Cartagena – Caleta del Estacio vor La Manga/Mar Menor 25,3 sm

Wir verlassen Cartagena erst einmal wieder und fahren weiter. Am heutigen 12. August 2026 wollen wir uns nämlich eine gute Beobachtungsposition für die bevorstehende Sonnenfinsternis sichern. 100% wird sie leider bei uns nicht verdunkelt sein, aber immerhin 97%. Das muss reichen. Bevor es losgeht, füllen wir noch einmal die Wassertanks voll. So sind wir wieder ein paar Tage autark und können schön Ankern. Um 11:20 Uhr machen wir die Leinen los und fahren aus der Marina raus. Das erste Highlight des Tages wartet direkt hinter der Ausfahrt. Ein U-Boot fährt im Hafen und liegt dekorativ vor uns. Hat man ja auch nicht alle Tage. Weiter geht es die Küste entlang nach Nordosten. Die See ist erstaunlich kabbelig. Wind und Welle passen nicht wirklich zusammen. So wird es ein schaukeliger Ritt. Wir passieren das Cabo de Agua und das Cabo Negrete. Die Küstenlinie wir weniger felsig und flacher. Dafür tauchen Hotels und Ferienburgen auf. Schließlich runden wir das Cabo de Palos und wenden uns nach Norden. Die See wird endlich ruhiger und wir gleiten gemächlich dahin. Leider mal wieder unter Motor, denn der wenige Wind kommt direkt von vorne. Es geht entlang einer riesigen Sandbank, die das Mar Menor vom Mittelmeer trennt. Leider reiht sich ein Hochhaus an das andere und bildet so eine nahezu durchgehende Skyline. Schick ist das nicht, aber wenn man in einem der Penthäuser wohnt, hat man sicherlich einen erstklassigen Blick. Schließlich erreichen wir die Einfahrt zum Mar Menor und entscheiden uns außerhalb vor Anker zu gehen. Vor Jahren sollte hier einmal eine riesige Marina gebaut werden. Das Bauprojekt wurde irgendwann von Umweltaktivisten gestoppt und seitdem verrottet die halbfertige Anlage. Das Ganze hat bei der Einfahrt etwas Surreales. Wir passieren eine imaginäre Einfahrt, markiert durch nahezu vollständig verrostete Metallstehlen. Von den darauf sitzenden Seeschwalben fast schon künstlerisch ausgestaltet. Im riesigen Hafenbecken werfen wir den Anker und liegen mitten in einer geschützten Anlage. Der Verkehr ins Mar Menor zieht außen an der Spundwand entlang und stört uns nicht. Wir peilen die Hochhäuser hinter uns und meinen, dass wir freien Blick auf die Sonnenfinsternis haben sollten. Störend sind allerdings die zahlreichen Quellwolken am Himmel. Mit Glück sollen sie sich am Abend auflösen. Wenn nicht, haben wir leider SoFi-Pech! Etwas müssen wir uns allerdings noch gedulden. Zwischen 19:30 und 21:30 soll sich die Sonne verdunkeln. Den Höhepunkt mit der maximalen Abdeckung erwarten wir um 20:30 Uhr. Also gibt es erstmal Abendessen. Wir haben noch eine zweite Portion Crevetten und genießen diese nun mit Aioli und Baguette. Eine einfache Mahlzeit. Also, ohne großen Aufwand zubereitet. Dann kühlen wir ein wenig im Frontcockpit, bevor es um 19:30 Uhr auf die Dachterrasse rauf geht. Wir holen den Sextanten raus, drehen unsere Sitzsäcke zur Sonne, plumpsen rein und warten gespannt. Gaaaanz langsam schiebt sich dann von unten rechts ein Schatten vor die Sonne. Die Spannungskurve steigt und reißt schlagartig ab. Eine ziemlich dicke Wolkenschicht möchte auch mitspielen und schiebt sich frech vor die Sonne. Tja. Datt wird wohl nix. Es dämmert und wird dunkel, doch von der Sonnenfinsternis ist nicht viel mehr zu sehen. Aber der Himmel sieht auch so sehr schick aus. Also legen wir den Sextanten beiseite und bleiben einfach so in unseren Sitzsäcken liegen. Und siehe da, das Ausharren lohnt sich! Die Sonne sackt unter der Wolke durch und plötzlich haben wir das volle Programm. Strahlend roter Himmel, die Sonne als Sichel und Palmen statt Hochhäuser im Vordergrund. Wenn man so etwas Malen würde, wäre es schnell als Kitsch abgestempelt. Aber die Natur kann halt was und so sind wir einfach nur begeistert. Und brauchen nicht einmal eine Schutzbrille. Wunderbar! Oder was sagt Ihr zu den Bildern? Anschließend heißt es wieder geduldig warten. Denn neben der Sonnenfinsternis steht heute auch noch der Höhepunkt der Perseiden an. Sternschnuppen soll es regnen. Die Sitzsäcke werden in die andere Richtung gedreht und wir sind wieder bereit und gespannt. Während Axel irgendwann um 23 Uhr in die Koje verschwindet, halte ich bis nach Mitternacht aus und kann einige superdicke und lange Sternschnuppen sehen. Leider ist es durch die umliegenden Hochhäuser jedoch zu hell, um auch kleinere Sternschnuppen zu sehen. Irgendwann bewölkt sich der Himmel und ich verhole ebenfalls in meine Koje.
La Manga/Mar Menor – Illa de Tabarca 29,1 sm

Nach einer ruhigen Nacht startet der Morgen ebenfalls geruhsam. Wir schlafen aus, frühstücken Müsli und Axel geht eine Runde schwimmen. Gegen Mittag nehmen wir den Anker auf und tuckern los. Kein Wind, jedenfalls kein brauchbarer und wir motoren Richtung Norden. Erst einmal müssen wir an zahlreichen Fischfarmen vorbei. Was hier wohl gezüchtet wird? Vielleicht Doraden? Die See ist weiterhin etwas konfus und so wackeln wir ein wenig durch die Gegend. Da wir recht weit von der Küste entfernt fahren, gibt es heute nicht viel zu sehen. Außer Wasser und Himmel und ab und an mal ein anderes Boot. Schließlich erreichen wir unser heutiges Tagesziel, die kleine Illa de Tabarca. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel von Alicante und Santa Pola, entsprechend voll ist es am Ankerplatz. Wir finden trotzdem noch einen guten Ankerplatz für uns. Axel springt direkt wieder ins Wasser, mir ist es zu unsichtig. Wir schauen dem Treiben der anderen Boote und der vielen Touristen an Land zu und sind froh, dass sich zum späteren Abend die Lage beruhigt und die meisten Boote wieder Richtung Heimathafen ablegen. Außer uns bleiben nur eine handvoll Boote über Nacht. Unter anderem die Megayacht Akula, die weit draußen vor der Insel ankert.
Illa de Tabarca – Cabo de l‘Horta 13,6 sm

Die Nacht verläuft erneut ruhig und wir werden nur ganz sacht hin- und hergewiegt. Ich bin heute mal wieder früher wach und kann den Sonnenaufgang zwischen Festung und Leuchtturm genießen. Die See ist spiegelglatt und so wird es auch heute wieder ein Motortag. Aber erst einmal Frühstück und Bad im Meerwasser. Einen Besuch auf der Insel sparen wir uns für den nächsten Besuch auf. Vermutlich kommen wir noch zweimal hier vorbei und dann ist es vielleicht weniger voll. Dann kann es losgehen. Wir motoren an der Westseite der Insel entlang und dann weiter nach Norden. Auf unserer Backbordseite tauchen erst Hochhäuser auf und dann die Stadt Alicante. Einen Besuch sparen wir uns auch in diesem Fall fürs nöchste Mal auf. Stadtbummel bei 34° C sind einfach nicht unser Ding. Stattdessen geht es ein Stückchen weiter und am Cabo de l‘Horta ums Eck. An einem langen Sandstrand gehen wir bei schönem Sandgrund vor Anker. Dabei achten wir wie immer darauf, dass wir keine Seegrasfelder erwischen und nicht irgendetwas zerstören. Hier fällt das angesichts großer Sandflächen aber auch nicht wirklich schwer. Der Strand ist gut belegt und auch hier reiht sich mal wieder ein Hochhaus an das andere. Man merkt, dass die Costa Blanca, an der wir uns gerade befinden, zu einem der beliebtesten Feriengebiete gehört. Egal, wir können ja einfach in die andere Richtung gucken. Auf jeden Fall ist das Wasser mal wieder schön klar und so geht es erst einmal zu einem mehr oder minder erfrischenden Bad hinein. Nach ein paar Minuten Erholung dann direkt nochmal. Ach ist das herrlich! 30° C ist unsere Badewanne warm, Viel zu warm! Die Gefahr von Gewittern und Unwettern steigt mit jedem Tag und im Hinterland gab es bereits Starkregen, Hagel und Gewitter. An der Küste ist es noch ruhig, aber das kann sich schnell ändern. Wir beobachten das Wetter um uns herum auf jeden Fall sehr genau. Ähnlich wie in der Karibik, können sich nämlich auch im Mittelmeer Hurrikane bilden. Die heißen dann Medicanes. Ab einer Wassertemperatur von 30° C und mehr ist das möglich. In der Karibik ziehen die Hurrikane recht vorhersehbar mehr oder minder von Ost nach West. Sie bilden sich im Atlantik und fallen dann über die Karibik her. Im Mittelmeer sieht es anders aus. Dort können die Medicanes irgendwo entstehen und irgendwo hinziehen. Hinzu kommen lokale Wetterphänomene, die ebenfalls für viel Wind sorgen können. Manchmal komplett ohne Vorankündigung. Manchmal mit 60-70 kn Wind. Aber an diese Wettersorgen werden wir uns alle gewöhnen müssen. Nicht nur wir an Bord von La Ola. Auch an Land wird das Wetter extremer und unvorhersehbarer. Sonst wäre es heute vermutlich nicht in Bremen wärmer als hier bei uns an der Costa Blanca. Und wir würden im Radio nicht von Waldbränden in Deutschland hören. Schlimm finde ich, dass in Deutschland kaum jemand auf diese Wetterveränderungen vorbereitet ist. Es gibt kaum Klimaanlagen. Weder in Privathäusern, noch in Krankenhäusern, Pflegeheime, Schulen oder Kindergärten. Schon eher mal in Bürogebäuden und Hotels. Die Feuerwehren sind für großflächige Brände gefühlt kaum oder schlecht ausgerüstet. Löschflugzeuge?! Ich hab‘s mal gegoogelt: Deutschland verfügt über genau ein fest stationiertes ziviles Löschflugzeug mit dem Namen „Hexe 1‘, das im Sommer im Harz im Einsatz ist. Es ist aus Polen angemietet! Und bei Bedarf wird es auch in anderen Bundesländern eingesetzt. Zum Vergleich: Portugal hat etwa 80 Löschflugzeuge. Zusätzlich gibt es in Deutschland aber wohl zahlreiche Hubschrauber der Bundeswehr, die bei der Brandbekämpfung eingesetzt werden können. Immerhin. Über die Vorbereitungen und Maßnahmen bei Starkregenvorfällen mag ich lieber nicht nachdenken. Die haben sich vermutlich in den meisten Regionen auch nach der Katastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 noch nicht verbessert. Und nein, es ist auch nicht immer Sache des Staates vorzusorgen. Da muss schon jeder selbst ein wenig auf sich achten und soweit möglich entsprechende Maßnahmen ergreifen. So, genug gesorgt und aufgeregt! Wir passen auf uns auf und Ihr macht das bei Euch sicherlich ebenso. Schnell wieder ab ins Wasser und ein wenig abgekühlt. Herrlich! Dann zum Chillen ins Frontcockpit und schon ist der schöne Tag wieder vorbei.
Cabo de l‘Horta – San Juan 2,9 sm
Auch wenn die Strecke zum nächsten Ankerplatz bei Calpe nicht weit ist, geht es heute früh raus aus den Kojen. Der spanische Wetterbericht sagt für den Nachmittag die Gefahr von Starkregen und Windböen vorher und das wollen wir nicht während der Fahrt abbekommen. Also, pünktlich zum Sonnenaufgang raus aus den Kojen und Müsli gefrühstückt. Sicherheitshalber schauen wir noch einmal auf den neusten Wetterbericht und revidieren prompt unsere Entscheidung nach Calpe zu fahren. Dort soll es in der Nacht auf Sonntag mit über 30 kn aus Südosten genau in den Ankerplatz wehen. Keine gute Idee dort dann zu Ankern! Also schauen wir, wo wir es uns ansonsten bequem machen können. Am Ende fällt die Entscheidung auf San Juan. Also einmal kurz ums Eck zurück. Dort sollten wir deutlich besser geschützt sein und es wird auch nicht so viel Wind vorhergesagt. Gut, für die knapp 3 sm lange Strecke hätten wir natürlich nicht so früh aufstehen müssen. Wir nehmen trotzdem schon den Anker hoch und motoren zum neuen Ankerplatz. So haben wir nämlich noch die freie Auswahl bei der Platzsuche und müssen nicht um die zahlreichen Tagesausflügler herum manövrieren. Ab 11 Uhr füllt es sich merklich und wir sind plötzlich von kleinen Motorbooten umzingelt. Ich nutze die Gelegenheit und paddle mal wieder mit meinem Kayak los. In der Bucht sind viele Urlauber auf SUPs, Kayaks und schwimmend unterwegs und ich suche mir meinen Weg hindurch. Dabei entdecke ich den Katamaran Haselcat. Clubkameraden vom TO und natürlich sage ich den Eignern Kemal und Martina kurz Hallo. Die Beiden wollen zu den Kanaren, sind also leider auf Gegenkurs zu uns. Schade, sonst hätte man sich bestimmt: nochmal auf einen längeren Schnack getroffen. Zurück an Bord muss ich erst einmal ein wenig im Schatten entspannen. Die Sonne knallt schon wieder ordentlich und macht den Aufenthalt im Kayak trotz Sonnencreme, UV-Shirt und Hut auch ohne Paddeln recht anstrengend. Aber, wie gut das wir unseren Pool mitgenommen haben! So kann ich einfach ins Wasser und ein wenig runterkühlen. Mittags ist es am Ankerplatz inzwischen so voll, dass sich die Leute auf den einzelnen Booten fast die Hände reichen können. Dicht an dicht, alles vollgepackt. La Ola bewacht ihren Anker und hat sich einfach über ihn gelegt. Aber, wenn Wind aufkommt und sich die Ankerkette spannt, hängen wir in irgendeinem anderem Boot. Gut, die sind alle deutlich kleiner. Aber Kratzer würden sie trotzdem am Rumpf hinterlassen. Bleibt zu hoffen, dass die angedrohten Gewitter mit Wind, Regen und Hagel ausbleiben und sich das Ganze nicht zu einem großen Chaos entwickelt. Und vermutlich müssen wir uns an solche beengten Verhältnisse auch gewöhnen. Das Mittelmeer ist voll und schöne Ankerplätze sind schnell überfüllt. Zum Glück ziehen die dicken Wolkenberge ohne Schaden anzurichten an uns vorbei. Am späten Nachmittag fängt es zwar tatsächlich kurz an zu Regnen, aber die dicken Tropfen sind schnell wieder verschwunden. Wir genießen mal wieder leckeren Pulpo zum Abendessen und sitzen anschließend ein wenig auf unserer Dachterrasse. Lucky kommt auch mit dazu, aber irgendwann ist es uns allen zu windig und zu schwankig. Der Schwell bahnt sich leider seinen Weg in unsere kleine Bucht und bringt die paar verbleibenden Boote zum Tanzen. Lambada oder Flamenco? Schwer zu sagen, aber La Ola wackelt ordentlich mit den Hüften. Wobei, Wilson vor uns – DER Wilson! – wackelt dann doch noch mehr und mindestens bei doppelter BpM Anzahl. Wir sitzen noch ein wenig im ruhigeren Cockpit und betrachten den Neumond über Alicante. Es blitzt und donnert in der Ferne, aber wir scheinen erst einmal aus dem Gröbsten raus zu sein. Wäre ja schön, wenn die Nacht ruhig verlaufen würde!
Tja, Pustekuchen! Gegen Mitternacht fängt es an zu Gewittern und es regnet ordentlich. Luken müssen schnell dicht gemacht werden und ich schaue, ob wir stabil vor Anker liegen. Tun wir und die Nachbarn zum Glück auch. Obwohl es blitzt und donnert und schüttet, wird an Land ein Feuerwerk abgefackelt. Nicht nur in San Juan, sondern auch im entfernten Alicante. Gestern war Feiertag und Tag der Schutzheiligen der Fischer. Irgendwann beruhigt sich das Wetter wieder und ich gehe wieder in meine Koje, Der Rest der Nacht bleibt ruhig und am Morgen hat sich das Wetter wieder aufgeklart. Während wir frühstücken, füllt sich der Ankerplatz erneut. Zu unserer großen „Freude“ legt sich direkt neben uns eine mobile Jetski-Verleihstation. Das kann heiter werden! Die verschiedenen Wetterberichte sind sich heute mal wieder sehr uneins. Mal kein Wind, mal viel Wind, mal gegenan, mal genau in die Ankerbucht. Wir überlegen, was wir machen wollen. Doch nach Alicante in Marina? Oder ein Stück weiter fahren? Nach Benidorm vor Anker oder nach Altea in die Marina? Wir fragen mal bei den Marinas an, denn wenn die sowieso keinen Platz haben oder exorbitant teuern sind, fallen diese Alternative sowieso weg. Wenig später haben wir Antworten von den Marinas. Altea nimmt keine Reservierungen an und meint, die Chancen das etwas frei werden würde, wären sehr gering. Alicante hat Platz. Erst gibt man uns einen Preis von 190 Euro für zwei Nächte. Wenig später wird der Preis revidiert und wir sollen 380 Euro bezahlen. Ist es uns das wert? Nein! Alicante können wir uns auch von Cartagena aus noch ansehen. Vielleicht kommen wir auch mit La Ola vorbei. Aber dann nur bei günstigeren Nebensaisonpreisen. Am Ende entscheiden wir, dass wir noch einen Tag an unserem Ankerplatz bleiben und dann weiterfahren. So können wir den Sonntag einfach verbummeln. Lesen, Schwimmen und den Trubel im Ankerfeld beobachten. Der schwimmende Jetski-Verleih erweist sich als wenig störend. Eine positive Überraschung! Wind und Wellen benehmen sich ebenfalls, also alles gut. Wir grillen uns abends einen Burger, genießen den Sonnenuntergang auf dem Dach und lesen anschließend im Cockpit weiter. Tja, bis es irgendwann in die Koje geht. Immer noch klimatisiert, auch wenn es deutlich kühler geworden ist. Nur noch 31° C, nicht mehr 36° C.
Weiter oder bleiben. Das tägliche Abwägen zwischen Reisedrang und Wetterbericht. Der Wetterbericht sagt 20 kn gegenan voraus. Zusätzlich der Blick aufs offene Meer. Dort sieht man ziemlich viele Schaumkronen. Die Zeichen stehen also alle auf Bleiben. Warum auch nicht? Unser Jahresendziel liegt hinter uns, alles vor uns sind Bonusziele. Wenn wir sie dieses Jahr nicht erreichen, dann vielleicht im nächsten Jahr. Natürlich wäre es toll, wenn wir Valencia und Barcelona noch besuchen könnten. Nicht nur, dass es tolle Städte sind. Wir hätten auch gute Chancen unsere Freunde von Independence 2 (in Valencia), Seren Wen und Playmobil (beide in Ginestra bei Barcelona) wiederzusehen. Auch ein Besuch der Costa Brava wäre schön. Aber bis dahin müssten wir noch ganz schön Strecke machen. Und dann müssten wir ja auch noch wieder nach Cartagena zurück. Und am Ende muss das Wetter mitspielen. Und, auch wenn es uns manchmal sehr schwer fällt, es lohnt sich auf das passende Wetter zu warten. Wir machen es uns also weiter bequem und bleiben noch einen Tag vor Anker in San Juan. Um uns herum erwacht so langsam wieder das Leben in der Bucht. Der Jetski-Verleih wird angeschleppt, kleine Motorboote und ihre schwimmsüchtige Besatzung legen sich um uns herum. Von Jetskies schallt Musik zu uns hinüber. Neben uns ankert heute eine Segelyacht mit gefühlt 20 Gästen an Bord. Und nein, sie ist nicht 80 Fuß lang, sondern eher 40 Füße. Also vielleicht einen Hauch überfüllt. Das tut dem Vergnügen keinen Abbruch, denn sobald der Anker raus ist, springen alle von Bord. Halten tut der Anker allerdings nicht und so treibt das Spaßbündel munter an uns vorbei. Immerhin fällt das dem Skipper auf, der lieber noch ein wenig mehr Kette steckt. Spanier sind, so konnten wir in den letzten Tagen beobachten, sehr sangesfreudig. Auf jedem Boot wird laut zur Musik mitgesungen und fröhliche Stimmung verbreitet. Und, Spanier sind gerne im Wasser. Jeder mit einer Schwimmnudel oder einem aufblasbaren Flamingo. Auch SUPs und Kayaks werden gerne genutzt. Was dazu führt, dass abends von den Booten fast überall ein deutliches Zischen zu hören ist. Ein sicheres Zeichen, dass eine Abfahrt kurz bevorsteht, wenn aus den Aquatoys die Luft rausgelassen wird. Am späten Nachmittag gesellen sich neue Segelyachten zum Ankerfeld. Ausländische Flaggen, wie Australien, UK oder USA. Blauwassersegler, die wie wir einen Zwischenstopp hier einlegen, bevor es weiter von A nach B oder von Warum nach Darum geht. Draußen vor dem Ankerplatz passiert uns derweil die Luxussegelyacht Morning Glory. Knapp 50 m lang geht sie nicht bei uns vor Anker, sondern motort nach Alicante in die Marina. Über Liegegebühren macht man sich in der Klasse wohl nicht so viele Gedanken. Axel bereitet uns heute mal leckeres Lachsfilet mit Tomaten-Mango-Salsa und Edamame-Bohnen zum Abendessen. Sehr lecker und soooo gesund! Anschließend „müssen“ wir mal wieder auf unserem Dach entspannen. Ein feines Lüftchen weht dort und man hat den Sonnenuntergang um Blick. Irgendwann wird es dunkel und wir wundern uns ein wenig über einen anderen Katamaran vor Anker neben uns. Er hat sein Großsegel noch gesetzt und nimmt es für die Nacht vor Anker auch nicht runter. Nun denn…
San Juan – El Oasis/Mar Menor 40,3 sm

Kennt Ihr das? Man denkt, jetzt geht es endlich weiter und dann geht es plötzlich rückwärts? Wir stehen früh auf und sind im Prinzip ready-to-go. Bis, ja bis der Blick auf den neuen Wetterbericht geworfen wird. Was ist denn da im Anmarsch?! Dunkelrot bis schwarz leuchten die Windfelder auf der Wetterkarte. Böen über 55 kn?! Und zwar genau dort wo wir hinwollen. Aitsch! Die spanische Wetterbehörde hat eine sogenannte DANA-Warnung herausgeben. Dabei steht DANA für Depresión Aislada en Niveles Altos. Also ein Höhentiefdruckgebiet. Umgangssprachlich auch Gota Fria, der kalte Tropfen genannt. Was es bedeutet? Sehr kalte Höheluft triff auf sehr heißen Boden und aktuell sehr warmes Wasser. Dabei entsteht eine unvorhersehbare Wetterlage mit der Chance auf Gewitter, Sturm, Starkregen und Hagel. Im Inland besteht die Gefahr von Überflutungen und Erdrutschen. Diese Wetterlage nehmen wir sehr ernst und diskutieren mal wieder unsere Alternativen. Am Ende spricht zu viel gegen eine Weiterfahrt nach Norden, bei der wir uns mitten ins Zentrum der prekären Wetterlage begeben würden. Ankerplätze wäre dort nicht vorhanden bzw. wir hätten keinen verlässlichen Ankergrund. Die Marina von Valencia würden wir nicht vor dem Sturm erreichen. Die davor liegende Marina von Denia hat keinen Platz frei für uns. Also treten wir lieber den geordneten Rückzug an. Wir nutzen den noch vorhandenen Nordostwind und fahren zurück zum Mar Menor. Dort gibt es sichere Ankerplätze für jede Windlage und der Wind soll weiter südlich auch nicht ganz so stark werden. Gesagt. getan und Anker hoch. Zunächst motoren wir, können aber irgendwann auf Höhe der Illa de Tabarca Segel setzen. Mit 6,5 kn geht es dahin und wir wagen mal wieder einen Angelversuch. Auch diesmal „beißt“ wieder was an! Wir können ein zerfetztes Plastiktau vom Angelhaken nehmen und freuen uns, dass wir mal wieder für weniger Plastikmüll im Ozean gesorgt haben. Frischer Fisch wäre uns allerdings lieber gewesen, denn für Plastiktau gibt unsere Rezeptsammlung wenig Inspirationen her. Gegen 16:30 Uhr erreichen wir unseren ausgewählten Ankerplatz El Oasis an der nördlichen Außenseite vom Mar Menor. Eigentlich sollte es hier glasklares Wasser geben, aber die Sicht ist eher trübe. Vermutlich hat der Nordost zu viel Sedimente aufgewirbelt? Wir hoffen mal, dass sich die Wasserqualität in den nächsten Tagen verbessert und gehen an einem schön geschützten Platz vor Anker. Auch hier schwimmen wieder zahlreiche Spanier mit ihren Schwimmnudeln um kleine Motorboote. Das gibt uns inzwischen schon eine Art heimatliches Gefühl. Axel testet direkt das Wasser und meint, es wäre auch ganz schön salzig und man hätte immerhin 1 bis 2 Meter Sicht. Mehr hat man früher in der Ostsee ja auch nicht gehabt. Also alles gut. Wir machen es uns gemütlich und grillen ins abends Schweinefilet mit Rösti. Das Ganze genießen wir im schattigen Frontcockpit,a anschließend geht es rauf auf die Dachterrasse. Nur gut, dass wir so viele Plätze zur Auswahl haben! Lucky kommt ebenfalls mit rauf und macht einen Rundgang über die Solarpanele. Nun bekommen wir morgen Strom nur noch mit Katzenpfötchenabdruck! Natürlich schauen wir abends nochmal in den aktuellen Wetterbericht. Der hat sich für die Region Valencia etwas gebessert, aber bis Freitag werden wir wohl hier bleiben. Oder?! Besser doch ins Mar Menor hinein? Allerdings erfahren wir, dass die Brücke über den kleinen Kanal ins Mar Menor hinein, gerade kaputt ist. Sie soll aber bald wieder repariert sein. Wir schauen mal, wie sich die Lage entwickelt. Irgendwann geht’s jedenfalls wieder runter vom Dach und rein in die Kojen.
Nach einer wundervoll ruhigen Nacht startet der Morgen mal wieder mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Das Meer ist spiegelglatt und von Land hört man nur vereinzeltes Hundebellen, sonst nichts. Nach und nach zeigen sich die ersten Sonnenhungrigen am Strand und es kehrt Leben am Ankerplatz ein. Wir frühstücken im sonnenabgewandten Frontcockpit und machen anschließend das Dinghy klar. Wir müssen dringend Müll entsorgen. Nach einer Woche bei über 30° C riecht der Beutel nicht mehr allzu gut und ist auch voll. An Land gibt es dafür zum Glück gut erreichbare Entsorgungsmöglichkeiten. Und wo wir schon mal dabei sind, gehts auch direkt zum kleinen Spar-Supermarkt. Da es keine Anlegemöglichkeit für unser Dinghy gibt, muss diesmal Axel den Einkaufsgang machen, während ich das Dinghy wieder zurück zum Boote fahre. Eine halbe Stunde später hole ich ihn dann vollbeladen am Strand wieder ab. Einkaufsshuttleservice sozusagen. Und Müllwagen. Nachdem wir wieder frisches Brot, Gemüse und Joghurt an Bord haben, können wir den nächsten Tagen recht entspannt entgegen sehen. Wir liegen an unserem neuen Ankerplatz sehr geschützt und sind froh, dass wir nicht nach Valencia gesegelt sind. Dort sagt der Wetterbericht für Donnerstag und Freitag inzwischen über 60 kn Wind voraus. Einhergehend mit entsprechenden Gewittern und Starkregenfälle. Am Mar Menor soll es zwar auch etwas windiger werden und Gewittern, aber zum Glück nicht so schlimm werden. Für Korsika gibt es sogar Wetterberichte mit Böen von 94 kn! Das wäre ein Hurrikan oder Medicane der Stärke 2. Wollen mal hoffen, dass der Wetterbericht sich irrt! Oder hoffentlich doch übertreibt und alles viel weniger schlimm als prognostiziert kommt. Richtig wohl ist uns bei der Wetterlage jedenfalls nicht. Nachmittags kommen unsere Freunde von der Motoryacht Troll aus dem Mar Menor zu uns ins Ankerfeld und wir fahren auf einen Schnack zu ihnen rüber. Zurück an Bord nehmen wir wie üblich unser Schlauchboot in den Davits hoch. Dummerweise verhakt sich unbemerkt die Leine vom Dinghy in der Badeleiter. Wir bemerken das leider zu spät. Nämlich erst, als unsere gerade erst in Lagos gekaufte Umlenkrolle unter der Last aufbricht und Kugellager ausspukt. Mist! Dinghy wieder runter, Badeleiter befreit und das Dinghy mit der kaputten Rolle und einer Sicherungsleine raufgeholt. Dummerweise ist die Badeleiter auch leicht verbogen. Doppelmist!! Dazu ziehen über Land Regenwolken auf und es wird stickig-schwül. Noch stickiger-schwüler muss man sagen, denn die Temperaturen sind im Moment wahrlich nicht als frisch und angenehm zu bezeichnen. Irgendwann fängt es an zu tröpfeln, doch irgendwie scheint das Meiste auf dem Weg von der Wolke zu uns nach unten direkt wieder zu verdunsten. So geht es irgendwann ohne großen Wind und Regen in die Kojen. Kann gerne so bleiben!
El Oasis/Mar Menor – Playa Paraiso/Mar Menor 10,9 sm

Gegen halb Eins fängt es an zu wehen und zu regnen. Die Luken haben wir vorsichtshalber vorher alle dicht gemacht, aber heute weckt uns der Ankeralarm. Zum Glück ist der nur falsch eingestellt und La Ola liegt an Ort und Stelle fest. Nach ein, zwei Stunden ist der Spaß vorbei und wir liegen wieder schön ruhig und ohne Wind. Morgens um 6:15 Uhr weckt mich Lucky, der gerne „endlich“ sein Frühstück serviert haben möchte. Bekommt er und ich gehe wieder ins Bett. Während ich im Traum mit Axel durch ein chinesisches Flußdelta wandere, bricht der Morgen an und ich wache erst um 9 Uhr erschöpft von der anstrengenden Wanderung durchs Geröll auf. Manchmal frag ich mich ja, wie ich im Traum auf solche Sachen komme! Aber gut, es eröffnet ja eine ganz neue Welt. Nicht real. aber trotzdem irgendwie interessant und abwechslungsreich. Während ich die Kaffeemaschine starte, steuert uns eine Schlauchboot der Seenotretter an und informiert uns freundlich, dass die Brücke ins Mar Menor nun wieder repariert ist und pünktlich alle zwei Stunden öffnet. Ob uns das ein Hinweis sein sollte, wenn man persönlich von den Seenotrettern informiert wird? Wir denken schon und entschließen uns den Anlerplatz zu wechseln. Um 11:20 Uhr geht daher der Anker auf und wir fahren ums Eck zur Einfahrt ins Mar Menor. Bereits auf dem Weg dorthin dreht der Wind auf. Die Brücke öffnet pünktlich um 12 Uhr und wir passieren den kleinen Kanal ins Mar Menor hinein. Nur eine Seglyacht mit Touristen fährt raus, alle anderen wollen rein ins geschützte Binnenmeer. Inzwischen weht es mit 25 kn und im Flachwasser hinter dem Kanal hat sich eine steile, kurze Welle aufgebaut. Kein Problem für La Ola, die da einfach munter durchpflügt. Dabei fängt es an zu Regnen und der Himmel zieht bedrohlich zu. Über UKW-Funk hören wir eine Mayday-Nachricht vom Cabo de Gata. Dort befinden sich fünf Personen im Wasser. Wir hoffen, dass sie schnell gefunden werden, denn draußen auf See ist es im Moment bei den Bedingungen lebensgefährlich.* Auch aus Cartagena hören wir von einer französischen Yacht mit Motorschaden, die scheinbar ebenfalls Probleme haben. Es werden leider vermitlich nicht die einzigen Notfälle bleiben und wir drücken allen auf See die Daumen, dass sie schadfrei durch das Schietwetter hindurch kommen! Wir fahren derweil gegen den Wind ins südliche Eck vom Mar Menor und gehen zwischen Playa Paraiso und Playa Honda vor Anker. Hier weht es zwar immernoch, aber wir haben nahezu keine Welle mehr. Obwohl wir nur 3,5 m Wassertiefe habe, geben wir 50 m Ankerkette raus. Das sollte eigentlich für alle Eventualitäten ausreichen und dafür sorgen, dass der Anker auch bei Orkan hält. Neben uns liegen unsere Freunde von der Troll vor Anker, ansonsten ist die Bucht leer. Nachmittags lichten sich die Wolken wieder ein wenig, aber der starke, böige Wind bleibt uns erhalten. Inzwischen weht es durchaus mal mit 35 kn. Dafür kühlt es aber auch recht angenehm ab. Von 36° C auf „nur noch“ 32° C. Schon fast ein wenig fröstelig! Die Annahme, dass 50 m Kette und – gefühlt – gut eingefahrener Anker auch einem Orkan standhalten, erfüllt sich leider nicht. Zum Glück mussten wir das nicht im Orkan testen, aber am frühen Abend rufen parallel unsere Nachbarn von Troll an und der Ankeralarm geht los. Diesmal treiben wir tatsächlich! Obwohl gar nicht so viel Wind dazu gekommen ist. Wir starten die Motoren, holen den Anker auf und finden einen dicken Batzen Seetang um ihn herum gewickelt. Würde als Salat für eine ziemlich große Schüssel reichen. So konnte er wohl nicht halten. Wir starten einen neuen Versuch und hoffen, dass wir diesmal besseren Grund erwischen. Gefühlt beißt der Anker jedenfalls wieder ordentlich in den Grund und wir stecken erneut viel Kette. Zum Glück sagt die Wettervorhersage aber auch voraus, dass der Wind am Abend ordentlich abnehmen soll. Und das bisher vorhergesagte Gewitter ist auch aus der Prognose verschwunden. Also, Nerven wieder beruhigen und den Ankeralarm etwas feiner einstellen. Nach der ganzen Aufregung gibt es erst einmal Abendessen. Mediterranes Gemüse mit Hirtenkäse aus dem Airfryer. Schnell, lecker, gesund. Der Wind lässt wie vorhergesagt deutlich nach und wir müssen uns für die Nacht hoffentlich keine Sorgen mehr machen. Starkwind tagsüber ist – wenn man ihn schon abbekommt – deutlich besser als nachts. Wenn wir auf die Wetterkarte schauen, liegen wir genau zwischen zwei Regen- oder Gewitterfronten, die südlich und nördlich von uns durchziehen. Auch wenn der Ankergrund bescbeiden ist, das Wetter ist noch das Beste, was man aktuell im Mittelmeer bekommen kann.
* Die 5 Personen konnten tatsächlich unverletzt gerettet werden!
Weiterer Wind und Action bleiben uns während der Nacht zum Glück erspart. Allerdings schleicht sich von Nordosten eine unerklärliche Welle an, die quer zu La Ola läuft. Entsprechend schaukelt es und platscht gegen den Rumpf. Ich stehe ein paar Mal nachts auf und checke die Lage. Aber außer einem erstaunten und sehr erfreuten Lucky, finde ich nichts vor, was einen weiteren Schlaf behindern sollte. Am Morgen zeigt sich kein einziges Wölkchen am Himmel und das Mar Menor liegt spiegelglatt wie ein Seidentuch zwischen den umrandenden Bergen und Dünen. In der Nacht ist es endlich mal wieder schön abgekühlt, nur noch 25° C, doch nun knallt die Sonne wieder mit Macht. Nach dem Frühstück reparieren wir erst einmal unsere Dinghyhalterung, tauschen den neuen, kaputten gegen den alten, heilen Block aus. Dann wird das Schlauchboot zu Wasser gelassen und fahren an Land. Axel hat mal wieder die Entmüllungs- und Shoppingaufgabe, während ich das Schlauchboot zurück zu La Ola fahre. Auch hier kann und darf man sein Schlauchboot leider nicht einfach so am Strand liegen lassen. Während ich den Abwasch erledige, läuft Axel erst zur Apotheke (Ohrentropfen gegen eine Entzündung im Ohr) und dann zum örtlichen Spar-Supermarkt. Nach einer halben Stunde hole ich ihn am Strand wieder ab und wir fahren zurück an Bord. Nachmittags kommt Hildebrand von der Troll bei uns vorbei uns wir schnacken eine Weile. Dann nimmt er unser Kayak zum Ausprobieren mit und bringt es abends recht angetan wieder. Test bestanden. Wir bereiten uns leckeres Hähnchengeschnetzeltes Gyros-Style mit Tzaziki zum Abendessen und genießen den Sonnenuntergang und eine wunderschöne Abendstimmung am Ankerplatz. Von Land schallt angenehme Live-Musik zu uns herüber und die Luft ist abends angenehm abgekühlt. So kann es bleiben!
Playa Paraiso/Mar Menor – Punta Seca/Mar Menor 6,2 sm

Nach einer ruhigen Nacht startet der Samstagmorgen früh um 6:45 Uhr mit einem halb verhungerten Kater. Also, behauptet jedenfalls Lucky sehr lautstark! Es gelingt mir gerade noch ihn zu retten und da ich schon mal wach bin, setze ich mich auch direkt mit einer Tasse Kaffee ins Cockpit. Nachdem wir die letzte DANA-Schlechtwetterlage gut überstanden haben, soll das Wetter weiter instabil bleiben. Wir überlegen also mal wieder hin und her, wo wir die nächsten Tage und Wochen mit La Ola hin wollen. Das Mar Menor bietet sicherlich gegen jede Windrichtung guten Schutz, aber der Ankergrund ist so verkrautet, dass wir ihm nach unserem slippenden Anker nicht mehr wirklich trauen. Außerdem gibt es kaum Möglichkeiten mit seinem Dinghy an Land zu fahren und es dort auch mal für ein paar Stunden liegen zu lassen. Ausflüge an Land sind daher fast unmöglich. Und auch wenn wir gerne an Bord und vor Anker sind, fehlt uns doch ein wenig die Abwechslung, die Landausflüge bieten. Mal abgesehen davon, dass es am Mar Menor außer Hochhäusersiedlungen und Stränden auch nicht wirklich viele Sehenswürdigkeiten zu besichtigen gibt. Das Mar Menor scheidet also für die nächsten Tage als Liegeplatz aus. Sichere und geschützte Ankerplätze außerhalb der Mar Menor sind leider Mangelware. Insbesondere bei den für die nächsten Tage wechselhaften Winden, fällt es uns schwer zu entscheiden, in welche Richtung wir fahren wollen. Weder nach Norden noch nach Süden bzw. Südwesten passen für einen längeren Zeitraum. Eine Fahrt zu den Balearen würde uns zwar ein größeres Spektrum an Ankerplätzen bieten, aber dazu trauen wir dem Wetter zu wenig über den Weg. Wir halten den September für den Monat, in dem es auf den Balearen viel zu häufig die Gefahr von Gewittern, Starkregen und Windhosen gibt. Verstärkt wird dies durch die aktuell sehr hohen Wassertemperaturen. Eine brenzlige Großwetterlage, der wir uns nicht aussetzen wollen. Was bleibt also?! Am Ende entscheiden wir uns, dass wir unser gebuchtes Winterlager in Cartagena einfach schon früher beziehen. Die Marina hat Platz für uns und dort sind wir für alle Schlechtwetterlagen gewappnet. Und der nächste Starkwind droht tatsächlich schon wieder ab Montag zu kommen. Nachts mit Gewittern. Also nix wie weg. So nehmen wir nach einem späten Frühstück und einem leichten Mittagessen nachmittags den Anker auf und verholen uns in die Nähe der Ausfahrt vom Mar Menor. So können wir die Brückenpassage besser timen und sehen direkt auch noch eine andere Ecke vom Mar Menor. Die Strecke ist nicht weit und wir gehen nach 1 1/4 Stunden vor Punta Seco vor Anker. Der Ausblick ist toll! Mit Punta Seca haben wir nämlich einen der wenigen Orte am Mar Menor erwischt. wo es keine Hochhäuser gibt. Im Hintergrund zeichnet sich die außenliegende Isla Grosa ab und davor liegen schicke Villen mit Palmen, Sandstrand und Sonnenschirmen. Die Hochhäuser links und rechts davon muss man einfach ausblenden. Wir gönnen uns einen Aperol Spritz als Sundowner (hervorragend für eine meditative Klangschalentherapie geeignet, sah ich letzten bei Claudia von der Morning Sun) und freuen uns, dass wir wieder eine schöne Ecke gefunden haben. Axel bereitet Lachs auf Asia-Gemüse zum Abendessen und wir freuen uns irgendwie schon ein wenig auf die Rückkehr nach Cartagena. Wir haben bereits angefangen unsere „Winterzeit“ zu planen. Ein Besuch zum 65ten Hochzeitstag von Axels Elternin Deutschland steht an. Und wir überlegen eine Rundreise durch Marokko zu machen. Und natürlich haben Cartagena und die Umgebung auch viel Neues zu bieten. Axel hat zudem mit Hildebrand von Troll ein spannendes 3D-Druckprojekt gestartet, welches ihn in den nächsten Monaten gut beschäftigen dürfte. Es wird uns also nicht langweilig werden, auch wenn wir jetzt schon wieder etwas früher als geplant „sesshaft“ werden. Und ja, auch die Saison 2027 muss geplant werden. Auch wenn unsere Pläne nie so aufgehen, wie wir es ursprünglich angedacht haben. Die Beschäftigung mit neuen Zielen und Regionen macht auch Spaß, selbst wenn man die Ziele nie erreicht. Man lernt trotzdem viel Neues und lernt auch auf dem Papier neue Kulturen kennen.
Punta Seca/Mar Menor – Cartagena 27,7 sm
Der Katerwecker funktioniert mal wieder nur halb. Er weckt, aber leider zu früh. Naja, besser als zu spät. Katerwecker 1 auf 5:30 Uhr und mit Snooze-Funktion in Form eines Hinweises auf den noch vollen Napf mit Trockenfutter ruhiggestellt. Katerwecker 2 um 6:30 Uhr, Snooze-Funktion nicht mehr verfügbar, also Aufgestanden und Futter serviert. Zurück in die Koje und eine Viertelstunde später vom „richtigen“ Wecker endgültig aus dem Bett gescheucht, Und das auf einen Sonntag! Hilft nix, wir wollen die erste Brückenöffnung erwischen, um das Mar Menor wieder zu verlassen. Also, raus aus den Federn, Anker hoch und los. Pünktlich um 8 Uhr passieren wir die geöffnete Klappbrücke und fahren raus aufs Mar Mayor, das Mittelmeer. Wir sind die einzigen die rausfahren, eine Segelyacht fährt rein. Nach der Brücke wenden wir den Bug nach Süden, passieren Cabo de Palo und knicken nach Westen ab. Der Wind ist lau und der Strom gegen uns. Irgendwann setzen wir die Genua zur Unterstützung und irgendwann kippt der Strom und treibt uns schneller voran. Es geht erneut an einer tollen Küstelinie mit hohen Bergen entlang. An einer Stelle stockt mir ein wenig der Atem, denn in schwindelerregender Höhe sieht man rotbejackte Wanderer an einer nahezu senkrecht zum Meer abfallenden Felswand entlanglaufen. Weitere Wanderer kommen ihnen gelbbejackt entgegen. Und das vor 10 Uhr! Der Wind ist irgendwann weg und wir rollen die Genua wieder ein. Gegen 13 Uhr erreichen wir den Hafen von Cartagena und bekommen diesmal einen Liegeplatz weiter innen in der Marina zugewiesen. Wie es ausschaut, wird die wohl auch unser Liegeplatz für den Winter. Marinero José hilft uns beim Anlegen und unser erstes alleiniges Med-Mooring Manöver funktioniert auch einigermaßen gut und fehlerfrei, An den Feinheiten müssen wir noch arbeiten. Nachdem wir angelegt haben, muss Axel erst einmal das Deck mit Süßwasser abspülen. Die Führungsleinen von den Mooringleinen – nicht umsonst Slime-Lines genannt – haben alles dreckig gemacht. Ich starte währenddessen eine erste Ladung Wäsche in unserer Waschmaschine. Nach zwei Wochen ohne Landverbindung und im Wassersparmodus tut das dringend not. Dann geht es zum Marina-Office, wo wir für die nächsten Monate einchecken. Wir buchen unseren Liegeplatz bis Ende März. Auch wenn wir vielleicht nochmal rausfahren, haben wir so immer einen sicheren Liegeplarz in der Hinterhand. Keine Wettersorgen solange wir in der Nähe bleiben. Um 17 Uhr gehen wir dann einen Steg weiter zu unseren Freunden Julia und Paul von Spisea, die in den letzten zwei Wochen in Cartagena geblieben sind. Julia hat heute Geburtstag und wir bringen eine Flasche Rosé-Sekt vorbei. Und trinken ihn gemeinsam. Erlebnisse und Pläne werden wie seglerüblich ausgetauscht. Irgendwann geht es für uns zurück an Bord, wo wir uns ein leckeres Toast Hawaii zum Abendessen bereiten. Wir planen die nächsten Tage und überlegen uns Bootsprojekte für den Winter. Es ist erstaunlich, aber es gibt immer noch Verbesserungspotenzial an Bord von La Ola. Zum Glück und – Toi-toi-Toi, dreimal auf Holz geklpft – gibt es nichts Geoßes zu reparieren. Alle Systeme an Bord funktionieren einwandfrei. Gut so, denn dann haben wir mehr Zeit um die Stadt Cartagena zu entdecken und Sightseeing in der Umgebung zu machen. Und vielleicht doch nochmal ein, zwei Wochen rauszufahren und Segeln zu gehen. Weather permitting, wie wir Segler gerne sagen. Es bleibt also auch die nächsten Monate spannend!