Hafenbericht Cartagena – Teil 1

So. Da sind wir nun. Winterlager ab 23. August! Wo gefühlt doch jetzt eigentlich die schönste Segelzeit im Mittelmeer anbrechen sollte. Schön wär‘s! War vielleicht ja auch mal so. Irgendwann früher. Damals! Oder sind wir vielleicht einfach nur zu dünnhäutig geworden? Wir, die wir uns Ende November bei Minus 8° C beim Segeln auf der Ostsee kennengelernt haben. Ohne Heizung an Bord! Wir, die früher Ende März bei Schneefall auf der Flensburger Förde angesegelt haben. Wir, die zwischen Bora Bora und Tonga einen Sturm mit Windstärke 11 abgeritten haben. Werden wir alt oder sind wir es gar schon?! Nicht auszudenken! Und natürlich finden wir das nicht. Trotzdem sitzen wir nun hier in Cartagena in Spanien. Der eine oder andere mag den Kopf geschüttelt haben. Aber ehrlich gesagt, fühlen wir uns ganz wohl mit der Entscheidung. Kein Wetterstress, keine völlig überzogenen Hafengebühren, kein Risiko für uns, Lucky und La Ola. Dafür viel Vorfreude auf neue Entdeckungen in der Umgebung, neue Bekanntschaften und neue Bootsprojekte. Also los! Starten wir mal mit den einfachen Dingen. Wäschewaschen ist angesagt. Die erste Maschine wurde direkt nach unserer Ankunft in Cartagena gestartet. Die Zweite am nächsten Morgen. Die Bettwäsche ist ganz, ganz dringend dran. Trotz Klimaanlage haben wir in den letzten Tagen so viel Schweiß in die Textilfasern eindiffundieren lassen, dass es nicht mehr wirklich lecker riecht. Die Tischdecke auf dem Cockpittisch ist ebenfalls dringend dran. Allerdings nur, wenn man es weiß. Die portugiesischen Muster sind – sagen wir mal – sehr Fleckverzeihend. Wenn man es nicht weiß, dann sieht man auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten oder dritten Blick allerdings schon. Und wir wissen natürlich auch welche Flecken wir verursacht haben. Bevor wir eine Pilzzüchtung auf der Tischdecke starten, muss diese also auch lieber ebenfalls schnellstmöglich gewaschen werden. Die Kühlschränke und der Tiefkühler werden abgetaut, sauber gemacht und Lebensmittelleichen entsorgt. Gleiches Schicksal erleben die Konserven-Vorratsschapps. Zum Glück hält sich der Anteil an zu entsorgenden Lebensmitteln in Grenzen. Dafür finden wir Dinge, die wir schon seit Wochen vermisst haben. Nächster aufregender Punkt: Staubsaugen! Machen wir natürlich öfter, aber irgendwie sieht es auch sofort im Anschluss wieder dreckig aus. Das liegt zum einen am Laminatboden, der Dreck einfach anzieht und nicht wieder loslässt. Zum anderen liegt es an Lucky. Wir nehmen es ihm nicht übel, aber er verliert bei den heißen Temperaturen einfach gefühlt täglich sein komplettes Fell. Zusätzlich schleppt er beständig kleine Katzenstreukügelchen durch die Gegend. Sie setzen sich einfach zwischen seine Pfoten und fallen an beliebiger, aber wohlverteilter Stelle wieder ab. Vom Staub mal ganz zu schweigen. Der schwebt dauerhaft durch die Gegend. Feiner, hauchdünner Staub, wie aus einer Sanduhr. Als flächendeckende Schicht legt er sich auf alles im und außerhalb des Schiffes. So heißt es mal wieder Schrubben, Saugen, Feudeln, Wischen. Das Leben an Bord ist hart!

OK, Spaß beiseite. Die ersten Tage in Cartagena verlieren sich im Alltag. Nichts Spannendes zu berichten. Keine Abenteuer erlebt. Aber am Ende befindet sich La Ola wieder in einem repräsentablen Zustand. Alles sauber, alles aufgeräumt und alles bereit für die Wintersaison. Der Wind heult uns dabei übrigens ordentlich um die Ohren. Fallen klappern, Riggs heulen und es ist durchaus Bewegung in der Marina. Donnergrollen und ein paar Regentropfen. Alles nicht schlimm, aber man kann erahnen, wie ungemütlich es draußen vor Anker wäre. Und wenn man sich die Nachrichten und Bilder aus anderen Teilen des Mittelmeeres anschaut, dann haben wir definitiv die richtige Entscheidung getroffen, dass wir in den sicheren Hafen gegangen sind. Meteotsunami auf Mallorca und Menoraca, Sturzfluten in Tarragona, Überschwemmungen und Erdrutsche im Landesinneren von Spanien, ein Tornado in Südfrankreich, ein subtropischer Zyklon der von den Azoren kommend über Portugal und Spanien zieht. Vermutlich erst der Anfang von einem Extremwetter-Spätsommer unter Einfluß des Super-El-Nińo-Jahres.

Nachdem La Ola wieder in einem einwandfreien Zustand ist, können wir uns wieder den schönen Dingen des Lebens widmen. Einkaufen! Endlich können wir wieder Pakete empfangen. Amazon und Co. hatten uns ja fast schon als Kunden abgeschrieben. Seit mehreren Monaten keine einzige Bestellung! Und nun hagelt es innerhalb weniger Stunden direkt mehrere Aufträge. Die Wunschliste ist lang und wir arbeiten uns langsam, aber sicher durch. Natürlich geht es auch mit den Rädern wieder zum analogen Einkaufen. Lidl, Carrefour und der etwas weiter entfernte Mercadona werden besucht. Die Bordvorräte wieder aufgefüllt. Außerdem gilt es neue soziale Kontakte aufzunehmen. In Cartagena gibt es eine aktive Liveaboard-Community mit eigener Facebook-Gruppe. Wir treten natürlich umgehend der Gruppe bei und sind schon mittendrin. Jeden Sonntag trifft man sich zum gemeinsamen Grillen hinter dem Marina-Office. Jeder bringt etwas mit und für die Grillkohle zahlt jede Person einen Euro. Es ist eine internationale Runde und alle unterhalten sich hervorragend miteinander. Zusätzlich gibt es über Trans-Ocean, Ocean-Posse und NoForeignLand und natürlich dem abendlichen Marina-Rundgang weitere Kontakte. Ein Pluspunkt, wenn man auf einem Boot unterwegs ist! Wo und wie würde man ansonsten an Land so schnell, so viele neue Leute kennenlernen, wenn man umzieht?!

Ja, und die ersten Winterprojekte und Umbauten werden angeschoben. Der Luftauslass von unserer Klimaanlage in der Eignerkabine ist zu laut. Daher hat sich Axel eine Schallschluckkonstruktion überlegt, welche die Geräusche deutlich dämmen soll. Dafür muss allerdings eine Kiste geschreinert werden, wofür wir nicht die entsprechenden Werkzeuge und auch nicht die nötigen Möbelbau-Kenntnisse besitzen. Ein Schreiner ist dank der Marina-Mitarbeiter schnell gefunden. Er schaut sich das Ganze an und gibt uns ein Angebot ab. Satte 1.500 Euro soll die 40 x 60 cm große Box kosten! Ohne Goldrand! Wir suchen geschockt nach Alternativen und werden fündig. Online, maßgefertigt und in Walnuss-Furnier bekommen wir eine passende Box für 150 Euro. Ein Zehntel des Preises, da kann man nicht meckern. Die Box wird bestellt und irgendwann in 30 Tagen geliefert. Ob sie dann gut aussieht? Mal schauen! Außerdem wollen wir unsere Kühlkapazitäten erweitern und bestellen eine Kompressorkühlbox von Dometic. Diese haben wir bei unseren Freunden Julia und Paul auf Spisea im Einsatz gesehen und waren bisher immer sehr neidisch auf den gekühlten Getränkevorrat. Wir wollen die Box nicht nur für Getränke nutzen, sondern zukünftig auch unser Obst und Gemüse darin lagern. Bei 35° C machen die meisten Sachen aus dem Supermarkt nämlich bereits nach ein paar Stunden schlapp. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und Axel hat ein neues, sehr umfangreiches 3D-Druckprojekt gestartet. Dabei werden nicht nur Teile gedruckt, sondern Axel muss auch eine Steuerung programmieren und diverse vorgefertigte Teile ordern und verbauen. Er ist also eigentlich nicht mehr ansprechbar und in Gedanken tief in irgendwelchen Konstruktionszeichnungen und Elektronikbasteleien verschollen. Mal schauen, was es am Ende wird und ob das Teil dann auch funktioniert!

Last, but not least: Wir planen einen kleinen Heimaturlaub! Axels Eltern feiern Eiserne Hochzeit. 65 Jahre!!! Das ist schon etwas besonderes und zum Feiern kommen wir inmer gerne nach Deutschland. Außerdem planen wir nach drei Jahren endlich mal wieder eine Woche Urlaub. Und ja, ich höre den empörten Aufschrei recht deutlich. Ihr seid doch Dauerurlauber!!! Nein, sind wir nicht. Wir wohnen halt anders als andere. Aber wir machen keinen Urlaub. Wir wohnen mobil und sind auf Reisen. Egal, nun also nach langer Zeit mal wieder Urlaub. Den letzten Urlaub haben wir mit unseren Freunden Andrea und Pit 2023 in der Champagne zugebracht. Der nächste Urlaub führt uns in völlig neue Sphären! Etwas, was wir noch nie gemacht haben! Aber dazu dann mehr, wenn es soweit ist. In jedem Fall sind wir von Ende November bis Anfang Dezember in Bremen. Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir nicht nur die Familie bei der Eisernen Hochzeit sehen! Vielleicht schaffen wir es ja auch, die einen oder anderen Freunde zu treffen?! Ein Besuch auf dem Bremer Weihnachtsmarkt muss auf jeden Fall sein. Dumm nur, dass wir nahezu alle warmen Wintersachen inzwischen entsorgt haben. Bleibt zu hoffen, dass es nicht allzu kalt wird.

Nach den ersten Tagen gibt es bereits einige Besonderheiten, die Cartagena für uns unterscheidbar machen. Zum einen das sonore Brummen hinter uns. Nicht immer und nie nachts. Erst in den frühen Morgenstunden setzt es ein. Nicht störend, aber wir wären auch nicht böse, wenn es wegfallen würde. Angeblich soll es das auch in den Wintermonaten. Dann ist nämlich nur noch ab und an ein Kreuzfahrtschiff da, welche das Gebrumme verursachen. Ein anderes Geräusch kennen wir aus der Daverdener Mühle zu Genüge. Pfauengeschrei! In der Mühle war es sehr lästig und nachts ziemlich nervend. Hier wohnen die Pfauen freilaufend im Parque Torres und sind weit genug entfernt, so dass das Geschrei nicht nervt. Und einen schönen Anblick bieten sie dort auch. Und auch ein besonderer Geruch zieht ab und an durch den Hafen. Bereits bei der Einfahrt nach Cartagena haben wir merkwürdig aussehende Frachter gesichtet und schnell nachgeguckt, um was es sich handelt. Positiv gesehen, sind es auch Kreuzfahrtschiffe. Allerdings nicht für Menschen, sondern für Tiere. Viehtransportschiffe, wenn man es realistischer formulieren möchte. Und der Geruch, der ab und an mit einem der Frachter durch den Hafen schwebt, deutet auf Kühe als Passagiere/Fracht hin.

Das Wetter hält uns derweil weiter auf Trab. Gewitter und Regen bringen nicht nur Unruhe sondern auch roten Saharasand an Deck. Der lässt sich leider nicht mehr einfach abspülen, sondern muss mit dem Hochdruckreiniger mühsam entfernt werden. Und auch wir bekommen einen Meteotsunami ab. In der Marina in Cartagena bemerken wir ihn nicht, aber an den Stränden der Umgebung verschwindet das Wasser und die Behörden geben ein Badeverbot aus. Zudem wird davor gewarnt sich in Meeresnähe aufzuhalten, falls das Wasser schnell und mit viel Strämung zurückkehrt. Zum Glück passiert aber ansonsten nichts und die Aufregung war umsonst.

Das unbeständige Wetter hat auch Vorteile, denn die Temperaturen sind deutlich erträglicher. Insbesonder nachts kühlt es schön ab und man kann wieder ohne Klimaanlage gut Schlafen. Und wir können ohne Sorge vor Hitzschlag wieder Radtouren machen. Es gibt zahllose Festungsanlage und wunderschöne Strände, die sich über ein gutes Netz an Radwegen abfahren lassen. Wir erkunden zuerst die Ostseite der Bucht von Cartagena und fahren zum Faro de La Curra, der die Steuerbordseite der Hafeneinfahrt markiert. Entlang der Mole zum Leuchtturm schützt eine hohe Mauer gegen anbrandende Wellen. Sie ist über die gesamte Länge mit teilweise sehr kunstvollen Graffitis und Wandgemälden verziert. Weiter geht es die Küste entlang an der Batería de San Leandro vorbei zur Bateria de Santa Ana Acasamatada. Die Festungsanlage ist größtenteil gut renoviert und Instand gehalten und ein Radweg führt durch die Anlage hindurch. In einer kleinen Bucht vor der Bateria de Santa Florentina sieht man vereinzelte Schwimmer im glasklaren Wasser. Etwas weiter am Strand von Cala Cortina ist es dagegen deutlich voller, wenn auch nicht überfüllt. Hier tummeln sich zahlreiche Badegäste im Wasser und haben sich ihre Sonnenschirme und Stühle am Strand aufgebaut. Wir gönnen uns ein kühles Bier und ein paar Tapas in der Strandbar, bevor wir uns wieder auf den Rückweg zum Schiff machen. Am nächsten Tag erkunden wir die Westseite der Bucht. An der Hafenpromenade entlang geht es zunächst am Maritimen Museum vorbei. Einen Besuch dort planen wir für einen schönen Regentag im Winter ein. Weiter geht es am Militärarsenal vorbei und schließlich über die Puente de Quitapellejos und einen derzeit sehr trockenen Regenwasserkanal. Wir folgen dem Verlauf des Kanals und erreichen schließlich das Fischerörtchen La Algameca Chica. Was wir uns als malerisch und pittoresk vorgestellt haben, wirkt in Natur leider ziemlich heruntergekommen und dem Zerfall preisgegeben. So drehen wir enttäuscht wieder um und fahren ein kurzes Stück zurück, bevor wir zwischen dem Baluarte IX de la Muralla de Carlos III und der Navantia Werft in Richtung Faro de Navidad fahren. Auf dem Werftgelände können wir von oben einen Blick auf das ausgemusterte U-Boot Tonina werfen. Es wird derzeit restauriert und soll irgendwann in den Túneles de El Espalmador als neues U-Boot-Museum ausgestellt werden. Daneben entdecken wir die 109 m lange Megayacht Brava Eugenia. Sie bekommt in Cartagena aktuell ein Refit und gehört angeblich dem Milliardär und Eigentümer der Dallas Cowboys, Jerry Jones. Nach einer kurzen Strecke erreichen wir die ehemalige U-Boot Basis El Espalmador und können einen Blick auf die riesigen Tore werfen. Noch sind sie verschlossen und von den Arbeiten an einem Museum lässt sich wenig erahnen. Das Gelände davor zeichnet sich leider durch einen hohen Vermüllungsgrad aus. Scheinbar hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass man Müll und Plastik nicht so einfach in der Natur entsorgt. Leider müssen wir dies an vielen Orten und Stellen in Spanien feststellen. Trotzdem baden die Menschen unbesorgt in unmittelbarer Nähe zum Müll und erstaunlicherweise ist das Wasser glasklar. Wir passieren die kleine Marina El Chalet und erreichen das Fuerte de Navidad und den gleichnamigen Leuchtturm. Der rote Faro de Navidad kennzeichnet die Backbordseite der Einfahrt nach Cartagena und ist wie sein Bruder auf der anderen Seite ein beliebter Treffpunkt für Angler. Unter der Festung liegt die Cueva de los Aviones, in der Funde darauf hinweisen, dass die Gegend bereits vor 50.000 Jahren von Neandertalern besiedelt wurde. Wir fahren wieder zurück in die Stadt und kommen noch an der Skulptur von Capitán Alatriste vorbei. Er sieht aus wie eine Romanfigur und ist es auch. Der aus Cartagena stammende Schriftsteller Arturo Pérez-Reverte hat ihn als Hauptfigur in seinen historischen Romanen im 17. Jahrhundert zahlreiche Abenteuer erleben lassen. Bevor wir die Marina erreichen, machen wir noch einen kleinen Schlenker zum Kreuzfahrtterminal. Wenn keine Kreuzfahrtschiffe da sind, ist es frei zugänglich und wir können einen Blick auf das Denkmal für Juan Sebastián Elcano werfen, der als erster Weltumsegler gilt. Wenig später sind wir wieder an Bord und freuen uns über ein wenig Erholung im Schatten.

Während Axel sich seinem aktuellen Bastelprojekt widmet, mache ich am 2. September einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Durch den Tunnel in der Stadtmauer geht es in Richtung Aufzug zum Parque Torres. Den Aufzug spare ich mir und laufe lieber den Hügel hinauf. Das ist mal wieder schweißtreibend, denn die Temperaturen sind inzwischen wieder auf über 30° C angestiegen. Auf halber Höhe habe ich einen guten Blick auf den Fahrstuhl für den man schon besser schwindelfrei sein sollte. Außerdem kann ich hinter die Fassade der ehemaligen Stierkampfarena und das darunter befindliche römischen Amphitheaters schauen, welches leider aktuell wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Leicht schnaufend erreiche ich schließlich den Park und freue mich über ein wenig Schatten und einen kühlenden Lufthauch. Am Torre Linternes aus dem 9. Jahrhundert vorbei, geht es zum Ententeich und weiter eine Pergolagang entlang. Dort sitzen die Pfauen auf den Balken oder laufen den Weg entlang. Sie sind Menschen gewohnt und nicht scheu, schlagen aber leider auch keine Räder. Ich erreiche den Plaza Puerta de la Villa und habe einen schon einen ersten tollen Blick auf die Stadt und den Hafen. Noch ein Stück bergauf und ich betrete das mittelalterliche Castillo de la Concepción. Für 5 Euro löse ich ein Ticket und habe einen noch tolleren Blick damit erkauft. Ich laufe durch die Anlage und kühle mich in dem kleinen klimatisierten Museum ab, bevor es wieder den Hügel runtergeht. Durch die Puerto de la Villa gelange ich zum Teatro Romano. Man kommt sich bei den vielen, sehr nahe beieinander liegenden antiken Gebäuden und Ruinen schon fast ein wenig wie in Rom vor. Das Theater ist gut renoviert und sehr beeindruckend anzusehen. Direkt daneben liegt die modernere Variante in Form des Auditorio Paco Martin. Vielleicht schaffen wir es ja in den nächsten Wochen und Monaten dort eine Aufführung zu besuchen? An den Ruinen der alten Kathedrale vorbei gelange ich in die Innenstadt und treffe am Palacio Consistorial de Cartagena auf eine Menschenmenge, Veranstaltungszelte und eine große Bühne. Schnell lässt sich herausfinden, dass im Rahmen der Vuelta, einem Radrennen durch ganz Spanien, heute eine Etappe von Cartagena aus gefahren wir. Die Teams kennen wir bereits aus Vilamoura, aber hier ist deutlich mehr Trubel am Startplatz los. Diverse Hubschrauber mit Filmteams, dutzende Motorradpolizisten und zahlreiche Polizeifahrzeuge und Polizisten sorgen für Sicherheit. Gut so, denn Spanien hat in der Vergangenheit schon diverse Terroranschläge erlebt. Daran erinnert die riesige Bronze-Skulptur El Zulo, die direkt neben dem Veranstaltungsplatz sitzt. Ich kehre schließlich wieder an Bord zurück, wo Axel immer noch vor seinem Elektronikbaukasten sitzt und tüftelt. Den Rest des Tages verbringen wir lieber im Schatten und bewegen uns nicht mehr als notwendig. Zu warm und dank sehr hoher Luftfeuchtigkeit mal wieder Open Air Sauna ohne Aufguss.

Im Gegensatz zu unserer letzten Überwinterunsmarina Vilamoura, einem großen Ferienort ohne lange Stadtgeschichte, haben wir dieses Jahr einen Liegeplatz inmitten einer Stadt, die über eine lange und bewegte Historie verfügt. Die Stadt wurde im Jahr 227 v. Chr. vom karthagischenFeldherr Hasdrubal als Qart Hadasht („Neue Stadt“) gegründet. Sie diente dem karthagischen Heerführer Hannibal (der mit den Elefanten über die Alpen) in den punischen Kriegen als militärischer Hauptstützpunkt auf der Iberischen Halbinsel. Im Jahr 209 v. Chr. wurde die Stadt von römischen Feldherrn Scipio Africanus erobert. Unter dem Namen Carthago Nova („Neukarthago“) blühte sie als Zentrum des Silber- und Mineralienabbaus auf. Aus dieser Zeit stammt u.a. das Römische Theater. Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches folgten kurzzeitig die Byzantiner und ab dem 8. Jahrhundert die Mauren. Im Jahr 1245 wurde die Stadt im Zuge der Reconquista („Rückeroberung“) durch König Alfons X. („Der Weise“) von Kastilien für das christliche Königreich gewonnen. In den folgenden Jahrhunderten verlor Cartagena zeitweise an Einfluss, blieb aber wegen seiner strategischen Lage am Mittelmeer ein wichtiger Verteidigungs- und Marinehafen. Davon zeugen auch heute noch die zahlreichen Festungen und Geschützstände entlang der Bucht und die große Militärbasis. Ansonsten zeichnet sich Cartagena heute als touristisches und kulturelles Zentrum aus, welches seine antiken Ausgrabungen mit einer maritimen Identität und einem modernem Hafenflair verbinden.

Um einen groben Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bekommen, buchen wir für 8 Euro pro Person eine Stadtrundfahrt im offenen Doppeldeckerbus. Der Bus startet ein paar Meter von der Marina entfernt und so sind wir überpünktlich am angegebenen Treffpunkt. Wir nehmen auf einer Bank im Schatten eines riesigen Baumes und warten. Um 9:45 Uhr sollten wir da sein, aber es tut sich nichts. Um 10 Uhr soll der Bus starten, aber es zeigt sich kein Bus. Als warten wir geduldig – ist ja unsere Stärke – weiter. Um 10:10 Uhr tut sich etwas und das Ticketoffice wird geöffnet. Unsere Nachfrage, wo denn der Bus bleibt wird wenig verständnisvoll für die Verspätung mit „in 10 Minuten“ beantwortet. Wir lösen unseren Voucher, der wir auf Anweisung ausgedruckt mitgebracht haben, gegen zwei Tickets ein. Angesichts der Tatsache, dass wir online gebucht und bereits digitale Tickets bekommen haben, ein etwas umständlicher Prozess. Aber immerhin, der Bus kommt und wir bekommen einen Logenplatz in erster Reihe. Dann geht es endlich los. Wir fahren am Maritimen Museum und dem Marinearsenal vorbei und bekommen über Kopfhörer viele Informationen. Dann biegen wir am Plaza de España auf den breiten Paseo Alfonso XIII und stoppen erst einmal an einem Café. Der Busfahrer springt raus und holt sich erst einmal ein Frühstücksbrötchen. Warum auch nicht. Weiter geht die Fahrt und wir lauschen den Erläuterungen zu den verschiedenen Gebäuden. In der Vergangenheit war Cartagena ein Zentrum für Erzabbau und die reichen Minenbesitzer ließen sich große Villen und Paläste im Jugendstil bauen. Viele davon sind noch heute in einem sehr guten Zustand und können zum Teil besichtigt werden. Wir passieren das militärhistorische Museum und den ebenfalls im Jugendstil erbauten Bahnhof. Das tolle Bahnhofsgeböude haben wir schon bewundern können, denn es liegt direkt neben „unserem“ Lidl. Weiter geht es am Castillo de Despeñaperros vorbei. Neben einer alten Kaserne, die heutzutage einen Teil der Universität beherbergt, können wir eine CASA C-101 Aviojet bewundern, die hier als Denkmal für die Kunstflugstaffel des Militärs aufgestellt wurde. Daneben folgt das ehemalige Hospital Real de Marina de Cartagena, heute ebenfalls Teil der Universität. Dahinter können wir einen Blick auf die alte Stierkampfarena und das darunter befindliche römische Amphitheater werfen. In dem direkt daneben befindlichen Kuppelgebäude wurden früher Autopsien durchgeführt. Der Bus fährt uns weiter zum Hafen. Wir fahren die Strecke, die wir bereits mit unserem Rädern abgefahren haben, am Fischereihafen und dem Containerterminal vorbei. Zu unserer linken Seite liegt das Fischerviertel Santa Lucia. Rechts die Statue von Santiago und ein riesiges Kreuz, welches den Startpunkt einer der vielen Pilgerwege nach Santiago de Compostela markiert. Am alten Schwimmkran, der heute auf einem Verkehrskreisel steht, vorbei geht es zum Strand von Cala Cortina. Hier könnten wir für einen Badestopp aussteigen, bleiben aber sitzen und fahren wieder zurück in die Stadt. An unserem Startpunkt verlassen wir um 11 Uhr den Bus und machen uns zu Fuß weiter auf einen kleinen Stadtrundgang. Da keine Kreuzfahrer da sind, ist es angenehm leer in der Innenstadt. Wir laufen die Calle Mayor entlang und schlagen uns irgendwann in eine Querstraße nach rechts. Irgendwie gibt es an jeder Ecke tolle Gebäude, römische Ruinen und jede Menge Cafés und Tapasbars zu sehen. Wir widerstehen den kulinarischen Versuchungen und landen irgendwann wieder an der Marina. Wir kommen gerade rechtzeitig an Bord an, um unsere neue Kühlbox in Empfang zu nehmen. Sie wird erst einmal im Cockpit aufgestellt, gestartet und befüllt. Für die Befüllung radeln wir noch einmal schnell zu Lidl und kommen mit Getränken und Gemüse wieder zurück. Bereits am Abend können wir gekühlten Wein genießen und freuen uns, dass wir nun etwas länger Gemüse- und Obstautark sein können. Abends bereiten wir uns eine leckere Scampipfanne und lassen den Tag gemütlich im Frontcockpit ausklingen.

Nach fünf Tagen ohne Gebrumme, schleichen sich am Wochenende direkt zwei Kreuzfahrtschiffe an. Mit Evrima kommt erst die Luxusvariante an. Gerade einmal 300 Passagiere. Für vier Tage wird man da schon über 6.000 Euro los. Und ja, dass ist die günstigste Kabine und der Preis ist pro Person. Aber, dass Schiff macht nahezu keinerlei Lärm beim Anlegen. Angenehme Nachbarn also. Genauso leise schleicht sich wenig später AIDA-Stella an. Mit 2.700 Passagieren und preislich deutlich günstiger. Aber auch ohne lautes Brummen und so ebenfalls ok als Nachbarn. Wir gehen mal wieder Lebensmittel einkaufen. Zur Abwechslung bei Carrefour und nicht bei unserem Stamm-Laden Lidl. Es gibt freitags Pizza und sonntags wird mit den anderen Seglern gegrillt. Der Grillabend wird immer von Rob und Sue organisiert. Dazu kommen immer gleiche und immer unterschiedliche Segler aus der ganzen Welt. US-Amerikaner, Briten, Niederländer, Belgier, Schotten und – !!! – Isländer sind diesmal dabei. Man erfährt schnell und unkompliziert wo es was in der Stadt gibt, wer was liefert und wer was repariert. Und im Zweifelsfall hilft einem der Sitznachbar auch schon beim nächsten Projekt weiter. So freut sich Axel, dass er für sein neustes 3D-Projekt mit dem Belgier Guy den Besitzer einer 3D-Druck Firma gefunden hat. Und ich bekomme Tipps gegen die lästigen Mücken und wie ich sie von mir fernhalten kann.

Die neue Woche startet entspannt. Sind wir tatsächlich schon zwei Wochen in Cartagena?! Erstaunlicherweise befasse ich mich im Moment schon mit der Suche nach dem nächsten Überwinterungshafen. Ursprünglich hatten wir geplant den Winter 2027/2028 in Sizilien zu verbringen. Doch irgendwie haben die letzten Monate mal wieder gezeigt, dass wir lieber langsam unterwegs sind und möglichst viel Zeit an schönen Orten verbringen wollen. Und vor allen Dingen wollen wir uns nicht vom Wetter hetzen lassen. Also haben wir uns entschieden im nächsten Jahr nicht ganz so weit zu Segeln und lieber. weiter nördlich nach einem Winterliegeplatz zu suchen. Die Anforderungen an solch einen Liegeplatz sind gar nicht so einfach zu erfüllen. Zunächst einmal muss der Liegeplatz sicher sein. Gegen schlechtes Wetter und starke Winterstürme. Aber auch gegen Banausen und Diebe. Dann sollte der Liegeplatz nicht fernab jeglicher Zivilisation sein. Wir bleiben ja an Bord und brauchen fußläufig oder per Fahrrad erreichbare Geschäfte und Restaurants. Und die sollten im Winter auch geöffnet haben. Ein touristisch interessantes Umland ist natürlich auch wichtig, denn wir wollen ja nicht den ganzen Tag nur an Bord sitzen, sondern auch Land und Kultur kennenlernen. Die Suche führt mit zunächst nach Sardinien. Wir haben viel Gutes über die Insel gehört und kennen Segler, die ihre Yachten dort über Winter liegen gelassen haben. Allerdings an Land stehend. In Olbia an derOstküste gibt es dafür eine gute Marina. Sie liegt allerdings für uns nicht ganz optimal etwas außerhalb der Stadt und in direkter Nähe zu Flughafen. In Cagliari im Süden gibt es Liegeplätze, die direkt in der Stadt liegen. Allerdings ist im letzten Winter dummerweise Sturmtief Harry über Sardinien gezogen und hat in Cagliari Stege und Yachten zerstört. Also nicht sicher genug für uns. Weiter Marinas und Häfen kommen auf Sardinien aus unserer Sicht nicht in Frage. Zu unsicher, zu teuer, zu wenig los im Winter. Also vielleicht ein Blick auf die Nachbarinsel Korsika werfen? Aber leider werden wir auch dort nicht fündig. Die Preise sind auch im Winter teils exorbitant hoch und die meisten Marinas aus unserer Sicht nicht gut genug geschützt. Also suchen wir am Festland weiter. Südfrankreich und die Cote d‘Azure? Klimatisch nicht ganz so gut. Monaco können wir uns nicht leisten. Also Italien? In Ligurien gibt es eine tolle Landschaft, aber leider auch tolle Preise. Weiter geht die Suche nordwärts. Genua und La Spezia scheinen uns zu nördlich und klimatisch nicht optimal. Die Marina von Rom hat bereits jetzt keinen Platz mehr für uns im übernächsten Winter! Aber in der Mitte zwischen Genua und Rom liegt noch Livorno. Das Venedig der Toskana. Livorno ist eine große Hafenstadt und entsprechend auch im Winter belebt. Und bei den Winterstürmen vom letzten Jahr gab es in Livorno keine großen Schäden zu verzeichnen. Wohl aber im September 2025, als Sommergewitter für Starkregen und Überflutungen gesorgt haben. Im Hinterland liegen Pisa, Lucca und Florenz. Siena und die Weinanbaugebiete der Toskana sind auch gut erreichbar. Ich recherchiere, dass es eine neue Marina dort gibt, die nah an der Altstadt liegt. Und man hat nicht nur Platz, sondern bietet auch noch einen guten Preis für die Überwinterung an. Perfekt! Nun können wir die nächste Segelsaison planen. Grob wird es erst einmal Richtung Barcelona oder direkt zu den Balearen gehen. Auf den Balearen werden wir möglichst viel Zeit verbringen, bevor es wieder zum Festland in Richtung Costa Brava geht. Dann tingeln wir ein paar Monate die französische Küste entlang bis nach Italien. Ob wir dann noch einen Abstecher nach Korsika und Sardinien machen, wird sich zeigen. In jedem Fall sind wir ab Oktober dann hoffentlich in Livorno. Aber, wie immer sind Pläne von Seglern ja nur Schall und Rauch und immer wieder unerwarteten Änderungen unterworfen. Und Madeira und die Kanaren sollen ja auch ganz nett sein… Hihi!

Während wir es uns in Cartagena immer gemütlicher machen, zieht über dem Mittelmeer mal wieder Schietwetter auf. Aus dem Löwengolf soll es mit 50 – 60 kn raus blasen und über die Balearen wegziehen. In Cartagena wird zwar nicht ganz so viel Wind erwartet, aber dafür Starkregen mit 30 mm pro Stunde. Ergänzt wird der Spaß eventuell um Hagel und Starkwindböen. Wir bereiten La Ola vorsichtshalber für alle Eventualitäten vor. Die Sonnensegel werden runter genommen. Das Großsegel nochmal ordentlich aufgetucht und in den Lazy-Bags fest gesichert. Unsere Sitzsäcke kommen ins Cockpit und die Leinen und Fender werden auch nochmal kontrolliert. Am Ende bleibt uns nur noch auf das entsprechende Wetter zu warten. Das lässt bis abends auf sich warten, bietet dann aber zum Glück auch eher ein visuelles Erlebnis, als die vorhergesagten Dinge. Der Himmel färbt sich bedrohlich schwarz und dunstig-gelb. In den Wolken steckt bestimmt Hagel drin. Um uns herum verschwinden die Hügel in einer Nebelwand. Ein paar kalte Böen heulen über uns hinweg und es tröpfelt ein wenig. Das war es aber auch schon. Kein Hagel, kein Starkregen, kein Sturm. Andere Orte um uns herum haben allerdings deutlich mehr abbekommen. Bilder von überfluteten Straßen und Sturmschäden gibt es aus der Region Valencia, Murcia und von den Balearen zusehen. Abends bekommen wir Besuch von Ninke und Jan vom Katamaran Bridges. Die beiden Niederländer haben wir beim Grillen kennengelernt und tauschen uns nun angeregt über Lagoon Katamarane im Speziellen und Seglergeschichten im allgemeinen aus. Derweil regnet es tatsächlich ein wenig mehr und das Deck wird hoffentlich schön abgespült.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und wir werden vom Kruezfahrtschiffgebrumme geweckt. Gleich zwei Stück haben hinter uns eingeparkt. Am Vormittag schaut dann Alexander von der Segelyacht Vision, eine Sunbeam 53, bei uns vorbei. Bisher haben wir nur über Instagram Kontakt gehabt, aber seit gestern sind sie ebenfalls in Cartagena für den Winter und natürlich tauschen wir direkt ein paar Sunbeam-Erfahrungen aus. Anschließend verschwindet Axel im Boot und bastelt weiter an seinem Projekt. Ich spüle derweil den restlichen Dreck vom Schiff, denn leider hat der gestrige Regen nur halbe Arbeit geleistet. Was nach einer kleinen Aufgabe klingt, ist mal wieder ein mehrstündiger Job. Der feine Saharasand setzt sich in jede kleine Ritze und bleibt dort haften. Also spüle ich nicht nur, sondern tanze mit einem Microfasertuch am Fuß über das Deck, Ich drehe Pirouetten, ziehe Kreise mit dem dicken Zeh und beuge mich ab und an für die Feinarbeiten per Hand nach unten. Unsere gute Gardena-Sprühpistole bediene ich dabei virtuos zwischen Wasserfall-Modus und dreifach-Schrubbstrahl. Aus den Polstern im Frontcockpit spüle ich eine braune Sauce heraus. Als Dekoration schwimmen feine Katzenhaare aus den Polstern an Deck. Der dazugehörige Kater liegt derweil im Salon und hofft, dass er nicht auch noch gewaschen wird. Wird er natürlich nicht und am Ende sieht alles wieder gut aus. Abends gibt es einen leckeren Salat und im Anschluß können wir den Feierabend genießen.

Freitags geht es nach dem Frühstück mal wieder mit den Rädern zum Shoppen. Bei Lidl gibt es Oktoberfest-Artikel und wir decken uns mit Weizenbier, Weißwurst und Brezen ein. Schade, dass nicht auch mal Norddeutsche Tage bei Lidl oder Aldi angeboten werden! Wir würden uns ja gerne mal wieder mit Nordseekrabbensalat, Grünkohl und Co. eindecken wollen. Stattdessen packen wir ein paar Crevetten, Aioli und Baguette ein und genießen diese am Abend. Lucky freut sich wie immer, dass er auch ein paar Stückchen abbekommt. Noch mehr freut er sich, dass Axel ihm eine Ausquetschhilfe für seine Creme-Leckerlis gedruckt hat. So wird wirklich kein Restchen mehr in dem Beutel drin gelassen. Und zu unserem großen Erstaunen hat Lucky inzwischen tatsächlich doch noch die Entdeckerlust gepackt! Während wir abends im Frobtcockpit sitzen, geht Lucky einfach zu unserem neuen Nachbarn rüber! Ganz einfach so! Nun gut, wir liegen auch ziemlich dicht aneinander und mittschiffs ist nur ein kleiner Katerschritt notwendig. Aber wie selbstverständlich läuft er nebenan übers Deck und überlegt kurz, ob er durch das offene Frontfenster auch mal einen Blick nach innen riskieren soll. In dem Moment kommen allerdings die Nachbarn wieder und Lucky flüchtet doch lieber schnell wieder auf „seinen“ Katamaran. Aber immerhin! Ein erster Schritt ist getan und wir sind gespannt, ob er es irgendwann auch über die Gangway auf den Steg schafft.

Das Wochenende startet mal wieder gemächlich. Ausschlafen, Frühstück mit Ei und anschließend die täglichen Nachrichten aus aller Welt lesen. Nicht nur die News in den Nachrichtenportalen, sondern auch die Emails, WhatsApps und sonstigen Nachrichten von Freunden, Bekannten und Verwandten. Eine niemals endende Flut, die uns mit der Heimat verbindet. Nicht mit jedem, aber mit vielen, haben wir auf diese Weise Kontakt. Und freuen uns natürlich darüber. Während unserer Tour mit Hello World war das noch nicht so einfach möglich. Damals hatten wir keine dauerhafte Internetverbindung und schon gar kein WhatsApp, Facebook oder Instagram. Heute können wir „dabei sein“, wenn unsere Freunde Teresa und Rob in Seattle ihre Yohela nach einem Refit endlich wieder im Wasser haben. Wir sind dabei, wenn unsere Freundin Hedi durch die herrliche Natur von Kanada reist. Wir leiden mit, als Axels Schwester Anja mit angebrochenem Mittelfuß auf dem Sofa sitzt. Wir begleiten Torben beim Golfen, schmunzeln über den philosophischen Gedanken des Tages von Claudia oder reisen mit Dietmar und Sönke zum Cannes Yacht Festival. Und natürlich noch vieles mehr! Wir fühlen uns nicht so, als ob wir weit weg wären, sondern sind nah an allen dran. Auch, wenn ihr das vielleicht gar nicht selbst mitbekommt. Womit wir nicht so gut sind, sind Geburtstage. Die vergessen wir leider regelmäßig. Und verpassen es zu gratulieren. Allerdings war das schon immer so und bedeutet nicht, dass wir jemanden nicht mehr mögen! So, genug geschwafelt. Irgendwann kommen auch wir in die Puschen und kümmern uns um den Abwasch, den Samstagsputz und natürlich den Bootsprojekten. Nachmittags geht es zur Segelyacht Vision zum Kaffee und wir sitzen nach zehn Jahren mal wieder im Cockpit einer Sunbeam 53. Alexander, Jennifer und die Zwillinge Valentin und Emil verlassen Cartagena leider am nächsten Tag schon wieder, da sie zum Arbeiten in die Heimat zurück müssen. Aber wenn sie im nächsten Jahr zurückkommen und sind wir schon mal locker für einen weiteren Austausch verabredet.

Die nächsten zwei Wochen werden spannend in Cartagena! Unsere Freunde von der Troll kommen an, wir treffen nach 16 Jahren unseren Freund Dietmar wieder und wir werden tief in die Geschichte eintauchen. Und das Wetter dreht auch wieder auf. Aus dem Löwengolf bläst mal wieder Starkwind mit 50 kn Wind und vor Tunesien scheint sich ein Medicane zu bilden, der Richtung Griechenland und Kreta ziehen könnte. Wir werden natürlich über alles berichten!