Boot umbenennen – geht das überhaupt?

Ein neuer Name für unser neues schwimmendes Zuhause ist nach langen Überlegungen nun endlich gefunden, denn den alten Namen wollten wir nicht behalten. Doch die Umbenennung eines Bootes ist nach langläufiger Meinung definitiv kein einfaches Unterfangen! Man kann nicht einfach den alten Namen abkratzen und einen neuen Namen anbringen, sonst zieht man sich den Zorn des Meeresgottes Neptun zu und man kann nahezu 100%ig sicher sein, dass einen in der Zukunft zahlreiche Probleme, Schicksalsschläge und Unfälle treffen werden. Wer Neptun erzürnt, über dem bricht quasi die Hölle los!

So etwas wollen wir natürlich nicht riskieren, deswegen haben wir uns intensiv mit dem Prozess der Umbenennung auseinander gesetzt.

Dabei haben wir herausgefunden, dass die Umbenennung ein zweistufiger Prozess ist. Zunächst muss das Boot „enttauft“ bzw. „entnamt“ werden. Erst dann kann es in einem zweiten Schritt einen neuen Namen erhalten und getauft werden.

Entnamung

Der alte Name muss vom Boot entfernt werden. Dabei reicht es nicht, den Namen nur vom Rumpf zu entfernen. Nein auch alle anderen an Bord befindlichen Dinge und Dokumente müssen bedacht werden. Aus allen Verträgen, Aufträgen, Quittungen und Wartungsprotokollen muss der alte Name entfernt werden, wobei Schwärzen der entsprechenden Stellen in wichtigen Dokumenten erlaubt ist. Aber auch alle Gegenstände, wie personalisierte Fußmatten, Tassen oder Bettwäsche müssen von Bord entsorgt werden. Der alte Name sollte danach nie wieder an Bord erwähnt werden und komplett aus dem Gedächtnis gestrichen werden.

Ein Dokument oder einen Gegenstand mit dem alten Namen behält man jedoch über und vernichtet ihn feierlich mit einer offiziellen Entnamungszeremonie . Dazu wird in einer formellen, respektvollen, nautischen Sprache ein Text verfasst, der König Neptun veranlassen soll das Boot aus seinem Reich freizugeben. Nachdem man diesen Text würdevoll verlesen hat, wird der letzte Gegenstand mit dem alten Namen des Bootes verbrannt und die Asche über die linke Schulter ins Meer geworfen und mit einer halben Flasche Champagner weggespült. Damit ist das Boot offiziell entnamt! Es schadet dabei angeblich auch nicht, wenn man ein paar Tropfen Champagner ins Meer kippt, um Neptun noch etwas wohlgestimmter zu machen.

So einfach der Vorgang in der Theorie auch klingt, in der Praxis ist es leider nicht möglich alle Dokumente mit dem alten Namen zu vernichten. Schließlich handelt es sich ja durchaus um Eigentumsnachweise und beispielsweise den Nachweis, dass die EU-Mehrwertsteuer bereits bezahlt wurde, sollte man natürlich nicht einfach wegwerfen. Insofern haben wir diesen Schritt ein wenig angepasst und lediglich die Namensaufkleber und die Fußmatte mit dem alten Bootsnamen entfernt. Den Champagnerteil haben wir durch Rum ergänzt (mögen Neptun und Rasmus unseres Wissens sehr gerne) und natürlich nicht weggelassen!

Neubenennung und Taufe

In einem zweiten Schritt erfolgt anschließend die Neubenennung und Taufe des Bootes. Auch hierbei gibt es wieder einige Punkte zu beachten.

So sollte der Taufpate weiblich, nicht rothaarig und nicht schwanger sein. Und keine grünen Kleider tragen. Auch bei der Taufe wird wieder ein feierlicher Spruch aufgesagt und am Ende der neue Name genannt. Den Taufakt schließt man ebenfalls mit einer Flasche Champagner ab, die man wahlweise am Bug zerschlägt oder deren Inhalt man nach vorheriger Öffnung der Flasche über den Bug schüttet. Weiterer Champagner wird im Anschluss für die ggf. anwesenden Taufgäste benötigt. Nach der Taufzeremonie kann dann der neue Name am Boot angebracht werden.

Bei diesem Teil konnten wir uns dagegen voll und ganz an die vorgegebene Prozedur halten. Als Taufpatin konnte ich die genannten Kriterien erfüllen und grüne Kleider besitze ich sowieso nicht. In manchen Anweisungen sollte die Taufpatin auch eine Jungfrau sein – nun denn, wir hoffen mal, dass dieses Kriterium nicht allzu ausschlaggebend für die Zukunft ist. Da wir sowohl Entnamung, als auch Taufe lediglich zu Zweit in Falmouth durchgeführt haben, war die Champagnermenge durchaus überschaubar, auch wenn wir am Ende doch eher Unfug geredet haben und der Name „La Ola“ – wie bereits von unserem Bekannten Tom angemerkt – sich durchaus auch gut lallen lässt.