. Und direkt bei uns ums Eck, so dass sie schnell bei uns an Bord ist. Bärbel hat außerdem Glück, denn in Ihrem Hotel wird gerade renoviert und so bekommt sie ein tolles Zimmer mit Meerblick. Fantastische Aussicht bis fast nach Afrika. Nach einem kurzen Besuch und Frühstück an Bord hat sie am Nachmittag frei und genießt erst einmal ihren Sonnenbalkon mit Meerblick. Abends grillen wir dann an Bord gemeinsam und besprechen das Programm für die nächsten Tage.

Da das Wetter am nächsten Tag stürmisch und regnerisch ist, nutzen wir den Mietwagen, den wir mal wieder gebucht haben, erst einmal für eine ausgiebige Einkaufsrunde. So ist der Tag schnell vorbei und wird gemeinsam mit Bärbel, Stephan und Siggi beim Italiener Luna Rossa ausklingen gelassen. Der nächste Tag bringt wieder besseres Wetter und so machen wir mit Bärbel einen kleinen Ausflug. Es geht erst zur Monterosa Olivenölmühle, wo wir unsere Bordvorräte mal wieder aufstocken können. Im Anschluß geht es kurz nach Tavira bzw. zum Cais das Quatro Águas, wo Bärbel ein paar Flamingos zu sehen bekommt. Dann geht es auch schon wieder zurück nach Vilamoura. Bärbel hält Siesta im Hotel, während Axel an Bord unsere Kombüse mal wieder in einen Gourmettempel verwandelt. Er kocht leckere Bouillabaisse, die wir am Abend gemeinsam mit Bärbel, Stephan und Siggi im Cockpit genießen.

Auch der Freitag beginnt sonnig und angenehm. Stephan und Siggi verlassen uns heute leider wieder in Richtung Deutschland, aber mit Bärbel können wir zum nächsten Ausflug starten. Da der Wetterbericht Regen verspricht, geht es nur kurz ums Eck nach Vale do Lobo und zum Praia Garrâo. Ich starte mal wieder – erfolglos – die Suche nach den Chamäleons und wir wandern auf den Holzbohlenwegen durch die Dünen. Das Wetter hält und wir kehren zum Mittag bei der Strandbar Eduardo‘s Paradise ein. Es gibt leckeren Salat und einen schönen Ausblick aufs Meer. Erst als wir wieder an Bord zurück sind, fängt es leicht an zu nieseln. Bei 22°C durchaus erträglich und erfrischen. Den Abend verbringen wir gemeinsam an Bord im Cockpit. Dank Wintergarten ja zum Glück regendicht und gemütlich.

Nachdem es in der Nacht noch ein wenig geregnet hat, zeigt sich der nächste Morgen wieder sonnig. Allerdings mit 15°C durchaus frisch. Egal, die Sonne wärmt schnell alles auf und wir starten nach einem leckeren Frühstück zum nächsten Ausflug. Heute geht es nach Lagos. Ein absoluter Pflichtpunkt für jeden Algarve-Urlauber. Wir laufen erst die Felsen an der Ponta de Piedade entlang und sind wie immer begeistert von den Felsen und den Farben des Meeres. Dann geht es in die Altstadt von Lagos, wo ich eine weitere Keramikreibe erstehe. Bereits Anfang des Jahres habe ich eine mittlere Reibenschale erstanden. Diese wird nun um eine Reibenschüssel ergänzt. So können wir demnächst größere Portionen darin zubereiten. Nachdem wir durch die Gassen gebummelt sind, landen wir in der Markthalle und folgen dem Schild zum Restaurant auf dem Dach. Wir werden superfreundlich auf Deutsch begrüßt und kehren zum Mittagessen ein. Große Portionen und alles superlecker! Und der Ausblick vom Dach ist auch nicht zu verachten. Bis ganz nach Alvor und Portimão kann man blicken. Nachdem wir bereits mit dem Essen fertig sind, höre ich vom Nachbartisch ein Gespräch über Reparaturarbeiten am Boot. Da ich gerade gestern eine Nachricht von einer TO-Yacht mit Schäden in Lagos gelesen habe, frage ich einfach mal frech nach und siehe da, es sind tatsächlich Frank und Michelle mit Bordhund Loui von der Bossa Nova 1. Wir sind schnell in ein angeregtes Gespräch verwickelt und sitzen ein paar Minuten zusammen, bevor wir uns schließlich wieder auf den Heimweg begeben. Da die Beiden wohl nun den Winter für Reparaturarbeiten an der Algarve verbringen müssen, hoffen wir, dass wir uns noch einmal wiedertreffen können. Den Abend verbringen wir erneut im Cockpit und lesen bzw. ich schreibe ein wenig an diesem Blog.

Es ist erstaunlich, aber wir finden immer noch wieder Fleckchen an der Algarve, die wir noch nicht kennen. Heute fahren wir mit Bärbel zur Lagoa dos Salgados. Die Lagune, die von zahlreichen Vögel. als Brut- und Rastplatz genutzt wird, ist nur durch eine schmalen Sanddüne vom Meer getrennt. Wir parken am Praia Grande und laufen den Holzbohlenweg nach Osten bis zum Praia Salgados. Dort genießen wir bei einen Kaltgetränk an der Beachbar den Ausblick auf den superlangen Sandstrand und schauen einem einzelnen Surfer beim Wellenreiten zu. Nach dem Ausflug in die Natur, folgt ein nächster Stop in Albufeira. Hier sind wir bereits an der Marina gewesen und haben auch einige der Außenbezirke per Auto oder Fahrrad bereits kennengelernt und fanden Albufeira bisher ehrlich gesagt nicht sehr attraktiv. Aber, in der angeblich sehr schönen Altstadt sind wir bisher noch nicht gewesen und wollen dies heute nachholen, um ein Gesamtbild von Albufeira zu bekommen. Von der Lagoa dos Salgados ist es nicht weit und wir bekommen direkt an der Fußgängerzone der Altstadt einen Parkplatz. Über geplasterte Straßen geht es bergab in Richtung Meer. In der Tat gibt es hier schöne Häuser, nette Gassen und schattige Plätze. Allerdings wird in fast jedem Laden billiger Touristen-Schnickschnack angeboten, den eigentlich kein Mensch braucht. Dadurch wirkt der Ort eher rummelig und weiterhin für uns unattraktiv. Wir gehen durch einen kleinen Tunnel bis zum Strand und kehren dann recht schnell zu unserem Auto zurück. Einziges Highlight war für uns das sehr gute und relativ günstige Eis bei Sailor am Largo Engenheiro Duarte Pacheco. Auf dem Rückweg nach Vilamoura legen wir einen Stopp zum Mittagessen in Casa do Frango ein und Bärbel bekommt die typisch portugiesische Spezialität Frango Piri-Piri präsentiert. Schön kross und scharf gewürztes Hähnchen mit einem kühlen Bier dazu. Der weitere Tag verläuft ruhig an Bord und ohne weitere Programmpunkte.

Letzter Tag für Bärbel und das Wetter hält. Bei leichter Bewölkung starten wir zu einer weiteren Ausflugsrunde. Zunächst geht es ein kurzes Stück nach Loulé. Während bei unserem letzten Besuch an einem Markttag die Stadt vor Leben und Trubel überschäumte, ist es heute wie ausgestorben in den Gassen. So bekommt man zwar alle Gebäude fast ohne fremde Personen aufs Foto, aber mit Menschen hat es uns doch besser gefallen. Und obwohl die Markthalle eigentlich geöffnet ist, findet sich kaum ein Händler an den Ständen. Wie schade, denn eigentlich wollten wir frische Garnelen zum abendlichen Grillen hier kaufen. Unverrichteter Dinge geht es weiter nach Olhâo. Hier wird uns die Markthalle vor der Nase zugeschlossen und wir bekommen wieder keine Garnelen. Also planen wir fix um und fahren weiter nach Fuseta. Statt gegrillte Garnelen am Abend, geht es dort zum späten Mittagessen in die Strandbar. Die Sonne scheint dabei mit voller Kraft vom Himmel und wir genießen den Ausblick auf die Ria Formosa. Erst am Nachmittag trudeln wir wieder in Vilamoura ein und liefern Bärbel erst einmal zum Kofferpacken wieder im Hotel ab. Abends gibt es dann noch ein wenig Baguette mit Käse bei einem Glas Wein in Cockpit und schon geht ein weiterer schöner Tag an der Algarve zu Ende.

Ja, und dann ist die Zeit mit Bärbel leider auch schon wieder vorbei. Das Wetter hat gut mitgespielt und wir konnten ihr viel von der schönen Algarve zeigen. Der Flieger bringt sie nun wieder zurück nach Deutschland. Hoffentlich mit etwas Sonne und schönen Erinnerungen im Gepäck!

Wir nutzen derweil unseren Mietwagen noch für ein paar Einkäufe und bereiten La Ola auf schlechteres Wetter vor. In den nächsten Tagen soll ein Tiefdruckgebiet durchziehen, welches an die Algarve nicht nur viel Wind und Regen, sondern auch hohe Wellen und Schwell aus Südwest bringen soll. Wir prüfen alle Festmacherleinen, nehmen die Fahrräder an Deck und decken sie mit Regenschutz ab, verstauen alles sicher unter Deck. Dabei nutzen wir die Gelegenheit und machen eine Inventur und Aufräumaktion unserer Leinenbackskiste. Alte Festmacherleinen werden entsorgt, Leinen mit Scheuerstellen versäubert, zu Lange Leinen eingekürzt und mit Ruckdämpfern versehen. Nun haben wir drei Sets mit je vier Festmacherleinen und sollten so für alle Anlegesituationen gewappnet sein. Abends geht es heute mal zu My Thai in der Marina. Wir bekommen nicht nur sehr leckeres Essen, sondern werden auch sehr freundlich, höflich und nett bedient.

Trotz vorhergesagtem Starkregen, verhält sich das Wetter am Mittwoch noch ruhig und trocken. Erst in der Nacht zu Donnerstag fängt es ordentlich an zu wehen und Sturmtief Claudia zeigt ihre Muskeln. Wir kontrolieren am nächsten Morgen die Boote unserer Freunde und können nur einen Riss in der Abdeckplane von Seren Wen feststellen. Ansonsten haben die Boote die stürmische Nacht mit 7 Windstärken gut überstanden. Kaum haben wir alles kontroliert, fängt es an zu schütten und wir verziehen uns in unseren Salon. Es prasselt und weht was das Zeug hält. Genau das richtige Wetter, um sich endlich mal Indoor-Aktivitäten zu widmen. Ich mache Inventur bei unseren Gastlandflaggen und arbeite an unserem nächstjährigen Törnplänen. Es wird recherchiert, Routen vermessen, Marinas gecheckt, Langfristwetter und -strömungen abgeglichen. Gar nicht so einfach, alle Informationen unter einen Hut zu bringen. Axel nutzt derweil das herbstliche Wetter und kocht endlich den lange von ihm ersehnten Grünkohl. Sehr lecker und genau das Richtige bei dem Sturm!

Der Regen prasselt auch am nächsten Tag munter weiter aufs Deck und der Wind heult in den Wanten. Während wir mit La Ola in der Marina Vilamoura sehr ruhig und sicher liegen, erreichen uns aus der Marina del Odiel, in der wir ursprünglich ja überwintern wollten, wahre Schreckensbilder. Dort haben sich nicht nur zahlreiche Boote und Yachten losgerissen und sind gesunken. Auch der Landsteg hat sich losgerissen und liegt auf dem Grund. Es gibt keine Verbindung mehr zum Land und damit auch keinen Strom oder Wasser mehr auf den Stegen. Die Bootsbewohner sind teilweise von der Polizei und der Seenotrettung nachts evakuiert worden. Bei zwei bis drei Meter hohen Wellen, haben sich die Steganlagen so dermaßen aufgeschaukelt, dass ihre Verbindungen gebrochen sind. Auf unseren ehemaligen Liegeplatz ist eine Amel Super Maramu getrieben, die sich von der anderen Seite der Marina losgerissen hat. Sie hat so große Schäden am Heck, dass sie zur Hälfte versunken ist. Was sind wir froh, dass wir im Sommer unserem Bauchgefühl gefolgt und nicht in Huelva geblieben sind!!! Wir drücken allen in der Marina del Odiel die Daumen, dass es bei „nur“ Sachschäden bleibt und der Sturm Claudia nicht noch mehr Schäden anrichtet. Wer Interesse hat, kann sich ja mal die erschreckenden Videos unserer ehemaligen Nachbarin Sam von Carlotta auf ihrem Facebook-Profil anschauen. Wir verbringen auch heute wieder den Großteil des Tages im gemütlichen Salon und nutzen eine kleine Regenpausen, um einen kleinen Spaziergang an den Strand zu machen. Der Atlantik zeigt sich ziemlich aufgewühlt und grau. Definitiv kein Segelwetter! Zurück an Bord bereiten wir uns gefüllte Paprikaschoten und verbringen den Abend mit einem guten Film vor dem Bord-TV.

Scheinbar hat Sturmtief Claudia noch einmal ordentlich Luft geholt! Während wir nach dem Frühstück im Salon sitzen und lesen, erreichen uns erste Nachrichten über einen Tornado, der über den Nachbarort Albufeira hinweg gezogen ist. Dabei hat er ein Hotel und einen Campingplatz erwischt und es gibt eine Tote und zahlreiche Verletzte. Der Campingplatz sieht aus wie ein Kriegsschauplatz. Überall Trümmer und umgeworfene Campingwagen. Weitere Tornados werden in Alte, Silves und Lagos gesichtet. Und am Nachmittag erwischt es auch uns. Während ich gerade bei Abwasch bin, fängt es plötzlich an zu heulen und zu kreischen. Der Blick nach draußen zeigt eine waagerecht fliegende Wasserwand, die durch die Marina zieht. Der Blick auf unseren Windmesser zeigt erst 40, dann 45, 50 und schließlich 64,8 kn Windgeschwindigkeit an. Zum Glück „nur“ Windstärke 12 und kein Tornado! Während wir noch kontrollieren, ob bei uns an Bord alles noch an Ort und Stelle ist und die Leinen halten, fängt es plötzlich tierisch laut an zu Flappen und zu Klappern. Fliegen unsere Solarpanel weg oder die Cockpitverkleiung?! Nein, zum Glück alles an Ort und Stelle und kaum in Bewegung. Unter der Cockpitverkleidung schießt lediglich ein Wasserschwall vom Regen hindurch ins Cockpit. Das Flappen kommt von Independence 2 von Wolfgang und Sylvia. Dort hat sich die Genua im oberen Drittel vom Vorstag gelöst und schlägt nun wilde im Wind. Die Beiden sind noch in Deutschland und nicht an Bord, also kümmern wir uns schnell darum, den Schaden einzugrenzen. Wir rufen im Marina-Office an und bitten um Unterstützung. Die kommt in Form eines Marineros auch recht schnell. Zum Glück hat der Wind inzwischen komplett nachgelassen und der Regen aufgehört. Es zeigt sich sogar ein wenig Sonne! Wir telefonieren mit Wolfgang, schildern die Lage, lassen uns erklären, wo die Sicherungen von seinen Winschen sind und kommen dank hinterlassenem Schlüssel schnell an alles ran. Wenig später ist die Genua ausgerollt und sauber wieder eingerollt. Soweit wir sehen können, hat sie das Ganze ohne Schaden überstanden. Wir kontrollieren auch noch Seren Wen und Playmobil, richten auf anderen Booten Fender und aufgeklappte Backskiste, können zum Glück aber keine weiteren Schäden an den Booten an unserem Steg feststellen. An einem anderen Steg hat es bei einer Segelyacht ebenfalls die Genua aufgerollt. Dort war allerdings keiner so schnell zur Hilfe, denn das Segel hängt nun in Fetzen am Vorstag. Nachdem das schlechte Wetter wie weggeblasen ist, machen Axel und ich erneut einen kleinen Spaziergang durch die Marina. Abends gehen wir mal wieder zu unserem Lieblingschinesen TaiTai und werden wie Stammgäste begrüßt und zu „unserem“ Tisch geleitet. Den Rest des Abends verbringen wir dann wieder vor dem Fernseher und hoffen, dass das schlechte Wetter nun erst einmal vorbeigezogen ist. Sturm Claudia hat überall in Portugal und Spanien viele Schäden verursacht und wir haben Glück gehabt, dass bei uns alles heil geblieben ist.

Endlich weckt uns am Sonntag endlich mal wieder die Sonne. Auch wenn es immer noch windig ist, zeigt sich der Himmel heute nur leicht bewölkt und ansonsten in frisch gewaschenem Blau. Wir vertrödeln den Sonntag mehr oder minder unter Deck oder im Cockpit und machen am Nachmittag erneut einen kleinen Spaziergang um die Marina. Zahlreiche kleinere Bäume hat es umgeweht, aber größere Schäden sehen wir auf unserer Runde nicht. Abends bereiten wir uns heute mal ein richtiges Sonntagsessen. Es gibt eine ganze Ente mit Rosenkohl und Kartoffelgratin mit Steinpilzen. Allerdings müssen wir zugeben, dass die Zubereitung in großen Teilen von Lidl vorgenommen wurde und wir eigentlich nur alles aufwärmen und fertigbacken müssen. Geschmeckt hat es auf jeden Fall trotzdem. Bei wieder einsetzendem Regen gibt es im Anschluss den sonntäglichen Tatort zu sehen.

Die neue Woche starten mit wieder ruhigerem Wetter und einem neuen Mietwagen für uns. Wir haben über Tipps von Matthias und Corinne herausgefunden, dass es deutlich günstiger ist, einen Mietwagen für ein bis zwei Wochen zu nehmen und dann den nächsten zu leihen, anstatt vier Wochen durchzubuchen. So ist das Auto dann auch immer frisch gewaschen und sauber. Außerdem haben wir diesmal für den gleichen Preis ein Auto mit Zusatzfahrer buchen können. So muss nicht immer nur Axel fahren und ich kann auch mal alleine mit dem Auto los. Wie üblich holen wir den Leihwagen bei Europcar in Vilamoura ab und bekommen erst einmal einen MG SUV ausgehändigt. Weiter geht es zu Lidl nach Bouliqueime und zum Marina-Office, um ein paar Pakete abzuholen. Auf der Fahrt sehen wir dann, dass Sturmtief Claudia doch reichlich Schaden verursacht hat. Zahlreiche große Bäume liegen umgeknickt oder entwurzelt an den Straßen. Ein großer Baum liegt auf dem Dach von Burger King. Schilder und Bauzäune hat es ebenfalls an vielen Stellen umgeweht. Überall sind Arbeiter unterwegs und sägen Äste und kehren Blätter weg. An anderen Stellen ist wiederum nichts passiert. Scheinbar hat sich der Wind in einer Schneise durch die Marina und weiter in Richtung Land bewegt. Vielleicht also doch ein Mini-Tornado? Da unser Leihwagen ziemlich nach Zigarettenrauch riecht, tauschen wir das Fahrzeug noch einmal ohne Probleme um und fahren mit einem Skoda zurück in die Marina. Während Axel an weiteren Bootsprojekten bastelt, plane ich ein paar Ausflüge für die nächsten Tage. Das Wetter soll nun wieder etwas beständiger, sonniger und trocken bleiben und es gibt noch so viel zu entdecken.

Am nächsten Tag geht es nach Lagos, wo wir bei den örtlichen Schiffsausrüstern einkaufen gehen. Axel hat noch ein paar Umbauideen für den Wassermacher und findet bei Sopromar alle gewünschten Teile dafür. Auf dem Rückweg geht es noch schnell zum deutschen Metzger in Porches, wo wir feine Rouladen, leckeren Fleischsalat und ein Dutzend Pfefferbeißer erstehen. Zurück in Vilamoura macht sich Axel mal wieder an ein 3D-Druckprojekt, während ich versuchen via App ein wenig Portugiesisch zu lernen. Gar nicht so einfach, denn das geschriebene Wort entspricht nicht dem gesprochenen und die Betonung ist gänzlich anders als beispielsweise ähnliche Wörter in Spanisch. Aber, wenn man in einem fremden Land für längere Zeit ist, sollte man zu mindestens versuchen die Sprache zu lernen. Also ran an die Arbeit!

Am nächsten Tag bastelt Axel an seinem Wassermacherprojekt weiter. Ich arbeite an unserem Stauplan. Heute sind die Staukisten unter unserem Salonsofa dran. Ich organisiere ein wenig um und packe Sachen, die sehr selten benötigt werden von vorne nach hinten. Erstaunlich, wie viel sich hier unterbringen lässt. Am Ende sind alle Dinge sortiert und in einer Stauliste erfasst. Und erstaunlicherweise ist der Tag damit auch schon wieder vorbei. Bleibt noch einen Burger zu Grillen und zu Essen, bevor wir im geheizten Salon mal wieder ein wenig TV schauen. Draußen ist es mit 12° C empfindlich kalt geworden. Schuld ist der Nordwind, der im Norden von Portugal sogar für den ersten Schnee gesorgt hat. So frisch soll es noch ein paar Tage bleiben, dann wird es hoffentlich wieder wärmer.

Nach dem arbeitsreichen gestrigen Tag, geht es heute mal wieder auf einen Ausflug. Wir fahren auf der Autobahn nach Osten bis Tavira und biegen dann nach Norden ins Landesinnere ab. Über kurvige Straßen geht es in die Berge hinauf und durch eine tolle Landschaft. Teils mit Fernblick auf das gleißende Meer, teils mit Weitblick auf die weitläufigen Hügel, teils mit Aussicht auf glasklare Flüßchen. Schließlich erreichen wir Alcoutim am Guadiana, dem Grenzfluß zu Spanien. In Alcoutim bin ich bereits im Januar mit unseren Freunden Anke und Carsten gewesen, während Axel damals an Bord blieb. Heute ist das Wetter deutlich besser, als damals und Alcoutim und sein spanisches Nachbardorf Sanlúcar de Guadiana zeigen sich freundlich-fotogen in strahlendem Weiß gegen einen klaren, blauen Himmel. Wir laufen einmal durchs Örtchen und vertreten uns die Füße. Dann geht es weiter den Guadiana flußabwärts. In Laranjeiras stoppen wir kurz und blicken auf die Reste einer römischen Villa. Auch damals wußte man wohl bereits den schönen Blick auf den Fluß zu genießen. Weiter geht es nach Castro Marim, einem historischen Städtchen, dass sich noch viel ursprünglichen Charme erhalten hat. Wir parken etwas außerhalb und laufen erst einmal zur kleinen Festungsanlage Revelim de Castro Marim. Dort sind wir die einzigen Besucher und können ungestört durch die schöne Anlage laufen. Es gibt eine traditionelle Windmühle, die uns als ehemaligen Mühlenbesitzern natürlich besonders gut gefällt. Von der Kapelle Ermida de San António hat man einen wunderbaren Rundumblick auf die Salinen, die Pinienwälder bei Vila Real de San Antonio, die Brücke über den Guadiana und das Städtchen Ayamonte. Der frische Wind treibt uns schließlich weiter und wir machen uns nach einem kurzen Stop an der Flußmündung des Guadiana auf den Rückweg nach Vilamoura. Dort gibt es zum Abschluß des schönen Tages noch leckere Riesengarnelen. Dabei läuft die Heizung im Cockpit, denn draußen ist es immer noch ungemütlich frisch.

Am nächsten Tag heißt es wieder arbeiten an Bord. Wäsche waschen, Wassermacherprojekt und Müsliherstellung. Nachdem es irgendwie nicht das wirklich leckere Müsli für uns in Portugal gibt, haben wir uns entschieden mal selber einen Versuch zu wagen. Wir quetschen Hafer- und Dinkelkörner in unserem Flocker, hacken Nüsse und mischen alles mit Agavendicksaft, Ahornsirup und Kokosöl. Dann geht die Mischung in den Airfryer und wenig später haben wir tatsächlich superleckeres Granola-Müsli. Außerdem besuchen wir das Quinta Shopping Center und schauen uns dort einmal um. Mit dem Fahrrad sind wir schon ein paar Mal daran vorbeigefahren, aber haben noch nie einen Blick riskiert. Die kleine Mall ist sehr nett gestaltet und es gibt einige nette kleine Boutiquen und Luxusshops. Der Pingo Doce Supermarkt, den wir eigentlich ansteuern wollten, hat leider aktuell geschlossen und wird anscheinend renoviert. Also noch schnell zu Lidl und die Zutaten für leckeren Honiglachs mit Spitzkohlpfanne gekauft. Kulinarisch mal wieder ein sehr guter Tag!

Endlich Wochenende! Während es in unserer alten Heimat die ersten Schneeflocken gegeben hat, scheint hier weiterhin die Sonne. Was sind wir froh, wenn wir den Buten un Binnen Wetterbericht auf Radio Bremen TV sehen, dass wir hier in Portugal sitzen. Auch wenn es auch hier wie gesagt im Moment recht frisch ist. Aber wir erreichen tagsüber immer noch Temperaturen, bei denen man mit kurzer Hose und T-Shirt rumlaufen kann. Zu unserer großen Freude kommen heute Sylvia und Wolfgang wieder an Bord ihrer Independence und wir werden zur Belohnung für unsere Genua-Hilfaktion superlieb zum Essen eingeladen. Natürlich helfen wir auch so gerne, aber die kleine Geste hat uns sehr gefreut! Ansonsten verläuft der Tag ruhig mit Aufräumen, Basteln und Lernen.

Am Sonntag geht es für uns nach langer, langer Zeit endlich mal wieder zum Golfen. Bei einem unserer Ausflüge mit Bärbel, haben wir den Golfplatz von Salgados entdeckt. Da inzwischen die Preise in der Nebensaison wieder deutlich erträglicher geworden sind und wir zudem mit Golfamore nur die Hälfte bezahlen, haben wir uns kurzentschlossen eine Startzeit gebucht. Der Platz westlich von Guia und Albufeira liegt direkt an der Lagune und ist von Teichen und Bachläufen durchzogen und mit zahllosen Palmen bestanden. Wir starten die Runde noch etwas ungeübt, finden aber schnell wieder zu unserem Spiel zurück. Eigentlich erstaunlich, nach so langer Zeit. Leider laufen wir als 2er-Flight recht schnell auf unsere vier Vorspieler auf und müssen an jedem Loch warten. Nicht schlimm, denn die Sonne scheint herrlich und die Nähe zur Lagune zieht zahlreiche Vögel auch auf dem Platz an. Es gibt Reiher, Bläßhühner, Sichler, Wellenastrilde und noch zahlreiche andere Vogelarten zu sehen, die wir leider nicht mal eben identifizieren können. Als wir am Rande der Lagune ankommen, stellen wir erstaunt fest, dass im Vergleich zu unserem letzten Besuch keinerlei Wasser in der Lagune steht. Ups, wie konnte das passieren? Die Vermutung, dass die Barre, die vor zwei Wochen noch am Strand hoch und trocken lag, bei dem stürmischen Wetter der letzten Tage, gebrochen ist, bestätigt sich nach unserer Golfrunde. Ein großes Loch und eine offene Verbindung zum Atlantik ist am Praia Salgados zu sehen. Ob dies nun gut oder schlecht für die Natur ist, wissen wir nicht. Die Menge an Sand, die das Wasser weggespült hat, ist aber in jedem Fall beeindruckend. Zurück an Bord gibt es einen leckeren Brokkoli-Salat, bevor wir uns dem sonntäglichen Pflichtprogramm widmen und den neuen Tatort aus Stuttgart gucken.

Nach dem Wochenende wird wieder ein wenig an Bord gebastelt, gelernt und geplant. Für unsere neuen Sonnenabdeckungen für die Salonfenster werden Schablonen gefertigt und wir sind gespannt, wie das Ergebnis am Ende aussieht. Außerdem ergänzen wir unsere Segelgarderobe um einen schönen Parasailor, den wir über Kontakt von Matthias und Corinne von der Seren Wen gebraucht erstehen können. Nun sind wir wirklich konplett für jede Windrichtung perfekt ausgestattet!

Bevor wir den Leihwagen wieder abgeben müssen, geht es noch einmal auf einen Ausflug. Wir fahren über Land nach Silves und besichtigen dort die beeindruckende Festungsanlage. Das Castelo de Silves ist strategisch gut auf einem Berg gelegen und von seinen Festungsmauern überblickt man das gesamte Umland. Das Castelo ist die größte Burganlage an der Algarve und wurde im Mittelalter von den Mauren auf einer ehemaligen römischen Festungsanlage aus dem 4. oder 5. Jahrhundert errichtet. Es besteht aus einer Festungsmauer mit 11 Türmen, die eine Fläche von ca. 11.000 qm umfasst. Innerhalb der Mauern befinden sich archäologische Ausgrabungen und moderne Anlagen aus dem 20. Jahrhundert. Wir wandern einmal die gesamte Festungsmauer entlang und wundern uns, dass diese größtenteils keinerlei Geländer aufweist. Wer stolpert, fällt im Zweifelsfall ungebremst ein paar Meter nach unten. So sieht man die meisten Besucher sehr dicht an der Mauer entlang schleichen, was aber auch so zu empfehlen wäre, denn der Blick auf das Umland ist einfach wunderbar. Nachdem wir die Festung ausreichend erkundet haben, geht es zu einem kleinen Mittagssnack ins Café Ingles, ein paar Treppen unterhalb des Castelos. Wir genießen bei herrlichem Sonnenschein leckeren Salat und genießen den Tag. Gut gesättig geht es weiter durch Silves und an zahlreichen Streetart-Gemälden vorbei. schließlich machen wir uns auf den Rückweg und sitzen am Abend nett mit Guido von der Playmobil, der seit dem Wochenende auch wieder an Bord ist, zusammen.

Immer wieder erstaunlich, wie die Zeit rast! Nun sind wir schon wieder zwei Monate in Vilamoura und haben bereits viel erledigt und viel gesehen. Auch hier im Süden stellt man sich nun auf die Weihnachtszeit ein und seit einigen Tagen wird die Weihnachtsbeleuchtung überall in den Straßen angebracht. Erstaunlicherweise nicht die gleiche, wie im letzten Jahr, sondern andere Leuchtobjekte, die vermutlich am 28. November schließlich angeschaltet werden. In den nächsten Tagen wollen wir unbedingt mal einen Rundgang durch Vilamoura machen und uns die Beleuchtung abends anschauen. Bis dahin wünschen wir Euch einen schönen 1. Advent und hoffen, dass Ihr die Vorweihnachtszeit besinnlich genießt!