Wir bewegen uns mal wieder im Schneckentempo! Seitdem wir im Mittelmeer angekommen sind, haben wir uns mit 0,26 km pro Stunde voran bewegt. Entspricht 260 m, die wir in einer Stunde geschafft haben. Vermutlich würde uns eine ambitionierte Schildkröte überholen können. Und die nächsten zwei Tage werden unseren Schnitt auch noch verschlechtern. Mit Blick auf den Wetterbericht haben wir uns mal wieder zum Abwarten entschlossen. Zwei Tage mehr in Estepona sind keine Last. Etwa 80 sm gegen Wind und Welle gegenan sind es aus unserer Sicht schon. Also starten wir entspannt in die neue Woche und erkunden noch ein wenig die Umgebung. Die Temperaturen sind wieder erträglich und die Fahrräder können mal wieder zum Einsatz kommen. Zunächst geht es den Berg hinauf zu Lidl, wo wir Lebensmittel für die nächsten Tage erstehen. Erstaunlicherweise sind Bio-Eier aus! Während Axel mit den Einkäufen schnell zurück an Bord radelt, halte ich auf dem Rückweg noch schnell beim SuperCor, dem Supermarkt von El Corte Inglés. Dort gibt es, wie aus Cádiz bekannt, eigentlich alles. Und zum Glück auch Bio-Eier. Der Zustand „eilos“ geht bei uns an Bord nämlich gar nicht. So bin ich ein paar Minuten nach Axel auch wieder an Bord und kann meine Beute verstauen. Während wir gemütlich einen Mittagssnack im Cockpit einnehmen, kracht es plötzlich laut hörbar zwei Boote neben uns. Ein Lagoon 46 Katamaran schwingt erst nach Vorne und dann mit Schwung rückwärts gegen die Kaimauer. Ups!!! Wobei niemand an Bord der Lagoon ist. Ein vorbeifahrendes Motorausflugsboot ist ihm zu Nahe gekommen und hat seine Bug-Mooringleine gekappt. Der Kat hängt schräg in seinem Liegeplatz und droht aufgrund des Windes erneut gegen die Kaimauer zu schlagen. Der Unfallverursacher hingegen hält es nicht für nötig, sich nach dem Anlegen um den Schaden zu kümmern. Wir sind gerade dabei dem Marina-Office Bescheid zu geben, als Holger und Gabi von Panacea vorbeikommen. Wir erläutern die Situation gerade, als dann doch noch zwei Marineros angelaufen kommen. Sie haben die Situation ebenfalls von einem anderen Steg beobachtet und sorgen nun dafür, dass kein weiterer Schaden entsteht. Der Unfallverursacher sieht sich derweil zu keiner Erklärung oder Hilfeleistung veranlasst. Am Ende bleibt ein kleiner, aber sehr ärgerlicher Gelcoat-Schaden am Heck. Wir schnappen uns nach der Aufregung erneut unsere Fahrräder und fahren in Richtung Südwesten die Strandpromenade entlang. Die Bebauung ist größtenteils schon etwas in die Jahre gekommen, aber nicht allzu hoch und teils sehr nett anzusehen. Ein paar ältere Häuser gehen fast bis an den Strand und wir fahren beinahe durch die Vorgärten hindurch. Schließlich endet die Promenade und wir drehen wieder um. Zurück an Bord halten wir ein wenig Siesta und gehen abends heute mal wieder Indisch essen. Weit müssen wir nicht laufen, denn das Restaurant Mumbai Masala liegt direkt gegenüber von unserem Steg. Wir werden schnell bedient und unsere Biryanis schmecken hervorragend. Nach dem Essen laufen wir noch ein wenig durch den Hafen und holen uns Anregungen für unsere Gangway. So ganz sind wir noch nicht mit der Bedienung zufrieden und holen uns jetzt bei anderen Yachten ein paar Anregungen.
Lucky übertreibt es nachts mal wieder! Ich werde ab 3 Uhr stündlich geweckt, muss aufstehen, um ihn zu beruhigen. Am mangelden Futter kann es nicht liegen, denn sein Napf ist voll. Auch das Verschließen unserer Kabinentür hilft nur wenig, denn Lucky weiß, dass er durch die offene Luke vom Cockpit in unsere Kabine miauen kann und damit direkt an unseren Ohren landet. Entsprechend gerädert stehe ich heute erst um 8:30 Uhr auf und findet einen inzwischen gemütlich schlafenden Kater vor. Mistvieh! Aber ich mag in natürlich trotzdem. Nach dem Frühstück checken wir das Wetter und beschließen erst am Donnerstag weiterzufahren. Zwar hätten wir auch bereits am morgigen Mittwoch keinen Gegenwind mehr, aber es steht noch eine unangenehme Welle gegenan. Die sollte am Donnerstag weg sein, so dass wir die 80 sm gut motoren können müssten. Segelwind ist leider weit und breit nicht in Sicht. Wir können also noch zwei weitere Tage in Estepona verbummeln. Da das Wetter inzwischen wieder schwül-warm ist, halten sich unsere Aktivitäten allerdings in Grenzen. Wir machen ein wenig Hausarbeit, Waschen ab und Staubsaugen. Verabreden uns für Mittwoch mit Gabi und Holger zum Essen gehen. Beschäftigen uns mit der weiteren Törnplanung. Gerne wären wir am 12. August in Valencia oder auf Mallorca, doch bis dahin bleibt nicht viel Zeit. Wir überlegen daher, ob wir von Cartagena eine Nacht durchsegeln. So könnten wir es bis zum 12. August an eines unserer Wunschziele schaffen. Wenn denn das Wetter mitspielt. Warum wir unbedingt am 12. August dort sein wollen? Wegen der totalen Sonnenfinsternis! Die sollte insbesondere von Mallorca aus sehr gut zu sehen sein. Und so ein Himmelsereignis kommt ja leider nicht sehr oft vor. Die Sonnenfinsternis 1999 habe in Deutschland leider aufgrund des stark bedeckten Himmels nicht sehen können und bei anderen Sonnenfinsternissen war ich nie in der Nähe. Die Gelegenheit wäre also diesmal günstig. Nachmittags raffen wir uns bei über 30° C zu einem weiteren kleinen Radausflug auf. Diesmal fahren wir in die entgegengesetzte Richtung, also die Strandpromenade von Estepona entlang. Es gibt einen gut ausgebauten Radweg neben der Fußgängerpromenade und wir kommen gut voran. Der Blick auf die ruhige See lässt uns ein wenig am Wetterbericht zweifeln, denn von 1 m Welle ist nicht viel zu sehen. Egal, denn nun haben wir unseren Aufenthalt bereits bei der Marina verlängert. Diesmal geht es weiter als bei unserem Ausflug zu Fuß und wir radeln die Küste entlang bis zur Playa del Padrón. Dann drehen wir um und kommen nach einer Stunde wieder gut durchgeschwitzt bei La Ola an. Nach ein wenig Rekonvaleszenz bereitet uns Axel ein leckeres Asia-Hühnchen. Zum Essen geht es diesmal mit einem Glas Rosé ins kühlere Frontcockpit. Leider wird die gute Stimmung am Abend deutlich getrübt. Die Seenotretter fahren zweimal raus und wieder rein. Sie tragen bei der Rückkehr nicht ihre leuchtendroten Uniformen, sondern weiße Einmalüberziehanzüge. Dazu Atemschutzmasken. Beide Male werden sie von Uniformierten mit Trage erwartet. Beide Male wird die Trage zur Bahre und eine Person wird in einem schwarzen Plastiksack abtransportiert. Bereits am Vortag wurden in Estepona zwei Leichen am Strand gefunden. Eine dritte Person wurde heute nach einem Badeunfall leblos am Strand gefunden. Plus die zwei Personen vom Seenotretter heute Abend. Da hat das Meer rund un Estepona in den letzten Tagen deutlich zu viele Opfer gefordert. Gründe und Hintergründe kennen wir nicht, aber hinter jedem Tad steht eine persönliche Leidensgeschichte, die uns auch ohne nähere Kenntnis traurig macht. Nachdem wir wieder ins Achtercockpit gewechselt sind, fällt uns ein Rumpsen auf. Nach ein wenig Herumgeforscht haben, stellen wir fest, dass einer unserer Motorbootnachbarn im Schwell mit dem Heck gegen die Betonpier kracht. Selbst aufs Boot kommen wir ohne Gangway nicht, also rufen wir die Marineros über Funk an, die das Problem wenig später lösen. Mal wieder eine gute Tat vollbracht und Bonuspunkte für das Karmakonto gesammelt. So können wir beruhigt in die Kojen gehen.
Ein Zeitungsbericht bringt am nächsten Morgen Klarheit über die geborgenen Leichen. Insgesamt drei Personen wurden gestern von den Seenotrettern leblos aus dem Wasser geholt. Es soll sich um Migranten handeln, die von Marokko versucht haben, schwimmend in die spanische Enklave Ceuta zu gelangen. Ein gefährliches Unterfangen, denn die Distanz ist weit und Wellen und Strom gegenan sorgen schnell für Erschöpfung. Die Strömung hat sie dann in die Region Estepona getrieben. In Ceuta wurden am gestrigen Tag weitere 39 Migranten lebend aus dem Wasser gerettet, die ebenfalls schwimmend nach Ceuta gelangen wollten. Innerhalb von 24 Stunden haben Zigtausende versucht nach Ceuta zu gelangen. Die Lage dort eskaliert immer mehr und Spanien hat das Militär zur Unterstützung geschickt. Es werden wohl also leider nicht die letzten Toten sein, die man vor der spanischen Küste aus dem Wasser bergen wird. Scheinbar ist das ganze Chaos entstanden, weil Schleuser die Information verbreitet haben, dass man, wenn man über den Seeweg nach Ceuta einreist, nicht mehr abgeschoben werden darf.
Nach einer etwas unruhigen Nacht, in der ein in die Marina einlaufender Grundschwell La Ola hat hin- und hertanzen und in die Leinen rucken lassen, startet der Morgen wie gewohnt sonnig und warm. Wir widmen uns nach dem Frühstück mal wieder einer Grundreinigung von La Ola. Der Saharastaub hat sich mal wieder in jede kleine Ritze gelegt und wird von uns mal wieder akribisch entfernt. Das ganze Unterfange braucht bei unserer Schiffsgröße eine ganze Weile und erst nach drei Stunden Schrubben glänzt La Ola wieder wie neu. Das große Sonnensegel für das Vorschiff bauen wir direkt ab, da wir am nächsten Morgen früh los wollen. Die Sonnensegel für die Cockpitseiten bleiben und werden nochmal ordentlich nachgespannt. Den Rest des Tages schwitzen wir einfach so vor uns hin. Über 30° C und 70% Luftfeuchtigkeit führen zu einem feuchtwarmen, klebrigen und nicht endend wollenden Schweißstrom. Puh! Abends holen uns Gabi und Holger ab und wir gehen gemeinsam die paar Schritte bis zum Restaurant Casador an der Marina. Wir haben reserviert und Meeresfrüchte-Paella für Vier vorbestellt. Als wir um kurz nach 19 Uhr im Restaurant ankommen, ist allerdinngs noch nieman da. Die Türen sind verschlossen. Immerhin, die Tische sind eingedeckt und so setzen wir uns einfach schon mal hin. Ein paar Minuten später kommt dann doch noch jemand und öffnet das Restaurant. Wir haben uns natürlich an den falschen Tisch gesetzt, dürfen aber nach ein wen9g Diskussion sitzenbleiben. Die Frage, was wir Essen möchten, wundert uns ein wenig, doch am Ende können wir vermitteln, dass wir Meeresfrüchte-Paella vorbestellt haben. Die kommt dann auch relativ zügig und sieht auf den ersten Blick auch sehr gut und reichhaltig aus. Allerdings ist der Reis noch recht bissfest und die Paella stellenweise am Boden angebrannt. Wir lassen uns den Abend dadurch nicht verderben, kauen einfach ein bisschen kräftige und sparen die schwarzen Bereiche aus. Es wird wie zuvor ein lustiger Abend mit den Beiden. Wiedersehen werden wir sie vermutlich irgendwann in Cartagena. Bis dahin trennen sich unsere Wege nun erst einmal wieder.
Estepona – Motril 83,3 sm

Frühmorgens um 6:30 Uhr klingelt der Wecker. Und es ist noch dunkel. Hilft aber nix, wir müssen raus aus den Federn. Während es langsam dämmert, trinken wir einen Kaffee und machen alles Ablegeklar. Um 7:20 Uhr geht es dann los und wir verlassen Estepona. Die Sonne kommt wunderschön hinter den Küstenbergen hervor und leuchtet uns rot den Weg. Die See ist spiegelglatt und es weht nur ein seichtes Lüftchen aus Ost. So wie es vorhergesagt wurde. Uns erwartet ein langer Tag unter Motor, denn wir wollen heute ein gutes Stück weiter nach Osten kommen. Gerne hätten wir noch einen Zwischenstopp eingelegt, aber alle Marinas haben uns abgelehnt oder sich gar nicht erst auf unsere Anfrage zurückgemeldet. So geht es heute also über 80 sm nach Motril. Das Wetter ist diesig und die schöne Küstenlinie ist stellenweise kaum zu sehen. Vielleicht auch ganz gut so, denn wenn sich der Dunst einmal lüftet, sieht man zahlreiche Hochhäuser, Reih um Reih, wie überdimensionale Doministeine. ebeneinander. Erst hinter Malaga wird die Bebauung gefühlt etwas luftiger und man sieht die berühmten weißen Dörfer an den Berghängen kleben. Vielleicht täuschte der Eindruck aber auch, denn wir sind weit draußen auf dem Meer im tiefblauen Wasser unterwegs. Endlich müssen wir nun gar nicht mehr auf die Iberischen Orcas Rücksicht nehmen und können sorglos in 300 m Tiefe fahren. Um uns herum tobt das Leben im Wasser. Nahezu durchgehend sieht man irgendwo um uns herum Delfinschulen jagen und springen. Fische gibt es scheinbar reichlich. Wir sehen große Fische an der Oberfläche hinter kleinen Fischen hinterherjagen und bringen unsere Angel aus. Manche Fische springen auf der Flucht vor anderen Jägern aus dem Wasser und ich sehe direkt vor unserem Bug einen ziemlich großen Schwertfisch aus dem Wasser springen. Im glasklaren Wasser taucht er vor La Olas Bug weg und ich bin begeistert von der blau-schimmernden Farbe des Fisches. Leider schaffe ich es nicht ihn zu fotografieren. Zu schnell ist das Spektakel vorbei und der Schwertfisch verschwunden. Genauso geht es mir mit einem fliegenden Fisch, der sich vor La Ola mit einem meterlangen Flug in Sicherheit bringt. Die Delfine halten sich größtenteils auch in größerer Entfernung von uns auf. Erst am späten Nachmittag – wahrscheinlich nach Fischfangfeierabend – gesellen sich ein paar Tiere zu uns und spielen um unseren Bug. Die Sonne brennt derweil unablässig auf uns nieder. Es ist heiß und wird noch heißer. Die hohe Luftfeuchtigkeit lässt einen auch ohne jegliche Bewegung klitschnass werden. Beim Einholen unserer Angel gibt es dann einen kurzen Schreckmoment für mich. Hinter uns tauchen vier große Rückenfinnen auf uns der Blas deutet definitiv auf Wale hin. Von der Größe könnten es Orcas sein! Beim zweiten Blick sind aber die Köpfe zu sehen und die haben keinen weißen Fleck hinter den Augen. Also keine Orcas. An unserer Angel hängt leider auch kein Fisch, sondern ein Stück Plastik. So haben wir zwar leider nichts zum Abendessen gefangen, aber immerhin das Meer um ein Stück Plastik sauberer gemacht. Um 19:45 erreichen wir schließlich die Marina von Motril. Wir werden freundlich in Empfang genommen und bekommen einen schönen Längsseitsliegeplatz am Schwimmsteg. Das erste Mal in unserem seglerischen Leben stellt man uns zudem eine kleine Treppe an Schiff. Damit wir besser von Bord kommen. Bekommt hier wohl jeder Längsseitslieger. Einchecken können wir gerne am nächsten Vormittag. Wenig später sitzen wir dann mit Schnittchen im luftigen und schattigen Frontcockpit und erholen uns von der anstrengenden Fahrt. Eigentlich haben wir ja nicht viel gemacht, keine Segel bedient, nicht per Hand gesteuert. Aber den ganzen Tag in der gleißenden Sonne strengt auch so ganz schön an. Obwohl wir den ganzen Tag viel Flüssigkeit zu uns genommen haben, dröhnen uns die Schädel und wir fühlen uns dehydriert. So geht es recht früh zur Erholung in die Kojen, die wir mal wieder schön kühl klimatisiert haben.
Quietschende Fender und Leinen, die sich anhören wie ein ganzes, völlig verstimmtes Streichorchester. Dazu ein weiterhin dröhnender Schädel und eine schweißtreibende Hitze treiben mich irgendwann mitten in der Nacht ins Cockpit. Dort ist es deutlich kühler und das Gequietsche ist nicht mehr so laut hörbar. Lucky wundert sich erst ein wenig, dass ich ihm heute Nacht mal Gesellschaft leiste, legt sich dann aber auch schnell wieder auf die Cockpitbank zum Schlafen nieder. Dummerweise werde ich draußen von einer Mücke geplagt und ziehe irgendwann doch wieder nach Drinnen um. Entsprechend gerädert bin ich am nächsten Morgen und bleibe bis 11 Uhr einfach liegen. Axel steht ausnahmsweise mal früher als ich auf und checkt uns in der Marina ein. Irgendwann rappel auch ich mich auf und wir machen einen kleinen Spaziergang zum nächsten Supermarkt. Der Weg dorthin fällt allerdings deutlich länger aus, als man auf der Karte sehen konnte und wir müssen erst einmal eine halbe Stunde durch das Hafengelände laufen, bevor wir einen Ausgang finden. Die Marina Motril liegt nämlich im Port de Motril, welcher nur über beschrankte und kontrollierte Zufahrten zugänglich ist. Es gelingt uns irgendwann eine Tür zu finden und ein freundlicher Hafenmitarbeiter zeigt uns auch, wie man das elektronische Zugangssysten bedient. Ohne ihn wären wir bestimmt nie darauf gekommen, dass man hektisch ca. dreißig Sekunden auf einen Knopf herumhacken muss, bis sich die Tür entriegelt. Schließlich erreichen wir den eiskalt klimatisierten Minimark und steifeln mit drei Baguette unterm Arm wieder davon. Da sich unsere Tür von außen nicht öffnen lässt, nehmen wir einen anderen Weg zurück zum Schiff und schließen die Umrundung des Hafengeländes deutlich erschöpft ab. Eines der Baguettes gibt es dann auch direkt zum Mittag mit leckerem Iberico-Schinken belegt. Nachmittags widmen wir mal wieder einer ausgeprägten Siesta und der weiteren Reiseplanung. Ab Sonntag soll endlich schöner Segelwind aus West einsetzen, der uns hoffentlich schnell und gemütlich weiterbringt. Da wir gerne endlich mal wieder Ankern würden, suchen wir uns für den nächsten Stopp einen schönen Ankerplatz aus und hoffen, dass der Wetterbericht dann auch passt. Gute und geschützte Ankerplätze gibt es entlang der andalusischen Küste nämlich erstaunlich wenig. Abends machen wir uns dann auf den kurzen Weg ums Eck zum Restaurant La Taramela, welches dem Real Club Nautico angeschlossen ist. Wir werden direkt am Wasser unter der Sonnenterrasse platziert. Eigentlich nett, aber das Wasser stinkt ziemlich nach Diesel. Scheinbar wir hierzulande gerne per Kanister von der Autotankstelle getankt und keinen kümmert es, wenn dann mal was daneben geht. Sehr traurig, wenn man sieht wie klar und fischreich das Wasser in der Marina ansonsten ist. Wir bestellen Fisch und Burger und bekommen unser Essen auch recht fix geliefert. Während Axels Fisch sehr gut ist, zeichnet sich mein Burger durch ziemlich tiefdunkelbraunen Bacon aus. Gerade noch essbar, aber kein unmittelbarer Genuss. Nach dem Essen verschwinden wir schnell wieder an Bord, wo es etwas weniger nach Diesel mufft. Wir lassen den Abend im Cockpit ausklingen und überlegen, was wir am nächsten Tag in Motril unternehmen wollen.
Nach einer deutlich ruhigeren Nacht starten wir gemütlich ins Wochenende. Frühstück im Cockpit, wo auch sonst? Anschließend kommen die Fahrräder an Land und wir radeln los. Wir fahren die Strandpromenade entlang zum Naturpark Charca Suarez. Leider stehen wir dort vor verschlossenen Toren. Den einzigen Öffnungstag der Woche am Donnerstag haben wir leider verpasst. Weiter geht es in den Hauptort von Motril. Dort steuern wir den megagroßen Al Campo Supermarkt an und stocken unsere Frischvorräte auf. Ähnlvivh wie in Deutschland, ist es auch hier samstags brechend voll. Für uns kein Problem, denn wir genießen nach der kleinen Radtour die Erfrischung des klimatisierten Marktes. Schließlich radeln wir durch die Mittagshitze wieder zurück zur Marina. Irgendwann lernen wir vielleicht auch noch, dass man solche Touren lieber frühmorgens macht und nicht zur Mittagszeit. Wir sind jedenfalls mal wieder klatschnass geschwitzt. 80% Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit 30° C Temperatur sind einfach nicht angenehm. An Bord stärken wir uns mit Melone und Schinken. Wie immer erfrischend und lecker. Dann wird aus einem Großteil der neu erworbenen Lebensmittel mal wieder Saft hergestellt. Am Nachmittag füllt sich der Steg, den wir seit gestern Vormittag für uns alleine hatten, wieder ein wenig. Wir schnacken kurz mit unseren spanischen Nachbarn über Thunfischangelversuche, mit dem englischen Nachbarn über Wetter und Segelpläne und freuen uns, dass die schwedischen Nachbarn aus Gävle kommen, wo wir 2006 schon einmal gewesen sind. Fast auf den Tag genau 20 Jahre ist das her. Abends bereiten wir uns eine leckere griechische Bowl und verschwinden nach dem Essen ins deutlich schattigere Frontcockpit. Dort können wir beobachten, wie eiin Boot nach dem anderen wieder zurück in die Marina fährt. Der Hafen muss vorher leer gewesen sein. Ein offenes Motorboot wird von den Seenotrettern reingeschleppt und an die Mitarbeiter der Marine übergeben. Sehr spannend. Schließlich verholen wir in unsere Kojen, die wir mal wieder klimatisiert und runtergekühlt haben. Auf Wunsch von Axel bleibt die Klimaanlage nachts an, was ich nicht soooo tol finde. Es ist zu kalt und ich werde unangenehm angepustet. Muss unter die Decke kriechen, was wiederum zu warm ist. Dann kracht es plötzlich draußen und natürlich muss ich nachschauen. Der Wechsel von der klimatisierten Kabine nach draußen führt zum sofortigen Saunaerlebnis. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass man quasi im Regen steht. Nur ohne Regen. Der Krach erklärt sich durch einen erneuten Seenotrettereinsatz. Der Schlepper hat so viel Schwell gemacht, dass Axels Fahrrad auf dem wackelnden Steg umgefallen ist. Freundlicherweise haben unsere spanischen Nachbarn es bereits gerettet und wieder aufgestellt. Ich sichere es aber doch lieber noch an einem Stromkasten, so dass es nicht wieder umfallen kann. Schweißgebadet geht es zurück in die Kühlschrankkoje, wo ich mich nicht entscheiden kann, ob ich lieber eiskalt angepustet oder warm unter der Decke liegend, trocknen will. Am Ende gehe ich lieber unter die Decke und muss nicht frieren. Das nervige Gebrumme der Klimaanlage bleibt allerdings und hält mich weiter wach.
Der nächste Morgen startet sonnig und klar. Ich genieße den erfrischenden Morgen bei einer Tasse Kaffee im Cockpit, während Axel noch ein wenig in der Koje liegen bleibt. Ist ja auch Sonntag, da darf man ausschlafen. Irgendwann gibt es ein leckeres Frühstück mit Ei und wir planen unseren Tag. Wir vertrödeln heute mal nicht die Zeit, sondern steigen unmittelbar nach dem Frühstück auf unsere Räder. Diesmal geht es die Strandpromenade von Motril entlang nis nach Salobreña. Am Strand herrscht bereits Hochverkehr und ein Sonnenschirmchen reiht sich an den Nächsten. Wir biegen schließlich vom Strand weg ins Landesinnere ein und fahren nach einem Stück Schnellstraße über einen asphaltierten Feldweg weiter. Kleine Obstplantagen wuchern bunt durcheinander mit Zuckerrohr und Kartoffelfelder. Neben dem Weg gluckern die Bewässerungskanäle vor sich hin. Wir erreichen nach ca. 10 km das Örtchen Salobreña, welches sich dekorativ einen Bergrücken entlangschlängelt. Den Besuch der historischen Altstadt sparen wir uns alkerdings lieber. Es ist schon wieder bruttig heiß und sonntags sind hierzulande ja leider keine Geschäfte geöffnet. Also geht es wieder zurück nach Motril. Den Gedanken an einen Strandbesuch verwerfen wir angesichts der Massen am Strand ebenfalls und setzen uns nach Rückkehr zum Schiff lieber ins schattige Cockpit. Nachdem wir uns ein wenig von der 1 1/2 stündigen Radtour erhlt haben, spülen wir noch schnell das Deck von La Ola ab. Irgendjemand hat doch tatsächlich Drecktapsen darauf hinterlassen. Tsss! Schuhabdrücke Größe 45 und Fußabdrücke Größe 37. Muss wohl Lucky gewesen sein! Dann werden die Wassertanks gefüllt, denn wir in den nächsten Tagen vor Anker zu liegen und wollen möglichst spät unseren Wassermacher anmachen. Und die Waschmaschine wird auch nochmal schnell mit Marinawasser angestellt. Schließlich kommen die Fahrräder wieder an Bord und wir bereiten unsere Code Zero für den nächsten Tag vor und setzen ihn am Vorstag. Alles bereit für eine schnelle Abreise am nächsten Morgen. Abends gibt es gegrillte Hähnchenbrust mit Cole Slaw und Baguette
Motril – Roquetes de Mar 49,9 sm

Montagmorgen. Da heißt es auch für uns mal wieder früh Aufstehen. Wecker um 6:30 Uhr und mit dem ersten Büchsenlicht legen wir ab. Wir haben wieder eine ordentliche Strecke vor uns und hoffen endlich mal auf guten Segelwind. Und den bekommen wir endlich auch mal. Schöne vier Windstärken von Achtern. Nach ein paar Seemeilen setzen wir den Code Zero und segeln dahin. Erst schnell, dann langsam, dann wieder schneller. Die See ist etwas wellig und schaukelt uns ordentlich durch. Nicht schlimm, denn wir haben ja einen Katamaran. Aber das Segel flappt im Wellental und macht die Fahrt etwas unstet. Bei angenehmen Temperaturen geht es die Küste entlang. Wir bilden uns ein, dass die weißen Flecken auf dem Gipfel Schnee sind. So hoch oben werden ja wohl keine Gewächshäuser stehen. oder?! Die tiefer gelegenen Hänge sind nämlich auch zunehmend weiß. Bei Almerimar ist sogar die gesamte Küstenlinie weiß! Weiß von den unzählichen Gewächshäusern. Plastikfolie, unter denen Gemüse und Obst angebaut wird. Als wir hinter Almerimar nach Nordosten abbiegen, riechen wir den feinen Duft von Guano. Dünger für die Speisekammer von Europa. Wir rollen den Code Zero ein und wechseln auf die Genua. Der Speed bleibt nahezu gleich. Da der Wetterbericht für unser eigentliches Ziel am Cabo de Gata zu viel Wind vorhersagt, entscheiden wir uns eine Bucht vorher vor Anker zu gehen. So steuern wir Roquetas de Mar an und tatsächlich nimmt der Wind nachmittags ordentlich zu. Bei bis zu 28 kn Wind jagt La Ola inzwischen unter zweifach gereffter Genua auf den Ankerplatz zu. Leider sind bereits zwei andere Yachten vor Anker und wir müssen uns an das windige und schwellige Ende des Ankerplatzes begeben. Nun denn, der Wind soll ja wohl weniger werden und damit auch die Wellen. Bis dahin tanzen wir ordentlich durch die Gegend. Während wir ein karges Abendmahl – trocken Brot und ein paar Riesengarnelen in Knoblauchöl – genießen, lässt der Wind nach und die Wellen werden seicht. Gerade so, dass man perfekt in die Abendstimmung für einen wunderschönen Sonnenuntergang hineingewiegt wird. Axel nimmt noch einen kleinen Dipp im großen Pool und wir freuen uns mal wieder, dass wir uns für das harte Leben an Bord entschieden haben. Als es bereits stockenduster ist, bekommen wir dann noch unerwarteten Besuch. Der spanische Zoll kommt mit großem Mutterschiff und völlig unbeleuchtetem Tochterschiff in die Bucht zur Kontrolle. Man leuchtet uns an und bittet an Bord kommen zu dürfen. Darf man, eine Alternative ist aber auch nicht vorhanden. Wir dürfen unsere Papiere vorlegen. Pässe, Bootsregistrierung und Versicherung. Vorsichtshalber zeigen wir auch Luckys Heimtierausweis, aber der interessiert den Zoll überhaupt nicht. Nach zwanzig Minuten sind diverse Formulare ausgefüllt und man verlässt uns wieder. Zum Abschied gibt man uns noch zwei Durchschläge der ausgefüllten Papiere und sagt, dass wir jetzt für August gecheckt sind und bei einer nächsten Kontrolle einfach die Papiere vorlegen können. Während wir kurz nach Abreise der Zollbeamten in unsere Kojen verholen, fragen wir uns, was eigentlich passiert wäre, wenn wir schon geschlafen hätten. Hätte man uns geweckt? Oder freundlich schlafen lassen? Egal, wir sind erst einmal registriert und gecheckt.
Roquetes de Mar – Playa de los Genoveses 25,7 sm

Die Nacht bleibt schaukelig und wir rollen im Schwell hin und her. Ja, auch ein Katamaran bewegt sich. Nur halt nicht so wilde und schlimm, wie ein Monohull. Irgendwann zieht ein leichter Bandgeruch durch die Kabine. Schwer zu sagen, ob am Strand Lagerfeuer angezündet wurden oder es irgendwo an Land brennt. Nervend kommt gegen 4 Uhr früh eine Zikade hinzu, die es irgendwie von Land zu uns raus aufs Wasser geschafft hat. Sie zirpt schrill in einem durch und versucht vermutlich ihre Kumpels anzulocken. Um 6:30 Uhr stehe ich auf und versuche das Mistvieh zu vertreiben. Gelingt mir aber natürlich nicht. Also schnell Lucky füttern und wieder ab in die Koje. Ein Stündchen später ist die Sonne da und die Zikade verstummt. Aber nun bin ich eh wach und mache es mir mit meinem Kaffee im Cockpit gemütlich. Die Luft ist wieder klar und es verspricht mal wieder ein schöner, sonniger Tag zu werden.Nachdem auch Axel aus der Koje aufgetaucht ist, stärken wir uns mit einem leckeren Frühstück. Um 9:20 Uhr geht dann der Anker auf und wir machen uns wieder auf den Weg. Wir überqueren den Golf von Almeria und setzen Kurs aufs Cabo de Gata, das Katzenkap. Es hat eine gewisse Reputation und entsprechend vorsichtig gehen wir die Sache an. Wir setzen erst den Code Zero, nehmen ihn jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder weg. Zu viel Welle und zu wenig Wind lassen in in jedem Wellental kräftig schlagen. So geht es erst ein Stück unter Motor weiter. Um 10:45 Uhr hat der Wind ausreichend aufgefrischt und wir setzen die Genua. Nun geht es munter unter Segeln weiter. Die Wellen sind deutlich höher als vorhergesagt und wir surfen schön in die richtige Richtung. Als ich unsere ausgebrachte Angel kontrolliere, stelle ich fest, dass wir verfolgt werden. Erst freue ich mich über den Delfinbesuch, dann stelle ich fest, dass wir nicht von Delfinen, sondern von ziemlich großen Fischen verfolgt werden. Die schnellen grauen Körper sehen auf den ersten Blick aus wie Haie! Aber Haie schwimmen doch eher selten in Gruppen, oder? Auf den zweiten Blick sieht man dann einen blauen Streifen am Fisch und wir tippen auf Blauflossenthunfische. In Delfingröße! Also durchaus beachtliche 1,5 bis 2 m lang. Wahnsinn! Auch wenn die Verlockung von frischem Sushi groß ist, aber ich hole lieber schnell unsere Angel ein. Unsere Köder wären für diese Größe Thunfisch nicht geeignet und was sollten wir zu Zweit mit so einem riesigen Fisch? Außerdem ist der Fang von Blauflossenthunfisch streng reglementiert und im Zweifelsfall verboten. Dann freuen wir uns doch lieber an dem Erlebnis! Die Gruppe Thunfische begleitet uns über mehrere Stunden und schwimmt pfeilschnell hinter und neben uns her. Warum sie das tun?! Keine Ahnung! Wir nähern uns dem Cabo de Gata und die Wellen werden in Lee der beeindruckenden Küste weniger. Dafür tauchen nun zusätzlich zu den Thunfischen noch große Tümmler auf. Sie springen hoch aus dem Wasser und begleiten uns eine Weile. Thunfische und Delfine scheinen sich gegenseitig nicht zu stören und lassen sich in Ruhe. Irgendwann ziehen die Delfine wieder davon und lassen uns mit unseren Tunas alleine. Erst als wir unser Segel wegnehmen und die Motoren kurz vorm Ankerplatz starten, verlassen sie uns und ziehen von dannen. Das Cabo da Gata ist geprägt von einem 15 bis 6 Millionen Jahre alten, erloschenen Vulkankomplex, der unter Wasser entstanden ist. Man sieht im Vorbeisegeln markante Lavaformationen, Klippen und fossile Korallenriffe. Heute ist das Gebiet ein Geopark und lockt entsprechend viele Besucher an. Wir erreichen schließlich die Bucht von Playa de los Genoveses und gehen vor Anker. Der Wind weht ordentlich über die Hügel und lässt La Ola und die anderen Boote ordentlich hin und her schwoien. Nur gut, dass wir so einen kräftigen Anker haben! Da der Wind am Abend deutlich nachlassen soll, bleiben wir erst einmal an Bord und halten ein wenig Siesta. Der Wind nimmt zwar ab, aber es kommen auch am Nachmittag und Abend noch ordentliche Böen durchgezogen. So verschieben wir einen Landsusflug erst einmal. Auch zum Baden können wir uns erst einmal nicht aufraffen. Aber zum Kochen! Axel bereitet leckeres Ratatouille-Gemüse im Airfryer. Eigentlich soll es auch noch gebackenen Feta dazu geben, doch die Packung kommt ziemlich aufgebläht aus dem Kühlschrank und riecht nicht mehr allzu gut. OK, dann halt Veggie-Day. Vielleicht hätten wir doch einen Thunfisch fangen sollen?! Nein, nein, dann hätten wir viel zu viel von den tollen Fischen nicht verwerten und nutzen können. Für bummelige 80 kg Thunfischfleisch fehlen uns nämlich irgendwie die Kühlkapazitäten. Abends leert sich der Strand um unsere Ankerbucht und die einheimischen Motorboote kehren in ihre Heimathäfen zurück. Die Abendsonne malt die umliegenden Vulkanhügel vor uns orange-braun an und hinter uns färbt sich der Himmel über dem Meer nachtrosa ein. Ach, vielleicht sollten wir noch einen Tag hierbleiben? Mal schauen, was der Wetterbericht dazu sagt. Nachdem uns gestern der Zoll kontrolliert hat, kommt heute die Guardia Civil zu Besuch am Ankerplatz. Scheinbar wollen die aber auch nur eine ruhige Nacht vor Anker verbringen. Wir werden jedenfalls vorm ins Bett gehen nicht mit weiteren Formularen belästigt.
Playa de los Genoveses – Playazo de Rodalquilar 10,7 sm

In den frühen Morgenstunden fängt das Boot an zu Rollen und wiegt uns in den Kojen sanft hin und her. Ich stehe auf und stelle fest, dass sich La Ola gedreht hat und ein leichter Schwell nun von See in die Bucht läuft. Vom Strand hört man bereits Gelächter und Gerede und Taschenlampenlichter tanzen den Berghang hinauf. Man begibt sich in Pole-Position für das morgendliche Highlight. Gute Idee! Ich muss dafür keinen Berg erklimmen, sondern begebe mich einfach ins Frontcockpit. Dort liegt bereits Lucky udn freut sich über meine Gesellschaft. Scheinbar hat er hier vorne seinen neuen Lieblingsschlafplatz gefunden. Der Horizont verfärbt sich langsam und schließlich kommt dick und rund die Sonne mit einem kräftigen Orange über den Horizont hinauf. Wunderschön! Meine Mitbetrachter auf dem Berg haben es ebenfalls pünktlich nach oben geschafft und genießen dieses besondere Erlebnis. Während ich bereits bei einer ersten Tasse Kaffee im Cockpit sitze, kann ich beobachten, wie sie den Berg wieder hinabsteigen und über den Strand laufen. An Land haben die Zikaden ihren Dienst angetreten und ein mehrstimmiges Zirpen und Schnarren füllt die Bucht. So schön sollte jeder Morgen starten! Nach meinem Kaffee werfe ich einen Blick ins Wasser. Kristallklar und von der Sonne hellblau illuminiert, so dass La Ola zu schweben scheint. Unter uns schwimmen Fische, eine Muschel liegt am Grund. Und hinter uns ringelt sich die Ankerkette und liegt der tief eingegrabene Anker. Da muss man doch einfach rein! Rein in die Badewanne mit 26° C Wassertemperatur und einem Salzgehalt, der einen kaum untergehen lässt. Mit Süßwasser abgeduscht und zum Trocknen in die Sonne. Herrlich! An Land füllt sich derweil der Parkplatz und zahllose Sonnenschirme werden am Strand aufgebaut. Um 9:30 Uhr schafft auch Axel es aus der Koje und wir frühstücken heute mal Pfannkuchen mit Ahornsirup. Auch mal wieder lecker. Dann muss natürlich auch Axel ins Wasser. Er nimmt Taucherbrille, Flossen und einen Putzlappen mit und reinigt La Olas Rumpf und Wasserpass von ein paar lästigen gelben Flecken, die wir seit Mazagon mit uns herumfahren. Erst um 12:20 Uhr geht dann der Anker auf und wir verlassen diese traumhafte Ankerbucht. Wir wollen aber nur ein Stückchen weiter und direkt in der nächsten tolle Bucht vor Anker gehen. Wind weht nur wenig, doch wir haben es nicht eilig. So trödeln wir unter Genua mit 2 bis 3,5 kn in Richtung Norden die Küste entlang. Die Küste bleibt spektakulär anzuschauen und wir genießen den Blick von See aus. Nach 3 1/2 Stunden bergen wir unsere Genua wieder und werfen den Anker vorm Playazo de Rodalquilar. Der Strand ist gut besucht und zahlreiche Ausflugsboote liegen vor Anker. Über der Bucht tront das wuchtige Castillo de San Ramón, eine Wehranlage aus dem 18. Jahrhundert. Versteinerte Dünen gibt es ebenfalls zu sehen. Wir bleiben ein Stück weiter draußen und erfreuen uns erneut am kristallklaren Wasser. Da müssen wir doch tatsächlich noch ein Zweitbad nehmen! Auch wenn das Wasser hier so klar wie in der vorherigen Bucht ist, gibt es hier allerdings keinen einzigen Fisch zu sehen. Sehr schade! Zum Abendessen bereiten wir uns heute Toast Hawaii. Mangels Toast allerdings mit Burger Buns. Geht aucb ganz gut und schmeckt ebenfalls. Irgendwann verschwindet die Sonne hinter dem Berg und die Bucht leert sich. Die Badenden fahren mit ihren Autos von dannen. Die Wassersportler fahren in die nächste Marina. Am Ende teilen wir uns die Bucht nur noch mit zwei anderen Yachten. Die Sterne erscheinen am Firmament und wir blicken gespannt nach oben. Die Perseiden sind mal wieder im Anflug und mit Glück kann man in den nächsten Tagen wieder Sternschnuppen sehen. Und im Moment befinden wir uns in einer Region mit einer sehr geringen Lichtverschmutzung. Kaum Bebauung, wenig Industrie. So dunkel ist es sonst nur weit draußen auf dem Ozean.
Playazo de Rodalquilar – La Azohia 62,4 sm

Weiter, immer weiter, geht es für uns. Nachdem wir gestern gebummelt haben, steht nun wieder eine längere Strecke an. Wir haben uns ein paar Ankerplätze ausgesucht und hoffen, dass uns einer davon gefällt. Um 8:30 Uhr verlassen wir die schöne Ankerbucht. Der Himmel zeigt sich nach einem tollen Sonnenaufgang bei unserer Abfahrt erst einmal bedrohlich dunkel. Die Gefahr von Gewittern ist latent vorhanden und so beobachten wir die dunklen Wolkenberge sehr skeptisch. Aber bereits nach einer Stunde ist der Spuk vorbei und die Sonne hat sich wieder durchgesetzt. Wir fahren am imposanten Mesa de Roldán. Der historische Küstenturm Torre de Mesa Roldán diente übrigens in der 6. Staffel von „Game of Thrones“ als Drehort. Nun haben weder Axel noch ich jemals eine einzige Folge der Serie gesehen, aber toll aussehen tut es allemal. Interessant ist auch, das die ebene Topographie von einem 6 Millione Jahre altem versteinerten Korallenriff gekrönt wird. Direkt ums nächste Eck finden wir dann doch etwas Industrie vor. In Carboneras gibt es ein großes Zementwerk und einen Industriehafen. Schnell weiter! See und Wind sind heute sehr ruhig und so müssen wir leider mal wieder motoren. So windstill soll es wohl die nächsten Tage auch bleiben. Wir fahren in gerader Linie auf unser erstes Ziel Águilas zu und entfernen uns dabei von der Küste. Viel ist nicht los. Ab und an mal ein Fischer, zwei entgegenkommende Segler, in einiger Entfernung ein paar Frachter auf Reede. Schließlich erreichen wir um 14:30 Uhr den Ankerplatz Bahia de Levante von Águilas. So richtig gefallen tut er uns allerdings nicht, denn man liegt vor Hochhäusern mitten in der Einfahrtschneise zum Hafen und zahlreiche Motorboote donnern dicht an den Ankerliegern vorbei. Also lieber weiter. Direkt ums Eck gibt es die Felsinsel El Fraile mit römischen Ruinen. Landschaftlich deutlich reizvoller! Allerdings ist es dort so voll, dass wir keinen Platz für uns entdecken können. Also noch eine Bucht weiter. Wir steuern die Bucht des kleinen Örtchens Calabardina an. Es wird flankiert vom hohen Cabo Cope und sieht bei Annäherung sehr nett aus. Moderator Dieter-Thomas Heck von der ZDF-Hitparade soll hier gelebt haben. Ein schönes Fleckchen Erde, aber leider finden wir in der engen Bucht keinen geeigneten Ankerspot für uns. Überall ist der Grund mit Posidonia-Seegras bewachsen. Diese Seegraswiesen sind streng geschützt und es gibt hohe Strafen, wenn man in ihnen ankert. Also müssen wir noch weiter. Inzwischen ist es 15:30 Uhr und die nächste Ankerbucht liegt leider nicht direkt ums Eck. Nun müssen wir drei Stunden weitermotoren, um zur nächsten geeigneten Bucht zu kommen. Eigentlich haben wir keine Lust mehr auf weiteres Motorgebrumme, als es nützt ja nichts. Und manchmal erweist sich so eine Entscheidung ja auch als großer Glücksgriff. Bereits bei Annäherung an die Bucht von La Azohia freuen wir uns, dass die Bebauung hier nicht aus zahlreichen Hochhäuser besteht, wie es ansonsten an der Küste durchaus üblich ist. Man spricht wohl auch von Hotelburgen. In La Azohia hat sich der Trend zum Glück noch nicht durchgesetzt. Die Bebauung scheint in den 60er Jahren stehengeblieben zu sein. Flache, kastenartige Häuschen und nur wenige höhere Häuser dominieren das Stadtbild, Und es ist erfrischend Grün. Während die bisher entlanggesegelte Küste entweder sehr trocken und braun aussah, oder weiß und grün von durchgehenden Gewächshäusern, gibt es hier endlich mal grüne Bäume zu sehen. Der ganze Ort vermittelt einen sehr gelassenen Eindruck. Tranquillo, so wie wir es mögen. Wir haben nach 10 Stunden motoren also endlich den gewünschten Ankerplatz erreicht. Es liegen zwar bereits zahlreiche andere Yachten vor Anker, aber die Bucht ist ausreichend groß und wir finden scbnell einen geeigneten Spot für uns. Ohne Seegras, auf feinstem Sand. Den Grund kann man im kristallklaren Wasser ohne Probleme sehen. Wunderbar! Wir genießen erst einmal ein Ankerbier im Frontcokpit und gucken schon wieder besorgt auf die Wolkentürme über Land. Wenn sich da nicht doch noch ein Gewitter anschleicht? Aber nein, auch diesmal verschwinden die Wolkenberg einfach so und machen Platz für einen schönen Sonnenuntergang. Wir springen ins 30° C warme Wasser und planschen um La Ola herum. Ich nehme diesmal mein iPhone in einer wasserdichten Hülle mit und schieße ein paar schicke Fotos aus dem Wasser heraus. Anschließend legen wir uns zum Trocknen ins Frontcockpit und genießen den weiteren Sonnenuntergang. Der Himmel zieht heute mal wieder alle Farbregister und wir können uns an der Schönheit der Natur kaum sattsehen. Irgendwann gehen die Lichter an Land an und zaubern Reflektionen auf das spiegelglatte Meer. Venus erscheint am Vorstag und weit hinten leuchten die Lichter der Stadt Mazarrón. Als es Dunkel ist, schalten wir unsere Unterwasserbeleuchtung an und haben nun den wohl größen Salzwasserpool weit und breit. Der sandige Grund strahlt das Licht zurück und wir könnten ewig ins Wasser hineinstarren. Irgendwie hypnotisierend. So wird es recht spät, bevor wir irgendwann in unsere Kojen gehen.
Nachdem langen Trip gestern, machen wir heute mal einen Tag Pause. Ist ja auch einfach zu schön hier. Wir springen ins glasklare Wasser zu den Fischen und nutzen das Naturbad. Dann vertrödeln wir den Rest der Vormittags und einen guten Teil des Nachmittags im schattigen Cockpit. Bereits am Vormittag haben wir 32° C Lufttemperatur im Schatten und den geplanten Ausflug an Land verschieben wir lieber ein wenig. Stattdessen springen wir lieber ab und an zur Abkühlung ins Wasser. Wobei man von Abkühlung eigentlich nicht sprechen kann, denn das Wasser ist nur minimal kühler. Selbst ich, die sonst immer eine halbe Stunde braucht, um ins Wasser zu kommen, kann einfach so schwupps hineingehen. Um uns herum schwimmern kleine Fische und gucken neugierig, was wir so treiben. Nach einer Runde Schwimmen wird fein auf der Badeplattform mit Süßwasser abgeduscht und dann fein luftgetrocknet. So vergeht der Tag irgendwie recht schnell und schon ist es Zeit den Pizzaofen anzuheizen. Leider will mein Pizzsteig heute allerdings gar nicht mitmachen. <es fehlt ihm die Spannung und Dehnfähigkeit. Er will und will sich einfach nicht formen lassen und reißt immer wieder ein. Vermutlich ist es ihm zu heiß? Wer weiß schon, was in so einem Pizzateig bei den Temperaturen falsch laufen kann. Am Ende kapituliere ich und mache statt Pizza eine Art Foccacia mit Käse und Salami eingebacken. Schmeckt auch, sättigt auch, aber macht mich halt nicht zufrieden. Nach dem Abendessen verholen wir ins Frontcockpit und bekommen erneut ein tolles Himmelsschauspiel geliefert. Der Himmel im Westen steht in Flammen und die Wolken wirken ziemlich bedrohlich, Für das Hinterland wurden Gewitter, Starkregen und Hagel angekündigt. Bei uns soll es allerdings ruhig und trocken bleiben, auch wenn man es bei dem Himmel kaum glauben mag. Am Ende bleibt das Wetter aber schön und trocken. Von Land schallt heute Live-Musik zu uns herüber. Leider gleich von drei verschiedenen Bands aus drei Richtungen. Ab 22 Uhr wird es aber zum Glück wieder ruhiger und wir können den Abend ohne Lärmbelästigung ausklingen lassen. Den geplanten Einkauf haben wir leider irgendwie heute nicht geschafft. Da müssen wir wohl morgen früh nochmal ran. Sonst haben wir nämlich bald nichts mehr zu Essen an Bord!
Ich bin gewohnt früh auf und bereite schon mal das Schlauchboot für den Ausflug an Land vor. Unsere Fendersammlung muss raus aus dem Dinghy, ebenso der Wasserschlauch und die Ketscher. Dafür kommen Müllsäcke und Rucksäcke rein ins Boot. Um 8:45 Uhr geht es dann los und zur kleinen Pier im südöstliche Eck der Bucht. An der Betonpier ist es anders als bei uns am Ankerplatz allerdings sehr schwellig und unser Schlauchboot schrubbt über scharfkantige Ecken. Nicht gut! Also beschließen wir uns zu trennen. Während Axel mit dem Schlaucher wieder zu La Ola zurück fährt, gehe ich zum kleinen Spar-Supermarkt einkaufen. Der Hinweg ist auch noch ganz kommod machbar. Der Rückweg hingegen grenzwertig. Inzwischen ist es 10 Uhr und die Sonne brennt vom Himmel. Gnadenlos. Ohne einen Hauch Schatten oder Wind auf dem Weg. Dafür habe ich 15 kg auf dem Rücken. Getränke, Salat, Käse und Baguette. Frische Eier dürfen auch nicht fehlen. Ich schleppe mich die 1,5 km zurück zum Anleger und Axel sammelt mich klatschnass geschwitzt wieder auf. Zurück an Bord fülle ich meinen Wasserhaushalt erst einmal mit einem Liter Wasser auf. Man kann hier ganz schön schnell dehydrieren. Dann geht es zur weiteren Abkühlung in den großen Salzwasserpool. Danach fühle ich mich wieder besser. Für den Rest des Tages steht auch nicht viel mehr auf dem Programm. Außer ab und an ins Wasser springen, abkühlen, wieder aufheizen und das Ganze wiederholen. Irgendwie ein bisschen wie Urlaub. Am Ankerplatz herrscht heute geschäftiges Treiben und die Strände sind proppevoll. Dei Einheimischen haben Wochenende und machen Strandausflüge. Touristen gibt es hier eher wenige. Abends machen wir uns einen leckeren Cesar Salad und verbringen anschließend den Rest des Tages im kühleren Frontcockpit. Heute gibt es wieder musikalische Beschallung vom Strand. Da Samstag ist, allerdings deutlich über Mitternacht hinaus.
Der Sonntag startet ruhig und wie üblich mit einem leckeren Frühstück mit Ei. Danach öffnet der Friseursalon La Ola und Axel bekommt einen neuen Haarschnitt. Ich nicht, denn ich war ja erst im Juli beim Friseur. Gut, Juli 2025! Aber es geht noch. Irgendwie sind wir mal wieder hängengeblieben. Der Ankerplatz ist aber auch einfach zu nett. Außerdem gibt es im Moment mal wieder keinen passenden Wind für uns für eine Weiterreise. Wir können entweder durch Flaute weitermotoren oder gemütlich vor Anker liegen bleiben. Da fällt uns die Entscheidung nicht schwer. Schade nur, dass wir so leider nicht zur Sonnenfinsternis auf den Balearen sein werden. Wir hoffen mal, dass wir auch auf dem Festland ein wenig davon sehen werden. Mit Pech soll es an 12. August allerdings auch noch bewölkt sein. Dann wird es ganz schwer etwas zu sehen. Und obwohl wir eigentlich erst einmal an Cartagena vorbeisegeln wollten, haben wir uns nun doch zwei Tage in der Marina eingebucht. Wir müssen dringend unsere Vorräte aufstocken und dafür eignet sich der kleine Sparmarkt hier vor Ort nur sehr begrenzt. Den Sonntag verbingen wir aber erst noch einmal in La Azohia vor Anker und wiederholen das gestrige Urlaubsprogramm. Also, ab ins Wasser! Da treiben sich nicht nur kleine Streifenbarsche und Brassen herum, sondern auch einen ziemlich großen Bärenfisch! Unterm Katamaran schwimmt und schnorchelt es sich übrigens am Besten. Zwischen den Rümpfen weht ein kühlender Wind und man ist vor der Sonne geschützt. Auf Sonnenbrand legen wir nämlich überhaupt keinen Wert. So schwimmen wir eifach zwischen Heck und Bug hin und her. Unseren Anker entdecken wir heute auch am Meeresgrund. Er liegt genau unter uns! Die Ankerkette beschreibt einen schönen Boden nach vorne und zu uns zurück. Bei dem leichten Wind reicht bereits unsere schwere 12 mm dicke Kette, dass wir an Ort und Stelle bleiben. Aber man weiß ja nie, wann Wind aufkommt. Eine Gewitterböe oder eine Fallböe von den Berghügeln würde reichen, dann wäre der Anker wieder weit vor uns und würde uns sicher halten. Ganz im Gegensatz dazu ankert ein kleines Motorboot recht freizügig. Man hat wohl zu wenig Ankerleine ausgebracht und treibt so einmal quer durchs Ankerfeld. Ohne sich dabei allzu große Sorgen zu machen. Die Familie mit zwei kleinen Kindern – immerhin mit Schwimmwesten ausgestattet – geht seelenruhig schwimmen. Treibt sozusagen neben dem Boot mit durchs Ankerfeld. Bei dem aktuellen Wetter keine Gefahr, aber so etwas kann auch schon mal schiefgehen. Nachmittags schleichen sich leider ein paar Quallen in unseren Pool ein. Nicht so nett. Aber immerhin scheinen es auch keine nesselnden, giftige Quallen, sondern ungefährliche Spiegeleiquallen (Cotylorhiza tuberculata) zu sein. Also schwimmen wir einfach drumherum. Abends gibt es wieder einen leckeren Salat. Diesmal mit Thunfisch und Ei. Nicoise in der Sparversion mit Dosenthunfisch. Frischen Thunfisch haben wir ja leider nicht gefangen. Anschließend noch mal schnell in den Pool und dann zum Trocknen beim Sonnenuntergang ins Frontcockpit. Das Leben ist im Moment echt hart!
La Azohia – Cartagena 13,6 sm

Da wir nur kurz ums Eck müssen, haben wir es heute nicht eilig. Wir frühstücken erst lecker Müsli, dann bereiten wir alles zum Anlegen vor. Häh?! Muss man nicht erstmal losfahren? Ja, natürlich. Aber die schweißtreibenden Arbeiten kann man ja auch schon am Ankerplatz erledigen. Fender und Leinen aus der Backskiste holen. Fender an die Reeling bändseln und an Deck legen. Leinen verteilen. Danach sind wir mal wieder klatschnass geschwitzt und freuen uns, dass wir einfach kurz im Pool abkühlen können. Herrlich! Um 10 Uhr geht der Anker auf und wir motoren bei Flaute in Richtung Cartagena. Einmal dicht an der tollen Felsküste entlang, an der auf jeder Ecke gefühlt eine alte Festung steht. Ums Cabo Tiñoso herum und durch die große Reede von Cartagena hindurch. Hier liegen dutzende Frachter vor Anker, durch die wir irgendwie hindurch müssen. Dann kommt die Einfahrt nach Cartagena in Sicht. Auch hier bewachen Festungen links und rechts die Passage und wir haben schon zahlreiche Ausflugsziele für den Winter auf der Liste. Schließlich passieren wir den Faro de Navidad und sind im Hafen angelangt. Noch schnell an einem Kreuzfahrer und einem Militärschiff vorbei und wir haben die Marina erreicht. Wir werden bereits erwartet und bekommen einen Längsseitsliegeplatz an der Außenseite der Marina zugewiesen. Nicht sehr ruhig, aber für zwei Nächte sollte es gehen. Für den Winter bekommen wir aber zum Glück einen anderen Platz weiter innen. Nachdem wir festgemacht und klariert haben, checkt Axel schnell im Marina-Office ein, während ich mal wieder die Waschmaschine in Gang bringe. Dann gibt es ein wenig Baguette zum Mittag und eine wohlverdiente Siesta. Das Wetter ist nach wie vor sehr heiß und feucht. 34°C und 80% Luftfeuchtigkeit, Da schwitzt man bereits beim Denken an Bewegung! Trotzdem raffen wir uns nachmittags auf und fahren mit den Rädern zum Einkaufen. Deswegen sind wir ja hier. Die Bordvorräte müssen dringend aufgestockt werden und in Cartagena gibt es wirklich alles. Bereits beim Losfahren grummelt es und wir schließen lieber alle Luken. Nicht das es noch regnet! Wir fahren ein kurzes Stück und landen nach 5 Minuten beim Lidl hinter dem Bahnhof. Auf dem Weg dorthin kann man schon erkennen, was für eine schöne und historische Stadt Cartagena ist. Da freuen wir uns schon jetzt auf ergiebige Erkundungstouren im Winter. Bei Lidl bekommen wir schnell ein paar Lebensmittel für das Abendessen und Leckereiern für die nächsten Tage. Und während wir im Laden sind, regnet es dich tatsächlich draußen. Seit Mai ist das unser erster Regen überhaupt! Die gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit treffen uns beim Verlassen des Ladens wie ein Hammer. Uff! Wir radeln schnell zur Marina zurück und verstauen die Einkäufe. In der Marina können wir außerdem die Ankunft unserer Freunde Julia und Paul von Spisea sehen, die uns inzwischen aus Gibraltar hierher gefolgt sind. Leider bekommen sie einen Liegeplatz am ganz anderen Ende der Marina, so dass ein Wiederseheen erst einmal warten muss. Abends bereitet uns Axel eine leckere Guacamole, die wir zusammen mit ein paar frisch erstandenen Crevetten genüsslich verzehren. Die Crevetten gibt es hier für 2,50 Euro für 250 g. Ein Paradies! Dafür radelt man doch gerne mal durch eine Dampfsauna.
Unser zweiter Tag in Cartagena startet gemütlich, aber nicht zu spät. Wir wollen vor der großen Hitze einen zweiten Einkaufsrun starten. Aber erst einmal Frühstück! Anschließend radeln wir heute ein Stückchen weiter. Es geht zum Carrefour Hypermarché. Wir bekommen fast alles, was auf unserer Einkaufsliste steht. Allerdings gestaltet sich die Suche nach einer Dose Ananas als ziemliche Herausforderung. Ich finde sie schließlich im Gang bei den Putzmitteln! Und die Gemüsewaage hat kein Papier. So müssen wir auf die gewünschte Mango leider verzichten. Mit den Einkäufen geht es schwer bepackt zurück zu La Ola. Nach der Tour und dem anschließenden Verstauen brauchen wir erst einmal eine Verschnaufspause vor dem Ventilator. Der Schweiß rinnt in Strömen und lässt sich nur schwer stoppen. Irgendwann geht es dann noch einmal los und mit den Rädern zu Lidl. Wir bekommen unsere Mango und noch ein paar andere Dinge. Leider schaffen wir es nicht Schutzbrillen für die bevorstehende Sonnenfinsternis zu bekommen. Alle ausverkauft! Tja, zum Glück haben wir einen Sextanten an Bord. Der verfügt über eine Sonnenverdunklungsscheibe, so dass wir uns damit nicht die Augen verblitzen sollten. Am Nachmittag schrubben wir La Ola noch einmal ordentlich und spülen den gewohnten Sandberg vom Deck. Abends geht es dann mit Julia und Paul von Spisea in die Innenstadt. Wir können einen ersten sehr positiven Eindruck von Cartagena bekommen und freuen uns, dass wir ab Oktober mehr Zeit zum Entdecken der Stadt und der Umgebung haben. In der Bar Las Termas del Pincho stoppen wir auf und genießen leckere Tapas in einer wohl klimatisierten Atmosphäre. Auch die Tapas lassen die Erwartungen auf den Winterliegeplatz noch positiver werden. Zurück geht es durch die noch angenehm belebte Innenstadt und an der Hafenpromenade entlang zurück zur Marina. Von Julia und Paul verabschieden wir uns leider schon wieder, denn sie wollen möglichst schnell zu den Balearen und weiter nach Sardinien. Wir werden vermutlich eher an der Küste entlang weiterbummeln. Pünktlich zur Sonnenfinsternis haben wir es nicht auf die Balearen oder nach Valencia geschafft, aber wir hoffen, dass wir auch so von unserem nächsten Ankerplatz etwas von dem Ereignis sehen können.