Blauwassertour 2008 – Teil 21

Einundzwanzigster Teil unserer Reise von Ecuador zurück nach Panama vom 18. November bis 15. Dezember 2008.

Dienstag, 18. November 2008: Isla de la Plata – auf See 85,5 sm

Heute verläuft die Nacht nicht ganz so ruhig wie üblich. An den Mooringbojen um uns herum haben ein duzend Fischerboote festgemacht und lärmen ziemlich herum. Mitten in der Nacht brechen sie schließlich lauthals zur Fangfahrt auf. Wir schlafen bis 8 Uhr aus und frühstücken erstmal im Cockpit. Anschließend klaren das Schiff auf und fahren gegen 10.30 Uhr an Land hinüber. Wir füllen noch einmal den Wasserkanister und die Solardusche, damit wir möglichst viel Ersatzwasser an Bord haben. Zurück an Bord holt Axel dann erst einmal den Heckanker ein. Ein ganz schönes Stück Arbeit! Dann wird noch ein letztes Bad genommen, bevor um 11.45 Uhr der Hauptanker gehievt wird. Wenige Minuten später setzen wir nach langer Zeit mal wieder die Segel und fahren mit 010° in Richtung Panama. Der Wind weht mäßig bis kräftig und wir kommen gut voran. Natürlich können wir auch heute wieder einige Fischer beobachten. Sie sind leicht an der riesigen Wolke von Seevögeln über ihnen auszumachen. Wir schreiben unterwegs ein paar Emails an Houston und Gail von „Blew Moon“. Die Beiden ankern derzeit vor Cabo Passado und wollen ebenfalls in Richtung Panama. Allerdings leider etwas langsamer als wir. Gerne hätten wir wie auf dem Hinweg wieder eine andere Yacht in unserer Nähe gewusst. Außerdem fragen wir bei der Flamenco Marina in Panama City an, ob sie unser Schiff eventuell aus dem Wasser nehmen könnten. Während unserer Zeit in Bahia de Caraquez hat die Leine der Mooringboje leider einen erheblichen Teil unseres Antifoulings im vorderen Rumpfbereich abgeschrubbt. Außerdem sieht unser Ruder durch das Verfangen in der Mooringboje am Anfang unseres Aufenthalts in Bahia nicht mehr wirklich gut aus. Ein oder zwei Tage aus dem Wasser und die Stellen schnell nach streichen, wäre also nicht die schlechtestes Idee. Zum Mittag bereite ich uns zur Stärkung ein wenig Gulasch mit Nudeln aus der Tiefkühlbox. Der Tag verläuft ansonsten recht ereignislos und wir sind gegen Abend auf Höhe Bahia de Caraquez. Mit einsetzender Dunkelheit tauchen dann zahlreiche kleine Lichter um uns herum auf. Dabei handelt es sich wohl um die kleinen Fischerpangas, die wir ja auf der Isla de la Plata schon so zahlreich bewundern konnten. Zum Glück scheinen sie ausreichend beleuchtet zu sein und wir machen jeweils einen großen Bogen um sie herum. Damit wir sie besser sehen können, bergen wir sogar noch die Genua. Gegen 21.10 Uhr passiert dann, was wir bisher durch glückliche Umstände bisher vermeiden konnten. Wir fangen uns ein Netz bzw. eine Langleine ein. Der Speed vom Boot geht um einen Knoten runter und wir sehen einen Plastikkanister an unserem Heck treiben. Axel klettert mutig auf unsere Badeplattform und kann die Leine nach kurzer Zeit wieder abschneiden. Wir hoffen natürlich, dass wir das Problem damit los sind. Hoffentlich hat sich nichts um unseren Propeller gewickelt. Das Ruder scheint jedenfalls freigängig zu sein. Immer mehr Lichtlein tauchen um uns herum auf und wir fragen uns nervös, wann wir uns das nächste Netz einfangen. Doch für den Rest der Nacht scheinen wir Glück zu haben. Um 23.22 Uhr überqueren wir zum zweiten Mal mit unserem Schiff den Äquator. Diesmal allerdings in Süd-Nord-Richtung. Während Axel seine Wache im Cockpit aussitzt, kann er dann erstaunlicherweise auch noch mit der Stadt Bremen einen Funkkontakt herstellen. Na ja, natürlich nicht mit der Hansestadt im hohen Norden Deutschlands, sondern mit dem Frachter „Stadt Bremen“. Axel unterhält sich nett eine Weile mit dem Wachhabenden und erfährt dass das Schiff hier regelmäßig an der Küste hin und her fährt.

Scheint ein guter Fang zu sein

Mittwoch, 19. November 2008: auf See 160,0 sm

Ich übernehme wie gewohnt um Mitternacht die Wache. Es bleibt relativ ruhig und wir bekommen keine Fischer mehr zu sehen. Was allerdings nicht heißen muss, dass nicht noch welche da sind. Bei 1-2 m Welle sieht man die flachen Boote einfach erst sehr spät. Um 3 Uhr übergebe ich wieder an Axel und auch während seiner Wache passiert nichts weiter. Um 6 Uhr bin ich wieder dran und koche erst einmal einen Kaffee. Axel verschwindet noch ein wenig in die Salonkoje, bevor er gegen 9 Uhr wieder aufsteht. Während ich vom Cockpit aus eine Gruppe Delfine beobachten kann, nimmt er an der Pan Pacific Funkrunde teil und gibt unsere Position durch. So weiß jeder unserer Freunde aus Bahia de Caraquez, wo wir uns gerade befinden. Anschließend gibt es ein leckeres Frühstück bestehend aus Spiegelei mit Speck im Cockpit. Ich verschwinde ziemlich müde unter Deck, weil ich wie so häufig in der ersten Nacht auf See bisher keinen Schlaf gefunden habe. Aber auch jetzt kann ich nicht einschlafen. Schöner Mist, wenn man zum Schlafen zu müde ist. Nachmittags passieren wir weitere Fischerboote und leider auch weitere Leinen. Viermal können wir Plastikkanister und Leinen an unserem Heck heraushängen sehen und viermal haben wir Glück das sie sich von alleine wieder lösen. Vielleicht ist Hello World heute einfach zu schnell, als dass sich die Leinen verklemmen könnten. Wir sausen schließlich bei achterlichen Winden mit 7,5 – 8,5 kn durch den Pazifik. Auf jeden Fall sind wir froh, dass sich die Leinen von alleine wieder lösen und sind nur ein wenig traurig, dass wir den hart arbeitenden Fischern nun noch mehr Arbeit bereitet haben. Der weitere Nachmittag verläuft recht ereignislos, außer das wir von einem Militärhubschrauber zweimal umkreist werden. Was die wohl von uns wollen? Vielleicht gehören sie ja zu dem Drogenüberwachungskommando von Kolumbien und halten Ausschau nach schnellen Drogenkurierbooten. Wir scheinen jedenfalls keinen weiteren Verdacht zu erregen und der Hubschrauber fliegt wieder davon während wir weiterhin in Richtung Panama sausen. Nachdem wir den Nachmittag über nur einen Fischer gesehen haben, tauchen mit Einbruch der Dunkelheit wieder erschreckend viele Lichter auf. Ganz schön hart, wenn man bedenkt, dass die Boote hier etwa 150 sm vom nächsten Land entfernt sind. Wir versuchen wieder alle Lichter zu umfahren und haben scheinbar auch Glück damit. Keine Leine bleibt an uns hängen, oder zu mindestens bemerken wir davon nichts. Zum Abendessen gibt es die Reste vom gestrigen Gulasch. Während es Axel sich schmecken lässt, bin ich irgendwie auch zum Essen zu müde. Bereits um 19 Uhr liege ich daher in der Salonkoje und versuche ein wenig Schlaf zu bekommen. Doch auch heute gelingt mir das leider wieder nicht. Ich liege wach in der Koje und versuche Schäfchen zu zählen, alle Gedanken auszublenden, ein langweiliges Buch zu lesen und so weiter und so fort. Alles hilft nichts, ich schlafe einfach nicht ein.

Donnerstag, 20. November 2008: auf See 155,4 sm

Völlig übermüdet steige ich um Mitternacht aus meiner Koje, um meine Wache anzutreten. Doch zum Glück hat Axel schnell ein Einsehen und meint, dass ich so müde wie ich bin lieber keine Wache gehen soll. Wenn ich dann doch endlich einschlafen würde, könnte ich sonst schnell einen der Fischer übersehen. So übernimmt der Gute meine Wache und ich kehre in die Salonkoje zurück. Auch wenn ich immer noch nicht einschlafen kann. So schaue ich denn ab und zu bei ihm im Cockpit vorbei und bringe ihm Getränke, Käsehäppchen und leiste ihm ein wenig Gesellschaft. Gegen 4 Uhr früh fängt es dann zu allem Überfluss auch noch an zu regnen. Das hat uns ja gerade noch gefehlt. Dafür gelingt es mir gegen 5 Uhr endlich ein wenig einzuschlafen. Zwar bin ich bereits um 6 Uhr wieder wach, doch die Stunde hat schon mal viel geholfen. So kann Axel sich schließlich auch endlich hinlegen und ich einen Rest Wachdienst antreten. Um 9 Uhr nehmen wir auch heute wieder am Pan Pacific Netz teil. Allerdings ist der Empfang heute ziemlich schlecht, so dass wir uns nach unserer Positionsmeldung gleich wieder ausklinken. Was den Vormittag hindurch als leichter Nieselregen fällt, verwandelt sich zur Mittagszeit in einen ausgewachsenen Starkregen. Die Sicht sinkt rapide auf vielleicht 50 m und der Wind dreht völlig. Also nehmen wir die Genua weg und schalten dafür den Motor ein. Angestrengt schauen wir in das graue Nichts hinein, um nur ja keine Boote zu übersehen. Eine halbe Stunde später ist der Spuk vorbei und wir können wieder Segel setzen. Allerdings hat sich der Wind dermaßen abgeschwächt, dass wir nun nur noch mit 5,5 kn voran kommen. Schade, so verschiebt sich unsere Ankunftszeit von Freitagnachmittag leider auf Samstagmittag. Eine Nacht mehr auf See also. Den Tag verbringen wir ansonsten mit abwechselndem Ruhen im Salon. Einer von uns ist immer im Cockpit und beobachtet die Umgebung nach Fischerbooten. Zum Abendessen gibt es heute mal eine Portion der leckeren Kohlrouladen, die Axel vor ein paar Tagen angefertigt hatte. Mmmhh, das weckt die Lebensgeister! Ich bekomme ab 19 Uhr wieder Bettruhe verordnet, damit ich hoffentlich heute zum Wachwechsel munter bin. Axel harrt dagegen im Cockpit aus und hört „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ als Hörbuch. Außer einem Regenschauer nach dem anderen passiert während seiner Wache erfreulicherweise heute mal nichts. Nur einmal bekommen wir ein Blinklicht zu sehen. Wir vermuten, dass es sich auch dabei wieder um eine Langleine oder ein Netz handelt und fahren wie üblich einen großen Bogen darum herum. Man fragt sich aber doch, ob es sich dabei nicht irgendwann auch mal um eine Rettungsinsel handeln könnte. Der Hubschrauber, den wir gestern gesehen haben, könnte ja auch auf der Suche nach Schiffbrüchigen gewesen sein. Wir würden jedenfalls mit gehörigem Abstand daran vorbei segeln und wären für die Insassen als leise dahin segelndes Schiff wohl auch kaum wahrnehmbar. Es sei denn sie steckten just ihren Kopf aus der Insel heraus und würden unser Licht sehen. Ein irgendwie erschreckender Gedanke!

Regen! Muss das den wirklich sein?

Freitag, 21. November 2008: auf See 150,2 sm

Pünktlich um Mitternacht werde ich von Axel geweckt. Ja richtig, geweckt! Ich habe endlich mal gut geschlafen und bin fit für meine Wache. So legt sich Axel denn zum Schlafen im Salon nieder, während ich es mir im Cockpit bequem mache. Da der Wind weiterhin schwächelt, dümpelt Hello World mit ruhigen 5 kn durchs Wasser. Der Regen hat freundlicherweise zunächst aufgehört, kehrt jedoch um kurz vor 3 Uhr nachts zurück. Mit sich bringt er auch mal wieder einen Winddreher, so dass wir nicht mehr auf unseren Zielwegpunkt zuhalten können. Da wir bei zwei Windstärken auch nicht anfangen wollen zu Kreuzen, bergen wir schließlich die Genua und fahren unter Motor weiter. Das Großsegel bleibt dabei als Stütze stehen, denn die weiterhin stehende Dünung schaukelt uns ziemlich wilde durch die Gegend. Ich darf um 3 Uhr wieder in die Koje krabbeln und schlafe auch direkt tief und fest ein. Axel hat sogar richtig Mühe mich um 6 Uhr wieder wach zu bekommen. Vielleicht hat das Brummen des Motors ja diese einschläfernde Wirkung auf mich? Als die Sonne schließlich aufgeht, oder sollte ich besser sagen, die dunkle Nacht einem etwas lichteren Grau weicht, können wir ein riesiges Regengebiet vor uns erkennen. Da es sich am Wolkenrand durch eine Böenwalze zu erkennen gibt, bergen wir um kurz nach 9 Uhr schließlich auch das Großsegel. Die Maßnahme erweist sich zwar als überflüssig, denn der Wind frischt nur auf 5 Windstärken auf. Doch da er nun direkt aus Norden und damit direkt von vorne kommt, hätte uns das Großsegel eh nicht mehr viel geholfen. Was wir außerdem im ersten Tageslicht wahrnehmen, ist dass wir mal wieder eine Fischerleine hinter uns herschleppen. Axel kann sie über die Badeplattform am Heck abschneiden und wir bergen sie an Bord. Dann war das Blinklicht gestern wohl tatsächlich das Ende einer Langleine und wir haben sie trotz ausreichendem Abstand mal wieder mitgenommen. Leider hängt kein Fisch dran, auch wenn wir hinter uns ein paar ziemlich schnelle Rückenflossen durch das Wasser schneiden sehen können. Am Pan Pacific Netz können wir heute leider nicht teilnehmen, vermutlich verursacht die Konvektionszone in der wir uns derzeit befinden zu viele Interferenzen. Wir verstehen jedenfalls nicht viel von den anderen Teilnehmern und schalten wieder aus. Während Axel sich schließlich zu einem Vormittagsschläfchen unter Deck begibt, beobachte ich die vielen Seevögel um uns herum, scheinbar machen sie Jagd auf die Fliegenden Fische, die vor unserem Schiff aus dem Wasser fliehen. Gerade sehe ich, wie einer der Vögel ins Wasser schnellt, um sich einen der Fische zu schnappen, als zu meinem großen Erstaunen ein großer Hai aus dem Wasser schnellt und in die Luft springt. Das es sich dabei um einen Hai und um keinen Delfin handelt, ist nicht zu verwechseln. Form und Sprungverhalten sind völlig anders und auch das typische Auftauchen und Luftholen der Delfine ist nicht zu beobachten. Ich bin ziemlich sicher, dass ich hier etwas sehr seltenes zu sehen bekommen habe und rufe natürlich direkt Axel an Deck herauf. Leider tut uns der Hai nicht den Gefallen noch ein zweites Mal zu springen und ich hatte natürlich in dem Moment auch mal wieder nicht meine Kamera im Anschlag. So ein Mist, aber ein toller Anblick war es auf jeden Fall. Erst um kurz nach ein Uhr mittags sind wir schließlich aus dem Gebiet einigermaßen hinaus und können das Groß wieder setzen. Der Wind bleibt zwar nach wie vor mit ein bis zwei Windstärken zu schwach zum Segeln, doch kommt er inzwischen wenigstens wieder aus Südwesten. Nachdem wir jedoch eine Stunde hoffnungsvoll ausgeharrt haben, nehmen wir das Groß schließlich doch wieder weg. Es bleibt einfach zu wenig Wind für uns und die Nerven schonen wir auch indem wir dem Schlagen des Segels gegen die Wanten nicht dauernd lauschen müssen. Stattdessen tauchen vor uns am Nachmittag doch tatsächlich ein paar Fischerfähnchen auf. Die kennen wir auch aus der Nord- und Ostsee, doch hier hängen nicht ein paar Netze auf Tiefe dran, sondern ziemlich miese, fiese Langleinen. Da wir derzeit unter Motor unterwegs sind, heißt es doppelt vorsichtig sein. Wer will sich schon eine Leine um den Propeller wickeln? Also gehe ich aufs Vordeck und halte angestrengt Ausschau, während Axel am Motorhebel parat steht. Schließlich sehe ich tatsächlich die Verbindungsleine zwischen den Fähnchen im Wasser schwimmen. Ich brülle Axel ein „Stopp den Motor zu“ und schon sind wir über der Leine. Natürlich geht unser Speed runter, da wir ja nicht mehr vorwärts fahren. Doch schnell können wir auch die Leine unter unserem Kiel ausmachen. Was nun? Während wir noch überlegen, wie wir jetzt aus der Leine wieder raus kommen, gibt es ein kurzes Plopp und Hello World hat sich selbst befreit. Leine und Fähnchen schwimmen unbeeindruckt achteraus und wir können wieder ohne Probleme weiterfahren. So zwanzig Tonnen Gewicht können doch ganz schön was bewegen. Der Rest des Tages verläuft angenehm entspannt, keine weiteren Fischer oder ihre Leinen sind zu sehen. Dummerweise nimmt jedoch auch der Wind nicht wieder zu und wir motoren durch den stillen Ozean. Zum Abendessen bereite ich uns heute leckere Soup de Mer (Reste von unserem Essen mit Dan und Lorraine von der „Zephyrus“). Während Axel es sich mit den 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär im Cockpit gemütlich macht, verschwinde ich schließlich mal wieder zu einem frühen Schlafversuch unter Deck. Das Motorbrummen wirkt einschläfernd und so dämmere ich schnell weg. Allerdings ist es kein entspannender Schlaf, denn ich wache diverse Male auf und bin aufgrund der Hitze vom Dieselmotor völlig verschwitzt und durstig. Axel hat es derweil mal wieder mit ein paar Fischern zu tun. Glücklicherweise fahren sie einen parallelen Kurs zu uns und kommen uns nicht weiter in die Quere. Dabei kann er außerdem einen spektakulären Sternenhimmel beobachten, der sich gegen Ende seiner Wache jedoch hinter dicken Wolken zu verbergen beginnt.

Wir haben uns mal wieder eine Langleine eingefangen

Samstag, 22. November 2008: Auf See – Isla del Rey 34,4 sm

Wie gewöhnlich löse ich Axel um Mitternacht ab. Während er eine recht entspannte Wache hatte, erwarten mich direkt ein paar dicke Regengebiete. Also ziehe ich mein Ölzeug an, welches sich bei den derzeitigen Temperaturen von etwa 28°C schnell in eine Saunahose und -jacke verwandelt. Auf dem Radar beobachte ich, wie Hello World sich langsam aber unerbittlich in die Mitte eines dicken Sqalls bewegt. Da wir keine Segel oben haben, stört es wenig, dass der Wind wie gewöhnlich dreht und heftiger wird. Was jedoch massiv stört, ist die Tatsache, dass ich einfach überhaupt nichts mehr sehen kann. Der Wind weht den Regen waagerecht ins Cockpit und ich kann keine 20 m weit gucken. Von unserer Dreifarblaterne am Masttopp bildet sich eine leuchtende Corona, welche vom Regen widergespiegelt wird. Mehr ist nicht zu sehen. Ach ja, ein paar Vögel scheinen unser Licht als einzigen Wegpunkt im Dunklen zu empfinden und folgen uns hartnäckig piepsend. Da mir das Ganze aufgrund der hier ja ebenfalls umherfahrenden Fischer schließlich zu unsicher wird, wecke ich gegen 1.40 Uhr Axel und bitten ihn mich im Cockpit zu unterstützen. Gerade rechtzeitig, denn der Regen dreht tatsächlich noch einmal mehr auf. Während Axel am Radarschirm versucht auch nur irgendetwas zu erkennen, bemühe ich mich zwischen Sprayhood und Bimini hindurch zu spähen und im Regen irgendetwas zu erkenne. Das Bemühen ist eigentlich nutzlos, denn viel zu sehen ist für uns Beide nicht. Wenn jetzt ein Fischer auf Rammkurs ankommt, dann haben wir wohl einfach Pech gehabt. Trotz aller Vorsicht bleibt halt einfach ein gewisses Restrisiko. Vorsichtshalber drosseln wir jedoch unsere Geschwindigkeit und fahren nur noch mit 2,5 bis 3 kn weiter. Nach einer Stunde lichtet sich der Regen ein wenig und wir können ein paar Meilen entfernt tatsächlich drei Fischerboote fahren sehen. Zum Glück sind sie auch diesmal wieder auf dem gleichen Kurs unterwegs und werden so zu keiner Gefahr. Bis kurz vor vier Uhr morgens bahnen wir uns so den Weg durch ein Regengebiet nach dem anderen. Schließlich kommt an Steuerbord der Mond hinter den Wolken hervor und wir können an Backbord die Isla del Rey ausmachen. Wir manövrieren uns mit Hilfe von ein paar Wegpunkten die wir aus dem Panama Cruising Guide entnommen haben in die Bucht von Punta Cocos hinein und lassen schließlich gegen 4.40 Uhr den Anker fallen. Was für eine Überfahrt! Wir nehmen noch schnell einen Ankommensdrink und fallen dann in unsere Kojen. Keine Minute dauert es und aus der Achterkoje von Hello World ist einvernehmliches Schnarchen zu hören. Erst gegen 9.30 Uhr erwachen wir aus unserem komaähnlichen Schlaf. Immer noch ziemlich geschafft, versuchen wir wieder einigermaßen wach zu werden. Axel bereitet Rührei zum Frühstück und so langsam kommen die Kräfte wieder. Wir legen alle Sachen zum Trocknen in die Sonne, denn irgendwie scheint gestern alles klatschenass geworden zu sein. Gegen Mittag fahren wir mit dem Dinghy an den Strand und laufen eine Stunde in Richtung dem kleinen Dorf La Esmeralda. Wir suchen mal wieder ein paar Muscheln zusammen und kehren schließlich zum Schiff zurück. Da wir für den morgigen Tag einen Ausflug den Rio Cacique hinauf geplant haben, verholen wir um 15 Uhr das Schiff an einen neuen Ankerplatz. Gerade einmal 3,4 sm sind zu bewältigen bis wir unseren Anker wieder fallen lassen können. Das Dinghy kommt erneut zum Einsatz und wir erkunden noch schnell unsere neue Umgebung. Dabei stoßen wir zum einen auf einen ziemlich von Treibgut verdreckten Strand, zum anderen aber auch auf einen herrlich frischen Wasserfall. Den nutzen wir und duschen erst einmal ausgiebig in dem frischen Wasser. Zurück an Bord werfen wir den Grill an und bereiten uns ein paar leckere und tatsächlich auch zarte Steak zu. Scheinbar scheint unser letzter Fileteinkauf in Manta deutlich besser gewesen zu sein. Dazu gibt es Maiskolben und Knoblauchbutter. Begleitet wird unser Abendessen von dem stetigen Platschen der Fische um uns herum. Teilweise brodelt das Wasser richtiggehend. Ein paar kleine Fische nutzen außerdem die Warmwasserdusche aus unserem Kühlschrankwasserauslass um mal wieder ordentlich durchzuwärmen. Gegen 19 Uhr verschwinden wir schließlich unter Deck und sitzen noch ein wenig an unseren Laptops. Ich schreibe mal wieder diese Zeilen, während Axel ein paar Emails an Freunde, Bekannte und vor allem die Händler von Raymarine und Konsorten in Panama verschickt. Gegen 21 Uhr verschwinden wir dann jedoch mal wieder endgültig in unseren Kojen.

Hello World vor Anker am Rio Cacique

Sonntag, 23. November 2008: Isla del Rey 0 sm

Nach einer ruhigen Nach bin ich bereits um sieben Uhr wach und setze mich an meinen Laptop. Nachdem ich gestern die Berichte stichpunktartig zusammen geschrieben habe, wollen sie heute in Reinform gebracht werden. Axel schläft selig weiter und wacht er gegen 8 Uhr auf, laut nach Pfannkuchen zum Frühstück verlangend. Dieser Wunsch wird ihm natürlich prompt erfüllt und so sitzen wir wenig später gemütlich mit Apfelpfannkuchen im Cockpit. Während Axel mal wieder am Pan Pacific Netz teilnimmt, kommen ein paar Inselbewohner mit ihrem Panga vorbei gefahren und landen am Strand vor uns an. Wenig später kommt noch ein anderer Inselbewohner in seinem Kanu vorbei gepaddelt. Er stellt sich als Martin vor und fragt uns, ob wir Fisch, Papayas, Bananen oder Kokosnüsse haben wollen. Wir willigen bei Bananen und Kokosnüssen ein und er verspricht später wieder vorbei zu kommen. Während wir mit dem Abwasch der letzten zwei Tage beschäftigt sind (auf See wäscht es sich ja immer so ungern ab), kommt ein weiterer Panga längsseits, mit acht Mann ist er ziemlich voll besetzt und einem der Insassen scheint es schlecht zu gehen. Jedenfalls versucht man uns das glauben zu lassen. Eigentlich möchte man nur gerne etwas zu Essen und zu Trinken haben, was wir ihnen gerne auch mit ein paar Flaschen Wasser und ein paar Orangen erfüllen. Nachdem wir wieder alleine mit unserem Schiff sind, macht sich Axel mal wieder an unserer Kühlschrankanlage zu schaffen. Zwar hat uns der Umbau auf Wasserkühlung etwa 50% Energieersparnis gebracht, doch leider ist die Anlage seit dem auch unsere wartungsintensivste Anlage an Bord. Ständig verstopft der Filter, steht die Pumpe aufgrund Verdreckung still oder hat sich irgendein Dreck in der Wasserzuleitung angesammelt. Nach einer guten Stunde ist das Problem jedoch mal wieder behoben und wir können uns auf unseren heutigen Ausflug begeben. Mit der Kamera bewaffnet geht es den kleinen Rio Cacique hinauf. Wir trödeln langsam mit der Strömung und ich schieße ein paar nette Fotos von Ibissen, einem unbekannten Watvogel, bunten Papageien, sich sonnenden Iguanas und einem halb abgetauchten Kaiman. Denke ich jedenfalls. Zurück an Bord muss ich nämlich leider feststellen, dass ich nach dem letzten Herunterladen der Fotos leider vergessen habe die Speicherkarte wieder in die Kamera zu setzen. Schöner Mist! Kaum zurück an Bord kommt auch schon wieder der erste Panga bei uns längsseits. Man bietet uns ein paar Langusten und einen dicken Iguana zum Kauf an. Ersteres nehmen wir natürlich gerne, für den Iguana fehlt uns zum Glück das passende Rezept. Für zwei dicke Langusten werden wir heute mal 20 US-$ los. Wenn man bedenkt, dass wir in Bremerhaven früher für nur ein Exemplar zwischen 50 und 60 Euro bezahlen mussten… Nachdem die Langusten den Eigentümer gewechselt haben, kommt auch Martin wieder angepaddelt. Wie versprochen hat er Bananen und frische Kokosnüsse für uns im Gepäck. Auf die Frage, was er dafür haben möchte, sagt er nur das wir geben sollen, was wir meinen. Ein cleverer Geschäftstrick! Dummerweise haben wir nur noch 10 Dollarscheine an Bord und damit in Martin einen neuen besten Freund gefunden. Er fragt uns, ob wir am nächsten Tag eventuell noch Fisch haben wollen und bietet uns außerdem an mit ein paar Perlen vorbei zu kommen. Perlen?! Na klar, nicht umsonst haben die Perleninseln schließlich ihren Namen bekommen. Den Namen bekamen die Inseln übrigens als die Conquistadoren Gaspar de Morales und Francisco Pizarro dem damaligen indigenen König Toe im Jahre 1515 eine große Menge Perlen raubten. Die 31-Karat schwere Perle „Peregrina“ der englischen Königin Mary Tudor kam übrigens von den Las Perlas Inseln. Wir sind jedenfalls schon mal gespannt, was uns am nächsten Morgen so geboten wird. Noch weitere Pangas und Kanu kommen vorbei, doch da wir inzwischen gut mit Langusten, Bananen und so weiter versorgt sind, müssen wir leider dankend das Warenangebot ausschlagen. Wir geben jedoch bereitwillig ein paar von unseren Getränken an die Insassen der Boote ab und werden dafür mit einem freundlichen „Gracias“ belohnt. Den restlichen Tag verbringen wir mit kleineren Arbeiten und herumfaulenzen. Gegen 17 Uhr starten wir dann unseren Grill und laben uns wenig später an Langusten, Grillkartoffeln und Aioli. Für solche Augenblicke lohnt es sich doch auf jeden Fall ein paar Tage durch schlechtes Wetter und Fischerleinen hindurch zu fahren! Gegen 19 Uhr verschwinden wir von den unliebsamen Stechtieren getrieben wieder unter Deck und lesen dort noch ein wenig bzw. schreiben Logbuch am Laptop.

Lecker!

Montag, 24. November 2008: Isla del Rey – Isla Espiritu Santo 18,9 sm

Die Nacht ist mal wieder mehr als unruhig. Hello World schaukelt wie wild in einem Schwell, der von nirgendwoher zu kommen scheint. Das Geschaukel und die drückende, feuchte Hitze hält uns wach. Außerdem müssen mitten in der Nacht mal wieder ein paar Dinge entklappert werden. Trotz allem bin ich bereits um 7 Uhr wach und munter und mache erst einmal einen Kaffee. Der Anblick draußen lädt allerdings keineswegs zum Aufstehen ein. Es ist ziemlich grau in grau und so gar nicht nett. Auch Axel lässt sich bereits um kurz vor Acht aus der Koje lotsen. Womöglich ist es ihm einfach zu warm. Während wir noch beim Frühstück im Cockpit sitzen, fängt es dann schließlich mal wieder ziemlich stark an zu regnen. Wir nutzen die Gelegenheit und bauen uns mittels Trichter und Faltkanister eine Wasserauffanganlage. Auch eine Tupperdose muss als Sammelbehältnis herhalten. So können wir innerhalb der nächsten 2 1/2 Stunden unseren Wasservorrat um satte 40 l Regenwasser ergänzen. Eigentlich hatten wir ja vorgehabt, den Faltkanister heute an dem kleinen Duschwasserfall zu füllen. Doch der hat sich mit dem Regen in einen reißenden, braunen Wildfang verwandelt. Das Wasser wollen wir bestimmt nicht zum Abwaschen oder Duschen benutzen. Etwas gefrustet schauen wir dem Regen dennoch zu, denn eigentlich wollten wir ja heute mal wieder auf einen neuen Ankerplatz verholen. Auch unser Freund Martin scheint sich bei dem Wetter nicht mit seinen Perlen zu uns zu wagen. Schade, wäre ja mal interessant gewesen zu erfahren, wie die Perlen von den Las Perlas nun eigentlich aussehen. Während ich fleißig Wasser von der ständig überlaufenden Tupperdose in den Kanister fülle, sitzt Axel unter Deck funkt, liest und bastelt irgendwelche Dinge. Schließlich habe ich gegen 11 Uhr die Nase voll. Der Regen wird ständig weniger und so dränge ich Axel endlich Anker auf zu gehen. Gesagt, getan und wir laufen eine halbe Stunde später unter Motor in Richtung Norden der Isla del Rey. Vorbei an der Isla San Telmo, an dessen Nordseite man bei Niedrigwasser ein über hundert Jahre altes U-Boot besichtigen kann. Leider fahren wir jedoch an der Südseite vorbei und Hochwasser ist außerdem noch. Während wir so vor uns hinmotoren, entdecke ich mal wieder ein paar dicke Baumstämme im Wasser. Die Bucht von Panama ist wirklich geradezu verseucht von dicken Holzbrocken. Umso erstaunter bin ich, als der gerade eben beobachtete Baumstamm einen dicken Blas von sich gibt und untertaucht. Toll, da scheinen also ein paar dicke Wale um uns herum zu schwimmen. Vor der Isla Camote können wir keine fünf Minuten später dann auch tatsächlich einen riesigen Buckelwal beobachten, der mit seiner Schwanzflosse bestimmt zehn Mal aufs Wasser einschlägt. Mist, und ich habe bei dem Regenwetter meine Kamera nicht an Deck. Schnell laufe ich nach unten, packe die gute Canon, schraube das Supertele an und bin wieder oben. Doch zu spät! Der Wal hat sich wieder beruhigt und ist nirgendwo mehr zu entdecken. Stattdessen hat sich der Regen mal wieder entschieden etwas heftiger zu fallen. Doch so leicht gebe ich natürlich nicht auf. Ich hole meine neue Regenabdeckung für die Kamera raus und begebe mich auf Lauerposition. So schaffe ich es eine halbe Stunde später – mein Arm zeigt vom Halten der schweren Kamera schon erste Ermüdungserscheinungen – endlich die Wale wieder zu sichten. Zwar sind sie nach wie vor relativ weit weg, doch das Superteleobjektiv schafft es sie einigermaßen auf Film zu bannen. Leider springt natürlich keines der Tiere oder haut mit Flosse oder Fluke auf das Wasser ein, doch ein paar schöne Rückenflossen können wir sehen. Scheinbar handelt es sich um zwei bis drei Tiere, wobei eine Mutter mit Jungtier dabei sein könnte. Das Walbeobachtung kein einfaches Geschäft ist, zeigt sich, als die Tiere schließlich einfach irgendwo untertauchen und für eine halbe Stunde nicht mehr zu sehen sind. Ich sitze natürlich trotzdem die ganze Zeit mit der Kamera im Anschlag und werde dabei wunderbar nass geregnet. Schließlich tauchen zwei Wale etwa eine Seemeile von uns entfernt wieder auf und wir können erkennen, dass es sich tatsächlich um eine Mutter mit Jungtier handelt. Für uns heißt es schließlich hinter der kleinen Isla Elefante in Richtung Westen abzubiegen und die Isla Espiritu Santo anzulaufen. Diese kleine Insel ist der großen Isla del Rey vorgelagert und soll laut unserem Cruisingguide einen perfekten Schutz bieten. Erstaunt stellen wir fest, dass dieser perfekte Ankerplatz scheinbar auch bei anderen Seglern bekannt zu sein scheint. Bereits drei Yachten liegen hier vor Anker, wobei es sich bei einer um die deutsche Yacht „Lumme“ handelt. Die haben wir bereits während unserer Zeit im Balboa Yacht Club gesehen, jedoch die Besatzung noch nicht kennen gelernt. Wir packen uns zu den anderen Yachten und werfen unseren Anker auf 10 m Wassertiefe. Kaum ist das erledigt, kommt auch schon ein Dinghy angebrummt und Ernie von der „Lauren Grace“ heißt uns am Ankerplatz willkommen. Er erklärt uns ein paar Dinge zur Insel und berichtet auch gleich, wer die anderen Yachties sind. Auf der „Lumme“ sind Ute und Wolfgang mit ihrem Hund zu Hause und der Katamaran „Chat d’O“ wird von dem Kanadier Bill bewohnt. Über die kleine Insel würde ein Weg führen, über den man an einen schönen Strand gelangen könnte. Er und Bill würden auch gerne mal Fischen gehen und hätten schon einige ziemlich große Exemplare aus dem Wasser geholt. Wenn das Wetter sich bessern würde, könnte man die Fische auch toll am Strand räuchern. Also wenn es nach uns ginge, sollte es eigentlich an jedem Ankerplatz so einen Infoservice geben. Nachdem sich Ernie wieder verabschiedet hat, fängt es auch prompt mal wieder an zu schütten. Wir begeben uns unter Deck und verpassen so fast die Ankunft noch einer fünften Yacht hier vor Anker. Die „Dark Knight“ segelt mit Herb an Bord unter panamesischer Flagge und legt sich hinter die „Lumme“ vor Anker. Scheinbar kennt man sich untereinander, denn innerhalb kürzester Zeit entsteht ein stetiger Dinghyverkehr zwischen den verschiedenen Yachten. Wir haben bei dem Wetter irgendwie keine Lust unser Schlauchboot klar zu machen und bleiben lieber unter Deck hocken. Am Abend kocht uns Axel heute mal aus den Resten der gestrigen Langusten leckere Spaghetti mit ebenjenen Tierchen. Mmmhh! Leider hat er nur ausnahmsweise mal Seewasser zum Kochen der Spaghetti verwendet, die dadurch doch ziemlich salzig geworden sind. Wir lassen es uns trotzdem munden und verbringen den restlichen Abend schließlich mit Lesen und Sudokus lösen. Pünktlich zur „Cruisers Midnight“ um 21 Uhr verschwinden wir dann auch mal wieder in unsere Kojen.

Auf dem Weg zum nächsten Ankerplatz können wir Buckelwale beobachten

Dienstag, 25. November 2008: Isla Espiritu Santo 0 sm

Was für eine herrlich ruhige Nacht! So bin ich bereits um 6.30 Uhr ausgeschlafen und falle aus der Koje. Für ein paar Minuten setze ich mich erst einmal ins Cockpit und lasse die Gegend auf mich wirken. Zwischen der Isla del Rey und der kleinen Isla Espiritu Santo hat sich ein reger Flugverkehr entwickelt. Zahlreiche Papageienpaare fliegen die kleine Insel an und scheinen dort ihrem Tagesgeschäft nachzugehen. Er kreischt und zirpt, meckert und jault gewaltig aus den Bäumen. Da freue ich mich ja schon wieder auf den geplanten Inselrundgang. Natürlich diesmal nicht ohne meine Kamera mit der entsprechenden Speicherkarte zu bestücken. Von sehr kleinen, schwarzen, jedoch ungemein ärgerlich pieksenden Stechtieren werde ich schließlich wieder unter Deck getrieben.  Während Axel noch schön schlummert, bereite ich den Teig für ein paar frische Brötchen zu. Hoffentlich gelingt mir das Experiment und ich kann Axel mit ein paar duftenden Körnerbrötchen wecken. Also füge ich Wasser, Mehl, Trockenhefe und eine Brötchenfertigmischung zusammen und fange an zu kneten. Der Teig sieht gut aus und lässt sich wunderbar zu kleinen Kügelchen formen. Noch schnell in ein paar Körnen gewälzt und schon können sie unter einem feuchten Tuch gehen. Eine halbe Stunde später sind sie schön aufgegangen und ich schiebe sie in den vorgeheizten Ofen. Gerade rechtzeitig fangen sie schön an zu duften und Axel lässt sich wie geplant davon aus der Koje locken. Trotz grauem Himmel und leichtem Nieselregen nehmen wir auch heute wieder unser Frühstück im Cockpit ein. Neben den knusprigen, warmen Brötchen gibt es noch ein Frühstücksei und eine recht gute Auswahl an Auflage. So könnte eigentlich jeder Tag beginnen. Während wir noch mit Frühstücken beschäftigt sind, kommt Ute von der „Lumme“ mit ihrem Dinghy vorbei. Sie war mit Hund Lucy am Strand spazieren und will jetzt nur mal kurz Hallo sagen. Wir unterhalten uns eine Weile und ich schenke ihr noch zwei Brötchen. Ute erzählt uns, dass wir eigentlich vier Wochen zu spät hier seien. Vor ein paar Wochen hätte nämlich eine Buckelwalkuh ihr Kalb hier bekommen und wäre in der Anfangszeit immer mit dem Kalb in der Bucht gewesen. Jetzt käme sie leider nur noch ab und zu vorbei. Wir sollten auf jeden Fall horchen, wenn der Hund bellen würde, weil der sich scheinbar ganz gut mit der Waldame unterhalten könnte. Um 9 Uhr horchen wir dann mal wieder ins Pan Pacific Netz hinein. Wir erfahren, dass unsere Freunde von der „Yohelah“ auf dem Weg nach Panama sind und das unser Wetter derzeit von einem tropischen Sturm in der Karibik beeinflusst wird. Morgen soll es hoffentlich wieder etwas besser und vor allem sonniger werden. Eine Hiobsbotschaft gibt es leider heute auch mal wieder für uns. Vom Watermakerhersteller Echo2tec erfahren wir, dass man zwischenzeitlich leider eine andere Motor-Pumpeinheit einsetzt, die „leicht“ größer als die Alte sei. Die neue Pumpeinheit könnten wir nach wie vor in drei Tagen bekommen, die alte Konstellation würde allerdings vier Wochen Lieferzeit bedeuten. Die neue Pumpeinheit ist ganze 5 cm höher und 10 cm länger geworden. Außerdem wiegt sie statt 25 kg nun etwa 40 kg. Da „leicht“ größer umgerechnet so viel größer ist, dass die neue Pumpe samt Motor nicht mehr in den bei uns dafür vorgesehenen Platz passt, müssen wir nun mal wieder ein wenig Denkarbeit leisten. Gibt es einen Platz, wo wir die neue Einheit unterbringen können, oder müssen wir vier Wochen Wartezeit auf die alte Ware einkalkulieren. Wieso kann es eigentlich nicht auch mal einfach gehen? Wir schreiben erst einmal eine empörte Email an den Hersteller und schaffen es im Laufe des Vormittags nicht einen passenden Platz für die neue Pumpe zu finden. Axel telefoniert schließlich schon mal mit unserem Lieblingsmechaniker Alejandro. Wenn der Dieselmotoren reparieren kann, kennt er ja vielleicht auch jemanden der Elektromotoren wieder hin bekommt. Alejandro kann sich noch gut an uns erinnern und sagt wir sollen ihm einfach Bescheid geben, wenn wir in Panama City sind. Er wird das Ding dann schon ritzen. Gegen 13 Uhr machen wir uns dann auf zu einer Dinghyerkundung der Insel. Wir fahren einmal um Espiritu Santo herum und landen auf der seewärtigen Seite am Strand an. Natürlich gibt es hier auch mal wieder ein paar Muscheln für uns. Bei einsetzendem Starkregen fahren wir weiter und bemühen uns möglichst schnell zum Schiff zurück zu kommen. Wir spannen wieder unsere Regenwasserauffanganlage auf und hoffen auf ein paar Liter Frischwasser mehr. So Regen hat ja auch was Gutes für sich. Unser Nachbar Bill von der „Chat d’O“ bringt uns gegen 14 Uhr dann noch ein wenig frisch geangelten Fisch vorbei. Er war am Morgen mit dem Dinghy draußen angeln und hat mal wieder viel zu viel gefangen. Wir nehmen den Fisch gerne und bewahren ihn für den nächsten Tag erst einmal im Kühlschrank auf. Am Nachmittag kommen dann auch noch mehrere Lösungsvorschläge von Echotec. Anscheinend gibt es noch einen anderen Motor, der deutlich kleiner ist, dafür allerdings auch ca. 30 l pro Stunde weniger fördert. Den könnten wir sofort bekommen und er würde wohl auch bei uns rein passen. Für die Reparatur des alten Motors bietet man uns außerdem 350 US-$ Kostenübernahme an, wenn wir die Rechnung und eine Reparaturbeschreibung an sie schicken. Das klingt ja alles schon mal wieder einigermaßen gut. Das Wetter bessert sich dagegen überhaupt nicht mehr. Zusätzlich zum Regen fängt es auch noch an zu wehen und wenn es nicht gerade 28°C warm wäre, könnte man sich den Ankerplatz hier auch gut mitten auf der Ostsee vorstellen. Bevor uns der Regen noch weiter aufs Gemüt schlägt, beschließen wir unsere Ankernachbarn auf einen Drink am Abend einzuladen. Wir starten einen Rundruf auf Kanal 74 und bekommen auch direkt Antwort. Ute und Wolfgang von der „Lumme“ kommen gerne, „Chat d’O“ und „Lauren Grace“ sind leider schon miteinander verabredet. Bevor die Gäste um 19 Uhr eintreffen, machen wir uns noch ein leckeres Hühnerfrikassee zum Abendbrot. Das trägt auch schon einmal zur Hebung der Stimmung bei. Mit Ute und Wolfgang verbringen wir dann einen netten Abend und können bei leicht nachlassendem Regen sogar im Cockpit sitzen.

Wir starten zu einer ersten Inselerkundungstour

Mittwoch, 26. November 2008: Isla Espiritu Santo 0 sm

Es regnet immer noch! Da fällt es leicht bis 8 Uhr in den Kojen liegen zu bleiben. Zum Frühstück gibt es schließlich die restlichen Brötchen vom Vortag, bevor Axel mal wieder ins Pan Pacific Netz reinhorcht. Heute geben wir auch mal wieder eine Meldung ab und erfahren das „Yohelah“ inzwischen gut in der Bahia Pinas angekommen ist. Gegen 10.30 Uhr fahren wir dann mit unserem Schlauchboot noch einmal auf Inselerkundung. Diesmal ist Niedrigwasser und die Strände sind um einiges angewachsen. Wir suchen und finden ein paar hübsche Muscheln und halten auf dem Rückweg zum Schiff noch bei „Lauren Grace“ und „Chat d’O“ auf einen kurzen Schnack an. Von „Lauren Grace“ erfahren wir, dass morgen mal wieder Thanksgiving ist und man eine Potluck-Party am Strand plant. Jedenfalls wenn das Wetter sich ein wenig bessern sollte. Bill von der „Chat d’O“ zeigt uns dagegen seine zahmen Fische. Unter seinem Katamaran scheint ein Schwarm großer Jacks zu leben, die er mit ein paar Klatschern aufs Wasser anlocken kann. Er wirft ihnen ein paar Stücke Fisch zu und warnt uns in der Nähe von seinem Schiff lieber nicht schwimmen zu gehen. Die Jacks würden auch schon mal gerne beißen. Zurück an Bord nimmt Axel sich mal wieder eines neuen Problems an. Zuerst ging unser Außenlautsprecher vom UKW-Funk nicht mehr, jetzt tut es auch der Hörer nicht mehr. Wie sich schließlich herausstellt, scheint der Hörer kaputt zu sein und muss wohl somit auch ersetzt werden. Dafür geht nach der Demontage des Hörers allerdings unser Außenlautsprecher wieder. Schon erstaunlich! Aber wir wollten ja eh zum Raymarine Händler in Panama City. Man sollte ja nicht meinen, dass innerhalb von drei Jahren so viele Teile einfach von jetzt auf gleich ihren Geist aufgeben. Doch aus Gesprächen mit anderen Seglern wissen wir, dass das einfach normal ist. Den hohen Belastungen durch UV-Strahlung, Luftfeuchtigkeit und Salz sind die meisten Geräte einfach nicht gewachsen. Wir vertrödeln den Rest des Tages mit Lesen (Axel „The path between seas“ über den Bau des Panama Kanals, ich „Die Männer vom Meer“ über die Wikinger von Haitabu). Abends grillen wir uns den Fisch von Bill und backen dazu ein paar Kartoffeln. Mmmhh, so frisch aus dem Meer schmeckt der Fisch einfach am Besten. Mit einsetzender Dunkelheit fliehen wir mal wieder vor den Minimücken (No-see-ums genannt) unter Deck und lesen dort noch eine Weile weiter. Pünktlich um 21 Uhr liegen wir dann mal wieder in den Kojen und versuchen das Prasseln an Deck zu ignorieren.

Geschützter Ankerplatz bei ziemlich trüben Wetter

Donnerstag, 27. November 2008: Isla Espiritu Santo 0 sm

Die Hoffnung auf Wetterbesserung scheint sich auch heute nicht zu erfüllen. Es regnet die ganze Nacht hindurch in Strömen. Gegen 4 Uhr früh mache ich mir daher mal wieder die Mühe und stelle ein paar Wasserauffangbehälter auf. So können wir am Morgen mal wieder einen Kanister Regenwasser in unseren Tank einfüllen. Da es auch am Vormittag nicht aufhört zu regnen, kommen bis Mittag noch einmal 40 l hinzu. Gar nicht schlecht. So können wir ohne Probleme noch ein paar Tage in den Las Perlas Inseln bleiben. Bei dem Wetter hat man aber auch wirklich keine Lust weiter zu fahren. Über UKW-Funk gibt es heute eine Durchsage von „Lauren Grace“. Es ist amerikanischer Thanksgiving-Feiertag und das soll mit einem Potluck gefeiert werden. Bei schönem Wetter am Strand der Mango Bay, bei Regen an Bord von „Lauren Grace“. Wir beschließen daraufhin noch einen Tag zu bleiben und bereiten ein paar Leckereien für das Festessen vor. Es gibt Putenschnitzelchen (ist ja fast Truthahn) und Nudelsalat. Nachdem die Vorbereitungen erledigt sind, stelle ich mich heute einfach mal in den Regen zum Duschen. Wie nicht anders zu erwarten, bin ich gerade vollständig eingeseift, als das Wasser mal wieder alle ist. Ja, tatsächlich der Regen hat aufgehört! Vielleicht hätte ich mich ja einfach früher schon mal zum Duschen nach draußen stellen sollen. Die Trockenphase hält freundlicherweise genau so lange an, wie wir für unser Thanksgiving-Essen auf „Lauren Grace“ benötigen. Gemeinsam mit Ernie und Charlene, Bill, Herb, Ute und Wolfgang, sowie Hund Lucy sitzen wir gemeinsam im großen Cockpit des Katamarans und laben uns an allerlei leckeren Speisen. Es gibt neben unseren Mitbringseln noch Truthahnsauce, Truthahnfüllung, frisch gefangenen und gegrillten Fisch, Yams und zum Nachtisch Kirschkuchen. Nebenbei bekommen wir noch mancherlei Tipps für den Aufenthalt in Panama City, denn unsere Ankernachbarn sind alle bereits seit mehreren Jahren in diesem Gebiet unterwegs und können bestens Empfehlungen für Reparaturmöglichkeiten, Postempfang und Waschgelegenheiten verteilen. Als wir uns gegen 15 Uhr wieder auf den Rückweg zu Hello World begeben, fängt es natürlich mal wieder prompt an zu regnen. Auch gut, dann können wir wenigstens noch ein wenig Wasser auffangen. Inzwischen sieht Hello World dadurch allerdings ein wenig unaufgeräumt aus. Überall stehen Eimer, Töpfe und Tupperschüsseln herum und fangen die stetig dahintröpfelnden Wassermengen auf. Da es draußen deutlich zu ungemütlich ist, verbringen wir den Rest des Tages unter Deck. Wir lesen weiter an unseren Büchern und ich schaffe auf diese Weise nach knapp zwei Tagen meinen 500 Seiten Wälzer. Regentage haben wie gesagt ja auch was Gutes. Wobei es nun wirklich endlich mal wieder aufhören könnte! So langsam wollen wir dann nämlich doch endlich mal nach Panama City und unsere Angelegenheiten dort erledigen. Außerdem würde Ankern viel mehr Spaß machen, wenn man dabei ab und zu Schnorcheln oder mit dem Dinghy auf Expedition gehen könnte. Na, nun aber mal genug geklagt. In der Ostsee hatten wir solches Wetter schließlich öfter und konnten dann auch noch bei kühlen Temperaturen frösteln. Angesichts des umfangreichen Mittagessen sparen wir uns heute mal das Abendbrot, auch wenn noch Reste vom Nudelsalat und gegrilltem Fisch in unserem Kühlschrank herumlungern. Gegen 21 Uhr liegen wir dann mal wieder pünktlich in den Kojen, lauschen dem Heulen des Windes in der Takelage und hoffen auf weniger Regen am nächsten Tag.

Freitag, 28. November 2008: Isla Espiritu Santo – Isla Contadora 18,8 sm

Kaum zu glauben, aber das Wetter wird über Nacht noch schlechter. Es regnet in einem fort, Gewitter blitzen und donnern um uns herum und der Wind dreht auf kräftige 20-25 kn auf. Nur gut, dass wir an einem so gut geschützten Ankerplatz liegen. Von anderen Schiffen vor der Insel Contadora hören wir, dass sie bei zwei Meter Seegang eine ziemlich unruhige Nacht vor Anker verbracht haben. Wir frühstücken also erst einmal gemütlich unter Deck und verschieben unsere Abreise gedanklich mal wieder auf den nächsten Tag. Anschließend hören wir wie üblich in die Funkrunde rein, beantworten unsere Emails und klaren ein wenig das Schiff auf. Als der Regen schließlich ein wenig nachlässt, wagen wir dann aber doch noch den Absprung. Um zwanzig nach Elf nehmen wir den Anker hoch und verabschieden uns mit einem Hupen von unseren Nachbarn. Schnell aus der schmalen Passage heraus motort und schon wird das Groß gesetzt. Mit flotten 8 bis 9 kn geht es dann in Richtung Norden. Das Wetter ist uns gnädig und wir bleiben während der nächsten drei Stunden von weiteren Regenfällen verschont. Hello World scheint sich über den Auslauf zu freuen und saust in Richtung Contadora. Auch heute können wir wieder zwei Buckelwale am Horizont entdecken, sind jedoch diesmal für ein Foto definitiv zu weit entfernt. Wir futtern zwischendurch die Reste vom gestrigen Nudelsalat und überlegen, was wir wohl mit den Fischresten anfangen könnten. Unsere frischen Lebensmittel sind leider inzwischen komplett aufgebraucht und so bleiben nur Dosen oder Trockenwaren zum verfeinern. Ich schlage vor eine Art Brotaufstrich aus dem Fisch zu fertigen, während Axel meint wir könnten sie ja zusammen mit der Bananenstaude verwerten, die wir seit dem Rio Cacique auf unserem Achterdeck liegen haben. Inzwischen ist die nämlich farblich von grün auf gelb gewechselt und muss damit wohl baldmöglichst gegessen werden. Na, den richtigen Dreh haben wir damit wohl noch nicht für den Fisch gefunden. Auf jeden Fall widerstehen wir der Versuchung und werfen nicht auch noch unsere Angel aus. Mehr Fisch wäre jetzt wirklich zu viel des Guten. Schließlich werfen wir nach drei Stunden herrlichem Segeln unseren Anker an der Nordseite von Contadora aus. Hier haben wir ja vor ein paar Monaten schon einmal gelegen, auch wenn wir damals sicher nicht gedacht hätten, dass wir hier noch einmal her kommen. Wir überlegen, ob wir noch schnell bei Contadora-Günter vorbei schauen sollen, entscheiden uns dann aber bei wieder einsetzendem Regen doch lieber für einen Besuch am nächsten Tag. Unser neuer Ankerplatz erweist sich zwar als recht windgeschützt, ist allerdings trotzdem recht schaukelig. Der Schwell von Süden arbeitet sich scheinbar links und rechts um die Insel herum. Statt Kaffee knackt mir Axel nachmittags eine frische Kokosnuss und ich schlürfe den leckeren Saft. Schade eigentlich, dass man die grünen Kokosnüsse nicht auch außerhalb der Tropen bekommt. Der Kokosnusssaft ist nämlich sehr erfrischend und löscht gut den Durst. Natürlich kann man ihn auch mit ein wenig Rum oder Ananassaft verfeinern, doch mir schmeckt er pur einfach am Besten. Wir verbringen den Rest des Tages mal wieder mit Lesen, Sudokus lösen, Kohlrouladen essen, Wein trinken und Wasser sammeln. Gegen 21 Uhr schlüpfen wir in unsere Betten und ziehen uns die Decke über den Kopf in der Hoffnung das es nun morgen aber endlich mal wieder schöneres Wetter gibt.

Segelwetter wie auf der Ostsee

Samstag, 29. November 2008: Isla Contadora 0 sm

Trotz leichtem Schwell verbringen wir eine ruhige Nacht vor Anker. Lediglich das ständige Tröpfeln an Deck und Gurgeln der Wassermassen durch unsere Decksentwässerung nervt ein wenig. Axel müht sich gar um 4 Uhr früh aus der Koje um mal wieder ein paar Töpfe zum Wassersammeln aufzustellen. Um 6 Uhr sind sie bereits zum Überlaufen voll und wir können im Laufe des Vormittags etwa 50 l Wasser sammeln. Unser Tank zeigt inzwischen wieder Voll an und so verplempern wir ein paar Liter um uns mal wieder ordentlich zu Duschen. Anschließend gibt es Frühstück im Salon und Axel horcht mal wieder ins Funknetz rein. Danach wird erst einmal Abgewaschen und schließlich mit einem guten Buch entspannt. Ich bin inzwischen auf „The hitchhiker’s guide to the galaxy“ gewechselt, während Axel immer noch den Bau des Panamakanals verfolgt. Natürlich darf auch ein wenig Wartungsarbeit am Schiff mal wieder nicht im Tagesprogramm fehlen. So wird der Filter von unserer Kühlanlage gereinigt und wir begeben uns auf die Suche nach einem kleinen Ölleck im Motorraum. Wir haben den Öldruckgeber in Verdacht und Axel dichtet ihn versuchsweise ab. Anscheinend kommt danach auch kein Öl mehr herausgetropft, so dass wir dieses Problem hoffentlich gelöst haben. Gegen 14 Uhr lässt dann doch tatsächlich endlich mal der Regen ein wenig nach. Wir nutzen die Gelegenheit und fahren mit dem Dinghy zur Insel hinüber. Vorher halten wir noch schnell bei unseren Schweizer Nachbarn von der „Shamu“. Wir unterhalten uns ein wenig mit Christoph und Marianne, die wir bereits über Funk ein paar Mal gehört haben. Dann landen wir mit dem Dinghy an der kleinen Playa Ejecutiva an. Da gerade Niedrigwasser ist, ziehen wir Bubbles etwa 20 m den Strand hinauf und binden ihn an einer Palme an. Zu Fuß geht es quer über die Insel auf die andere Seite und zum Haus von Günter und Susanne. Günter ist passionierter Amateurfunker und sogar mehrfacher Weltmeister. Und für uns am Wichtigsten: Er betreibt ein Funknetz für die Segler, die jedes Jahr über den Pazifik fahren. Dabei stört es ihn nicht, ob man die entsprechende Lizenz besitzt oder nicht. Für ihn zählt, dass alle Segler ohne Probleme auf der anderen Seite des Ozeans ankommen. Davon abgesehen ist er eine unerschöpfliche Quelle an Informationen über Panama City. So erfahren wir bei einer Flasche Bier von ihm, wo wir das Beste Obst und Gemüse bekommen (Fruteria Frudis), wo es Elektronikersatzteile (Electronica Caribe) gibt, wo wir unseren Elektromotor vom Wassermacher reparieren lassen können (Electrisa) und wie wir ein Ersatzteil per Post erhalten können. Auch die neusten Informationen bezüglich Einreise und Aufenthalt auf Galapagos bekommen wir von ihm. Scheinbar verschlechtern sich die Bedingungen für Segler dort immer mehr. Während man vor zwei Jahren noch ganze 90 Tage dort bleiben durfte, bekommt man heute gerade einmal 20 Tage Aufenthaltsrecht gewährt. Außerdem wird man von den Port Captains gezwungen für die Einklarierung einen teuren Agenten zu benutzen, der außer Geld abkassieren eigentlich nicht viel macht. Dass die Behördenwillkür in Ecuador ziemlich um sich greift, haben wir ja bereits in Bahia zu spüren bekommen. Dort hat man sich nach unserer Abreise übrigens inzwischen überlegt, dass es nicht reicht zum Ausklarieren nach Manta zu fahren. Nein, jetzt müssen auch noch Zoll- und Immigrationsbeamte nach Bahia kommen und das Schiff vor der Abreise inspizieren. Dabei fallen ganze 100 US-$ Kosten für die Taxifahrt der Beamten an, denn die kommen natürlich nicht mit dem Bus. Nachdem wir ein paar informative Stunden bei Günter und Susanne verbracht haben, geht es schließlich gegen 17.30 Uhr wieder zurück zum Schiff. Bubbles liegt nach wie vor am Strand und ist noch nicht mal voll geregnet. Während wir an Land waren, hat es nämlich erstaunlicherweise nicht einen Tropfen geregnet. Erst als wir uns auf den Rückweg machen, fängt es natürlich wieder ordentlich an zu schütten. Zurück an Bord bereiten wir uns heute zum Abendessen eine leckere Linsensuppe von Maggie für Axel und Nudeln mit Thunfisch-Sahne-Sauce für mich. Da wir beide das jeweilige andere Gericht überhaupt nicht mögen, werden manchmal halt einfach beide Sachen bei uns an Bord gekocht. Anschließend lesen wir noch eine Weile, bevor wir uns wie üblich mal wieder recht früh in unsere Kojen verkriechen. Kurz bevor wir ins Bett gehen, werfen wir allerdings noch mal einen Blick nach draußen. Erstaunlicherweise regnet es nicht und wir können sogar Sterne am Himmel ausmachen. Das lässt ja für den morgigen Tag eine gewisse Hoffnung auf Sonnenschein aufkommen!

Sonntag, 30. November 2008: Isla Contadora 0 sm

Wunderbar! Die ganze Nacht vernehmen wir nicht ein Tröpfchen Regen der auf unser Deck prasselt. Als wir gegen 8.30 Uhr aufstehen, erwartet uns somit ein trockenes Deck und sogar einige unserer völlig durchweichten Polster zeigen erste Anzeichen von Trockenheit. Was für ein wunderschöner Tag! Während des Frühstücks planen wir daher schon mal einen schönen Dinghyausflug nach Contadora um beim dortigen Supermarkt Ausschau nach ein paar frischen Gemüseteilen zu halten und einem weiteren Ausflug zur kleinen Insel Bartolome, um dort ein wenig Schnorcheln zu gehen. Unsere Pläne werden jedoch schon bald wieder über den Haufen geworfen, denn während wir noch Schwarzbrot mit Salami und Kassler genießen, fängt es doch glatt wieder an zu regnen. Und wenn es regnet, dann regnet es in Panama ja auch richtig. Na gut, dann also doch wieder ein Tagesprogramm, was man unter Deck abhalten kann. Axel nimmt sich also nach dem Frühstück seiner Funkanlage an. Von Günter hat er noch ein paar Tipps bekommen, wie er ein paar lästige Störgeräusche eliminieren kann. Also werden ein paar Ferritkerne verbaut und somit hoffentlich lästige HF-Strahlen gebannt. Ich schreibe derweil mal wieder an diesem Logbuch und mache es mir ansonsten mit einer Tasse Kaffee gemütlich. Gegen 13 Uhr klart es dann mal wieder ein wenig auf. Wir nutzen auch heute die Gelegenheit und fahren nach Contadora rüber. Diesmal landen wir am Playa Galeón an und begeben uns auf die Suche nach einem Supermarkt. Frisches Gemüse und ein paar Eier wären nämlich nicht schlecht zu haben. Wir wenden uns an dem kleinen Flugplatz nach rechts und werden schon nach etwa 100 m fündig. Der kleine Supermarkt mit angeschlossenem Restaurant bietet so ziemlich alles was das Herz begehrt. Es gibt Waschmittel, Duschgel, Reis, diverse Konserven, Champagner, Eier, nur leider kein wirklich lecker aussehendes Gemüse. Also nehmen wir mit den Eiern Vorlieb und gehen wieder zurück in Richtung Strand. Ein Hinweisschild leitet uns dann jedoch noch ein paar Meter weiter zu dem deutschen Restaurant von Gerald. Das müssen wir uns natürlich direkt einmal anschauen. Wir nehmen auf ein Glas Weizenbier Platz, werfen ein Blick auf die Speisekarte (es gibt Schnitzel „Hunter“) und unterhalten uns mit Besitzer Gerald. Gegen 14 Uhr machen wir uns dann wieder auf den Rückweg zu Hello World. Dort werfe ich in Windeseile noch ein paar Brownies mit Walnüssen in den Ofen, denn für den Nachmittag haben uns Günter und seine Frau Susanne zum Adventskaffee eingeladen. Ohne die Einladung hätten wir wohl glatt vergessen, dass heute ja der erste Advent ist! Kaum, dass die Brownies fertig sind, machen wir uns daher noch einmal auf den Weg an Land. Dummerweise hat es in der Zwischenzeit mal wieder heftig angefangen zu regnen. Wir halten kurz bei der „Shamu“ und nehmen Marianne und Christoph mit an Land. Gemeinsam laufen wir zu dem Haus von Günter und Susanne, wo man schon den Tisch feierlich gedeckt hat. In den nächsten zwei Stunden machen wir es uns bei Kaffee, Plätzchen von Marianne, Brownies und vielen Gesprächen gemütlich. Die Gespräche drehen sich natürlich hauptsächlich ums Funken und das Pacific Island Net von Günter, welches am 1. Dezember um 00:00 Uhr UTC wieder auf der Frequenz 14.135.00 auf Sendung geht. Während wir so vor uns hinquatschen, kommt doch tatsächlich nach langer Zeit mal wieder die Sonne hervor. Sollte der Regen jetzt tatsächlich vorbei sein? So richtig wagen wir daran noch nicht zu glauben. Gegen 17.30 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg zum Schiff zurück. Abends machen wir uns noch ein paar Spaghetti mit Bolognesesauce und lehnen uns mal wieder entspannt mit einem guten Buch zurück. Während Axel immer noch am Panamakanal gräbt, bin ich zwischenzeitlich von der Galaxie wieder zur Erde zurück gewechselt und lese „Der Schwarm“ von Frank Schätzing. Das Buch hatten wir bereits vor über einem Jahr in Portugal geschenkt bekommen, doch irgendwie habe ich mich bisher nicht daran gewagt. Weil beide Bücher so spannend sind, schaffen wir es heute tatsächlich erst um 22 Uhr in unseren Kojen zu liegen. Draußen hat es derweil mal wieder angefangen zu regnen. So viel also zur Hoffnung auf Wetterbesserung.

Adventskaffee bei Günter und Susanne

Montag, 1. Dezember 2008: Isla Contadora 0 sm

Kaum zu glauben, es regnet nicht! Stattdessen kann man am Horizont tatsächlich einen blauen Streifen Himmel sehen. Na, dann haben wir es ja vielleicht doch endlich überstanden. Zur Feier des schönen Tages backe ich zum Frühstück mal wieder ein paar Vollkornbrötchen. Außerdem gibt es außerhalb der Reihe mal ein Frühstücksei, da wir ja gestern mangels Masse auf eines verzichten mussten. Da draußen noch alles recht feucht ist, frühstücken wir auch heute mal wieder unter Deck. Das gibt uns Gelegenheit ab 9 Uhr mal wieder dem Pan Pacific Netz zu folgen. Nachdem wir gut gesättigt und bestens über die Neuigkeiten aus der Seglerwelt informiert sind, machen wir uns an die Trockenarbeit. Alle Polster, Kissen, Handtücher, T-Shirts, Hosen und so weiter wandern in die Sonne an Deck und werden zum Trocknen ausgebreitet. Da die Sonne in Panama, wenn sie denn scheint, auch richtig scheint, geht der Trockenvorgang teilweise recht schnell voran. Hartnäckig zeigen sich jedoch die Polster und Kissen die ein paar Tage lang völlig durchnässt wurden. Auch das Teak-Deck trocknet nicht mal eben so ab, wie wir es gewohnt sind. Es muss sich ganz schön voll gesogen haben. Während die Sachen an Deck relativ selbstständig trocknen, widme ich mich unter Deck einer etwas unangenehmeren Aufgabe. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die nicht vorhandene Möglichkeit ordentlich Lüften zu können, haben unter Deck nämlich für ein schlagartiges Wuchern von Schimmelsporen gesorgt. An den Holzflächen zeigt sich fast überall ein feiner Pelz, der natürlich so schnell wie möglich entfernt werden muss. Also hantiere ich mit Schimmelspray und Lappen und wische alles gründlich ab. Dabei hilft es, dass wir heute endlich auch mal wieder alle Luken weit öffnen und so für eine gute Durchlüftung sorgen können. Nachdem auch das einigermaßen erledigt ist, gehen wir zu einem etwas erfreulicheren Tagesordnungspunkt über. Wir fahren mit dem Dinghy, wie schon für gestern geplant, zur kleinen Insel Bartolome. Dort laufen wir eine Weile den Strand entlang, sammeln ein paar Muscheln und freuen uns über den Anblick des türkisblauen Meeres um uns herum. Eigentlich soll man um Bartolome herum auch toll Schnorcheln können, doch zum Schnorcheln ist es uns hier im Moment definitiv zu wellig. Da müssen wir wohl auf noch weitere Wetterbesserung warten. Zurück am Schiff geht Axel zur Abwechslung mal wieder auf Tauchstation. Er kontrolliert zunächst das Unterwasserschiff und schrubbt ein wenig die Borddurchlässe, Welle und Propeller von lästigen Entenmuscheln frei. Dann taucht er ein wenig in Richtung Isla Contadora und schaut sich noch das dort befindliche Riff und ein paar bunte Fische an. Ich schufte derweil unter Deck weiter. Ich räume den gesamten Schrank unter unserer Küchenspüle aus und führe eine akribische Schimmelinspektion durch. Dadurch, dass der Schrank direkt neben unserer Kühlbox gelegen ist, bildet sich auf den kühlen Töpfen leider schnell ein wenig Schwitzwasser. Und wo allzu lange Wasser steht, bildet sich dummerweise auch allzu schnell dann Schimmel. Nachdem der Schrank ausgeräumt, gewischt und getrocknet ist, wird daher auch der Inhalt einer gründlichen Reinigung unterzogen. Jedes Teil wird kontrolliert, ggf. entschimmelt und dann getrocknet. Tolle Arbeit bei 30°C Außentemperatur! Pünktlich als Axel wieder aus dem Wasser auftaucht, fängt es dann auch mal wieder an zu regnen. Allerdings nur für knappe zehn Minuten. Das reicht jedoch, um uns ordentlich auf Trab zu halten. Alle Luken müssen geschlossen werden und natürlich die ganzen, zum Trocknen ausgelegten Sachen, wieder eingesammelt und ins Trockene gelegt werden. Natürlich nur, um sie besagte zehn Minuten später schön wieder überall an Deck zu drapieren. Nachdem wir auf diese Weise einigermaßen geschafft sind, gönnen wir uns zum Mittagessen erst einmal ein paar leckere Brötchen mit Thunfisch. Gut gestärkt lassen wir uns daraufhin ins Cockpit fallen und vertiefen uns bis zum späten Nachmittag in unsere Bücher. Dann tauch am Horizont eine Segelyacht auf und wenig später gehen unsere Freunde von der „Yohelah“ vor uns vor Anker. Wir laden spontan zum gemeinsamen Barbecue ein, denn so ein Wiedersehen will ja schließlich gefeiert werden. Nachdem wir am späten Nachmittag unser Deck wieder einigermaßen frei geräumt haben, werden daher der Grill aufgebaut, Steaks aus der Kühlung genommen und Maiskolben aus der Dose herausgesucht. Teresa und Rob bringen noch einen Salat und frisches Bierbrot mit und schon haben wir ein nettes Abendessen beisammen. Bis kurz vor 22 Uhr sitzen wir gemütlich beisammen und gleichen unsere Pläne ein wenig ab. Wir wollen möglichst gemeinsam nach Panama City segeln, damit wir uns dort vor Ort die Taxifahrerei zu den Einklarierungsbehörden teilen können. Außerdem könnten wir so vielleicht ein paar schöne Segelbilder vom jeweils anderen Schiff schießen. Da wir jedoch nichts überstürzen wollen, beschließen wir erst noch einen Tag vor Contadora zu bleiben und dann am Mittwoch nach Panama City zu segeln.

Ausflug zur Isla Bartolome

Dienstag, 2. Dezember 2008: Isla Contadora 0 sm

Trotz des schönen Wetters vom Vortag regnet es auch diese Nacht mal wieder ganz ordentlich. Dummerweise dreht dabei auch der Wind von Süd auf Nordost, so dass es an unserem Ankerplatz deutlich unruhiger wird. Ich stehe um 7.30 Uhr auf und schaffe es eine Stunde später auch Axel mit dem Duft von frischem Kaffee aus den Federn zu locken. Nach Frühstück und Funknetz machen wir uns dann zusammen mit Rob und Teresa auf den Weg an Land. Wir schauen noch mal bei den ansässigen Supermärkten vorbei, werden jedoch auch heute bei frischem Gemüse nicht fündig. Anschließend reservieren wir bei Gerald’s einen Tisch für den Abend, denn mit Rob und Teresa haben wir besprochen, dass wir heute mal gemeinsam „Deutsch“ Essen gehen wollen. Nach einer halben Stunde geht es wieder zurück zu unseren Schiffen. Wir nutzen den herrlichen Sonnenschein und lüften auch heute mal wieder ordentlich durch. Bettwäsche, Handtücher und Kissen kommen mal wieder zum Trocknen raus und wir haben Hoffnung, dass sich der Kampf gegen Muff und Feuchtigkeit unter Deck vielleicht doch noch gewinnen lässt. Gegen 14 Uhr nehmen wir dann wieder unser Dinghy und fahren damit erneut zur kleinen Insel Bartolome hinüber. Da der Wind heute aus Norden kommt, ist es an der Südseite der Insel schön ruhig und wir wollen Schnorcheln gehen. Gesagt, getan und die „Yohelahs“ kommen auch direkt mit. Wir ankern unsere Dinghies ein Stück von den scharfen Unterwasserfelsen entfernt und Schnorcheln etwa eine Stunde um die Felsen und Korallen herum. Die Sicht ist einigermaßen passabel und ein paar Fische zeigen sich auch. Das Wasser hat angenehm kühle 25 bis 27°C und eine sanfte Strömung schiebt uns an der Insel entlang. Während wir so vor uns hin Schnorcheln, kann es sich das Wetter natürlich mal wieder nicht nehmen lassen mit ein paar Gewitterwolken zu drohen. Also geht es schließlich schnell wieder zu den Schiffen zurück, wo wir eilends unsere just getrockneten Sachen unter Deck räumen. Wenig später kommt dann der angedrohte Regen und sorgt für eine angenehme Abkühlung. Erfreulicherweise hört er jedoch nach einer guten Stunde auch wieder auf, so dass wir diesmal keine Schirme und Regensachen für unseren abendlichen Landgang mitzunehmen brauchen. Gegen 18.30 Uhr schlagen wir bei dem deutschen Restaurant Gerald’s auf und lassen uns in den nächsten zwei Stunden mit Bratwurst an Sauerkraut und Kartoffelpüree, Wiener Schnitzel und Apfelstrudel verköstigen. Dabei bekommen wir Gesellschaft von einem sehr zutraulichen Reh, welches sich hier scheinbar täglich zum Mittag- und Abendessen einfindet. Axel und Teresa können es sogar mit ein wenig Knoblauchbrot füttern und es lässt sich auch nicht durch mein lästiges Fotogeblitze vertreiben. Gegen 20 Uhr geht es dann durch stockfinstere Nacht wieder zu den Schiffen zurück. Wir lesen noch eine Weile im Salon, bevor wir gegen 22 Uhr mal wieder in unsere Kojen verschwinden.

Playa Galeón mit Blick auf Isla Pacheca (links) und Isla Bartolome (rechts)

Mittwoch, 3. Dezember 2008: Isla Contadora – Panama City 36,0 sm

Auch diese Nacht gestaltet sich nicht allzu ruhig. Ein kräftiger Nordwind mit Stärke 4 lässt Hello World auf den Wellen tanzen und so fällt die Entscheidung am Morgen leicht heute endlich nach Panama City zu segeln. Gesagt, getan und unser Anker geht nach einem schnellen Frühstück um 8.40 Uhr auf. Wir motoren erst noch ein Stück aus der Insel- und Felsenwelt hinaus und setzen auf Höhe der Isla Pacheca unsere Segel. Gleichzeitig mit den Segeln bringe ich nach langer Zeit auch mal wieder unsere Angel aus. Neben uns sehe ich nämlich einige Dorados durch das Wasser flitzen und gegrillte Doradosteaks kämen mir heute gerade recht. Während wir mit 6 kn Fahrt gut voran kommen, beißt jedoch erstaunlicherweise nicht nach fünf Minuten bereits ein Fisch an. Dafür lässt nach einer halben Stunde der Wind nach und wir dümpeln schließlich mit 1-2 kn in Richtung Panama City. Da wir nicht die geduldigsten der Segler sind, nehmen wir schließlich die Dieselgenua zur Hilfe und motoren eine Weile weiter. Kaum ist die Maschine an, geht auch schon unsere Angel los. Scheinbar beißen die Fische unter Motor besser. Es dauert nicht lange und wir haben einen etwa 50 cm großen Fisch an Deck liegen. Wir halten ihn zunächst für einen Thunfisch, nehmen ihn direkt aus, schneiden ihn in Koteletts und verstauen ihn im Kühlschrank. Das Fleisch des Fisches ist unwahrscheinlich dunkelrot, so dass uns an unserer ersten Einschätzung, dass es sich um einen Thunfisch handelt, leichte Zweifel kommen. Aber egal, dass Viech wird gegrillt schon ordentlich schmecken. Kaum, dass wir den Fisch verarbeitet haben, kommt dann auch unvermittelt der Wind wieder. Wir setzen Segel und können keine fünf Minuten später auch schon anfangen zu reffen. Am Ende müssen wir das Groß sogar ganz weg nehmen und sausen bei 7 Windstärken mit 9 kn dahin. Dazu hat mal wieder ein ordentlicher Regen eingesetzt. Nach einer halben Stunde ist auch dieser Spuk wieder vorbei und wir können gemütlich und trocken weitersegeln. Kurz bevor wir das riesige Ankerfeld von Panama City erreichen, verlässt uns der Wind dann wieder und wir fahren die letzten fünf Seemeilen unter Motor. So erreichen wir schließlich den Ankerplatz Playita an der Südseite der Flamenco Halbinsel. Ordnungsgemäß haben wir uns natürlich vorher bei der Signalstation gemeldet, die den Verkehr zum Panamakanal hin überwacht. Wir dürfen den Ankerplatz ansteuern und suchen uns eine schöne Stelle zwischen den etwa zehn anderen Yachten. Just als ich mich nach vorne begebe, um den Anker herab zu lassen, geht dann mal wieder einer der berühmten Panamaschauer über uns nieder. Fünf Minuten später hört es wieder auf zu regnen, doch ich bin in dieser Zeit klitschenass geworden. Sehr erfrischend! Kaum, dass ich mich in trockene Klamotten gehüllt habe, kommt auch schon der erste Besucher längsseits. Es ist Philip von der Segelyacht „Carina“, den wir bereits aus dem morgendlichen Funknetz kennen. Er gibt uns ein paar Tipps und wir erfahren, wo wir unser Dinghy anlanden können und vor allem, wo es Wasser für uns gibt. Eine Stunde später kommt schließlich auch „Yohelah“ auf dem Ankerplatz an. Wir verabreden uns schnell für den Abend zum gemeinsamen Essen auf „Yohelah“ und fahren mit dem Dinghy an Land. Am Anleger bezahlen wir für das Dinghy 5 Dollar und können dafür unseren Müll los werden. Wasser gibt es auch, doch bevor wir unseren kleinen Faltkanister füllen, schauen wir noch schnell beim Angelshop von Abernathy vorbei und erstehen zwei weitere Wasserkanister. Diese füllen wir dann auch gleich auf und machen uns auf den Weg zurück zum Schiff. Um 18 Uhr fahren wir zu „Yohelah“ hinüber und genießen griechische Leckereien wie Houmus, Tzaziki, Oliven, gefüllte Weinblätter, Pita-Brot und Schafskäse. Dann wandert unser Fisch auf den Grill und Rob klärt uns auf, dass es sich dabei um einen Bonito handelt. Leider klärt er uns auch darüber auf, dass man den Fisch eigentlich nur essen kann, wenn man kurz vor dem Verhungern ist. Das sind wir natürlich gerade nicht und so schmeckt der Fisch mehr als grausig. Wir versuchen nicht mehr als ein paar Häppchen davon und werfen ihn schließlich schweren Herzens wieder über Bord. Schade, hätten wir gewusst, dass es sich um einen derart schlecht schmeckenden Fisch handelt, hätten wir wohl versucht ihm wieder die Freiheit zu geben. Wir sitzen noch bis 20 Uhr zusammen und unterhalten uns wie immer prächtig. Dann fängt es mal wieder an zu regnen und auch die gewohnten Panamablitze zucken wieder mal über den Himmel. Wir machen uns auf den Rückweg zu Hello World und sitzen dort noch eine Weile mit unseren Büchern im Salon, bis wir uns gegen 22 Uhr schließlich wieder in unsere Kojen begeben.

Wir machen uns auf den Weg nach Panama City

Donnerstag, 4. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Die Morgensonne weckt mich und ich bin bereits um 6.30 Uhr auf den Beinen. Noch vor dem Frühstück versuche ich mit unserer externen Internetantenne ein Signal aufzuschnappen, um ein wenig im Internet zu surfen. Leider gelingt das nur teilweise, aber zu mindestens kann ich ein paar Emails empfangen und versenden. Um 8 Uhr horchen wir dann kurz in das örtliche VHF-Funknetz auf Kanal 74 hinein. Wir stellen uns als „new arrivals“ kurz vor, damit auch jeder in Panama weiß, dass wir da sind. Dabei lernen wir auch gleich Hans und Gaby von der Segelyacht „September“ aus Österreich kennen und verabreden uns bei Gelegenheit auf ein Bier zusammen. Dann gibt es noch ein schnelles Frühstück, bevor wir uns gegen 9 Uhr zusammen mit Rob und Teresa an Land begeben. Wir laufen zunächst zur Flamenco Marina bzw. der angegrenzten Shopping-Mall hinüber. Dort ist heute ganz schön viel los, denn ein Kreuzfahrtschiff liegt auf Reede und spuckt seine Passagiere in den Duty-Free-Shop und die Souveniergeschäfte aus. Wir suchen dagegen das Büro der Port Authority auf, doch dort ist heute anscheinend keiner tätig. Also müssen wir wohl doch zum Einklarieren erst weiter zum Balboa Yacht Club und dann zu den anderen Stationen fahren. Dafür versuchen wir ein Taxi zu ergattern, doch scheinbar sind mit den Kreuzfahrttouristen auch die Preise gestiegen. Ganze 20 US-$ sollen wir pro Stunde zahlen! Ein anderer Taxifahrer verlangt sogar satte 15 US-$ pro Person zum Einklarieren. Das ist uns natürlich viel zu teuer. Also wandern wir ein Stück die Straße entlang und bekommen schließlich ein Taxi, welches uns für 6 $ zum Balboa Yacht Club bringt. Dort können wir uns zunächst in dem winzigen Büro der Immigration einen Stempel für den Pass abholen. Außerdem sitzt in einem wenig entfernten Container eine Dame vom Zoll und wir können auch hier einklarieren. Der Stempel im Pass ist kostenlos, doch der Zoll kostet und 25 US-$. Beim Balboa Yacht Club können wir schließlich auch einen netten Taxifahrer aufgabeln, der uns für 10 US-$ die Stunde durch die Gegend chauffieren will. Israel kennt sich außerdem mit den Einklarierungsformalitäten aus und weiß genau, wo wir hin müssen. Als Erstes geht es in den Port of Panama. Dort müssen wir erst einmal ein General Boarding über uns ergehen lassen. Das ist zwar eigentlich kostenlos, doch der Beamte lässt bei Rob die Bemerkung fallen, dass er gegen ein kleines Trinkgeld nichts einzuwenden hätte. Rob stellt sich taub und wir bezahlen nur die 69 $ für unser Cruising Permit, welches wir im Anschluss von zwei netten Damen bekommen. Dann geht es mit dem Taxi zum Stadtteil El Diablo. Völlig ohne Hinweisschild verbirgt sich hier neben einem Supermarkt die Immigrationsbehörde. Dort holen wir uns zusätzlich zu dem normalen Stempel im Pass noch ein Visum ab. Damit dürfen wir nun die nächsten drei Monate ohne Probleme in Panama bleiben. Auch hier werden wir wieder Geld los, 15 $ pro Person müssen wir bezahlen. Damit sind wir offiziell einklariert und dürfen uns nun frei in Panma bewegen. Obwohl das natürlich vorher auch keinen interessiert hat. So legitimiert, fahren wir als Nächstes zum Raymarine Händler Protecsa. Dort soll eigentlich eine neue Windfahne für uns erhältlich sein, doch scheinbar erwischen wir den Laden heute auf dem falschen Fuß. Der Chef ist nicht da und außer ihm scheint keiner so richtig Bescheid zu wissen. Wir bekommen also weder unsere Windfahne, noch können wir unseren defekten UKW-Hörer ersetzten. Nur der Hinweis, dass am Samstag der Chef wieder da ist, hält uns einigermaßen bei Laune. Weiter geht es die Transistmica entlang zum Elektroladen von Electrisa. Hier versuchen wir unseren Watermakermotor reparieren zu lassen, werden jedoch an einen anderen Laden verwiesen. Dummerweise befindet sich der Laden genau dort, wo wir gerade hergekommen sind. Also schlängeln wir uns in entgegen gesetzter Richtung wieder durch den Verkehr. Wir finden Servielectra schließlich in einem ziemlich heruntergekommenen Stadtteil und unser Taxifahrer wird sichtlich nervös. „Zona rocha“ sagt er mehrfach und „muy peligroso“. Trotzdem werden wir ohne Probleme unseren Motor los und bekommen gesagt, dass er am Samstag um 13 Uhr fertig sein würde. Der Spaß soll uns 175 $ kosten, was, wenn er denn dann wieder funktioniert ein Spitzenpreis wäre. Jedenfalls verglichen mit den Portokosten, die ein Einsenden des defekten Motors nach Trinidad zum Hersteller kosten würde. Nachdem damit die Pflicht erledigt ist, fahren wir als Nächstes zum Rey Supermarkt nach Albrook. Hier shoppen wir mal wieder nach Lust und Laune. Wir bekommen lang vermisste Lebensmittel und sogar „deutsche“ Brötchen. Dann geht es endlich zurück zum Schiff. Wir verstauen alle Lebensmittel und machen uns direkt wieder auf den Weg. Zusammen mit Rob und Teresa wandern wir erneut zur Flamenco Marina und machen es uns dort bei Bennigan’s gemütlich. Dort haben wir freien Internetzugang und ich kann endlich mal wieder unsere Webseite aktualisieren. Außerdem haben wir uns mit Dan und Lorraine von der „Zephyrus“ verabredet, die gegen 18 Uhr zu uns stoßen. Auch Heather und Kent von „Hiatus“ wollten wir auf diese Weise eigentlich noch einmal sehen, doch die beiden sind zu sehr mit den Vorbereitung für ihre morgige Kanalpassage beschäftigt. Es wird mal wieder ein netter Abend bei leckerem Essen und wir sind eigentlich ganz froh, dass wir statt in Costa Rica in Panama gelandet sind. Gegen 20 Uhr machen wir uns auf den Rückweg zum Schiff und lesen dort noch eine Weile, bevor wir ziemlich erschöpft in unsere Kissen sinken.

Das Ankerfeld von La Playita

Freitag, 5. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Heute ist zur Abwechslung mal Ausschlafen angesagt. Bis 8 Uhr rekeln wir uns in den Kojen, dann gibt es ein leckeres Frühstück. Da das Frühstück am gestrigen Seemannssonntag ein wenig zu kurz kam, gibt es heute stattdessen ein Frühstücksei, Lachs und deutschen Brötchen. Die Brötchen sind ganz annehmbar, wenn auch ein wenig zu weich und zu süß. Wir lassen den Tag heute etwas lockerer angehen und trödeln nach dem Frühstück noch ein wenig rum. Gegen 10 Uhr machen wir uns dann auf den Weg an Land. Wir schnappen uns ein Taxi und fahren als Erstes nach Balboa zur Free Way Laundry. Dort verabrede ich, dass man am nächsten Tag um 11 Uhr unsere dreckige Wäsche abholt. Oder jedenfalls glaube ich das mit meinem brüchigen Spanisch verabredet zu haben. Weiter geht es zur Albrook Mall. Dort kaufen wir uns zunächst wieder ein günstiges Telefon, um in Panama mit Taxifahrern, Mechanikern etc. kommunizieren zu können. Für knapp 25 US-$ bekommen wir ein schönes Nokia, welches angeblich auch in anderen Ländern funktionieren soll, also kein Simlock hat. Weitere 10 US-$ werden in Gesprächsguthaben investiert. Wir stromern weiter durch die Mall, können aber nicht wirklich tolle Sachen für uns entdecken. Schließlich landen wir im Do-it Baumarkt und werden hier fündig. Diverse Reinigungsmittel, Polituren, Schmierstoffe und ein paar Schwämme wandern in unseren Einkaufswagen. Außerdem eine Wäschewanne und ein großer Trichter. Beim Super 99 Supermarkt werden unsere Lebensmittelvorräte anschließend noch um eine Gurke, Frühlingszwiebeln und Blauschimmelkäse erweitert, dann geht es mit dem Taxi zurück nach Playita. Wir haben Glück und erwischen diesmal ein funkelnagelneues Exemplar in dem man sich sogar auf den Rücksitzen anschnallen kann. Das ist für Panama schon eine ziemliche Besonderheit! Zurück an Bord packe ich unsere dreckige Wäsche in ordentliche Bündel zusammen. Ganze vier Taschen haben wir schon wieder beisammen. Teilweise hat die Wäsche bei der hohen Luftfeuchtigkeit der letzten Wochen schon angefangen zu stocken. Hoffentlich lässt sich das wieder beseitigen. Auch unsere Lederschuhe haben teilweise Schimmel angesetzt und werden nun mit Desinfektionsmittel gereinigt und der Sonnenstrahlung ausgesetzt. Hartnäckiger ist der Kampf mit den Stockflecken auf unseren Salonpolstern. Im Laufe der Zeit haben sich immer mehr kleine, schwarze Flecken gebildet. Diese haben wir bereits versucht mit Polsterreiniger, Teppichreiniger und am Ende sogar Chlorreinger zu bekämpfen. Bisher leider ohne Erfolg. Wenn also jemand ein Rezept gegen Stockflecken auf Polstern kennt? Immer rüber damit! Zum Mittag machen wir uns heute ein leckeres Grillhähnchen vom Rey Supermarkt warm. Man, wie haben wir das vermisst! Das Wetter verwöhnt uns heute übrigens teilweise mit herrlicher Sonne und kaum aushaltbaren Temperaturen. Ab und an kommt zwar mal ein kleiner Regenschauer, dieser dauert dann jedoch nur ein paar Minuten und die Tropfen verdampfen mehr oder minder direkt an Deck. Den Nachmittag verbringen wir mit Lesen im Cockpit, nur unterbrochen durch einen Campari-Orange als Sundowner um 17.30 Uhr. Wenig später gibt es dann leckeren Salat mit den Resten vom Grillhähnchen zum Abendessen. Danach sitzen wir noch bei einem herrlich kühlenden Lüftchen im Cockpit und lesen weiter in unseren Büchern. Während ich weiterhin in den Schwarm vertieft bin, hat sich Axel inzwischen den Hitchhiker’s Guide durch die Galaxis geschnappt. Gegen 21.30 Uhr ist aber auch heute wieder Schicht im Schacht und wir fallen in unsere Kojen.

Axel genießt seinen Sundowner

Samstag, 6. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Nikolaus! Und keiner hat unsere Schuhe mit leckeren Sachen gefüllt!!! So ein Mist! Im letzten Jahr waren wir zu der Zeit mitten auf dem Atlantik und selbst da gab es eine kleine Überraschung aus unserem Atlantik-Kalender. Scheinbar ist es dem guten, alten Herrn Nikolaus einfach zu warm hier, um irgendwelche Schokoladenlieferungen auszuführen. Na, dann eben nicht. Dann gibt es halt einfach ein leckeres Frühstück. Danach ist erst einmal ein wenig Arbeit angesagt. Axel rührt ein wenig Epoxy-Primer an und ich streiche unsere Duschwanne damit aus. Durch die Duschlauge hat sich die ursprüngliche Farbe angelöst und Blasen gebildet. Damit das nicht schlimmer wird, haben wir vor ein paar Tagen alles abgeschliffen und streichen es nun neu über. Um 11 Uhr geht es dann zum Anleger hinüber, wo wir bis 11.30 Uhr warten müssen. Dann kommt endlich der Wagen von der Free Way Laundry, um unsere Wäsche abzuholen. Ich versuche in meinem perfekten Spanisch begreiflich zu machen, dass die Wäsche gewaschen, getrocknet und gelegt werden soll. Außerdem sollen sie lieber ein paar Maschinen mehr waschen, damit die Wäsche auch wirklich sauber wird. So wie ich den Mann von der Wäscherei verstehe, soll die Wäsche dann Dienstag fertig sein. Montag ist hier nämlich ein Feiertag und da wird nicht gewaschen. Anschließend kaufen wir bei Abernathy noch ein paar Sachen ein. Ich bekomme zwei Kisten für meine inzwischen recht umfangreiche Muschelsammlung. Außerdem kaufen wir Holzlack, damit wir demnächst mal die Holzteile in unserem Cockpit überarbeiten können. Zurück an Bord streiche ich unsere Duschwanne ein zweites Mal. Axel bricht derweil um 13 Uhr in Richtung Land auf. Mit Taxifahrer Israel geht es zu Servielectra, um unseren Watermakermotor abzuholen. Eine knappe Stunde später ist er wieder da, allerdings ohne Motor im Schlepptau. Der war natürlich noch nicht fertig und Axel soll nun um 16 Uhr wiederkommen. Ich habe in der Zwischenzeit Tzaziki, gefüllte Weinblätter, Schafskäse und Pita vorbereitet, welches wir schön im Cockpit zum Mittag verzehren. Anschließend streiche ich die Wanne noch ein drittes Mal bevor ich mich mit meinem Buch ins Cockpit setzen kann. Axel bricht schließlich wieder zum Motorenservice auf, während ich mal wieder meine Muscheln im Cockpit ausbreite. Die Muscheln werden in die neuen Behälter sortiert und ein paar poliere ich auch direkt und stelle zwei Muschelanhänger her. Gegen 17 Uhr kommt Axel kommt dann mit Motor im Gepäck wieder. Der Spaß hat tatsächlich nur 175 $ gekostet und nun heißt es nur noch hoffen, dass das Teil auch wirklich funktioniert. Also schließt Axel den reparierten Motor an die Pumpe an und startet den Watermaker. Und der Motor läuft tatsächlich! Überall wo Wasser fließen soll, fließt auch Wasser. Doch nach kurzer Zeit fängt es wieder an zu stinken und der Motor wird wieder zu heiß. Also stellt Axel den Watermaker wieder aus und fragt sich relativ verzweifelt, was nun wohl die Ursache für die Überhitzung sein kann. Wir sind ein wenig mit unserem Latein am Ende. Möglich wäre, dass irgendetwas die Leitungen verstopft. Oder aber, dass am Ende die Pumpe kaputt ist. Oder, oder, oder… Wir entscheiden uns am nächsten Tag einfach mal die abführende Wasserleitung auszutauschen. Vielleicht ist ja irgendwo ein Knick in der Leitung, den wir einfach nicht sehen können. Leicht frustriert lassen wir das Abendessen heute mal ausfallen und mümmeln lediglich ein paar Erdnüsse bei einem Glas Wein. Wir lesen bis 21.30 Uhr und verholen uns dann mal wieder in die Kojen.

Frisch gewickelt, aber doch nicht in Ordnung

Sonntag, 7. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Ich stehe bereits um 7.30 Uhr auf, während Axel noch ein wenig lesend im Bett liegen bleibt. Um 9 Uhr gibt es dann erst mal ein leckeres Frühstück im Cockpit. Dann bauen wir draußen ein paar Sonnensegel auf. Heute ist aber auch wirklich ein heißer Tag. Es ist kaum Auszuhalten vor Hitze. Während Axel die Wasserleitung des Watermakers austauscht, versuche ich unter Deck mal wieder eine Internetverbindung zu ergattern. Leider funktioniert das seit ein paar Tagen irgendwie nicht mehr. Stattdessen schaukelt das Boot plötzlich heftig und ich kann mit ansehen, wie sich durch unsere offenen Luken im Achterschiff eine Megawelle auf unsere Betten stürzt. Schöner Scheiß! Im Nu ist alles durchnässt. Wir schaffen Bettdecken, Kissen, Matratzen und alles an Deck, wo ich die Sachen mit Süßwasser abspüle. Das gibt unserem Tankinhalt nun endgültig den Rest. Nun haben wir also unser Wasser vollständig verbraucht. Nur gut, dass wir hier ja ohne Probleme nachtanken können. Axel nimmt sich derweil unter Deck der gefluteten Bereiche an. Alles wird auch dort mit Süßwasser abgespült bzw. gewischt. Leider sind auch mal wieder ein paar Stecker, Kabel und Verbinder von der Überflutung betroffen. Unser kleines KW-Radio trieft nur so vor Nässe und die Blaubärlampe sieht auch nicht mehr so gut aus. Hoffentlich bekommen wir das wieder repariert. Eine Dreiersteckdose schreiben wir dagegen direkt ab. Nur gut, dass wir aus Deutschland ein paar mehr davon mitgenommen haben. Schließlich ist alles entsalzt und wir hoffen das der Sonnenschein heute gut durchhält. Das gesamte Deck ist mit Bettlaken etc. voll gehängt, die langsam in der Sonne trocknen. Das geht zum Glück bei den derzeitigen Temperaturen sehr schnell. Nur die völlig durchnässten Kopfkissen brauchen wohl etwas länger. Wir fahren schließlich mit dem Dinghy an Land und tanken dort Wasser in all unsere verfügbaren Behälter. Auf etwa 75 l kommen inzwischen wir auf diese Weise. Das sollte wohl eine Weile reichen. Außerdem füllen wir auch die gerade neu erstandene Waschwanne mit Wasser. Zurück an Bord wasche ich mit dem darin befindlichen Wasser zunächst unsere Handtücher und nehme anschließend noch ein Bad darin. Nun gut, sehr komfortabel ist meine Badewanne nicht, Ich muss mich schon ganz schön zusammenfalten, damit ich in die Wanne passe. Das ging als Kind irgendwie besser. Ach ja, nicht zu vergessen, hat der Austausch der Wasserleitungen leider keine Verbesserung bei der Reparatur unseres Wassermachers ergeben. Nun werden wir also den kaputten Motor doch noch nach Trinidad verschicken müssen. Dort wird er dann entweder repariert oder ausgetauscht und als Garantiefall an uns zurück gesendet. Gegen 15 Uhr werde ich dann von Rob und Teresa abgeholt. Wir fahren gemeinsam an Land und wandern zu Bennigan’s hinüber. Dort surfen wir eine Weile im Internet und verschlingen dabei eine Riesenportion Eis. Gegen 18 Uhr sind wir wieder zurück an Bord und versammeln uns zu einem leckeren Grillabend an Bord von Hello World. Nach leckeren Steaks, Spareribs und mexikanischen Salat spielen wir dann eine Runde Domino. Ja, richtig gehört: Domino! Bei den Amerikanern ist das Spiel sehr beliebt und wir spielen die Variante „Mexican Train“. Dabei verliere ich am Ende haushoch, während Axel sich einigermaßen gut schlägt. Da müssen wir wohl noch ein wenig dran üben. Der Abend geht weit über Cruisers Midnight hinaus und wir schaffen es heute erst gegen 23.30 Uhr in unsere Betten. Zum Glück ist bis auf die Kissen alles getrocknet und wir brauchen nicht auf feuchten Matratzen zu schlummern.

Die Badewanne ist definitiv zu klein!

Montag, 8. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Nach dem langen Abend von gestern, stehen wir heute erst gegen 8 Uhr auf. Während Axel Pfannkuchen zum Frühstück zubereitet, lausche ich dem UKW-Funknetz und werde über alle möglichen Events informiert. So findet montags eine Büchertauschbörse statt und donnerstags musizieren die Segler gemeinsam im Balboa Yacht Club. Das Frühstück nehmen wir anschließend wie gewohnt im Cockpit ein. Heute ist es ziemlich diesig und die Sonne kommt noch nicht durch die Wolken durch. Entsprechend angenehm kühl ist es im Cockpit. Die Kissen wandern währenddessen wieder zum Trocknen nach draußen. Nach dem Frühstück nimmt sich Axel mal wieder der Bootspflege an. Unser Auspuff rostet an einer der Befestigungsschrauben und der Rost hinterlässt hässliche Spuren am Rumpf. Das geht so natürlich nicht und muss wegpoliert werden. Dann schrubbt Axel noch ein wenig das Unterwasserschiff und befreit es von lästigen Entenmuscheln. Ich lese derweil den Rest meines spannenden Buches (immer noch „Der Schwarm“). Heute ist in Panama übrigens ein Feiertag. Zu unserem großen Erstaunen handelt es sich dabei um Muttertag und fällt damit nicht wie in Deutschland auf einen Sonntag. Die meisten Geschäfte haben geschlossen, nur Restaurants und die großen Supermärkte haben geöffnet. Nachdem unser gestriger gemütlicher Sonntag ja wortwörtlich ins Wasser gefallen war, machen wir uns stattdessen heute einen ruhigen Tag. Wir verbringen die meiste Zeit lesend im Cockpit. Abends gibt es einen leckeren Salat und wir lesen anschließend noch ein wenig weiter. Ich habe inzwischen vom Schwarm auf „The big bad wolf“ von James Patterson gewechselt. Ein Buch, das so spannend ist, dass es am Abend schon wieder ausgelesen ist. Gegen 22.30 Uhr liegen wir dann mal wieder wohlig schnarchend in unseren Kojen.

Dienstag, 9. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Heute gibt es bereits um 7.30 Uhr Frühstück. Während wir noch Kaffee schlürfen, ruft die Freeway Laundry an und sagt, dass unsere Wäsche fertig ist. Wir gehen um 10 Uhr aber erst einmal zur Flamenco Marina rüber. Dort kaufen wir zunächst bei Pesquadero noch ein paar Teile fürs Schiff. Die rostenden Schrauben vom Auspuff wollen ja schließlich ersetzt werden. Dann geht es zu Bennigan’s um im Internet zu surfen. Ich eröffne als Erstes einen Account bei Aerocasillas. Das ist ein Unternehmen, bei dem man für 10 US-$ im Jahr ein Postfach eröffnen kann. Die Post wird dabei erst nach Miami geschickt, dann per Kurier nach Panama gebracht. Dort kann man seine Pakete dann einfach abholen. Der Vorteil gegenüber der regulären Post ist, dass die Sachen dort erstens nicht geklaut werden und das die Pakete innerhalb von zwei Tagen von Miami nach Panama gelangen. Wir essen bei Bennigan’s eine Kleinigkeit zu Mittag und fahren um 13 Uhr schließlich wieder zurück zum Schiff. Wir tanken noch schnell ein wenig Wasser und holen schließlich um 14 Uhr Teresa ab. Gemeinsam geht es an Land, wo Taxifahrer Israel bereits auf uns wartet. Als Erstes fahren wir heute erneut zu Protecsa. Heute ist Chef Robert da und wir können all unsere Raymarine Sachen bestellen. Am Freitag sollen die Sachen dann da sein. Weiter geht es zum MegaDepot Supermarkt. Teresa und ich springen raus und shoppen ein paar Sachen. Axel fährt derweil mit Israel weiter und ersteht bei Electronica Caraibe ein paar neue Lüfter und Lautsprecher. Unser  geflutetes KW-Radio scheint nämlich bis auf den Lautsprecher wieder zu funktionieren. Just als Teresa und ich fertig sind mit Einkaufen, kommt auch Axel wieder bei MegaDepot an. Da wir einiges an Getränken eingekauft haben, arrangieren wir eine Lieferung der Einkäufe nach La Playita für den nächsten Tag. Mal sehen, ob das klappt. Auf jeden Fall schreibt man sich unsere Adresse, Telefonnummer etc. auf. Wie früher in Colón wird auch hier der Einkaufswagen mit den Informationen bestückt und beiseite gestellt. Wir fahren mit dem Taxi weiter zum RibaSmith Supermarkt und kaufen dort noch einige Frischwaren ein. Schließlich geht es zur letzten Station des Tages, zur Free Way Laundry. Wir bezahlen 35 $ für vier dicke Beutel frisch gewaschene Wäsche und stopfen alles in unser inzwischen ziemlich voll beladenes Taxi. Dann geht es zurück zu unserem Ankerplatz. Wir verladen alles in die Dinghies und fahren zu den Schiffen. Dort verstauen wir schnell alles und fahren dann zu „Yohelah“ hinüber. Dort haben Rob und Teresa nämlich heute zu Thailändischem Essen eingeladen€. Es gibt Fischcurry mit Reis und Hähnchenpattay mit Nudeln. Dan von „Zephyrus“ ist auch mit dabei, während seine Frau Lorraine bereits gestern über Weihnachten in die USA abgereist ist. Wie immer ist es ein netter Abend und wir schaffen es erst gegen 22.30 Uhr zurück an Bord von Hello World. Dort fallen wir auch direkt und ohne Umstände in die Kojen und erholen uns von diesem anstrengenden Shoppingtag.

Käpt’n Blaubär genießt es in der Hängematte zu liegen

Mittwoch, 10. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Auch heute schlafen wir mal wieder bis 8 Uhr aus. Dann gibt es wie üblich ein leckeres Frühstück im Cockpit. Heute ist es ziemlich drückend in Panama City. Wir sind schon alleine vom Orangensafttrinken völlig durchgeschwitzt. Um 9 Uhr ruft Günter’s Frau Susanne aus Contadora an und gibt uns eine Telefonnummer von dem örtlichen FedEx-Lieferanten durch. Wir rufen ihn an und verabreden uns für 11 Uhr bei der Flamenco Marina. Jedenfalls hoffen wir, dass wir das in unserem brüchigen Spanisch verabredet haben. Aber das mit der Wäsche hat ja auch ganz gut geklappt. Also fahren wir um 10.30 Uhr an Land. Während ich in dem dortigen Café sitzen bleibe und warte, ob die Leute von Megadepot mit unserer Lieferung auftauchen, wandert Axel zur Flamenco Marina hinüber. Da wir nur ein Telefon haben und Axel es für den Kontakt zu FedEx mitgenommen hat, würden wir ansonsten nicht erfahren, wenn sie bei uns auftauchen würden. Schließlich taucht Axel nach einer Stunde wieder auf, ohne allerdings unseren Watermakermotor zu haben. Scheinbar gibt es mal wieder ein Problem das Teil aus dem Zoll heraus zu bekommen und nun soll es irgendwann am Nachmittag geliefert werden. Auch die MegaDepot Leute sind nicht aufgetaucht, so dass wir unverrichteter Dinge wieder zurück zum Schiff fahren. Wir verbringen den Tag an Bord und bereiten alles für den neuen Watermaker vor. Schließlich ruft Günter aus Contadora und sagt uns, dass FedEx in einer 3/4 Stunde bei der Marina ist. Also fährt Axel wieder an Land und läuft nach Flamenco rüber. Ich warte derweil weiter auf die MegaDepot Leute, doch scheinbar haben die uns vergessen. Niemand meldet sich bei Axel auf dem Telefon und es taucht auch kein Lieferwagen am Anleger auf. Eine halbe Stunde später ist Axel wieder zurück an Bord und hat eine große Holzkiste mit dabei. Darin befindlich ist unser neuer Watermakermotor samt Hochdruckpumpe. Nun heißt es das Teil in unser Schiff einzubauen. Während Axel unter Deck schwitzt, kann ich ihm nicht viel helfen und sitze daher mit einem Buch im Cockpit. Schließlich ist das gute Teil soweit eingebaut, nur für die Elektroinstallation brauchen wir noch ein paar Anweisungen des Herstellers. Wir verschicken schnell eine Email und machen uns gegen 18 Uhr ans Abendessen. Heute gibt es mal etwas ganz besonderes. Bei unserem gestrigen Ausflug zu Riba Smith habe ich nämlich tatsächlich Spargel entdecken können. Und natürlich mussten ein paar Stangen davon in unseren Einkaufswagen wandern. So sitzen wir wenig später also völlig untypisch für Dezember bei Spargel, Salzkartoffeln, Schinken und Buttersauce zusammen. Lecker! Anschließend funken wir noch schnell mit „Yohelah“, deren Sachen von MegaDepot ja ebenfalls nicht geliefert wurden. Wir verabreden am nächsten Tag eine Telefonnummer herauszufinden, oder ggf. mit dem Taxi zu Megadepot zu fahren und uns dort zu beschweren. Anschließend verbringen wir noch eine Weile lesend im Cockpit und hüpfen gegen 21.30 Uhr in die Kojen.

Post bekommen

Donnerstag, 11. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Die Nacht gestaltet sich nach langer Zeit mal wieder ziemlich unruhig. Von irgendwoher kommt ein fieser Schwell und Hello World schaukelt wie wilde auf den Wellen. Um 7.30 Uhr stehen wir daher etwas gerädert auf und versuchen beim Frühstück im Cockpit nicht unsere Kaffeetassen zu verlieren. Um 8 bzw. 9 Uhr lauschen wir den Funknetzen auf Kanal 74 und Frequenz 8.134 und gleichzeitig kommt von Echotech eine Email mit den Anweisungen für den Elektroanschluss des Watermakermotors. Natürlich schließt Axel das Teil sofort an und um Punkt 9.35 Uhr wollen wir endlich wieder den Wassermacher in Betrieb nehmen. Doch dummerweise springt der neue Motor gar nicht erst an. Er blockiert und gibt nur ein leicht summendes Geräusch von sich. Also macht Axel sich wieder an die Fehlersuche und überprüft noch einmal die Elektroverkabelung. Leider bringt auch das Ergebnis. Nuns sind wir wirklich am Ende unserer Weisheit. Wieso bekommen wir das Sch…system nicht wieder in Gang? Irgendwo muss doch da der Wurm drinstecken. Und wo zum Teufel bleiben unsere Einkäufe von MegaDepot. Letzteres Problem versuchen Teresa und ich schließlich zu lösen, indem wir uns per Taxi in Richtung Großhandelssupermarkt begeben. Wir finden am Causeway ein ausnehmend schönes Exemplar. Klimatisiert, neu und mit Anschnallgurten hinten. Und den Fahrer können wir sogar von 8 auf 6 US-$ Fahrtpreis runterhandeln. Allerdings ist mit der Fahrt schon ziemlich bald Schluss. Kaum das wir auf die große Hauptstraße Transistmica eingebogen sind, stoppt der Verkehr. Nach einer halben Stunde Stau stehen, sehen wir schließlich den Grund. De Straße ist auf Höhe der Universität gesperrt, anscheinend wird dort mal wieder protestiert. Wir müssen einen riesigen Umweg über die Schnellstraße fahren, die uns nicht nur Zeit, sondern auch 90 Cent Maut kostet. Nach 1 1/2 Stunden Fahrt kommen wir dann endlich beim MegaDepot an. Dort findet man sofort unsere Papiere und auch die Waren stehen schön ruhig in der Ecke rum. Angeblich hätte man versucht uns auf dem Handy zu erreichen, doch so richtig mögen wir daran nicht glauben. Man bietet uns an das Zeug am nächsten Tag auszuliefern, doch wir nehmen es lieber direkt im Taxi mit. Dieses ist allerdings ziemlich schwer aufzutreiben. Durch die gesperrte Straße kommen beim MegaDepot nur wenige Wagen vorbei und einige weigern sich schlicht in Richtung Amador Causeway und damit in Richtung gesperrter Straße zu fahren. Schöner Mist! Nach etwa 20 Minuten erwischen wir schließlich einen willigen Taxifahrer, der uns aber direkt unverschämte 15 US-$ für die Fahrt abverlangt. Da wir keine Lust haben noch länger in der Hitze rum zu stehen, willigen wir ein und sind eine dreiviertel Stunde später wieder in La Playita. Der unverschämte Taxifahrer will aufgrund des langen Staus dann auch noch ein Trinkgeld haben, welches wir aber gnadenlos ignorieren. Axel und Rob holen uns mit den Dinghies ab und wir verladen unsere Einkäufe. An Bord werden erst einmal die ganzen Sachen verstaut. Da es sich hauptsächlich um Getränkedosen handelt, ist das Ganze schnell erledigt. Von Axel gibt es dann die gute Nachricht, dass er mit Hilfe von Rob doch noch unseren Wassermacher in Gang bekommen hat. Scheinbar hatte sich ein Lüftungsgitter verzogen und so den Antrieb der Lüftung blockiert. Nach Abnahme des Gitters lief der Wassermacher dann zum Glück ohne Probleme. Endlich wieder Wasser satt! Wir räumen gemeinsam das entstandene Chaos unter Deck auf und freuen uns, dass wir jetzt doch wie geplant am Wochenende in Richtung Las Perlas Inseln aufbrechen können. Morgen wird der alter Wassermachermotor dann zur Post gebracht und in Richtung Trinidad zum Hersteller geschickt. Mitte Januar haben wir dann hoffentlich den reparierten Motor oder gar ein Austauschmotor zurück an Bord und damit ein weiteres unverzichtbares Ersatzteil. Eine weitere erfreuliche Nachricht kommt dann noch aus Deutschland. Meine Mutter Bärbel hat mal wieder die Reiselust gepackt und sie will uns im Januar besuchen kommen. Somit stehen unsere Pläne bis Ende Januar auch wieder einigermaßen fest. Über Weihnachten und Silvester werden wir auf den Las Perlas bleiben und hoffentlich mit ein paar anderen Seglern ordentlich feiern. Mitte Januar geht es dann zurück nach Panama City, wo wir Bärbel aufgabeln werden. Nach ein wenig Sightseeing in Panama City geht es dann mit ihr noch einmal zu den Perleninseln. Ende Januar liefern wir sie wieder in Panama City ab. Dann bekommen wir hoffentlich auch den Wassermachermotor, können unser Schiff kurz an Land stellen und das Unterwasserschiff streichen, ordentlich proviantieren und uns dann irgendwann Mitte Februar in Richtung West-Panama, Cocos Island und schließlich Galapagos auf den Weg machen. Soweit jedenfalls der Plan. Mal sehen, wann wir wo am Ende tatsächlich landen. Zum Abendessen bereiten wir uns heute mal leckere Taco-Shells mit Hack, Guacamole, Salat, Mais und scharfer Salsasauce zu. Wie immer sehr lecker. Einzig das über uns hinweg ziehende Gewitter stört ein wenig. Regen müssen wir ja schließlich im Moment nicht mehr sammeln. Anschließend lesen wir noch ein wenig im Cockpit. Axel beschäftigt sich mit dem „IRIS-Projekt“ von David Mason, während ich mich in „The Killing Doll“ von Ruth Rendel vertiefe. Um 22 Uhr liegen wir aber auch heute mal wieder in unseren Kojen.

Freitag, 12. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Heute werden wir von herrlichem Sonnenschein geweckt. Um 8.30 Uhr gibt es Frühstück, nachdem wir den Neuigkeiten über UKW auf Kanal 74 gelauscht haben. Für Weihnachten ist ein Potluck-Essen der Segler im Balboa Yacht Club geplant, aber da wollen wir doch lieber selber was in den Perleninseln organisieren. Axel ruft anschließend bei FedEx an und fragt, wo wir unser Paket mit dem kaputten Wassermachermotor loswerden können. Scheinbar kann FedEx das Teil nicht einfach bei uns abholen, stattdessen müssen wir es irgendwo in Panama City abliefern. Da ist mal wieder Taxifahrer Israel gefragt. Gegen 11 Uhr fährt Axel in Begleitung von Rob, der noch einige Besorgungen in eigener Sache zu erledigen hat, daher mit dem Dinghy an Land. Ich bleibe an Bord zurück, nur um wenig später von Teresa gefragt zu werden, ob ich Lust auf Internetsurfen und Lunch bei Bennigan’s habe. Na klar! Also fahren wir mit dem Dinghy an Land und laufen zu Bennigan’s rüber. Eigentlich nicht weit, aber bei der Hitze ist man innerhalb kürzester Zeit durchgeschwitzt. Wir surfen ausgiebig im Internet und Essen eine Kleinigkeit. Gegen 15 Uhr geht es wieder zurück zu den Booten. Diesmal ergattern wir allerdings ein Taxi, welches uns für 1 US-$ die kurze Strecke transportiert. Axel und Rob sind zwischenzeitlich auch wieder da. Für satte 550 $ ist es Axel gelungen unser Paket auf den Weg nach Trinidad zu bringen. Dafür könnten wir eigentlich ganz schön viel Wasser kaufen. Schöner Mist, aber was hilft es. Wenn man eines auf Langfahrt lernt, dann ungeplante Kosten zu akzeptieren. Rob hat seine Teile auch nicht ohne Probleme bekommen können, statt etwas von der Stange zu bekommen, werden seine benötigten Relingshalterungen nun kurzfristig angefertigt. Erfreulich ist hingegen, dass unsere Sachen von Protecsa komplett da sind und ohne Probleme mit nach Hause genommen werden konnten. Axel hat den neuen UKW-Hörer auch schon direkt eingebaut und nun können wir wieder aus dem Cockpit funken. Mit der Montage der Windfahnen wollen wir aber besser noch bis zu den Perleninseln warten. Zu groß ist die Gefahr, dass Axel im Schwell der vorbeifahrenden Schiffe um den Mast gewickelt wird. Auch ein Ersatzdisplay für unseren Autopiloten haben wir uns geleistet. Das einzige Teil zu diesem hochsensiblen und äußerst wichtigen Gerät, was wir noch nicht an Bord hatten. Drei bis vier Wochen Pazifiküberquerung können also getrost kommen. Den Rest des Nachmittags verbringen wir lesend im Cockpit. Um 17 Uhr kommen dann Rob und Teresa auf einen Sundowner vorbei. Nebenbei besprechen wir die Planung für Weihnachten. Zahlreiche Schiffe sollen eingeladen werden und der entsprechende Ankerplatz muss ausgesucht werden. Wir entscheiden uns für entweder Isla Espiritu Santo oder Rio Cacique in den Perleninseln. Da sollten eigentlich alle Boote rein passen und einen Strand für die Party gibt es auch. Nachdem uns die Beiden von der „Yohelah“ um 19 Uhr wieder verlassen, geht Axel erst einmal mit Günter funken. Dann sitzen wir noch eine Weile im Cockpit und lesen, bevor es gegen 22.30 Uhr mal wieder in die Kojen geht.

Samstag, 13. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Heute stehe ich mal wieder früh um 7 Uhr auf und begebe mich direkt an meinen Laptop. Für das kommende Jahr 2009 muss ich noch einige neue Seiten in unsere Webseite einpflegen. Um 8 Uhr steht auch Axel auf und macht uns leckere Spiegeleier zum Frühstück. Wir vertrödeln den Vormittag mit Aufräumen und am Laptop sitzend. Um 12.30 Uhr geht es mal wieder mit dem Dinghy an Land. Taxifahrer Israel wartet bereits auf uns und fährt uns heute mal zum PriceSmart. Das ist eine Art Großhandelsmarkt bei dem man Mitglied sein muss, um einkaufen zu dürfen. Da wir bereits auf Aruba dort einkaufen waren, sind wir schon Mitglieder und werden ohne Probleme eingelassen. Wir stöbern durch die Regalreihen und kaufen einiges an Leckereien und noch weitere Getränken ein. Immerhin wollen wir etwa vier Wochen in den Perleninseln bleiben und es steht zu vermuten, dass wir um Weihnachten und Silvester einen leicht erhöhten Getränkebedarf haben werden. Außerdem kaufen wir noch einiges an günstigem Rinder- und Schweinefilet ein. Zurück an Bord werden daher erst einmal schöne Steaks aus dem Filet geschnitten, eingeschweißt und eingefroren. Gegen 16.30 Uhr ist alles verstaut und ordentlich weg gepackt. Na ja, fast alles. Ein paar Sachen müssen noch kreativ verstaut werden. Irgendwie schleichen sich immer ein paar Lebensmittel ein, deren Packmaß nicht so recht in die Bordschapps passen will. Aber bisher haben wir es ja immer geschafft, alles zu verstauen. Wir gönnen uns nach der harten Arbeit einen Sundowner im Cockpit und beobachten dabei die dicken Pötte, die einer nach dem anderen aus dem Panamakanal gepurzelt kommen. Nebenbei läuft der örtliche Radiosender und verwöhnt uns mit Nena’s „99 Luftballons“ und Peter Schillings „Major Tom“, natürlich auf Englisch. Neue Deutsche Welle Musik scheint hier ziemlich beliebt zu sein und wird rauf und runter gedudelt. Abends kochen wir uns leckeres Hähnchen in Kokos-Erdnusssauce im Wok und sitzen anschließend noch eine Weile bei einem Glas Wein im Cockpit. Ein ziemlich dicker Vollmond taucht über der Flamenco Marina auf und von Land her klingt Livemusik zu uns herüber. Die Luft ist auf angenehme 26°C abgekühlt und der Wind streicht übers Cockpit. So kann man es eigentlich ganz gut aushalten 😉

Vollmond über der Flamenco Marina

Sonntag, 14. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Während ich bereits wieder um 7 Uhr am Laptop sitze und diese Logbuchseiten schreibe, hält es Axel bis 8 Uhr in den warmen Federn aus. Dann wird es auch ihm zu warm und wir bereiten uns ein leckeres Sonntagsfrühstück im Cockpit. Heute mal „mit Alles“, also frisch aufgekrosste Brötchen, Graved Lachs, Frühstücksei, Orangensaft und Kaffee. Mmmmhh!!! Anschließend funken wir kurz mit „Yohelah“ und verabreden uns zur gemeinsamen Shoppingtour. Weihnachten nähert sich bedrohlich und wir haben noch nicht ein einziges Geschenk an Bord. Da muss was dran geändert werden! Also fahren wir um kurz nach 10 Uhr an Land und lassen uns vom erstbesten Taxi zur Multiplaza Mall bringen. Dort stöbern wir zwei Stunden durch die Geschäfte und erstehen ein paar Kleinigkeiten für Weihnachten. Nach einer kurzen Stärkung in der Food Mall geht es weiter zum RibaSmith Supermarkt. Dieser befindet sich im zweiten Geschoss der Mall und wir finden doch tatsächlich noch ein paar Dinge, die uns zum weihnachtlichen, kulinarischen Glück noch gefehlt haben. Unter anderem wandert so eine drei Kilo schwere Putenbrust in unseren Einkaufswagen. Mit einem Taxi geht es dann wieder zurück nach Playita. Dabei geraten wir mal wieder in einen ordentlichen Verkehrsstau. In Panama City findet heute eine große Weihnachtsparade statt und die Straße in Richtung Amador Causeway ist deswegen gesperrt. Gegen 15.30 Uhr sind wir jedoch wieder zurück an Bord und verfrachten den Truti schnellstmöglich in den Tiefkühler. Dann wird der Rest der Einkäufe verstaut, hauptsächlich Obst und Gemüse für die nächsten Tage. Zurück am Ankerplatz stellen wir außerdem fest, dass wir inzwischen Gesellschaft von ein paar befreundeten Booten bekommen haben. „Sarana“ und „Nakia“ sind aus Kolumbien angekommen und liegen ein paar Meter von uns entfernt. Allerdings sind die jeweiligen Besatzungen gerade nicht an Bord und wir können nicht Hallo sagen gehen. Stattdessen fahren wir um 18 Uhr noch einmal an Land und mit einem Taxi weiter zum Balboa Yacht Club. Dort nehmen wir zusammen mit Teresa und Rob, sowie Dan von der „Zephyrus“ ein gemeinsames Abendessen ein und surfen gleichzeitig ein wenig im Internet. Gegen 21.30 Uhr geht es mit dem Taxi wieder zurück nach Hause. Wir sitzen noch eine Weile im Cockpit zusammen und verholen uns dann wenig später in unsere Kojen.

Montag, 15. Dezember 2008: Panama City 0 sm

Nachdem wir mitten in der Nacht von ein paar singenden Norwegern geweckt werden, schlafen wir heute mal bis 8 Uhr aus. Dann gibt es wie üblich Frühstück im Cockpit und der weitere Tagesverlauf wird besprochen. Eigentlich wollten wir ja heute in Richtung Isla Bona aufbrechen. Doch irgendwie hat sich beim gestrigen Weihnachtseinkauf kein Geschenk für mich finden lassen. Der Hinweis auf die schicke Omega-Uhr ist einfach an Axel abgeprallt und was anderes behauptet er, habe er nicht gefunden. Also machen wir uns heute gegen 11 Uhr auf den Weg zum alten YMCA-Gebäude in Balboa. Dort befindet sich ein Kunsthandwerkermarkt, der angeblich einige der besten Körbe, Molas und Tagua-Schnitzereien Panamas aufweist. Natürlich wird Axel hier mit ein klein wenig Unterstützung fündig und das Weihnachtsfest ist damit gerettet. Wir wandern zu Fuß in Richtung Amador Causeway und legen einen kurzen Stopp bei TGI Fridays in der Nähe vom Balboa Yacht Club ein. Nach einer kleinen Stärkung zum Mittagessen geht es dann mit dem Taxi weiter nach Playita. Zurück an Bord wartet mal wieder ein wenig Arbeit auf uns. Die Membranen von unserem Wassermacher scheinen unter den Motorproblemen der letzten Wochen ein wenig gelitten zu haben. Jedenfalls weist unser produziertes Wasser eine zu hohe Salinität auf, d.h. der Salzgehalt ist zu hoch. Erlaubt sind 500 ppm und wir haben 800 ppm (parts per million). Also führen wir eine Reinigungsprodzedur durch und hoffen, dass sich das Problem damit erledigen lässt. Als Erstes kommt Reinigungsmittel Nr. 1 zum Einsatz. Es wirkt gegen Öl, Fett und biologische Rückstände auf den Membranen. Eine dreiviertel Stunde lassen wir das Zeug immer im Kreis durch die Membranen laufen. Dann wird erneut Wasser produziert und der Salzgehalt gemessen. Eine leichte Verbesserung zeigt sich und wir lassen als Nächstes Reinigungsmittel Nr. 2 (gegen mineralische Rückstände) durchlaufen. Am Ende kommen wir so auf einen Salzgehalt von 650 ppm, der damit leider immer noch ein wenig zu hoch ist. Wir unterhalten uns darüber mit Rob von der „Yohelah“, der nebenbei Vertreter von Spectra-Wassermachern ist. Er meint, dass der etwas höhere Salzgehalt wohl nicht allzu schlimm sei. Die meisten Menschen könnten das Salz unterhalb von 1000 ppm nicht einmal schmecken. Nun gut, im Moment können wir eh nicht viel dran machen. Aber für die Rücksendung unseres Wassermachermotors werden wir auf jeden Fall mal nachfragen, ob man uns auch zwei neue Membranen mitschicken kann. Abends um 18 Uhr kommen uns dann mal wieder ein paar Freunde besuchen. Wir haben zur Sundowner-Party geladen und die Besatzungen von „Yohelah“, „Nakia“, „Sarana“ und „Carina“ sind dem Ruf gefolgt. Wie üblich bringt jeder eine Kleinigkeit zu Essen oder auch zu Trinken mit. Wir sitzen bis weit nach Sonnenuntergang zusammen und unterhalten uns über unsere weiteren Reisepläne. Nachdem uns unsere Gäste verlassen haben, lesen wir noch eine Weile, bevor es mal wieder zu süßen Träumen ins Bettchen geht.

Käpt’n Blaubär und John von „Nakia“ lassen sich ein Bierchen schmecken