Ausflug von Cádiz nach Tanger/Marokko

Mit Get-your-Guide haben wir Ende Juni 2026 einen Tagesausflug nach Tanger in Marokko gebucht. Die vielfältigen – und nicht ganz unkritischen – Eindrücke geben wir hier gerne in einem eigenen Blogbeitrag weiter.

Bereits am Vortag erhalte ich einen Anruf mit der Info, dass wir am nächsten Morgen um 8:20 Uhr an der Marina Puerto America abgeholt werden. Entsprechend früh klingelt unser Wecker am Samstag. Schnell eine Tasse Kaffee getrunken, ein paar Flaschen Wasser und etwas Wegzehrung eingepackt und schon blinkt eine WhatsApp Nachricht auf, dass man an der Einfahrt zur Marina auf uns wartet. Allerdings bereits im 7:45 Uhr. So schnell sind wir nicht fertig und daher erst um 8 Uhr abfahrtbereit. Ein Taxi wartet auf uns und wir finden in gebrochenem Spanisch heraus, dass wir erst einmal zu einem Abholpunkt gefahren werden und dann in einen Bus umsteigen. So geht es in rasender Fahrt erst einmal bis nach Puerto Real, wo wir im Gran Hotel Ciudad Del Sur abgesetzt werden. Von einem Bus ist allerdings weit und breit nichts zu sehen. So warten wir in der wenig charmanten Eingangshalle des Hotel eine halbe Stunde bis schließlich ein kleiner Reisebus erscheint. Wir steigen ein und fahren über Landstraße nach Medina-Sidonia und von dort ebenfalls über Land nach Vejer de la Frontera. Ein leichter Umweg im Vergleich zur direkten Autobahnstrecke, aber landschaftlich nett anzuschauen. Medina-Sidonia kommt jedenfalls schon mal auf die Ausflugswunschliste für die nächste Woche. Vejer kennen wir bereits aus dem letzten Jahr. Es geht vorbei an zahlreichen Kuh- und Stierherden der andalusischen Rasse Retinto. Die prächtigen Stiere kommen laut unserer Reiseführerin im Stierkampf zum Einsatz und haben wirklich sehr beeindruckende Hörner. Gegen 10:20 Uhr erreichen wir schließlich Tarifa an der Straße von Gibraltar. Im Hafen wartet bereits unsere Schnellfähre, die eigentlich un 11 Uhr ablegen soll. Bis wir auf die Fähre kommen, gilt es allerdings ein paar Formalitäten zu erledigen. Wir bekommen unsere Fährtickets und einen Zettel für die Einreise in Marokko ausgehändigt. Dann geht es durch die Fahrkartenkontrolle, Passkontrolle und Sicherheitscheck. Wie am Flughafen werden unser Gepäck durchleuchtet und wir gescannt. Erst nach 11 Uhr sind wir schließlich auf der Fähre und gegen 11:20 Uhr legen wir endlich ab. Mit etwa 30 kn geht es über die Straße von Gibraltar hinüber zum afrikanischen Kontinent. Wir passieren den Faro Isla de las Palomas auf der Isla de Tarifa, die den europäischen Übergang zwischen Atlantik und Mittelmeer markiert. Leider gibt es an Bord der Schnellfähre keine Möglichkeit die Überfahrt draußen zu genießen und so sitzen wir drinnen. Für die Einreise nach Marokko müssen wir während der Überfahrt zudem bereits unsere Passkontrolle mit Stempelung der Pässe absolvieren. So geht eine halbe Stunde der Fahrt mit Schlangestehen und weiteren formalitäten vorbei. Erstaunlicherweise erreichen wir um 11:20 Uhr den Hafen von Tanger. OK, eine Stunde Zeitverschiebung erklärt die schnelle Fahrt! Wir laufen an Land und unsere Pässe werden kontrolliert, ob sie auch gestempelt sind. Anschließend müssen wir erneut eine Sicherheitskontrolle mit Gepäckscan hinter uns bringen. Womöglich hätten wir während der Fahrfahrt irgendwie etwas in unser Gepäck schmuggeln können?!

Gegen 12 Uhr haben wir es geschafft und unser lokaler Reiseführer Rachid bugsiert uns in einen bereitstehenden Reisebus. Es geht am Meer entlang in Richtung Westen und in die Außenbezirke von Tanger. Wir kommen angeblich an der Sommerresidenz von König Mohammed VI. und der Residenz vom Saudi-Arabischen König vorbei, doch so richtig sehen kann man erstens nichts und eigentlich liegt die offizielle Residenz Dar el-Makhzen auch an ganz anderer Stelle in der Altstadt von Tanger. Aber wer weiß, vielleicht hat der König ja einfach mehrere Häuschen? Wir stoppen schließlich an einem Aussichtspunkt am Cap Spartel. Das eigentliche Kap bekommen wir zwar nicht zu sehen, denn es liegt etwas weiter nordöstlich als der Aussichtspunkt, doch können wir uns hier mit einem schicken Schild fotografieren, welches die Trennung zwischen Atlantik und Mittelmeer auf dem afrikanischen Kontinent markiert. Schade, hätten wir doch gerne den Leuchtturm und das „echte“ Kap Spartel gesehen. Zurück im Bus geht es an endlosen Stränden entlang und zum nächsten obligatorischen Haltepunkt. Kamele gehören zu jedem ordentlichen Touristenprogramm in Nordafrika und so halten wir bei einer der zahlreichen Kamelgruppen am Wegesrand. Für zwei Euro kann man einmal im Kreis auf den Kamelen durch den Staub geführt werden. Fotos mit Kamel werden natürlich auch angeboten. Und man bekommt orientalisch anmutenden Schmuck und Tand aufgedrängt. Wir begnügen uns mit einem eigenen Foto von und mit den Jungtieren und verzichten auf den anderen Schnickschnack. Wieder im Bus geht es fünf Minuten weiter zur Herkulesgrotte. Wir überqueren einen kleinen Platz und werden von Rachid in eine Höhle gebeten. Leider allerdings nicht in die eigentliche Herkulesgrotte, sondern in eine kleinere Höhle, die mit allerlei Kunst- und Kitschgegenständen ausgestattet ist und in der Musiker spielen und Fotos mit Affen angeboten werden. Einzig authentisch und alt wirkt der steinerne Taubenschlag. Der Eingang zur eigentlichen Herkules-Grotte befindet sind direkt daneben, aber der recht hohe Eintritt scheint nicht in die Tour inkludiert und so wird eine Begehung auch gar nicht erst angeboten. Schade, denn die meerseitige Öffnung der Höhle in for der Unrisse des afrikanischen Kontinents hätten wir uns gerne angeschaut. Wir laufen in der sengenden Mittagshitze wieder über den kleinen Platz zurück und ich muss mich stark zurückhalten, um nicht ein bis drei kleine abgemagerte Kätzchen, die in der Mittagshitze flach ausgestreckt auf den Steinen liegen, mitzunehmen. Zurück am Bus fehlt leider unser Bus und wir müssen ein paar Minuten warten, bis er wieder auftaucht. Zum Glück bietet eine Bushaltestelle ein wenig Schatten.

Wir werden auf gleicher Route wieder zurück nach Tanger gefahren und werden am Grand Socco Marktplatz abgesetzt. Unser Guide Rachid führt uns quer durch den Basar in die Medina, die Altstadt von Tanger. Wie immer sind wir begeistert von dem Warenangebot eines Marktes und lassen uns die vielfältigen Gerüche nach Knoblauch, Zitursfrüchten und Kräutern um die Nase wehen. Wir landen schließlich am Mamounia Palace Restaurant, wo man im Obergeschoß Plätze für uns reserviert hat. Das Essen ist im Tourpreis inkludiert. Die Getränke auf mehrmaligen Hinweis allerdings nicht. Wir setzen uns in eine Ecke zusammen mit Sherry und Stefanie aus Kalifornien und bekommen erst einmal eine lauwarme Suppe serviert. Auf Nachfrage entpuppt sich das Gericht als Gemüsesuppe mit Kichererbsen und Linsen. Herausschmecken tut man allerdings eher den Hauptbestandteil Wasser. Und das absolute Fehlen von Salz. Zum Glück bekommen wir auf Nachfrage einen Salzstreuer ausgehändigt und die Suppe bekommt wenigstens etwas Geschmack. Als Nächstes serviert man uns kleine Hähnchenspieße und Couscous mit Hühnchenschenkeln, Gemüse und Rosinen. Essbar, aber weit ab von einem kulinarischen Genuss. Untermalt wird das Essen von traditioneller Musik, die man wohlwollend orientalisch bezeichnen kann. Wir emfinden sie eher als zu laut und störend bei den Tischgesprächen. Zum Abschluss gibt es noch einen Mürbekeks, Kaffee oder Minztee und schon geht es weiter. Rachid hat inzwischen herausgefunden und ergänzt seine spanischen und englischen Erläuterungen nun auch noch um die deutsche Variante. Hut ab, vor so viel Sprachtalent. Wir durchlaufen die Medina im Zickzack und eilen vom Lebensmittelteil, zum Bekleidungsviertel, zurück durch ungekühlte fischauslage, vorbei an kleinen feilgebotenen Schildkröten mit Salatblatt und weiter zum Weberviertel. Hier können wir an einer Webvorführung mit der Möglichkeit zum käuflichen Erwerb von Tüchern, Schals und Decken teilnehmen. Wir verzichten und sind froh, als wir durch etwas besser belüftete und schattige Gassen weiterlaufen können. Schließlich werden wir an einem kleinen Platz abgeliefert und können nun eigentlich für eine Dreiviertelstunde auf eigene Faust das Gassenwirrwarr durchstöbern. Wir folgen jedoch lieber weiter Rachid und werden in eine Perfumwerkstatt geführt. Hier wird neben zahlreichen betörenden Düften auch Argan-Öl, einer marokkanischen Spezialität, angeboten. Es gibt zahlreiche Varianten mit unetrschiedlichen Düften, neutrales Arganöl und eine Sorte, die den Haarwuchs anregen soll. Bei Axel soll es laut Hinweis aber nicht mehr helfen, also verzichten wir auf den Kauf. Stattdessen erstehen wir Arganöl mit Zitronengras gegen Moskitos und Arganöl mit Arnika gegen Knochenschmerzen und Mirgäne. Mal schauen ob es hilft. Auch auf das „natürliche Botox“ in Form von Kaktuskernöl verzichten wir gerne. Wir stehen zu unseren Falten! Schließlich landen wir im Gran Café Central und erfrischen uns mit Zitronensaft und einem Eis.

Um 17 Uhr sammelt uns Rachid wieder ein und leitet uns zurück an den Hafen. Zu unserem großen Erstaunen überqueren wir nicht einfach die Straße und laufen die restlichen 100 m bis zum Fährgebäude, sondern werden noch einmal in unseren Bus gebeten und die kurze Strecke gefahren. Die Prozedur, um wieder an Bord der Schnellfähre zu gelangen verläuft ähnlich anstrengend, wie auf dem Hinweg. Fahrkartenkontrolle. Sicherheitskontrolle und Passkontrolle mit Ausreisestempel. Gefolgt von Wartezeit, Fußmarsch zur Fähre und erneuter Passkontrolle, ob wir auch unseren Ausreisestempel bekommen habe. An Bord der Fähre lassen wir uns erschöpft in einen Sessel sinken und genießen erst einmal ein kühles Bier. Die Fähre legt mehr oder minder pünktlich um 19 Uhr ab und erreicht zwei Stunden später Tarifa. Auch in diesem Fall erklärt sich die langsame Fahrt durch den Wechsel der Zeitzone. Wir durchlaufen auch in Tarifa wieder Passkontrolle und Sicherheitscheck und sitzen gegeb 21 Uhr wieder in unserem kleinen Reisebus. Diesmal nimmt der Fahrer zum Glück die schnellere Strecke über die Autobahn und setzt und um 22:15 Uhr am gleichen Hotel wie morgens ab. Unser Taxi wartet bereits und nach zwanzig Minuten sind wir wieder wohlbehalten bei der Marina angekommen. Erschöpft von dem langen Tag nehmen wir noch einen Absacker-Wein im Cockpit, bevor wir gegen Mitternacht erschöpft in unsere Kojen fallen.

Hat sich der Ausflug gelohnt? Ja und nein! Ja, denn wir haben schnell und unkompliziert einen Eindruck in die Stadt Tanger bekommen und etwas marokkanische Atmosphäre schnüffeln können. Transport und Organisation waren gut, wenn wir uns auch etwas authentischere Stopps und besseres Essen gewünscht hätten. Nein, denn der administrative Aufwand war doch sehr hoch. Die Zeit für Anreise, Einreise- und Ausreiseformalitäten und Warterei nahmen einen sehr hohen Anteil an Zeit in Anspruch. Ein mehrtägiger Aufenthalt wäre aus unserer Sicht deutlich sinnvoller. Aber für einen ersten Eindruck haben wir den Ausflug durchaus als in Ordnung empfunden.

Nicht gefallen haben uns die zahlreichen, sehr aufdringlichen Verkäufer, die einen unablässlich mit billigem Schmuck oder Henna-Tatoos bedrängt haben. Nicht gefallen hat uns ebenfalls, dass an jeder Ecke zahlreiche Katzen zu sehen waren, die alle in einem mehr oder minder bemittleidenswerten Allgemeinzustand waren. Von neugeborenen Kätzchen in Pappkartons am Wegesrand, bis zu alten, ausgemergelten Katzen, gab es viel Leid zu sehen. Davon abgesehen, dass eine Katze im Lebensmittelgeschäft auf der Eistruhe eigentlich nichts zu suchen hat und Katzenhaare auf dem Essteller im Restaurant auch eher kritisch sind.