Törnbericht Gibraltar – Estepona

Playa de El Rinconcillo – Gibraltar 3,6 sm

Montags geht nach dem Frühstück der Anker auf und wir bummeln das kurze Stück nach Gibraltar rüber. Übrigens halten wir uns inzwischen nicht mehr an die Regel im flachen Wasser zu fahren. Obwohl gerade heute und gestern wieder Orcas gesichtet und eine Yacht angegriffen wurde. Und zwar nur wenige hundert Meter von unserem vorgestern zurückgelegten Weg entfernt. Im tieferen Wasser auf der Außenseite des Thunfischnetzes von Zahara de los Atunes. Da haben wir diesmal wohl Glück und Verstand gehabt! Allerdings hat es hier in der Bucht von Gibraltar in den letzten drei Jahren keinerlei Angriffe gegeben und wir vertrauen auf die Regel, wo Delfine sind, sind keine Orcas. Und Delfine spielen auch heute wieder vor Anker und auf dem gesamten Weg um uns herum im Wasser. Wir ersetzen auf dem Weg die spanische Flagge gegen die Q-Flagge und die Gastlandflagge von Gibraltar. So zeigen wir an, wo wir hin wollen und das wir noch in Gibraltar einklarieren müssen. In der Queensway Quai Marina erwartet man uns bereits und weist uns einen schönen Platz am hintersten Eck der Marina zu. Etwas ab vom Schuss, aber dafür schön ruhig. Und das man uns gerne abseits der anderen Yachten legt, kennen wir ja bereits von vielen anderen Marinas. Vielleicht sollten wir mal die Pestflagge abnehmen?! Unsere Freunde von Spisea liegen auf der gegenüberliegenden Seite und sind in Rufreichweite. Nachdem wir La Ola ordentlich festgebändselt haben, geht es mit den fahrrädern einmal um die ganze Marina herum zum Office. Wir klarieren ein und können wenig später an Bord die Q-Flagge wieder runternehmen. Dann geht es mit den Rädern zum Einkaufen. Wir finden schnell einen kleinen Eroski-Supermarkt, der uns allerdings nicht wirklich überzeugt. Begrenzte Auswahl und hohe Preise. Wieder zurück an Bord erholen wir uns ein wenig von dem harten Seeschlag und halten Siesta. Abends geht es dann heute mal wieder auswärtig Essen. Direkt an der Marina finden wir einen netten Platz im Rendezvous Chargrill und genießen Hähnchen Piri-Piri und BBQ-Spareribs. Große Portionen, aber auch ein recht hoher Preis. Auf dem Rückweg schauen wir noch beim Katamaran Nalu aus Hamburg und unseren Freunden von Spisea auf ein Glas Rosé vorbei, bevor wir deutlich später als gedacht wieder bei La Ola ankommen.

Nach einer sehr ruhigen Nacht starten wir langsam in den nächsten Morgen. Selbst Lucky merkt erst gegen 8 Uhr, dass er noch gar nichts zu Frühstücken bekommen hat. Gegen 9 Uhr kommt auch die Sonne hinter dem Felsen hervor und wärmt uns beim Frückstück im Cockpit. Anschließend geht es mit unseren Rädern auf eine kleine Radtour um den Felsen. Leider fällt bei meinem Rad schon beim Start die Batteriehalterung fast auseinander. Zum Glück lässt es sich erst einmal notdürftig reparieren, aber da müssen wir uns definitiv etwas Haltbareres einfallen lassen. So glücklich wir auch sind, dass wir die Räder haben, aber die Qualität ist wirklich bescheiden! Egal, es geht los entgegen dem Uhrzeigersinn um den Felsen herum. Wir fädeln uns in den Autoverkehr ein und radeln die Rosia Road entlang bis zur Rosia Bay und blicken auf alte Burgmauern. Dann geht es weiter durch den Keightley Way Tunnel, der grob in das Gestein gemeißelt wurde. Hinter dem Tunnel erreichen wir die beeindruckende Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee und blicken auf Europa Point Lighthouse. Der Blick über die Straße von Gibraltar und nach Afrika hinüber ist toll anzusehen und das Wasser heute ziemlich aufgewühlt. Über die Europa Advance Road geht es weiter und wir müssen hinter der Gorham’s Cave einen steilen Anstieg bewältigen. In der Mittagssonne muss unser e-Antrieb ganz schön ackern! Die Gorham‘s Cave sparen wir heute aus und überlegen, ob wir sie an einem anderen Tag besuchen wollen. Immerhin wurden hier die Reste der angeblich letzten Neandertaler gefunden. Am Ende der Anhöhe geht es erneut in eine Tunnel hinein. Der Dudley Ward Tunnel geht erst weiter bergauf, um dann recht steil wieder bergab zu führen. Bei spärlicher Beleuchtung ein wenig unheimlich zu befahren! Hinter dem Tunnel erreichen wir den langgestreckten Strand von Sandy Bay und blicken wenig später auf moderne Hochhauskomplexe. Ein Stück dahinter geht es erneut in einen Tunnel. Diese Mal durchfahren wir einen modernen Tunnel, der für Fahrradfahrer und Fußgänger auf der Ostseite unter der Flughafenlandebahn durchführt. Hinter dem Tunnel fahren wir an der Landesgrenze zu Spanien entlang und stehen irgendwann wieder vor dem Rollfeld. Unsere Weiterfahrt wird durch eine rote Ampel und diverse Uniformierte gestoppt. Schlagbäume werden heruntergelassen, Tore geschlossen, Durchfahrsperren ausgelegt. Gibraltar zeichnet sich durch die Besonderheit aus, dass der Weg für Fußgänger und Radfahrer genau über das Rollfeld geht. Nun aber erst einmal nicht, denn eines der wenigen Flugzeuge, die Gibraltar überhaupt ansteuern, macht sich zum Start bereit. So müssen wir etwa eine Viertelstunde warten, bis die Maschine von British Airways an uns vorbeigesaust ist und abgehoben hat. Dann dürfen wir quer über die Start- und Landbahn passieren und unseren Weg fortsetzen. Nachdem wir von unserem gestrigen Einkaufsladen sehr enttäuscht waren, fahren wir heute zu einem anderen Supermarkt, der angeblich deutlich mehr Auswahl hat und wohl auch bessere Preise bietet. Wir finden Morrisons ohne Probleme und parken unsere Fahrräder. Dann geht es hinein in das wohlgekühlte Shoppingerlebnis. Die Auswahl ist tatsächlich deutlich besser und auch die Preise sind günstiger. Wir packen einen kleinen Einkaufswagen voll und beladen mit unseren Einkäufen die Fahrradtaschen. Die Flasche Bollinger 007-Champagner lassen wir aber (erst einmal?) im Laden stehen. Dann geht es in nicht einmal zehn Minuten wieder zurück zur Marina. Zurück an Bord stärken wir uns erst einmal mit gekühlter Melone mit Serrano-Schinken und halten ein wenig Siesta. Ich plane derweil das weitere touristische Programm. Dummerweise ist die Seibahn, die einen ansonsten schnell und unkompliziert auf den Upper Rock bringt, derzeit außer Betrieb. Die Anlage ist zum Teil bereits abgebaut und soll wohl erneuert werden. Alternative Möglichkeiten gibt es verschiedene. Die günstigste Variante ist ein Fußmarsch. Bei 30°C knapp 500 Höhenmeter zu bewältigen, finden wir allerdings eher semi-optimal. Ebenfalls günstig wäre der Weg mit den eBikes hinauf. Aber auch diese Möglichkeit ist aus unserer Sicht und der heutigen Erfahrung eher schwierig durchführbar. Bleiben also nur noch eine Bus- oder eine Taxitour. Taxitouren sind allerdings ziemlich teuer! Für knapp zwei Stunden werden 370 £ (Pfund!) für die einfache Tour, 600 £ für die VIP-Tour fällig. Zum Glück sind Taxi-Touren bis zu unserer Abreise allerdings ausgebucht. Am Ende buchen wir eine Bustour für 49 £ pro Person. Auch nicht günstig, aber ohne den Upper Rock besucht zu haben, wollen wir Gibraltar natürlich nicht verlassen! Auch die Bustour bekommen wir nur noch für Donnerstag gebucht, alle anderen Tage sind ausgebucht. Währen ich mit den Recherchen und der Buchung beschäftigt bin, versucht Axel mein Fahrrad zu reparieren. Die untere Aufnahme der Batterie ist völlig zerbröselt und bietet keinen Halt mehr für die Batterie. Gut, wir haben mit den Fahrrädern bereits einige Touren über Schotterpisten absolviert und die Straßen in Portugal und Spanien bieten ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten das eine oder andere Schlagloch mitzunehmen. Aber, darf die Batteriehalterung trotzdem nach knapp über 1.000 gefahrenen Kilometern schon kaputt sein?! Axel wäre aber nicht Axel, wenn er das Ganze nicht wieder reparieren könnte. Auch Dank des 3D-Druckers. Aber das braucht natürlich eine Weile. Erst wird alles fein vermessen, dann am Laptop eine Konstruktionszeichnung angefertigt. Schließlich werden die Teile gedruckt. Ganze fünf Stunden braucht das. Also wird es heute leider nicht mehr fertig.

Am nächsten Tag ist das gedruckte Ersatzteil fertig und wird von Axel fachmännisch montiert. Alles passt perfekt und ist nun viel stabiler als vorher. Toll! An unserem dritten Tag in Gibraltar geht es heute ansonsten erst einmal zu Fuß los. Etwa eine Viertelstunde laufen wir zum Botanischen Garten. Der liegt direkt neben der ehemaligen Seilbahnstation, die im Moment allerdings gerade neu gebaut wird. Obwohl es heute etwas bedeckt ist, kämpfen wir mit der hohen Luftfeuchtigkeit. Jede Bewegung löst einen Schweißausbruch aus und wir sind klatschnass, nachdem wir uns die Treppen zum Botanischen Garten hochgearbeitet haben. Zum Glück gibt es im Park aber viele schattige Plätzchen und ausreichend Ausruhgelegenheiten. Wir durchwandern den Park und genießen die mediterrane Vegetation. Am Ende des Gartens liegt der Alameda Wildlife Conservation Park. Ein kleiner „Zoo“ mit exotischen Tieren, die bei ihrer Einreise nach Gibraltar konfisziert wurden. Der Zoo ist recht klein und überschaubar. Die 8 Pfund Eintritt sind eigentlich viel zu viel, aber wir gehen trotzdem gerne hinein, denn der Park hat sich dem Schutz bedrohter Arten wie beispielsweise den Lisztaffen verpflichtet und betreibt Aufklärungs- und Forschungsarbeiten. Nachdem wir eine halbe Stunde alle Tiere mehrfach betrachtet haben, geht es wieder zurück in den Botanischen Garten und auf den Rückweg zum Boot. Dort angekommen gibt es eine kleine Mittagsmahlzeit und ein wenig Siesta. Durchs Cockpit weht ein angenehmer Wind, der unsere schweißnassen Klamotten schnell wieder trocknet. Am Abend machen wir uns dann auf den Weg in die Innenstadt. Axel möchte gerne Fish & Chips essen. Wenn man schon im weitesten Sinne in Großbritannien ist! Also steuern wir nach ein wenig Erkundung der Fußgängerzone den Royal Calpe Pub an, der sich durch einen Biergarten im Hinterhof auszeichnet. Dort sitzen wir gemütlich im Schatten und bekommen randvoll gefüllte Gläser serviert. Während Axels Fish & Chips nicht nur gut aussehen, sondern auch gut schmecken, hat mein Cesars Salad nicht viel zu bieten. Und aussehen tut er auch nicht wie ein Salat, sondern eher wie eine kleine Fleischplatte. Nach ein paar Umschichtarbeiten finde ich auch etwas Salat. Leider können aber weder das fade Hähnchenfleisch, noch das Fertigdressing, noch die fettigen Croutons überzeugen. Einzig die dicken Bacon-Scheiben geben etwas Geschmack. Nun denn. In unserem internen weltweiten Cesars Salad Ranking ist das wohl der letzte Platz. Nach dem Essen geht es wieder zurück zu La Ola, wo wir uns im Cockpit das WM-Halbfinale England gegen Argentinien im Radio anhören. Am Ende kommt es leider nicht zu meinem Wunschfinale Spanien gegen England, denn Argentinien gewinnt mit 2:1 gegen England.

Mit dem heutigen Tag, dem 15. Juli 2026, ist Gibraltar übrigens über ein Abkommen dem Schengen-Raum beigetreten. Ein historischer Tag an dem symbolträchtig die Gitter an der Grenze entfernt wurden! Und wir waren quasi dabei. Als Europäer kann man nun ohne Passkontrolle etc. ein- und ausreisen. Allerdings sind die Informationen spärlich was sich nun wirklich alles verändert. Insbesondere Nicht-EU-Bürger, die Gibraltar gerne nutzen, um ihren Aufenthaltsstatus in der EU zu verlängern, sind im Moment völlig im Unklaren, ob die Tage in Gibraltar nun auf die Aufenthaltstage in der EU angerechnet werden. In der Regel darf man nämlich nur 90 Tage innerhalb von 180 Tagen in der EU bleiben. Danach muss man wieder für 90 Tage raus. Wobei dies nicht über einen kontinuierlichen d.h. aneinanderhängenden Zeitraum zu sehen ist. Für unsere kanadischen Freunde von Spisea, die sich aktuell dem Ende der 90 Tage nähern, stellt sich daher im Moment die Frage, wie lange sie noch in Gibraltar bleiben können. Ähnliche Einschränkungen gelten natürlich auch für Europäer in nicht-europäischen Ländern. Je nach Land unterschiedlich. Unsere Reise ins Mittelmeer macht es für uns daher deutlich einfacher, da wir einfach und unkompliziert einreisen und bleiben können. Und auch für Lucky werden innerhalb Europas keine besonderen Impfungen oder Titer-Tests notwendig. Die regulären Impfungen und der europäische Heimtierpass sind ausreichend.

Wir haben es heute nicht eilig, denn unsere Bustour startet erst um 12:30 Uhr. Bis dahin verbummeln wir den Vormittag und machen uns irgendwann auf den Weg zum Midway Coach & Car Park. Hier wartet in der 2. Etage ein Bus auf uns, der uns zum Upper Rock bringen soll. Mit ein paar Minuten Verspätung geht es dann los. Wir fahren die gleiche Strecke, die wir bereits mit den Fahrrädern abgeradelt haben, bis zum ersten Stopp am Europa Point. Dort schauen wir uns das Denkmal zu Ehren des polnischen Generals Sikorski an, der hier in der Nähe mit seinem Flugzeug abstürzte. Außerdem gibt es neben dem Leuchtturm noch die Harding’s Battery mit einer riesigen Kanone zu sehen. Last, but not least folgen wir der Aufforderung auf einem Schild und küssen uns pflichtbewusst. Nach zehn Minuten geht es weiter. Über steile Straßen müht sich unser Bus den Rock hinauf und ins Upper Rock Nature Reserve hinein. Der Eintritt in Höhe von 30 Pfund ist in unserer Tour inbegriffen und mit ihm der Zugang zu allen Attraktionen. Als nächstes halten wir an der Saint Michael‘s Cave. Hinter einem schnörkellosen Eingangsbereich folgt eine beeindruckende Tropfsteinhöhle. Die Ausmaße sind gigantisch und die Beleuchtung und Musik im Inneren machen den Besuch zu einem sehr besonderen Erlebnis. Und am Ausgang erwarten uns einige der berühmten Berberaffen. Direkt vor meinen Füßen setzt sich eine Mutter mit Jungtier hin. Sehr fotogen und sooooo niedlich. Vorsicht ist allerdings geboten, denn die Affen können recht aufdringlich und agressiv werden. Insbesondere, wenn sie ihre Jungtiere verteidigen wollen. Uns passiert zum Glück nichts, aber einem kleinen Mädchen wird eine Banane gestohlen, was natürlich zu lautem Geschrei führt. Das Füttern der Affen ist übrigens unter recht hoher Strafe von 300 Pfund verboten! Unser nächster Stopp liegt am Apes Den, wo wir erstaunlicherweise auf keinerlei Affen treffen. Aber dafür können wir einen tollen Blick auf die Bucht von Gibraltar genießen. Und sogar La Ola sehen wir in Minitur in der Marina liegen. Nach fünf Minuten geht es auch hier wieder weiter und zu den World War II. Tunneln. Der Felsen von Gibraltar wurde im Zweiten Weltkrieg durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Insgesamt 50 km Tunnelanlagen gibt es! Wir bekommen natürlich nur einen kleinen Teil der Anlagen zu sehen und schauen uns die interessante Ausstellung an. Leider fehlt bei 25 Minuten Aufenthalt die Zeit für eine detaillierte Betrachtung, aber einen guten ersten Eindruck bekommen wir schon mal. Dann bringt uns der Bus wieder zum Anfangspunkt zurück und liefert uns im Unterland ab. Wir durchwandern noch ein wenig die Innenstadt, bevor wir uns zu einem erneuten Fish & Chips Test hinreißen lassen. Diesmal gibt es eine Megaportion, die sehr lecker und kaum zu bewältigen ist. Aber wir schaffen es! Mit vollem Bauch geht es noch am Trafalgar Cemetery und der Lord Nelson Statue vorbei. Lord Nelson, der Held von der Trafalgar-Schlacht liegt allerdings nicht auf dem Friedhof in Gibraltar beerdigt, sondern in London. Mangels Eis wurde sein Leichnam übrigens angeblich in einem mit Brandy gefüllten Fass nach London überführt. Wer‘s glauben mag… Zurück an Bord müssen wir erst einmal eine Erholungs- und Verdauungspause einlegen. Dann widmet sich Axel noch einmal seinem Rad, für das er ebenfalls direkt eine neue Batteriehalterung gedruckt hat. Nun sollte der nächsten längeren Radtour nichts mehr im Wege stehen. Den Rest des Tages genießen wir die frische Brise im Cockpit und planen das Programm für die nächsten Tage.

Endlich Freitag! Aber bevor das Wochenende starten kann, ist noch einmal Action angesagt. Wir radeln noch ein mal zum Morrison Supermarkt, wo wir unsere Vorräte für das Wochenende aufstocken. Zurück an Bord und schnell alle Einkäufe verstaut, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Um 12 Uhr bekommen wir dann einen ziemlichen Schreck eingejagd! Es wird geschossen! Mit großen Kanonen und direkt neben unserer Marina. Haben wir etwas verpasst? Die Kanonenschläge hallen über die ganzen Bucht und zurück. Ganze 21 Mal wird gefeuert und blaue Qualmwolken ziehen über den Hafen. Zum Glück lässt sich schnell herausfinden, dass es sich „nur“ um Salut-Schüsse handel. Die Grand Battery feuert zu Ehren von Queen Camilla’s Geburtstag. Na dann, Happy Birthday und alles Gute! Nachdem wir uns von dem Schreck erholt haben, geht es zum Schiffsausrüster und wir kaufen zwei neue Kugel-Fender, die wir für die kommenden Med-Mooring Manöver nutzen wollen. Außerdem noch ditt und datt, was eigentlich gar nicht auf der Einkaufsliste stand. Wie immer also! Zurück an Bord wird weitergearbeitet. Abwaschen, Staubsaugen und die Gästekabine vorbereiten. Und dann steht der Besuch auch schon am Steg. Anja ist von Bremen nach Malaga geflogen und dann mit dem Bus weiter zu uns nach Gibraltar gefahren. Ganz schön lange Strecke! Immerhin gab es keine Passkontrolle mehr an der Grenze. Wir haben wie freitags üblich Pizzateig vorbereitet und nach einem Begrüßungsprickelwasser genießen wir mal wieder perfekte Pizza im Cockpit.

Am Samstag geht es früh um 8 Uhr raus aus den Kojen. Schnelles Frühstück und Anja und ich sind schon unterwegs. Wir laufen einmal quer durch die Stadt und stehen nach einer halben Stunde am Busbahnhof. Dort befindet sich das Ticket-Office für den Nature Reserve Shuttle Bus. Eine weitere Alternative, um auf den Fels hinauf zu gelangen. Wenig später sitzen wir nicht im Bus, sondern ersatzweise in einem Taxi, welches uns und 5 andere Frühaufsteher auf den Berg bringt. Am Queen‘s Balcony werden wir ausgeladen und dürfen zu Fuß weiter. Wir laufen den Berg weiter nach oben und landen bei St. Michael‘s Cave. Die 250 m Strecke haben es ganz schon in sich, denn es gilt 12% Steigung zu bewältigen. Noch herrscht nicht viel Betrieb und wir haben die Höhle fast für uns alleine. Diesmal ist auch ein Bereich nach unten geöffnet und so steigen wir in die Tiefen der Höhle hinab. Die Ausmaße sind beeindruckend. Nach treppab folgt unweigerlich wieder treppauf und wir sind froh, dass wir die Lightshow sitzend genießen können. Als wir die Höhle wieder verlassen, hat sich der Parkplatz davor bereits mit den ersten Taxitouren gefüllt. Wir wenden uns wieder bergaufwärts und kämpfen uns diesmal eine 15%ige Steigung nach oben. Unser Schnaufen wird durch Kindergekreische unterbrochen und wenig später sehen wir hinter eine Kurve den Grund dafür. Ein Berberaffen hat sich ein Brötchen und eine Tüte Chips aus dem Rücksack geklaut, die ein Vater gerade für seine Tochter herausholen wollte. Mit jedem weiteren Höhenmeter nimmt die Anzahl der Berberaffen zu. Sie sitzen auf den Pfälen der Handläufe, auf den Felsen, auf der Straße. Wir erreichen schließlich bei ca. 300 Höhenmetern den höchsten Punkt unseres Ausflugs. Wir erklimmen den Skywalk, der 2018 von Mark Hamill aka Luke Skywalker eröffnet wurde. Lustigerweise sitzt vor dem Skywalk ein Berberaffe, der stark an Chewbakka aus Star Wars erinnert. Während Anja sich auf den gläsernen Boden traut, bleibe ich lieber auf festem Boden. Der Ausblick ist in jedem Fall gigantisch! Wir können nahezu ganz Gibraltar überblicken. Vor uns liegen das Mittelmeer und die Straße von Gibraltar, Afrika und Europa. Die Steilhänge reichen bis zum Meer. Während wir den Skywalk ohne viele andere Touristen genießen können, reiht sich nach unserem Abstieg von der Aussichtsplattform eine Taxi hinter das andere und eine kleine Menschenmasse strömt uns entgegen. Wir laufen bis zur Affenfütterungsstation, wo die Berberaffen von der Parkverwaltung gefüttert werden. Das Frühstück wurde gerade geliefert und entsprechend groß ist der Affenandrang. Um zur Futterstation zu kommen, nutzen die Affen übrigens die Taxis als Hop-on-Hop-off Gefährt. Sie sitzen auf den Pfosten am Wegsrand und springen dann den vorbeifahrenden Taxis aufs Dach oder an den Außenspiegel und lassen sich den Berg hinauffahren. Ganz schön clever! Um wieder bergab zur nächsten Attraktion zu kommen, wollen Anja und ich eigentlich die langgestreckte Steintreppe auf der Charles V Mauer nehmen. Die ersten zwanzig der 600 Stufen gestalten sich allerdings bereits als kleine Herausforderung. Die Stufen sind alt, hoch und schief. Und man blickt 300 m in die Tiefe. Wenn man hier stolpert, gibt es gefühlt kein Halten. Auf einem kleinen Treppenabsatz sehen wir dann unter uns eine ganze Affenmeute sitzen. Sie nehmen einen Großteil der Stufenbreite ein und machen nicht den Eindruck, als ob sie uns Platz machen wollten. OK, dann nehmen wir lieber einen anderen Weg. Es geht die Stufen wieder hinauf und dann den Berg wieder hinab, wie wir in hinaufgegangen sind. Wir erreichen schließlich die Abzweigung zum Old Anglian Way, der uns über Schottersteine zur Windsor Hängebrücke bringt. Die 70 m lange Brücke – das entspricht laut Tafel etwa 6 1/2 Doppeldeckerbussen – schwingt leicht im Wind und wackelt beim Begehen merklich. Während Anja einfach drüber läuft, sind Höhe und wackelnde Brücke nicht wirklich mein Ding. Kurz überlege ich, ob ich einfach den festen Weg um die Schlucht herum nehme, überwinde mich dann aber doch die Hängebrücke zu überqueren. Zurück geht es dann aber doch lieber außenrum. Sicher, ist sicher! Als nächstes erreichen wir Apes Den. Hier treffen wir diesmal auf zahlreiche Berberaffen, die hier einen Rückzugsort haben. Zum unserem Entzücken treffen wir auch auf zwei Affenbabies. Gerade einmal 2 und 3 Wochen alt sind die Babies, die eher wir Chimpansen aussehen. Das dunkle Fell färbt sich erst später hellbraun. Die Äffchen probieren bereits einiges alleine aus, aber kaum entfernt sich das Muttertier, ist das Geschrei groß. Wobei die Affenbabies eher wie Spatzen klingen und lustig hinter der Mami hinterherhüpfen. Niiiiieeedlich ohne Ende! Da inzwischen die Sonne über den Berggipfel kommt, bewegen wir uns weiter und versuchen im Schatten am Wegesrand zu bleiben. Es geht weiter auf der Straße bergab, bis wir den Parkausgang an der Devil‘s Gap Battery erreichen. Hier ist der weitere Straßenverlauf aufgrund der Gefahr von Felsschlag gesperrt und wir müssen die befestigte Straße verlassen. Nun geht es recht steil über Schotter und Felsen weiter nach unten. Die Sonne brennt inzwischen und wir geraten ordentlich ins Schwitzen. Irgendwann erreichen wir die ersten Häuser, die in die steilen Hänge gebaut wurden. Nun geht es größtenteils über Treppenstufen weiter nach unten. Auch anstrengend, aber zu Glück etwas beschatteter und mit frischen Windzügen um das eine oder andere Eck. Nach 3 1/2 Stunden erreichen wir schließlich merklich geschafft und durchgeschwitzt wieder die Marina. Das kühle Bier zischt hörbar und es braucht eine Weile, bis wir einigermaßen wieder erholt sind. Puh! Nächstes Mal nehmen wir vielleicht lieber auch den Bus für den Rückweg. Axel bereitet uns zur Stärkung einen leckeren mediterranen Nudelsalat und der frische Wind vom Meer hilft ebenfalls bei der Regeneration. Während ich die zahlreichen Fotos vom Ausflug sichte, macht Anja noch einen kleinen Ausflug in die Innenstadt. Axel bereitet derweil einen Avocado-Oliven-Dip für den Abend vor. Abends kommen dann Julia, Marco und Tochter Lia vom Katamaran Nalu bei uns vorbei. Wir unterhalten uns gut und genießen gemeinsam Snacks und das eine oder andere Glas Wein und Bier. Leider trennen sich unsere Wege bereits in Kürze wieder, denn für die Nalu-Crew geht es mit der ARC+ im November über den Atlantik.

Nach dem Ausflusgtag gestern, geht es heute wieder an die Arbeit. Axel und ich schrubben mal wieder den Dreck von La Ola. Diesmal haben wir neben dem üblichen Sand und Staub auch mit Blüten- und Blattabfall von den neben uns stehenden Bäumen und Palmen zu kämpfen. Anja schnappt sich in der Zwischenzeit mein Fahrrad und radelt zum Europa Point. Mittags ist alles erledigt und Anja wieder zurück, so dass wir gemeinsam Siesta im schattigen Cockpit halten können. Gegen 16 Uhr raffen wir uns auf und besuchen die Nalu auf der anderen Seite der Marina. Wir finden es immer spannend andere Katamarane anzuschauen und Nalu ist eine schicke neue Fontaine Pajot 44. Marco und Julia bauen aktuell noch viele Dinge um und an, wie zum Bespiel Solarpanele und ein Hardtop für das Steuercockpit. Nach ausgiebiger Begutachtung geht es wieder zurück an Bord von La Ola, wo wir wenig später Besuch von Julia und Paul von Spisea bekommen. Wir grillen gemeinsam und verabschieden uns erst einmal voneinander. Julia und Paul bleiben noch ein wenig in Gibraltar und folgen uns erst in ein paar Wochen. Mal schauen, wann und wo wir uns wiedersehen.

Gibraltar – Estepona 23,4 sm

Nach einer Woche Gibraltar geht es montags früh für uns weiter. Axel geht Ausklarieren, während Anja und ich La Ola ablegebereit machen. Um Viertel vor Zehn fahren wir dann ein klassisches Leinen-los-und-weg Manöver und verlassen Gibraltar. Anja hat sich von uns für die Fahrt Delfine gewünscht und natürlich haben wir – als gute Reiseleiter – auch welche bestellt. Aber man weiß natürlich nie, wann und wie viele Delfine dann auch geliefert werden. Diesmal haben wir bei der Bestellung scheinbar das richtige Häkchen gesetzt, denn kaum aus dem Hafen raus, kommen auch schon die ersten Delfine vorbei. Entlang der Küste von Gibraltar tummeln sich ganze Delfinmassen vor und neben uns im Meer. Das Ganze wir noch durch einen großen Wal getoppt, der für ein Foto leider zu weit entfernt bleibt. Aufgrund von Rückenfinne und Blas vermuten wir aber, dass es sich um einen Sei- oder Finnwal handelt. Weiter geht es am Europa Point vorbei. Nun sind wir endgültig offiziell im Mittelmeer angekommen! Wir setzen die Genua und segeln langsam in Richtung Nordosten und an der spanischen Küste entlang. Leider verlässt uns der Wind irgendwann wieder, aber dafür bekommen wir noch einmal eine tolle Delfinshow geboten. Hunderte Delfine kommen uns auf der Jagd entgegen und Anja bekommt auf unserem Dolphinseat sitzend sogar „ihren“ Bugdelfin geboten. Wenn das kein Service ist! Schließlich erreichen wir am frühen Nachmittag Estepona in Spanien. Wir legen zunächst am Wartesteg an und bekommen dann einen Liegeplatz zugewiesen. Souverän meistert Axel sein erstes Med-Mooring-Manöver und La Ola liegt fest und sicher an ihrem Platz. Danach heißt es allerdings erst einmal Bootputzen, denn die Mooringleinen haben beim Anlegen eine ganze Menge Schlamm und Dreck an Deck hinterlassen. Wir spannen unser Sonnensegel auf und Axel und Anja machen eine erste Erkundungstour zum nächsten Supermarkt. Abends gönnen wir uns einen Restaurantbesuch an Land. Bei der Vielzahl der Cafés, Kneipen und Restaurants ist die Auswahl gar nicht so leicht, Wir landen schließlich im Restaurante Halomon und ordern eine Paella mit Meeresfrüchten. Sehr zu meinem Leidwesen wird sie mit Erbsen serviert, die ich überhaupt nicht mag. Zum Glück lassen sie sich aber einigermaßen schnell entfernen. Zurück an Bord genießen wir die Abendstimmung noch ein wenig im Frontcockpit und planen unseren Aufenthalt in den nächsten Tagen. Wir mieten ein Auto und verabreden uns mit unserem Steuerberater Andreas, der in Estepona ein Appartement besitzt und gerade hier Urlaub macht.

Der nächste Morgen startet ruhig. Die Sonne müht sich durch eine dicke Dunstschicht hindurch. Auf den Booten und an Land kehrt nach und nach Leben ein. Während ich ab 7:30 Uhr im Cockpit die Ruhe genieße, stoßen Axel und Anja erst gegen 9 Uhr dazu. Es gibt leckeres Bordmüsli zum Frühstück und dann machen wir uns auch schon auf den Weg in die Altstadt von Estepona. Am Leuchtturm vorbei geht es die Strandpromenade entlang. Das Wetter zeigt sich bedeckt und eine kühle Brise weht vom Meer hinüber. So ist es noch nicht wirklich voll am Strand. Wir kommen an zahllose Joggern und andere Sportvernarrten vorbei. Dabei genießen wir den Blick auf die zahllosen Blumenbeete auf der Promenade. Auch Kunst findet sich an jeder Ecke. Schließlich biegen wir am Plaza Ortiz in die Innenstadt ein und durchkämmen die Gassen wieder zurück in Richtung Marina. In jeder Straße sind die Häuser Blumengeschmückt. Zahllose Töpfe hängen an den Wänden. Aus jedem noch so kleinen Erdloch wächst irgendetwas Blühendes heraus. An die Balkonen ranken sich Pflanzenbärte. Und zur Pflege der ganzen Blütenpracht sind Gießtrupps unterwegs, die jeden einzelnen Topf wässern. Wir erreichen den Plaza de las Flores und stehen wenig später am Mercado de Abastos. Entgegen unserer Erwartungen finden wir hier allerdings keinen Markt, sondern eine zum Restaurant umgebaute Markthalle vor. Schade, aber auch schön. Nur leider zu früh für ein paar Tapas. Also geht es weiter und wir landen schließlich wieder in der Marina. Nach einer kurzen Mittagspause fahren Axel und ich mit den Rädern einkaufen und organisieren ein paar Snacks für den Abend. Um 19 Uhr bekommen wir dann Besuch von Andreas und seiner Frau Natalia, sowie deren Freunden Karin und Michael. Wir verbringen einen amüsanten und netten Abend miteinander und freuen uns, dass das Treffen so spontan geklappt hat.

Ausflug nach Ronda

Der Morgen startet wie inzwischen gewohnt leicht diesig, aber man ahnt, dass es heute sehr sonnig und heiß werden wird. Nach dem Frühstück machen wir uns heute zu Dritt auf den Weg zur Autovermietung. Der Weg ist nicht weit, gerade einmal um den nächsten Häuserblock herum. Unser Auto steht bereits bereit und die freundliche dänische Mitarbeiterin erledigt schnell alle Formalitäten. Und schon geht es los. Wir fahren auf der Autobahn nach Osten bis zur Abfahrt San Pedro de Alcántara und biegen dann nach Norden ab. Schnell wir die Strecke kurvig, denn es geht hinauf ins Gebirge. Die Straße ist zum Glück gut ausgebaut und obwohl es viele Baustellen und einspurige Baustellenbereiche gibt, werden wir ohne Stopp durchgewunken. Um 11:30 Uhr erreichen wir Ronda und fahren zunächst auf einem kleinen, aber recht steilen Weg an den Fuß der Felsen auf denen die Stadt liegt. So können wir hervorragend die weiße Stadt oben auf dem Felsplateau und die Schlucht, die Altstadt und Neustadt trennt, betrachten. Den Weg wieder hinauf gibt unser Kia alles und schafft es mühsam mit durchdrehenden Reifen nach oben. Wir fahren weiter in die Altstadt und bekommen auf Anhieb einen Parkplatz an der Iglesia María Auxiliadora. Von hier geht es zu Fuß weiter. Wir überqueren den Plaza Duquesa de Parcent und bewundern die umstehenden alten Gebäude. Durch schmale Gassen und vorbei an tollen, größtenteils maurisch geprägten Gebäuden geht es bis zum Mirador de María Auxiliadora. Von hier hat man einen atemberaubenden Blick auf die umliegende Landschaft und die Berge. Weiter geht es zur Puente Nueva, die über die 100 m tiefe Schlucht El Tajo führt. Der Río Guadalevín hat sich im Laufe der Jahrtausende tief in die Felsen geschliffen und liegt nun mit glasklarem Wasser weit unter uns. Wir blicken von der Altstadt La Ciudad auf den jüngeren Stadtteil El Mercadillo. Insgesamt drei Brücken überspannen das Tal und wir nutzen die aus dem 18. Jahrhundert stammende Puente Nuevo um die Schlucht zu überqueren. Weiter geht es zum Plaza de Toros und der Stierkampfarena. Einen Besuch sparen wir uns und gehen stattdessen lieber weiter zum Mirador de Ronda. Auf dem Weg passieren wir die Büsten von Ernest Hemingway und Orson Wells. Die beiden Schriftsteller verbrachten viel Zeit in der Stadt und ließen sich von Ronda in ihren Romanen inspirieren. Inzwischen haben wir etwa 35° C im Schatten erreicht und so führt uns der weitere Weg an ein schattiges Plätzchen vor der Tapasbar Puerta 2. Wir kühlen uns mit einem erfrischenden Bier und essen ein paar Tapas, bevor es wieder retour zur Altstadt geht. Nach zwei Stunden verlassen wir Ronda wieder und fahren zurück in Richtung Küste. Diesmal geht es eine andere Strecke entlang, die uns weiter westlich nach Estepona zurückführen soll. Bis Algatocin führt uns google-Maps hervorragend durch die Landschaft, dann folgen wir aus Versehen der Straßenbeschilderung in Richtung Estepona. Ein Fehler?! Die Straße wird eng und enger und die Kurven spitzer. Wir hangeln uns mühsam mit 30 km/h durch Serpentinen den Hang hinunter, nur um dann den nächsten Berg wieder hinauf zu erklimmen. Fahrtechnisch ist die Strecke sehr anspruchsvoll, doch wir werden mit tollen Ausblicken auf die Schluchten und Täler belohnt. Die Hänge sind anfangs mit Korkeichen, Pinien und Esskastanien dicht bestanden und bieten schönen Schatten. Irgendwann erreichen wir den Paraje Natural Los Reales de Sierra Bermeja und das Landschaftsbild wandelt sich drastisch. Die Hänge sind fast allesamt kahl und nur vereinzelt staksen verkohlte Stämme aus den Felsen. 2021 und 2022 hat es hier verheerende Waldbrände gegeben und die Natur hat sich davon noch lange nicht erholt. Nach einer Stunde Fahrt blicken wir schließlich vom Mirador Estepona-Jubrique auf das Meer und Estepona liegt wieder vor uns. Wir machen noch einen kurzen Einkaufshalt und sind gegen 16 Uhr wieder an Bord. Im schattigen Cockpit erholen wir uns von den Anstrengungen des Tages und bereiten uns am Abend leckeren Pulpo.

Ausflug nach Marbella und Málaga

Auch am nächsten Tag geht es wieder auf einen Sightseeing-Trip. Auf Wunsch von Anja soll es zuerst nach Marbella gehen. Danach steht ein Besuch von Malaga auf dem Programm. Wir starten auf der Küstenstraße nach Osten und durchfahren eine sehr touristisch geprägte Region. Ein Hotel nach dem anderen, ergänzt durch eingezäunte und -gemauerte Resorts mit Villen und Appartements. Um Marbella herum kommen zahlreiche Hochhäuser hinzu. Schick ist anders! Der Verkehr ist auch deutlich mehr geworden und wir stehen schnell in stockendem Verkehr und Stau. So etwas sind wir irgendwie gar nicht mehr gewohnt. Umso mehr missfällt uns das hohe Verkehrsaufkommen. In Marbella fahren wir in eine Tiefgarage an der Promenade und kommen direkt am Parque de la Alameda raus. Hier stehen insgesamt zehn große Bronzeskulpturen von Salvador Dali. Einfach so, ohne dass es Eintritt kostet. Dafür hat sich der Ausflug nach Marbella auf jeden Fall gelohnt. Ansonsten starren wir auf ziemlich hässliche Hochhäuser entlang der Strandpromenade. Auch die Marina erfüllt nicht das, was Anja sich unter Marbella vorgestellt hat. Keine Schönen und Reichen, keine Megayachten. Die findet man heutzutage eher in Puerto Banús, einem Stadtteil von Marbella. Egal, wir suchen die Altstadt und finden sie schließlich auch. Hier ist es schon deutlich netter, wobei wir Estepona im Vergleich deutlich präferieren würden. Also geht es recht schnell nach einer halben Stunde wieder zum Auto und weiter in Richtung Málaga. Die Gegend bleibt weiter sehr touristisch und verkehrslastig. Kein Vergleich zur Algarve, wo alles eher tranquillo ist. Auch die Autofahrer sind hier anders als in Portugal. Keiner lässt einen rein, keiner wartet geduldig. Und durch die Autoschlangen rasen Motorradfahrer mit Highspeed im Zickzack hindurch. Das geht bestimmt nicht immer gut. Schließlich erreichen wir Málaga und stellen unser Leihauto in der Tiefgarage an der Muelle Uno ab. Zu Fuß geht es den futuristisch beschatteten Palmeral de las Sorpresas entlang. Wir queren den Parque de Málaga auf Höhe der Freilichtbühne Auditorio Eduardo Ocón und erreichen die Altstadt am Alcazaba de Málaga, der alten Festung. Den Besuch dort verschieben wir, denn bei bereits über 30° C ist uns nicht nach Hügelbezwingung und Durchstöbern alter Mauern in der prallen Sonne. Das Teatro Romano de Málaga lässt sich zum Glück auch ohne Eintritt und Gekraxel von der Straße aus betrachten. Wir laufen durch die Innenstadt und finden die eine oder andere schattige Ecke, um die ein frischer Lufthauch weht. Sehr angenehm. Kühlend wirkt auch das leckere Eis. Für Axel muss es natürlich Málaga-Eis sein! Vorbei geht es am Picasso-Museum, wo eine Menschenschlange in der Sonne zum Eintritt ansteht. So sparen wir uns leider auch diesen Besuch. Pablo Picasso wurde in Málaga geboren und entsprechend gibt es auch zahlreiche Repliken und Souveniers mit Picasso-Motiven in den umliegenden Shops. Wir erreichen die beeindruckende Kathedrale, sparen uns angesichts 10 Euro Eintritt und Warteschlange aber auch hier den Besuch. Nach weiteren Gassen, tollen Häusern mit gusseisernen Balkonen und der einen oder anderen Kirche machen wir schließlich mal wieder Rast in einer Tapas Bar. Stundenlang könnte man die Altstadt noch weiter durchkämmen. Jede Ecke bietet tolle Häuser und mindestens drei Tapas-Bars. Da wir inzwischen die 37° C erreicht haben – Außen- nicht Körpertemperatur! – begeben wir uns jedoch nach dem Mittagssnack wieder zurück zum Auto. Wir fahren ein kurzes Stück und liefern Anja dann bei einem Hotel am Fluß Guadalmedina ab. Für sie geht es am nächsten Morgen sehr früh mit dem Flieger zurück nach Bremen, so dass sie sich eine Unterkunft näher am Flughafen gesucht hat. Wir verabschieden uns und machen uns wieder auf den Weg nach Estepona zurück. Wie gewohnt nutzen wir das Leihauto dann noch für einen Großeinkauf bei Carrefour. Eine ganze Einkaufswagenladung verschwindet erst im Kofferraum und dann in La Ola. Anschließend liefern wir den Wagen wieder bei Estepona Car Rental ab und erholen uns den Rest des Tages mal wieder im schattigen und gut durchlüfteten Frontcockpit.

Endlich Freitag! Schon wieder? Die Zeit rast mal wieder. Der Tag startet bedeckt und leicht windig. Eigentlich ganz angenehm, denn so sind die Temperaturen am Vormittag noch sehr erträglich. Während Axel eine Reparatur an unserer Genuawickelleinenklemme vornimmt, bereite ich Pizzateig für den Abend vor. Irgendwann wandelt sich das kühle Lüftchen in einen heißen Föhn und wir sitzen nur noch schlapp im Cockpit. Bei 37°C ist es auch im Schatten zu warm. Erfreulicherweise bleibt es in unseren Rümpfen mit 30° C angenehm kühl. Mein Pizzateig findet die Hitze toll und explodiert geradezu. Mehrfach muss ich ihn bearbeiten, damit er nicht aus seinem Behälter herausquillt. Platz im Kühlschrank haben wir leider nicht, da alles mit Obst und Gemüse vollgestopft ist. Abends kommen dann Gabi und Holger von Panacea zu uns. Die Beiden kommen aus Bremen und sind wie wir ebenfalls TO-Mitglieder. Sie haben bereits mehrere Wintersaisons in Cartagena gelegen und sind auch jetzt wieder auf dem Weg dorthin. Unsere Wege werden sich also noch öfter kreuzem. Meine Pizzen gelingen trotz Explosionsteig erstaunlicherweise wunderbar und es wird ein lustiger Abend mit den Beiden. Erst weit nach Mitternacht liegen wir in unseren – dank Klimaanlage – kühlen Kojen.

Der Abend war lang und so sitze ich heute erst gegen 8 Uhr mit meinem Kaffee im Cockpit. Das Wetter zeigt sich heute endlich mal klarer und nicht so diesig, wie in den letzten Tagen. Es verspricht mal wieder ein schöner, sonniger Tag zu werden. Zum Glück haben wir die Hitzewelle wohl auch erst einmal überstanden und es soll heute „nur“ noch 31° C warm werden. Während ich die Waschmaschine mal wieder anwerfen, vollendet Axel sein Bootsprojekt. Die Klemme für die Genuareffleine hat nun ein gedrucktes Fundament, welches die Klemme fest an Ort und Stelle hält. Die Reparatur wurde notwendig, weil wir im letzten Jahr eine neue Klemme anbringen mussten und dabei die Muttern, welche die Schrauben der Klemme nach unten im Deck gesichert haben, einfach im Rumpf verschwunden sind. An die Stelle kommt man leider weder von Außen noch von Innen ran, so dass wir sie damals einfach eingeklebt hatten. Hat leider nicht gehalten und so musste ein neuer Ansatz her. Wir hoffen mal, dass die Baustelle nun endgültig abgeschlossen ist. Meine Wäsche trocknet bei den aktuellen Temperaturen und der sehr geringen Luftfeuchtigkeit von 30% heute innerhalb von kürzester Zeit. Kaum aufgehängt, können die Sachen schon wieder vom Wäscheständer runter. Die frisch gewaschene Gästebettwäsche wird direkt wieder aufgezogen und eingetütet. Die nächsten Gäste können also kommen. Abends sind wir heute bei Andreas und Natalia eingeladen. Andreas holt uns freundlicherweise mit dem Auto an der Marina ab, so dass wir nicht mit den Fahrrädern bei der Hitze bergauf strampeln müssen. Als wir ankommen, ist bereits alles vorbereitet. Ein schön gedeckter Tisch mit allerlei Leckereien wartet auf uns. Der Blick von der klimatisierten Penthouse-Wohnung auf die Straße von Gibraltar und das Mittelmeer ist beeindruckend. So etwas könnten wir uns für unsere Zukunft auch irgendwann vorstellen. Karin und Michael sind auch da, sie wohnen im Nebengebäude. Wir verbringen erneut einen sehr netten Abend miteinander und verabreden uns direkt für den nächsten Vormittag erneut. Andreas bringt uns irgendwann wieder zurück zur Marina, wo das Leben am Samstagabend noch tobt. Auf eine angenehme Weise, denn es dringt nicht von jeder Bar und jedem Restaurant laute Musik auf die Straße. Kein Karaoke-Gegröhle oder Wummta. Nur angeregte Gespräche, Lachen und ein einzelner Gitarrenspieler, der La Bamba singt. Während die Klimaanlage unsere Kabine herunterkühlt, lassen wir den Abend im Frontcockpit ausklingen und genießen die Kulisse.

An der Marina herrscht bereits frühmorgens geschäftiges Treiben, denn sonntags ist Markttag und es werden zahlreiche Marktstände aufgebaut. Für uns startet der Sonntag aber erst einmal mit einem leckeren Frühstück mit Ei. Danach wird mal wieder frischer Saft bereitet und La Ola ein Stück nach Vorne verholt. Eigentlich wollten wir morgen weiter, aber der Wind ist mal wieder gegen uns. Er soll mit Stärke 4 aus Osten kommen und wir müssten gegenan kreuzen. Machen wir aber nicht mehr! Der Wind hätte uns außerdem vor dem Verholen gegen die Kaimauer drücken können und dem schaffen wir lieber vorher Abhilfe. Gegen 10:30 Uhr kommen Natalia und Karin bei uns vorbei. Es gibt erst einen Kaffee an Bord und dann gibt es für Acel und mich unsere zweite Dengue-Impfung. Den Impfstoff haben wir seit Vilamoura an Bord und wollten uns eigentlich auf Madeira damit zweitimpfen lassen. In Portugal kann man das einfach in einer Apotheke erledigen. In Spanien geht das leider nur beim Arzt, aber da Natalia medizinisch ausgebildet ist, hat sie sich dazu bereiterklärt uns die Spritzen zu verpassen. Sie kann das sehr gut, denn man merkt nichtmal den kleinsten Picks und schon ist die Sache erledigt. Brauchen tun wir die Impfung allerdings fürs Mittelmeer nicht mehr unbedingt, denn noch hat sich Dengue nicht weit in Europa ausgebreitet. Aber in Einzelfällen kommt es bereits durch die Asiatische Tigermücke zu lokalen Übertragungen und die Tigermücke breitet sich in Südeuropa immer weiter aus. Wir sind also für die Zukunft gerüstet. Nach dem Impfen geht es gemeinsam auf den Markt. Die Stände sind schnell abgelaufen und bieten viele bunte Klamotten, „echte“ Designerware, noch echtere Luxusuhren, Keramik, Kunst und anderen Kitsch. Wir widerstehen erfolgreich den Shopping-Versuchungen und sind um 12:30 Uhr wieder an Bord. Die Boote um uns herum nutzen das ruhige Sonnenwetter und machen mit ihren Eignern, der Großfamilie und dem gesamten Freundeskreis eine Ausfahrt. Dafür sind wir zu träge. Wir sitzen lieber im Schatten und freuen uns, dass irgendwann alle Motorboote weg sind und der Gestank nach Diesel und Abgasen nachlässt. Nachmittags kommen unsere neuen Bremer Freunde Gabi und Holger bei uns vorbei und geben uns einige Tipps und Empfehlungen für Marinas und Ankerplätze im Mittelmeer. Nun sind wir für die nächsten Wochen gerüstet und wissen, wo es nett, schön und sicher ist. Fehlt nur noch der passende Wind und dann geht es weiter nach Osten. Abends genießen wir ein paar leckere Tapas im Frontcockpit und schauen zu, wie ein Motorboot nach dem nächsten wieder in die Marina zurückkehrt. Von Land dringt wieder Lachen, leise Musik und Besteckklappern zu uns herüber. Estepona hat sich bisher als sehr schöne Marina erwiesen, in der man den Charme des Mittelmeeres in einer Tranquillo-Atmosphäre genießen kann. Ist also nicht schlimm, dass wir mal wieder länger als geplant und gedacht hier bleiben „müssen“!