Törnbericht Ferragudo – Cádiz

Ferragudo – Ria Formosa 33,0 sm

Nun aber! Es geht wieder los! Ohne Hektik nehmen wir um 10 Uhr den Anker hoch. Das Manöver erweist sich nach vier Wochen vor Ort als ziemloch schwierig. Die Kette ist dermaßen dick mit einer Schlickschicht überzogen, dass wir selbst mit kleinem Akku-Hochdruckreiniger zwanzig Minuten brauchen, um die Kette einzuholen und zu säubern. Den Anker können wir nur mit Motorkraft ausbrechen. Er hätte La Ola vermutlich auch im Orkan an Ort und Stelle gehalten. Aber irgendwann sind wir frei und La Ola wendet ihren Bug nach Osten. Bei sehr leichtem Wind aus Südwest geht es zunächst unter Motor voran. Irgendwann frischt der Wind ein wenig auf und wir setzen den Code Zero. So schaffen wir bei 6 kn Wind immerhin 3 kn. Leider nimmt der Wind schnell wieder ab und kommt vorlicher ein, so dass wir zu Genua und Motorsegeln wechseln. So geht es fix voran in Richtung Ria Formosa. Auf Höhe Praia de Faro gibt es einen kleinen Schreckmoment, als Blas und Rückenfinnen am Horizont auftauchen. Aber es sind zum Glück nur Große Tümmler und keine Orcas. Der Wind lässt weiter nach und wir nehmen die Genua weg. Um 16 Uhr erreichen wir die Einfahrt zum Ria Formosa. Pünktlich mit dem letzten auflaufenden Strom, der uns mit knapp 10 kn durch die Einfahrt fahren lässt. Wir ankern gegenüber der Einfahrt als zweites Schiff am Ankerplatz. Unsere französischen Nachbarn haben ihr Boot mit einer Strandmuschel-Sitzlandschaft auf dem Achterdeck stehen. Sieht gemütlich, aber auch etwas gewöhnungsbedürftig aus und das Segeln dürfte damit nicht einfacher werden. Unter Deck werden sie das Teil vermutlich wohl nicht verstauen können, Dinge gibt’s! Zum Abend füllt sich der Ankerplatz ein wenig, ist aber mit vier Yachten noch weit davon entfernt überfüllt zu sein. Wir genießen die Ruhe im Vergleich zu Ferragudo und können auch hier einen schönen Sonnenuntergang bewundern. Bei den tollen Farben, die wir fast täglich mit jedem Sonnenuntergang sehen können, steht für mich definitiv fest: Wenn wir mal irgendwo wieder landansässig werden, muss es einen freien Blick auf den Sonnenuntergang geben! Möglichst über Wasser! Bis dahin leben wir einfach mit der Wasserwohnvariante sehr gut weiter.

Nach wie vor reisen wir gerne in eher kleinen Schritten und mit vielen Pausen. So macht es uns am meisten Spaß. Also bleiben wir einfach noch einen Tag im Ria Formosa vor Anker und freuen uns über das schöne Sommerwetter. Die Luft steht und die Sonne brennt. Also bleiben wir lieber im schattigen Cockpit. Für den Abend bereite ich nach dem Frühstück Pizzateig vor, anschließend hat der Staubsauger mal wieder einen Einsatz. Ach ja, der Abwasch muss auch noch erledigt werden. Erstaunlicherweise ist es dann auch schon wieder Mittag. Axel nutzt das glasklare Wasser und springt hinein. Allerdings ist die Strömung so heftig, dass er nicht gegenan geschwommen kommt und nur an der Leiter hängen kann. Also kommt schnell ein lange Leine mit dickem Ballonfender raus, damit Axel nicht aus Versehen auf die nächste Sandbank abtreibt. An der Leine zieht sich Axel einmal den Steuerbordrumpf entlang und schrubbt den Wasserpass, der es nach dem schmuddeligen Wasser im Rio Arade auch wirklich nötig hat. Den Backbordrumpf spart er sich aber dann doch für einen späteren Zeitpunkt ohne Strömung auf. Kaum aus den Wasser erreicht uns dann eine traurige Nachricht aus unserer alten Heimat. Unser ehemaliger Nachbar Jörn ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall viel zu jung verstorben. Solche Nachrichten, so traurig sie immer sind, zeigen uns, dass wir mit unserer Entscheidung an Bord zu gehen, goldrichtig gehandelt haben. Man weiß nie, wie lange man das Leben genießen kann und die tollen Erlebnisse, die wir bereits in den letzten zwei Jahren hatten, kann uns keiner mehr nehmen. Nachdem sich die Strömung gelegt hat. geht es für Axel noch einmal ins Wasser um den Backbordrumpf zu säubern. Abends kommen dann mal wieder Steffi und Jörg von BigFoot bei uns vorbei. Es gibt Pizza, die heute mal wieder so richtig super gelingt. Ein kleiner Trick hilft dabei, dass die Pizza sowohl oben als auch unten schön knusprig, aber auch nicht schwarz wird. Ein schöner Abend, wenn auch leider der vorerst letzte gemeinsame. Auch wenn wir grob die gleiche Richtung haben, sind wir etwas schneller unterwegs und möchten so bald wie möglich nach Cádiz, um dort die Stadt etwas detaillierter zu erkunden.

Ria Formosa – Mazagon 56,9 sm

Früh morgens werden wir wach und munter, ohne das uns der Wecker wachrütteln muss. So geht bereits um 7 Uhr der Anker auf und wir fahren los. In der Ausfahrt vom Ria Formosa steht eine stehende Welle, so dass wir uns an die Steuerbord halten müssen, um wenig später durch etwas ruhigeres Wasser nach Backbord und Richtung Osten abzudrehen. Wenig später kommt uns zum Abschied aus Portugal ein Tümmler besuchen und spielt kurz um unseren Bug, Bei Null Wind geht es unter Motor an der portugiesische. Küste entlang bis zum Grenzfluss Guadiana. Dann fahren wir an Isla Canela, El Rompido und Punta Umbria vorbei bis wir schließlich am Nachmittag Mazagon erreichen. Da wir am nächsten Tag bereits früh weiter wollen und Mazagon im letzten Jahr auch schon ausgiebig und ausreichend kennengelernt haben, gehen wir vor der Marina vor Anker. Das spart nicht nur Geld bei den Liegegebühren, sondern auch Zeit beim Ein- und Auschecken und dem Rumgerödel mit den Leinen und Fendern. Das Wasser wird mit jeder Seemeile ein wenig wärmer. Von 22° C im Ria Formosa auf über 25°C kurz vor Mazagon. Abends bereitet Axel leckeren Bratreis mit Hähnchenbrust und wir dürfen auch hier wieder einen schönen Sonnenuntergang genießen.

Mazagon – Cádiz 46,5 sm

Es geht wieder früh weiter. Und zwar gefühlt superfrüh, denn mit Übersegelung der spanischen Grenze haben wir flupp mal eben eine Stunde verloren! Für uns gefühlt um 6 Uhr, nehmen wir den Anker nach spanischer Zeitzone um 7 Uhr hoch und fahren aus dem Rio Odiel hinaus. Wind ist auch heute Mangelware und wir Motoren mal wieder munter vor uns hin. Ist aus unserer Sicht auch ganz gut so, denn wir befinden uns nun im absoluten Orca-Hoch-Risikogebiet. Die Orcas sind im Moment in der Straße von Gibraltar aktiv und haben in den letzten Tagen bereits einige Yachten angegriffen. In den nächsten Tagen und Wochen wird erwartet, dass sie in Richtung Algarve ziehen. Sie kommen uns also genau entgegen. Damit wir ihnen nicht begegnen, halten wir uns an die aktuellen Empfehlungen. Wir bleiben in weniger als 20 m Wassertiefe und wir fahren unter Motor, um im Falle einer Annäherung schnell wegfahren zu können. Dumm nur, dass jemand die Strecke mir Fischernetzen und deren Markierungen gespickt hat! Da hilft nur sehr genau Ausschau halten. Sowohl nach Fischerfähnchen als auch nach Orcas. Als erstes sehen wir allerdings erst einmal Delfine. Zu schnell für ein Foto, aber dennoch ein willkommener Anblick. Wo Delfine sind, sind nämlich angeblich keine Orcas. Vor der Vielzahl an Fischerfähnchen und im gleißenden Licht kaum sichtbaren Reihen an Plastikflaschen als Netzmarkierungen bewahren uns die Delfine allerdings nicht. Irgendwann sind wir durch die langgestreckte Bucht zwischen Mazagon und Chipiona durch und haben die Netze schadfrei hinter uns gebracht. Dafür kommen zahlreiche beißende Fliegen an Bord und nerven uns. Und dann stoppt uns auch noch der Rio Guadalquivir mit Gegenstrom und schuckeligen Wellen auf. Auch das schaffen wir und siehe da, der Wind frischt ein wenig auf. Vertreibt die Fliegen und wir setzen die Genua und motorsegeln die restliche Strecke. Vorbei an Rota und bis nach Cádiz, wo wir in der Marina Puerto America einen Platz reserviert haben. Die Marina liegt im Industriehafen der Stadt und wir wollen von hier mit unseren Fahrrädern in den nächsten Tagen die Umgebung erkunden. Vor dem Vergnügen der Stadterkundung steht allerdings erst einmal ein Anlegemanöver. Wir rufen die Marina über Funk an und bekommen Steg I Platz 20/21 zugewiesen. Im Hafen angekommen finden wir zwar schnell Steg I, aber Nummern sind nirgendwo zu entdecken. Wir funken erneut und ein hilfreicher Marinero kommt angelaufen. Wir sollen in die erste Box bei der Einfahrt, stecken aber schon mitten in der Marina. Bei auffrischendem Wind manövrieren wir rückwärts und schließlich mit Querabwind in den zugewiesenen Liegeplatz hinein. Nicht ohne ein wenig Knirschen am Steg und hochgedrückten Fendern. Aitsch, dass konnten wir schon besser! Zum Glück passiert nichts und wir üben uns nach dem Anleger in eigener Manöverkritik. Man muss ja aus seinen Fehlern und Problemen auch etwas lernen. Für den nächsten Anleger haben wir jedenfalls schon mal ein paar Ideen und Verbesserungen an uns. Axel meldet uns schließlich in der Marina an und füllt zahlreiche Formulare aus. Dann gibt es einen Anlegeschluck im Frontcockpit und schließlich ein leckeres Toast Hawaii zum Abendessen. Den restlichen Abend verbringen wir bei einer seichten Brise im Frontcockpit und planen das Programm für die nächsten Tage. Dabei achten wir nach den Erfahrungen im letzten Jahr sehr genau darauf, wann welches Kreuzfahrtschiff erwartet wird. Und wie viele Personen es an Bord hat. Am Dienstag kommen beispielsweise Britannia und Ventura mit jeweils über 3.000 Passagieren. Da müssen wir bestimmt nicht in die Stadt. Für Samstag ist zum Glück nur ein ganz kleiner Kreuzfahrer mit 350 Passagieren angesagt. Da können wir schön zum Markt und durch die Stadt bummeln!

Cádiz haben wie bereits im letzten Jahr per Fähre von Rota aus besucht, doch nun liegen wir direkt in der Stadt. Gut am Rande und im Industriegebiet, aber wir sind mit dem Fahrrad in kurzer Zeit in der Altstadt. Nach einem spärlichen Frühstück – wir sind inzwischen etwas unzureichend mit Brötchen und Aufschnitt proviantiert – geht es um 10 Uhr erst einmal zum Marina-Office, wo wir klären, wie lange wir in Cádiz bleiben wollen und können. Ein bis zwei Wochen sind kein Problem, also können wir ganz entspannt die Stadt und Umgebung genießen. Mit den Fahrrädern geht es dann weiter in die Altstadt und zum Mercado Central de Abastos. Ein Markt, wie ihn das Gourmetherz liebt! Es gibt Obst und Gemüse. Fleisch, Käse, Schinken. Brot und Brötchen. Natürlich Oliven. Und Fisch und Meeresfrüchte. Die Garnelen, Langustinos und Muscheln liegen wie gemalt in den Auslagen und es läuft einem bei jedem Schritt das Wasser im Mund zusammen. Hier sind wir richtig! Wir kaufen frische Saftzutaten, dicke Tomaten der Sorte Rosa, Kirschen und wunderschön aussehende Feigen. Dazu Jamon Iberico. Beim Fischbereich lockt uns der Thunfisch. Genauer gesagt Blauflossenthunfisch, der hier Atun Rojo heißt, aus den Almendraba-Netzen. Für knapp 20 Euro bekommen wir etwa 500 Gramm der höchsten Sushi-Qualität. Auch der Rest des Einkaufs ist aus unserer Sicht durchaus günstig und in jedem Fall ein Einkaufserlebnis. Nachdem wir den Markt abgeklappert haben, geht es noch kurz gegenüber zum Carrefour-Supermarkt, wo wir das Einkaufssortiment um ein wenig Käse ergänzen. Dann radeln wir quer durch die Stadt und mit dem einen oder anderen Umweg durch das Gassenwirrwarr zurück zur Marina. Schnell werden alle Einkäufe verstaut und schon mal ein wenig Vollkorn-Baguette und eingelegte Pulpo-Oliven-Spieße genascht. Ist ja auch schon wieder Mittag. Nach einer kurzen Siesta geht es dann an die Arbeit. La Ola ist in den letzten Wochen superdreckig und staubig geworden. Wir haben quasi ganze Sanddünen an Deck. So kann es nicht bleiben! Wir holen Schlauch und Schrubber raus und legen los. Stundenlang wird jeder Quadratzentimeter gereinigt und am Ende glänzt La Ola wieder wie neu. Und wir sind fix und fertig! Aber die Arbeit lohnt sich und wir können abends im blitzblanken Frontcockpit feinstes Poisson Crú genießen. Mit Blick auf die Puente de la Constitución de 1812 und den Hafen. Schattig und bei einer leichten Brise, so dass das schwülwarme Sommerwetter gut erträglich ist. Hafenkino bekommen wir dabei auch noch geboten, als die Seenotretter erst eilig rausfahren und später mit einer Segelyacht im Schlepp wiederkommen. Scheint aber alles souverän gelöst und relativ unkritisch gewesen zu sein. Um 22 Uhr wechseln wir in den Salon und schauen das Spiel Deutschland gegen die Elfenbeinküste. Für unseren Geschmack deutlich zu eng und zu aufregend, auch wenn am Ende das Ergebnis passt und Deutschland mit 2:1 gewinnt.

Mit lautem Gebrumme schleicht sich frühmorgens der Kreuzfahrer Mein Schiff 6 in den Hafen von Cádiz. Etwa 2.500 Passagiere passen dadrauf. Dazu kommt noch der etwas kleinere Kreuzfahrer Sirena. Es wird heute also voll in der Stadt. Wir schlafen heute mal gemütlich bis 9 Uhr aus und genießen ein schönes Sonntagsfrühstück im Cockpit. Es sind bereits 25°C und laut Wetterbericht erwarten wir auch heute wieder sonnige 30°C. Ist ja auch endlich offiziell Sommer. Ich schnappe mir nach dem Frühstück mein Fahrrad und erkunde ein wenig die Umgebung. Dabei mache ich einen großen Bogen um die Altstadt und erkunde nur die Randbereiche. Auch schön! In Cádiz kann man nahezu an jeder Ecke Geschichte erleben und sehen. Die Stadt Cádiz gehört zu den ältesten Städten Westeuropas und liegt auf einer Halbinsel. Es gibt also viele Möglichkeiten einen Blick auf den Atlantik zu werfen. Zudem gibt es zahlreiche Parks. die mit schattigen Ruheinseln und Plätzen zum Verweilen einladen. Und es gibt Radwege. Ich kann also ganz gemütlich auf dem Radweg einmal um die ganze Altstadt fahren. Natürlich mit zahlreichen Fotostopps und um die schöne Atmosphäre aufzunehmen. In den Parks sitzen Menschen im Schatten, kreischen die Papageien in den Wipfeln und baden Tauben in den Brunnen. Die Strände sind sehr gut gefüllt und mit bunten Sonnenschirmen übersät. Man trifft sich mit Familie und Freunden, Kinder kreischen vor Freude, Hunde liegen erschöpft im Schatten. Dazwischen zahllose Touristen auf der Suche nach dem perfekten Urlaubsfoto. Ach so, da gehöre ich ja auch zu! Nach einer Stunde bin ich wieder zurück an Bord und darf mich im schattigen Cockpit erst einmal erholen. Axel hat derweil weiter saubergemacht und ist dabei den Wassermacher wieder stillzulegen. Den brauchen wir vermutlich in den nächsten Wochen bis Gibraltar erst einmal nicht mehr, da wir in den Marinas ohne Probleme Wassertanken können. Mittags gibt es dann die gestern erstandenen Feigen mit Jamon Iberico. Kulinarisch hat Spanien doch einfach ein paar sehr leckere Dinge zu bieten. Nach dem Mittag wird erst Saft zubereitet und der Abwasch erledigt, bevor wir es uns für eine ausgedehnte Sonntagssiesta im Cockpit gemütlich machen. Zum Glück müssen wir außer Chillen heute auch nichts mehr machen. Naja, bis auch Abendessen bereiten und verzehren. Machen wir gemeinsam in Form von Hamburger mit selbstgemachten Pommes und neuer Spezialburgersoße von Axel zubereitet. Erneut ob der Temperaturen im Frontcockpit genossen. Wer hätte gedacht, dass sich unser Teak-Klapptisch, den wir vor 20 Jahren auf Sylt gekauft haben, an Bord so gut bewährt. Die Kreuzfahrer verlassen Cádiz unter großem Getröte und noch größeren Abgaswolken. Schön schwefelig-gelb und sicherlich supergut für Umwelt und Gesundheit. Aber Kreuzfahrten sind halt in Mode. Da muss man schon mal ein paar Abstriche am guten Umweltgewissen machen. Und natürlich kann sich auch nicht jeder Mein Schiff La Ola mit einer Belegung von zwei Personen leisten. Aber Radfahren, Wandern und Zelten macht ja auch Spaß! Genug gelästert und uns Gewissen geredet! Auch wir sind nicht perfekt und gönnen jedem die von sich selbst gewählte Urlausbreiseform. Abends kommt ein frisches Lüftchen auf und sorgt für eine angenehme Abkühlung. So kann es bleiben. Tagsüber sommerlich, abends erfrischend.

In der Nacht dreht der Wind auf und schaukelt La Ola ordentlich durch die Gegend. Da wir genau an der Hafeneinfahrt liegen, können die Wellen ungebremst zu uns durchrauschen. Nicht wirklich schlimmer, als wenn man vor Anker liegen würde, aber es ruckt ordentlich in den Leinen. Und es macht Lucky irgendwie hibbelig. Der kleine Kater saust nachts durch die Gegend, ist putzmunter und aufgeregt. Möchte gerne, dass ich auch wach bin und mit ihm spiele. Möchte ich allerdings nicht und bleibe einfach liegen. So sitzt er irgendwann vor meinem Kissen und versucht meine Nase zu jagen. Autsch! Zum Glück ohne großen Kralleneinsatz, aber danach wird er erst einmal aus unserer Kabine rausgeworfen. Ein paar Stunden später hat sich der Wind wieder gelegt, aber dafür herrscht am Morgen superdiesiges Wetter. Die Spitzen der Beücke gegenüber verschwinden in den Wolken und wir messen 85% Luftfeuchtigkeit bei knapp 25°C. Ganz schön schweißtreibend. Nach dem Frühstück hat Axel einen Termin beim Bordfriseur und lässt sich stylen. Ohne Zeitschrift und ohne Kaffee. Und ohne Spiegelbild vom ausrasierten Nacken. Aber immerhin mit Abpuscheln der feinen Härchen am Ende. Anschließend begeben wir uns mit unseren Fahrrädern auf Shoppingtour in die Stadt. Ein kleiner Lidl-Markt ist in zehn Minuten erreicht und bietet ausreichend Auswahl. Zurück ab Bord widme ich mich der Suche nach einem Winterliegeplatz. Über die TO-WhatsApp-Gruppe Mittelmeer erhalte ich einige Tipps und Hinweise und auch Dirk von der Saga versorgt uns mit reichlich Informationen. Almerimar, Cartagena, Valencia, Sant Carles Marina de La Rápita und Barcelona werden angeschrieben. Abends kommen dann noch Claudia und Jonas von der Morning Sun bei uns vorbei. Die Beiden haben wir bereits kurz im Winter in Vilamoura getroffen und freuen uns nun die Beiden hier in Cádiz wiederzusehen. Es gibt mal wieder unseren leckeren Couscous-Brokkoli Salat mit gegrilltem Hähnchen. Dazu Seglergespräche bis Mitternacht und angenehme Temperaturen im Cockpit. Unsere weiteren Wege gehen in die gleiche Richtung und so wird es wohl nicht der letzte gemeinsame Abend gewesen sein.

Claudia und Jonas (D) von Morning Sun
Claudia und Jonas (D) von Morning Sun

Am nächsten Morgen weckt mich mal wieder Motorengedröhne. Gerade rechtzeitig zum Sonnenaufgang kann ich den Kreuzfahrer Britannia einlaufen sehen. Dazu kommt noch ein Schwesterschiff, so dass etwa 7.000 bis 8.000 Menschen heute an Land gespült werden. Nach Frühsport und Frühstück geht es mit den Rädern zum Markt. Wir kaufen erneut Blauflossenthunfisch und weitere Zutaten für das Abendessen. Auch den tollen Süßkirschen können wir wieder nicht widerstehen. Sie sind so lecker, dass sie bei Rückkehr an Bord auch schon direkt wieder verzehrt werden. Mmmhhhh!!! Das Wetter zeigt sich heute leider wieder diesig und schwülwarm. So verbringen wir den Rest des Nachmittags an Bord. In die Innenstadt muss man heute aufgrund der vielen Kreuzfahrttouristen jedenfalls nicht. Der kurze Ausflug zum Markt und das mühsame Durchschlängeln durch die Massen in den schmalen Gassen hat uns bereits gereicht. Aber wir sind ja noch ein paar Tage da und suchen einfach einen Tag, an dem nicht so viel los ist, für den Altstadtbummel raus. Donnerstag vielleicht? Da ist angeblich nur ein kleiner Kreuzfahrer mit nicht einmal 800 Passagieren vor Ort. Ich nutze die Zeit an Bord und buche uns für das Wochenende einen Tagesausflug nach Marokko. Mit dem eigenen Boot wollen wir aus verschiedenen Gründen nicht hin, insbesondere weil unsere Yachtversicherung einen Besuch dort nicht abdeckt. Mit der Fähre von Tarifa geht es in nur einer Stunde nach Tanger. Wir sind gespannt und freuen uns auf einen Besuch in Nordafrika am nächsten Sonntag. Abends kommen unsere Nachbarn Julia und Paul vom Katamaran Spisea bei uns vorbei. Wir bereiten leckere kubanische Thunfischtacos und verbringen einen netten Abend mit den beiden Kanadiern. Die Beiden wollen ebenfalls ins Mittelmeer, so dass sich unsere Wege sicherlich noch das eine oder andere Mal kreuzen werden.

Der Morgen startet etwas später als gewohnt und ich stehe erst um 8 Uhr auf. Die Sonne scheint bereits und zahlreiche Yachten verlassen die Marina in Richtung Gibraltar. Im Moment sieht das Wetter für die Passage auch wirklich sehr gut aus, doch wir wollen noch ein paar Tage in Cádiz bleiben. So geht es nach dem Frühstück gemütlich weiter in den Tag. Inzwischen haben wir Antworten von den Marinas erhalten, die wir für einen Winterliegeplatz angeschrieben haben. Am Ende haben allerdings nur zwei Marinas Platz und Interesse uns aufzunehmen. Wir entscheiden uns schließlich für die teurere Variante, die aber auch das belebtere Umfeld bietet. Gerade im Winter möchten wir nicht irgendwo abseits in einer Marina liegen, die nur im Sommer touristisch belebt ist. Außerdem sollte die Umgebung genügend Potenzial für Landausflüge bieten. Und natürlich sollte es auch sicher sein. Sowohl sicherheits- als auch wettertechnisch. So buchen wir uns schließlich von Anfang Oktober bis Ende März in Cartagena ein. Wobei wir planen bereits Ende September in Cartagena zu sein, denn so haben wir Gelegenheit unseren Freund Dietmar von Carinthia wiederzutreffen. Als Organisator der Ocean Posse lädt er zur Grillparty ein und den Event wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Für diejenigen, die uns im Winter besuchen wollen, bietet sich übrigens der Flughafen von Alicante an, der z.B. von Ryanair ab Bremen direkt angeflogen wird. Leider muss man dann allerdings noch etwa eine Stunde mit dem Auto weiterfahren. Der Flughafen von Murcia ist zwar näher dran, wird aber aus Deutschland leider nicht so oft angeflogen. Unter Deck wird heute mal wieder die Waschmaschine angeworfen und anschließend zum Trocknen im Cockpit aufgehängt. Während Axel sich um die Befestigung der Kabel an unseren Solarpaneln kümmert (die alten Halterungen waren aufgrund der Hitze einfach abgefallen), radle ich am Hafen entlang bis zum El Corte Ingles Kaufhaus. Bei einem der letzten Ankermanöver ist mir dummerweise meine Sonnenbrille von der Nase gerutscht und auf Tiefe gegangen. Also muss ein Ersatz her. Ich werde schnell fündig und bekomme im Nun eine schöne polarizierte Oakley. Die superfreundliche Mitarbeiterin gibt mir sogar ein Ersatznasengummi mit. Die lösen sich nämlich gerne dank Sonnenmilch und Hitze einfach auf. Nachdem der wichtige Shopping-Teil erledigt ist, kann ich mich dem Fun-Teil widmen. Nein, nicht die Schuh-, Handtaschen- oder Klamottenabteilung ist mein Ziel. Viel mehr reizt mich der Lebensmittelmarkt. Bereits nach wenigen Metern wird klar – ich bin im Paradies gelandet. Und ich habe das Paradies nahezu für mich alleine, Gefühlt sind nur etwa fünf andere Kunden auf der riesigen Einkaufsfläche unterwegs. Und es gibt wirklich alles! Alles, was das Gourmetherz begehrt. Alles, was es lange nicht gab. Alles, was lecker ist. Alles, was teuer ist. Ich schlendere einen Gang nach dem anderen ab und sauge Produkte in mich auf. Meika Böcklunder, das Glas für knapp 14 Euro bleiben stehen. Ebenso der relativ günstige weiße Spargel für 6,50 Euro das Pfund. Dafür wandern Zutaten für den nächsten Pizzaabend in den Einkaufskorb. Außerdem ein paar Oliven und Käse für das Abendessen. Und vier Flaschen, und damit auch der gesamte verfügbare Vorrat, alkoholfreies Franzikaner Hefeweizenbier. Mit knapp 2 Euro pro Flasche hierzulande auch eher ein Luxusgetränk. Egal! Wenn man schon im Paradies gelandet ist, muss man die Gelegenheit auch nutzen! Obwohl, ich kann ja einfach morgen nochmal vorbeikommen, oder? Nachdem mein Körbchen gut gefüllt ist, verzichte ich auf die Mitnahme von Champagner, Kaviar und Whirlpool und begebe mich zur einzigen geöffneten Kasse. Gut, dass wir nur zu Fünft im Laden sind und alle anderen gerade nicht zahlen wollen. So bin ich sehr schnell dran und auch schon wieder raus aus dem Paradies. Ich packe meine Einkäufe in meine Fahrradsatteltaschen und sause zurück nach Hause. Dank dediziertem Radschnellweg und e-Antrieb schnell gemacht. An Bord begrüßt mich Axel erwartungsfroh und freut sich über die mitgebrachten Leckerein. Die genießen wir dann auch schnell zum Abendessen und verbringen ansonsten einen ruhigen Tagesausklang.

Da nach unserer Internetrecherche heute keine Kreuzfahrtschiffe in Cádiz liegen sollen, machen wir uns nach dem Frühstück zum Landausflug in die Altstadt bereit. Zu dumm nur, dass wir auf unserem Weg dorthin erst einmal die riesige Legend of the Seas zu sehen bekommen. Etwa 7.500 Passagiere passen darauf. Kaum hinter dem Riesen wahrnehmbar, versteckt sich noch die Crystal Serenity mit „nur“ 740 Passagieren an Bord. Mist! Da haben wir wohl irgendwie falsch geschaut. Aber wir sind früh dran und so ist es noch einigermaßen leer in der Stadt. Wir laufen über den Plaza de San Juan de Dios am Rathaus vorbei. Schlängeln uns mit eine Schinkenbaguette zur Kathedrale und landen schließlich am Markt. Weitere geht es links und rechts durch endlose Häuserreihen und schmale Gassen. Um in Cádiz jede Gasse einmal abzulaufen, muss man vermutlich 100 Jahre alt werden. Die Häuser sind größtenteils gut gepflegt und bezaubern durch viele nette Detail wie gußeiserne Fenstergitter, schmale Balkone und Wintergärten. Wir landen schließlich am zwei beeindruckend großen Würgefeigenbäume. Die Gummibäume sind etwa 500 Jahre alt und werden teilweise durch massive Stahlträger gestützt. Wir laufen mit Blick auf die Playa de Caleta weiter zum Parque Genovés. Im Schatten der Bäume und mit blick auf die zahlreichen Blumen und Blüten läuft es sich gleich frischer. Über unseren Köpfen kreischen ganze Schwärme von Papageien, die sich dank ihrer grünen Farbe aber hervorragend in den Palmen vor der Kameralinse verstecken. Nach dieser kurzen Erholung für die Sinne schwenken wir wieder in Richtung Gassenwirrwarr und kommen zum Plaza de San Antonio mit seinen hübschen Gebäuden und der Parroquia de San Antonio de Padua. Wir schlagen erneut Haken durch die Gassen, mal linksrum, mal rechtsrum und landen beim Plaza de Mina. Die großen Ficus-Bäume tragen hier Bärte, die fast bis auf den Boden reichen. Wunderschön und erneut eine schattige Erholung. Schließlich treibt uns der Hunger in ein kleines Restaurant an der Calle de San Fransisco und wir können uns mit einem kühlen Cerveza und einem pechschwarzen Reis mit Meeresfrüchten stärken. Da die Touristendichte inzwischen deutlich zugenommen hat, begeben wir uns im Anschluß wieder auf den Heimweg und halten den Rest der Nachmittags gekonnt Siesta. So sind wir für den Abend gut ausgeruht und schauen das dritte Vorrundenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ecuador. Eigentlich können wir ganz entspannt zuschauen, denn Deutschland ist als Gruppenerster ja bereits für die nächste Runde qualifiziert. Und nach zwei Minuten steht es auch schon 1:0 für Deutschland. Leider nicht lange und leider wir das Spiel immer schlechter. Völlig zerfasert, reaktiv, ohne den nötigen Mumm und Drang. So ist es nocht verwunderlich, dass es am Ende 1:2 steht und die Ecuadorianer verdient gewinnen. Draußen fährt derweil bunt beleuchtet wie ein Weihnachtsbaum die Legend of the Seas raus. Navigationslichter sind bei der Illumination eher schwierig auszumachen, aber zu übersehen ist das Schiff wohl auch nicht.

Nachdem wir erst nach Mitternach in den Kojen waren, geht es am Freitag etwas später raus. Die Sonne scheint und wir freuen uns auf einen erneut herrlichen Tag. Im Gegensatz zu Deutschland, wo Rekordtemperaturen von bis zu 40° C erwartet werden, haben wir in Cádiz super angenehme Temperaturen zwischen 25° und 27° tagsüber. Nachts kühlt es angenehm ab und man kann gut schlafen. Verdrehte Welt, denn normalerweise ist es in Andalusien um diese Jahreszeit auch gerne mal 35° bis 40° C warm, wie wir aus dem letzten Jahr wissen. Während wir in Cádiz warten, dass die Passage nach Gibraltar durch die zu erwartende Entfernung der Thunfischnetze sicherer wird, ist ein Großteil der Orcas an die Algarve umgezogen. Auf ihrem Weg dorthin haben sie zahlreiche Yachten attackiert und Ruder abgebrochen. Wir sind froh, dass die Gefahr für uns dadurch bereits deutlich geringer geworden ist. Wobei nicht sicher ist, dass alle Orcas an der Algarve sind. Wir warten also trotzdem lieber auf die Netzentfernung. Ein erstes Netz bei Conil de la Frontera wurde angeblich bereits abgebaut. Das zweite Netz bei Barbarte kann man sicher im flachen Wasser umfahren. Das dritte Netz bei Zahara de los Atunes scheint aber noch zu bestehen und ist auch nur im tiefem Wasser zu umfahren. An diesem Netz fanden bisher auch die meisten Interaktionen mit den Orcas statt. Wir überlegen, ob wir die weitere Wartezeit lieber in Cádiz verbringen wollen oder schon mal bis Barbarte weiterfahren. Das Wetter für die nächste Woche verspricht einen starken Ostwind, der aus der Meerenge von Gibraltar hinausbläst. Der sogenannte Levante würde in Cádiz für einen etwas unruhigeren Liegeplatz sorgen. In Barbarte würden wir vermutlich ruhiger liegen, aber auch mehr Wind und Sand abbekommen. In Cádiz hätten wir dafür mehr zu entdecken und bessere Versorgungsmöglichkeiten, als in dem deutlich kleineren Barbarte. Oder sollten wir direkt ganz nach Gibraltar durchstoßen? Ohne Rücksicht auf die Thunfischnetze und die aktuelle geringere, aber dennoch vorhandene Gefahr auf Orcas zu stoßen? Fragen über Fragen, die uns beim frühstück beschäftigen. Am Ende entscheiden wir uns noch eine Weile in Cádiz zu bleiben. Es gibt hier noch so viel zu sehen und zu entdecken und wir haben es nicht eilig. Nach dem Frühstück und unseren Überlegungen zur weiteren Törnplanung geht’s mal wieder an den Bootsputz. Staubsaugen, Wischen, Bettwäsche waschen und die Decke vom Cockpit reinigen. So ist der Vormittag schnell über die Runden gebracht. Nachdem ich Axel begeistert von meinem Ausflug zu El Corte Ingles erzählt habe, möchte er sich das Spektakel natürlich auch gerne einmal ansehen. So geht es am Nachmittag mit den Rädern in die Stadt und zum Shopping-Tempel. Für den nächsten Tag werden ein paar Snacks für den geplanten Ausflug nach Tanger gekauft. Für Sonntag Zutaten für eine leckere Poke-Bowl erstanden. Zurück an Bord erholen wir uns von der sonnigen Ausfahrt und naschen ein paar Kirschen. Dann ist es irgendwann auch schon wieder Abend. Freitags mal wieder mit einer schönen selbstgemachten Pizza. Den Teig haben wir noch eingefroren gehabt und bei El Corte Ingles gab es natürlich auch unseren Lieblingspizzakäse. Wie immer sehr lecker, wenn auch frischer Teig ein noch knusprigeres Ergebnis liefert.

Morgen geht es für uns nach Afrika. Darüber berichten wir dann ausführlich im nächsten Blogbeitrag!