Portimão – Lagos 7,6 sm
Bevor wir uns auf den Weg zu unserem vorverlegten Werfttermin nach Lagos auf den Weg machen, müssen wir uns erst einmal dem Bienenproblem widmen. Mit Wasser und einsetzendem Wind lässt sich die Bienentraube schließlich auflösen und wir sind wieder bienenfrei. Bei den Nachbarn von der Frodo, wo sich ebenfalls ein Bienenschwarm angesiedelt hat, sorgt der Wind ebenfalls für eine Auflösung der Versammlung. Dummerweise hatten die Bienen dort nämlich den Propeller vom Windgenerator als Rastplatz gewählt. Karusellfahren war dann aber wohl doch nicht ihr Ding. Da wir erst um 15 Uhr in Lagos erwartet werden, verbummeln wir den Vormittag und nehmen erst um 13:30 Uhr den Anker auf. Ganz gemütlich tuckern wir die inzwischen altbekannte Strecke nach Lagos. Pünktlich um 14:55 Uhr sind wir fest am Wartepontoon und nehmen erst ein mal die Fahrräder von Bord. Das geht leichter solange das Schiff noch schwimmt und nicht an Land steht. Wir übergeben La Ola in die versierten Hände der Werftarbeiter, die sie sicher auf den Slipwagen treideln. Dann werden hydraulische Stützen hochgefahren und schon kann La Ola an Land gezogen werden. Saskia von der Robulla schaut sich den Vorgang mit uns zusammen an und wir laufen gemeinsam dem Wagen mit La Ola hinterher. Nicht weit, denn wir bekommen einen Platz im Katamaran-Eck direkt am Kran und können von dortaus den Blick auf die Altstadt von Lagos genießen. Nachdem wir uns von diesem anstrengenden Erlebnis erholt haben, geht es abends zusammen mit Saskia zum Fischrestaurant ums Eck. Auch wenn wir rein physisch nicht wirklich etwas mit anpacken mussten, ist es immer sehr aufregend und menthal anstrengend, wenn das schwimmende Heim aus seinem Element gehoben wird. Zurück an Bord genießen wir noch ein wenig die Abendstimmung im Cockpit, bevor wir von den Mücken nach drinnen und in die Kojen vertrieben werden.
Lucky hält uns mal wieder nachts wach und bettelt um Futter. Obwohl sein Napf eigentlich noch gut gefüllt im Salon steht, muss ich aufstehen und mit ihm zu seinem Napf gehen. Ganze dreimal! Trotz dieser nächtlichen Ruhestörung sind wir früh wach und gehen erst einmal die Leiter nach unten, um die Waschräume an Land zu benutzen. Während Axel es sich anschließend noch einmal in der Koje gemütlich macht, schaue ich von oben der Werft zu, wie langsam alles erwacht. Nebenbei schreibe ich ein wenig an diesem Blog, sortiere Fotos und veröffentliche den letzten Beitrag. Um 8:30 Uhr stehen dann die Werftmitarbeiter vor der Tür und starten wit der Erneuerung unserer Sail-Drive-Dichtungen. Die Dichtungen müssen turnusmäßig alle sieben Jahre erneuert werden, sind also dran. Und eine der Dichtungen ist zudem undicht. Muss also definitiv getauscht werden. Zunächst werden die Motorräume ausgeräumt, dann wird feinsäuberlich überall Malerteppich verlegt, um ja nichts dreckig zu machen. Dann beginnt die Operation am offenen Herzen! Erst einmal wird das Öl von den Saildrives abgelassen. Dafür müssen die die Propeller abmontiet werden. Dann müssen die beiden Motorblöcke aus ihren Halterungen gelöst werden. Dann werden sie mit Kranunterstützung nach vorne geschoben, so dass man die Verbindung zum Saildrive lösen kann. Dann werden die Saildrives aus ihrem Borddurchlass entfernt. Das Ganze geht nicht ganz einfach, da die unteren Halteplatten ziemlich gut eingedichtet sind. Irgendwann geben die Saildrives aber dann doch auf und wir haben zwei riesige Löcher im Rumpf. Puh! Inzwischen ist es Nachmittag und unsere Saildrives werden in die Werkstatt gebracht. Dort werden sie in den nächsten Tagen gereinigt und mit neuen Dichtungen versehen. In der Zwischenzeit müssen die Borddurchlässe gereinigt und an einigen Stellen gespachtelt werden. Erst dann können die gewarteten Saildrives wieder eingesetzt und alles wieder zusammengeschraubt werden. Vor Montag geht es jedoch erst einmal nicht weiter. Während Axel die Arbeiten beobachtet, erledige ich ein paar Einkäufe. Sabine von der Spätzle hat einen Mietwagen und so fahren wir ein paar Stationen ab. Zunächst geht es zur Tankstelle, wo ich unseren Benzinkanister für den Außenborder auffüllen kann. 20 Liter für 40 Euro. Dann fahren wir zum Baumarkt und kaufen für Saskia von der Robulla einen Lochbohrer. Weiter geht es zum Intermarche, wo ein paar Lebensmittel und Getränke in unsere Einkaufswagen geladen werden. Es gibt sogar Original Wasa Knäckebrot! Eine begehrte Seltenheit, von der natürlich zwei Pakete mitgenommen werden. Zurück an Bord präsentiert Axel mit stolz, was er in der Zwischenzeit gebastelt hat. Unsere Ankerkette verläuft von der Ankerwinsche bis zum Bug in einem schmalen Kanal, in dem sich bisher mangels Ablauf immer Wasser gesammelt hat. So lag die Kette bei Regen immer im Wasser, was natürlich auf Dauer zu Rost führt und nicht gut ist. Nun hat Axel erstens ein Ablaufloch gebohrt und zweitens einen kleinen Durchlass gedruckt, so dass keine offenen Glasfaserstellen mit dem Wasser in Verbindung kommen können. Das Ganze dann auch noch eben und ohne Rand eingesetzt. Sieht gut aus und wird das Problem des stehen bleibenden Wasser endlich lösen. Nun muss nur noch den Kanal geputzt werden, in dem der Rost unschöne Spuren hinterlassen hat. Aber nicht mehr heute! Wir genießen zum Feierabend ein Glas Wein im Frontcockpit und beobachten von oben ein wenig das Werfttreiben. Abends geht es dann mit Sabine und Dirk von der Spätzle, Saskia von der Robulla und Janis von der Heima zum Abendessen in die Altstadt von Lagos. Bei dem kleinen Restaurant Arribale haben wir einen Außentisch reserviert und genießen den schönen Abend. Irgendwann zieht jedoch Dunst und Nebel von See auf und es wird spürbar frisch. Leicht fröstelnd geht es auf den Heimweg und wir verteilen uns wieder auf unsere jeweiligen Boote.
Sonntag. Ruhetag. Oder doch nicht? Das Wetter ist zu schön, um einfach nur die Beine hochzulegen! Also werden die Fahrräder klar gemacht und los geht’s. Wir fahren zur altbekannten Ponta de Piedade und wenden uns von dort aus nach Westen. Bis zum Praia do Canavial geht es auf einem schön betonierten Weg entlang der Steilküste. Weiter durch die gepflegten Wohngebiete von Porto de Mós. Dort stoßen wir auf den Trilho dos Pescadores, den Fischerpfad von Lagos nach Luz. Ein Schotterweg, der laut google-Maps eigentlich nach kurzer Zeit wieder befestigt werden soll. Tja, stimmt so leider nicht. Aber wir fahren tapfer weiter und wundern uns, dass wir die einzigen Radfahrer sind. Kein Wunder, denn der Pfad wird steinig und steil und mit dem Fahrrad kaum mehr befahrbar. So schieben wir große Teile über Stock und Stein. Aber der Ausblick auf diese unglaublich schöne Küste lohnt die Strapatzen! Irgendwann erblicken wir unser geplantes Ziel Praia da Luz und freuen uns bereits auf ein erfrischendes Bier. Doch leider geht es ab dem prägnanten Vértice Geodésico da Atalaia für uns nicht mehr weiter. Zu steil und steinig wird der Weg nach unten. Und gewagte Sprünge mit dem eBike im Stile eines Downhill-Racers sind nicht wirklich unser Ding. Also kehren wir um und fahren durch ein kleines Pinienwäldchen ein Stück zurück. Durch eine sehr schmale Gasse zwischen zwei Grundstücksbegrenzungen geht es weiter, bis wir am Golfplatz Boa Vista ankommen. Nun sind wir back on track und können auf befestigten Straßen weiterfahren. Da wir allerdings auch schon wieder die halbe Strecke nach Lagos auf diesem Weg zurückgefahren sind, verzichten wir auf den Besuch in Luz und fahren zurück nach Lagos. Nach einem kurzen Stopp bei La Ola wandern wir dann zu Fuß weiter zum nahegelegenen Meia Praia. Dort fallen wir mehr oder minder direkt in der Bahia Strandbar ein und stärken uns erst einmal mit leckerem Cesar und Nizza-Salat. Danach geht es noch ein wenig auf Holzbohlenwegen durch die Dünen, bevor wir es uns zur Siesta und einen geruhsamen Rest des Tages wieder an Bord gemütlich machen können.
Die neue Woche startet bewölkt und deutlich frischer. Gut zum Arbeiten. Wir versuchen erst einmal herauszufinden, wie lange unser Landaufenthalt wohl brauchen wird. Die Saildrives sind die eine Sache. Axel würde aber gerne auch noch unsere Ruderlager austauschen. Sie haben bereits etwas Spiel und vor einer Atlantiküberquerung wäre ein Austausch sinnvoll. Die entsprechenden Ersatzteile haben wir bereits vor ein paar Wochen bestellt und bezahlt. Allerdings ist bisher nichts bei uns in Portugal angekommen. Wenn sie innerhalb der nächsten Tage ankommen würden, würden wir den Austausch natürlich gerne noch hier in Lagos machen lassen. Ansonsten müssten wir auf den Kanaren wohl erneut aus dem Wasser. Eine weitere Frage, die uns in diesem Zusammenhang beschäftigt ist, ob wir unser Unterwasserschiff noch mit zwei weiteren Schichten Antifouling streichen lassen wollen. Sollten wir hier noch ein paar Tage auf die Ruderlager warten müssen, wäre dies sicherlich auch eine Arbeit für Lagos. So man denn in der Werft Zeit dafür hätte. Wenn nicht, würden wir dies ebenfalls auf den Kanaren machen müssen. Fragen, über Fragen, die es zu klären gilt. An den Antworten hängt auch die Entscheidung, ob und wann wir eventuell noch einmal einen Leihwagen nehmen. Die Versorgung hier vor Ort ist auch ohne Probleme zu Fuß oder mit dem Fahrrad machbar. Aber ich muss meinen kaputten Kayakboden noch zu Decathlon bringen und reparieren bzw. umtauschen lassen. Der nächste Decathlon ist allerdings in Portimão und nicht mal eben mit dem Fahrrad zu erreichen. Um unsere Fragen zu klären, gehen wir vormittags erst einmal zu dem für uns zuständigen Werftmitarbeiter Ricardo. Er erklärt uns, dass er unsere Ruderlager auch hier in der Werft fertigen kann. Das dauert zwar auch ein paar Tage, aber am Ende ist es wahrscheinlich schneller, als auf die Ruderlager von Lagoon zu warten. Da wir aufgrund der Tide entweder bis Mittwoch oder dann erst wieder bei der nächsten Springtide zurück ins Wasser gekrant werden können, wären ein paar Tage Warten aber auch erträglich für uns, wenn wir dann nicht auf den Kanaren mehr am Schiff arbeiten lassen müssten. Zeit, um unser Unterwasserschiff zu machen, haben die Mitarbeiter von Sopromar ebenfalls. Also bitten wir Ricardo um ein entsprechendes Angebot und verschieben unsere Entscheidung auf den morgigen Tag. Die Arbeiten an La Olas Saildrives gehen derweil unvermindert weiter. Die Borddurchlässe sind gespachtelt und gestrichen. Die Saildrives gesäubert und gewartet. Nun werden sie wieder eingesetzt. Während Axel an Bord bleibt und ein kleines 3D-Druckprojekt realisiert, schnappe ich mir nach der Mittagspause in der Strandbar Linda mein Fahrrad und erkunde ein wenig die Umgebung. Diesmal fahre ich in Richtung Hinterland und lande schließlich in einem kleinen Örtchen Colinas Verdes. Eigentlich laut meiner Fahrradtouren-App nur 6,5 km. Aber irgendwie dauern bergauf. Nun denke ich naiv, dass der Rückweg ähnlich lang und nur bergab gehen müsste. Aber weit gefehlt! Die App verdoppelt die Strecke und lässt mich bergauf und bergab über Schotterwege und mehr oder minder unbewohnte Landstriche. Wunderschön, aber superanstrengend. Und dummerweise habe ich auch vergessen eine Flasche Wasser mitzunehmen. Nach zwei Stunden und knapp 25 km habe ich es dann aber doch irgendwann nach Lagos zurückgeschafft und werden von Axel im Cockpit erst einmal mit einem kühlen Bier versorgt. Unsere Saildrives sind inzwischen eingebaut und nun müssen nur noch die Propeller wieder angebaut werden. Axel hat sein Druckprojekt ebenfalls abgeschlossen und wir können unser Dinghy zukünftig noch einfacher Wassern. Als ich in deb Salon gehe, herrscht dort große Aufregung. Lucky hüpft hin und her und springt von links nach rechts. Ein kleiner Spatz hat sich in den Salon verirrt und findet den Weg nach draußen nicht mehr. Ich versuche gleichzeitig den kleinen Piepmatz zu fangen und Lucky von dem gleichen Vorhaben abzuhalten. Mit Hilfe von Axel, einer Decke und einem Handtuch gelingt es mir schließlich das Vögelchen zu fangen und wieder unbeschadet in die Freiheit zu befördern. Sehr zur Enttäuschung von Kater Lucky, der noch stundenlang nach dem leckeren Happen sucht. Wenig später erregt eine schwarze Qualmwolke unsere Aufmerksamkeit. Am Meia Praia gibt es ein Feuer mit starker Rauchentwicklung. Augenscheinlich verbrennen hier Öl und/oder Reifen. Vielleicht ein in Brand geratenes Auto? Hoffentlich aber kein Boot in der Lagune von Alvor! Den Abend verbringen wir dann ganz gemütlich an Bord und ohne weitere Action.
Der nächste Morgen zeigt sich noch bewölkter und der Wetterbericht droht mit Regen. Da gleichzeitig auch wieder Saharasand zu uns herüber geweht werden soll, haben wir alle Polster nach drinnen geholt und La Ola so gut wie möglich geschlossen, um den Dreck möglichst in Grenzen zu halten. Aber eine abschließende Bootswäsche am Ende des Werftaufenthalts ist ebenfalls bereits in Auftrag gegeben, so stört es uns erst einmal nicht weiter. Unsere Propeller werden wieder montiert und die Opferanoden erneuert. Obwohl die alten Anoden noch gut aussehen, nutzen wir die Chance zu Tausch und haben so hoffentlich auch damit zwei Jahre Ruhe. Während am Boot gearbeitet wird, radeln Axel und ich zu Aldi und kaufen ein wenig Lebensmittel ein. Neu im Angebot: Lakritze! Zurück ab Bord versuchen wir noch einmal herauszufinden, was jetzt mit unserem Ruderlager ist. Leider gelingt es uns nicht, auch nur irgendetwas herauszufinden. Lagoon meldet sich nicht und auch Sopromar bleibt ein Angebot schuldig. Dafür gehen wir mit Dirk abends lecker beim Thailänder essen und schnacken im Anschluss noch bei einem Glas Wein an Bord bei uns weiter.
Mittwoch und wir stehen immer noch hoch und trocken. Mmh. Wir rufen nochmal bei Lagoon an. Keine Neuigkeiten. Man verspricht sich zu kümmern und sich zu melden. Dann gehen wir zu Ricardo und bohren auch bei ihm nach. Ein Angebot für das Ruderlager hat er noch nicht. Und für zwei Lagen Antifoulinganstrich möchte er etwa 5.000 Euro plus Mehrwertsteuer. Im letzten Jahr haben wir die Hälfte bezahlt! Aber vielleicht reicht auch eine Schicht? Immerhin sieht das Antifouling ja noch gut aus. Mal abgesehen davon, dass die Fische kunstvolle Muster am Rumpf und an den Kielen hinterlassen haben. Zurück an Bord bringen wir endlich die von mir genähten Sonnenabdeckungen für unsere Decksluken an. So haben wir diesen Punkt auch endlich mal von der nie-endenden To-Do-Liste abgehakt. Am Nachmittag erhalten wir dann die ziemlich frustrierende Nachricht von Ricardo, dass man unser Ruderlager leider doch nicht mal eben so für uns fertigen könnte. Mist! Und sein Lieferant, bei dem er nach einem fertigen Ersatzteil angefragt hat, meldet sich auch nicht. Doppelmist! Wir rufen noch einmal bei Lagoon an, bekommen aber auch da nur die erneute Rückmeldung, dass man keine Informationen über einen Lieferzeitpunkt bekommen hat. Dreifachmist! Aber irgendwie war es uns auch klar, dass so ein Landaufenthalt nicht mal eben so, schnell und unkompliziert und im Zeitplan verläuft. Optimistisch betrachtet, stört uns der verlängerte Landaufenthalt in Lagos eigentlich nicht. Wir stehen sicher an Land und müssen uns nicht ums Wetter und einen sicheren Ankerplatz kümmern. Bis der portugiesische Norderwind einsetzt, mit den wir gemütlich nach Madeira segeln können, vergehen nach langfristigen Wetterdaten noch 6 bis 10 Wochen. Entsprechend hatten wir unsere Überfahrt für Juni oder Juli geplant. Wir haben also ausreichend Zeit, um auf die Ersatzteile von Lagoon zu warten und das Unterwasserschiff machen zu lassen. Einzig, dass es etwas unbequem an Bord ist, stört ein wenig. Immer über eine steile Leiter an Bord, Toiletten- und Duschbenutzung an Land, Kochen und Abwasch nur sehr begrenzt machbar und tagsüber viel Lärm von der Werft. Es gibt aber Schlimmeres und so bleiben wir positiv optimistisch und hoffen, dass eine Schicht Antifouling reicht (müssen wir sehen, wenn das Boot hochdruckgereinigt wurde) und unsere Ruderlager dann doch in der nächsten Woche schon von Lagoon geliefert werden. Bis dahin genießen wir einfach noch ein wenig Lagos. Nachdem wir die frustrierenden Nachrichten alle verdaut haben, machen wir uns auf den Weg ins Örtchen. Im bayrischen Biergarten „Munich“ gibt es Leckereien und feines Weizenbier. Während Axel einen elsässer Flammkuchen genießt, probiere ich bayerischen Cesar-Salat mit Pulled Grillhaxe und Bretzn-Croutons. Lecker!
Endlich bekommen wir eine Nachricht, wann unsere Ruderlager geliefert werden. Sie erreichen am 27. April Lagoon in Frankreich und werden dann zu uns nach Portugal geschickt. Mit etwas Glück und per Expresslieferung sollten sie dann hoffentlich Ende April bei uns sein, so dass wir Anfang Mai wieder ins Wasser könnten. Wir drücken uns einfach mal die Daumen! Nach dem Frühstück geht es für uns heute nach Portimão. Axel hat ein Auto gemietet, denn es müssen ein paar Dinge erledigt werden. Wir fahren zuerst zur Werft in Parchal, wo bei Slickhull unsere frisch gewartete Rettungsinsel auf uns wartet. Sie wurde auf Funktion getestet und hat einige Teile erneuert bekommen. Keine Teile an der Rettungsinsel selbst, sondern zusätzliche Inhalsbestandteile, wie Wasser und Seenotsignalmittel. Nachdem wir die Rettungsinsel ins Auto geladen haben, geht es weiter zu Decathlon, wo wir den kaputten Kayakboden abgeben. Er wird nun auf Garantie geprüft und dann repariert oder erneuert. Dann werden noch ein wenig Lebensmittel eingekauft und zurück an Bord verstaut. Dank unseres neuen Falt-Bollerwagens können wir die Rettungsinsel ohne Probleme von Auto zum Boot bringen. Gut so, denn zum Tragen wäre die Insel viel zu schwer und die Strecke vom Parkplatz viel zu lang. Axel putzt dann erst noch die Halterung für die Rettungsinsel, bevor es erst einmal nicht weitergeht. Die Rettungsinsel lässt sich ohne Stellage und ohne kräftige Hilfe nicht von Axel und mir in die Halterung heben. So beendigen wir zuerst ein anderes Projekt. Für unsere Davits haben wir neue Leinen, in die der ortsansässige Segelmacher nun jeweils ein Auge eingespleist hat. Die alten Leinen sehen zwar noch gut aus, aber sie haben sich beim Hochholen des Dinghies immer stark vertörnt. Von den neuen Leinen erhoffen wir uns Besserung. Zudem haben wir die Leinen nun farblich unterschiedlich in Rot und Grün. So können wir nicht mehr verwechseln, welche Leine gerade gezogen werden muss bzw. welche Klemme man ohne Gefahr öffnen kann. Den Abend verbringen wir heute mal ruhig an Bord und schauen ein wenig TV.
Wir werden am Morgen mit Baulärm geweckt. Hinter unserem Heck wurde in den letzten Tagen eine große Fläche planiert und vorbereitet. Nun soll augenscheinlich asphaltiert werden. Während die Bauarbeiter alles vorbereiten, kümmern wir uns um unsere Rettungsinsel. Mit Hilfe von Dirk und der Stellage von Nachbarboot können wir den schweren Kasten wieder an ihrem Platz befestigen. Danach machen wir uns schnell aus dem Staub. Lärm und Gestank nach Teer und Asphalt sind einfach nicht erträglich. Unsere Fahrt geht nach Westen, bis es nicht mehr weitergeht. Am Cabo Sao Vicente waren wir zwar schon einige Male, aber ein touristischer Höhepunkt steht noch auf unserer Agenda. Bekannt aus Funk und Fernsehen – die letzte Bratwurst vor Amerika! Bei unseren vorherigen Besuchen war die Imbissbude immer geschlossen, aber nun haben wir Glück. Wir müssen nicht lange anstehen und bekommen eine astreine Thüringer Bratwurst im Brötchen mit Bautzener Senf. Lecker! Gut gestärkt geht es ein kleines Stück des Weges zurück nach Sagres. Ein weiteres Sightseeing-Highlight, was wir bisher noch nicht geschafft haben. Ein Besuch des Fortaleza de Sagres. Wir schreiten durch die altehrwürdigen Tore und durchwandern das weiträumige Gelände. Der Ausblick vom Rundweg auf das Meer ist beieindruckend. Auch wenn der Atlantik heute eher ruhig ist, branden die Wellen an die Strände und Felsen. An manchen Stellen hat das Meer die Felsenküste über die Jahrtausende ausgehöhlt und Risse verursacht, die heute von oben einen Blick quer durch tonnenschweres Gestein hindurch auf das Meer erlauben. Leider ist ein Highlight, was wir uns unbedingt ansehen wollten, nicht mehr vorhanden. Früher gabe es an der Festung eine riesige Kompassrose zu sehen. Heute ist sie leider völlig überwuchert und man sieht nur noch den äußeren Kreis. Schade. Zum Abschluss schauen wir in das moderne Museum hinein, welches Informationen über Heinrich, den Eroberer und die Entdeckung der Welt bereit hält. In dem riesigen Gebäude steckt allerding erschreckend wenig drin und so sind wir schnell wieder raus und wenden uns neuen Zielen zu. Es geht etwa 20 km wieder zurück in Richtung Lagos. Bei Santo António Golfe & Spa biegen wir ab und fahren in das kleine Örtchen Salema. Salema ist ein noch recht ursprüngliches, kleines Fischerdörfchen und gilt als Geheimtipp an der Algarve. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, können wir diese Einschätzung sofort bestätigen. Der Strand und das türkisfarbene Wasser sind einfach atemberaubend schön! Kein Massentourismus, aber nette kleine Cafés und Rstaurants. Unsere Traumimmobilie entdecke ich auch sofort. Vermutlich bleibt sie aber auch ein Traum, denn bei der Lage und dem Blick reden wir hier bestimmt über einen zweistelligen Millionenbetrag. Aber Träumen ist ja zum Glück nicht verboten. Wir kehren in einem der Restaurants ein und genießen einen leckeren Eisbecher. Mit Blick auf dieses unwahrscheinlich blaue Wasser, untermalt mit netter Lounge-Musik, bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Hier könnten wir ewig sitzen bleiben! Irgendwann holt uns die Realität wieder ein und wir fahren zurück zur Werft nach Lagos. Es wird immer noch gelärmt und gearbeitet. Aber nach einer halben Stunde ist der Spaß erst einmal vorbei und es wird Feierabend gemacht. Wir genießen noch ein wenig Sonne im Frontcockpit, essen einen Fertigsalat aus dem Supermarkt und erfreuen uns dann an Bohemian Rhapsodie. Einer unserer absoluten Lieblingsfilme.
Endlich Wochenende! Und Feiertag! Ja, hier in Portugal ist der 25. April ein Feiertag, nämlich Dia da Liberdade. Tag der Freiheit. An diesem Tag erinnert man sich in Portugal an den Aufstand des portugiesischen Militärs, das am 25. April 1974 einen Putsch durchführte und damit das diktatorische Regime des Estado Novo unter der Führung von António de Oliveira Salazar beendete und den Beginn der Demokratie darstellt. Der Militärputsch wurde von der großen Teilen der Bevölkerung unterstützt und verlief dadurch weitgehend unblutig. Die Aktion wurde auch unter dem Namen Nelkenrevolution bekannt, da die Unterstützer den aufständischen Soldaten rote Nelken in die Gewehrläufe steckten. Wir nutzen den Tag für einen weiteren Ausflug. Es gibt einen Ort, den wir uns gerne einmal anschauen wollen und ausnahmsweise liegt er nicht an der Algarve sondern in der Region Alentejo. Vor Jahren haben wir mal eine Reportage über Vila Nova de Milfontes gesehen und wollen nun schauen, ob es dort wirklich so schön ist. Außerdem haben wir gelesen, dass man bei ruihem Wetter in den Fluß reinfahren und dann vor dem Örtchen sicher ankern kann. Auch das wollen wir uns einmal anschauen. Wir fahren 1 1/2 Stunden nach Norden und genießen mal wieder die tolle Landschaft. Es duftet nach Eukalyptus und an den Straßenrändern blüht es in allen Farben. Eine tolle Wildblumenvielfalt, wie man sie in Deutschland leider nur noch sehr selten findet. Erst als wir uns dem Ziel nähern, wird die Landschaft kultivierter. Große Agrarflächen mit Bewässerungsanlagen, die bereits laufen. Riesige Forstflächen mit abgeholzten Eukalyptuswäldern. Eukalyptus ist in Portugal nicht heimisch und wird für die Holzgewinnung angebaut. Leider verdrängt er dabei nicht nur einheimische Arten, da er sich recht unkontrolliert ausbreitet. Die hohen Stämme knicken in den Winterstürmen auch schnell um und fallen auf die Stromleitungen. Dadurch kam und kommt es häufig zu Stromausfällen. Am Ende erreichen wir den Rio Mira und überqueren in über eine kleine Brücke. Die Wasserfarbe sieht unglaublich blau aus und von der Brücke haben wir einen ersten Blick auf Vila Nova de Milfontes. Wir fahren ins Örtchen rein und entlang einer langgestreckten Straße bis in die Altstadt und weiter zur Flußmündung. Von hier aus hat man einen guten Blick auf die Einfahrt, die bei den aktuellen Bedingungen eher schwierig mit dem Boot zu passieren sein dürfte. Links und rechts der Einfahrt branden die Wellen an Strand und Felsen, so dass man den richtigen Weg hinein gar nicht erkennen könnte. Die Einfahrt ist nämlich leider nicht ausgetonnt, so dass gute Sicht ein Muss ist, um auf keine Sandbank aufzulaufen. Auch nachdem man die Einfahrt passiert hat, gibt es eine große Sandbank im Fluß, die es nach Sicht zu umfahren gilt. Erst kurz vor der Brücke sieht man Yachten vor Anker und an Mooringbojen liegen. Die Bedingungen, um hier hineinzufahren, müssten also schon sehr optimal sein. Wir laufen zu Fuß in die Altstadt und bummeln ein wenig durch die Gassen. Sehr nett, farbenfroh und man hat häufig einen Blick auf das wunderschöne Flußwasser. Die Reportage hat also nicht übertrieben. Mit etwas mehr Zeit könnte man mit einem Kayak den Rio Mira hinauffahren oder einfach nur einen der zahlreichen Flußstrände genießen. Wir fahren schließlich wieder zurück in Richtung Lagos und besuchen nach einmal Arrifana. Bei unserem Lieblingsrestaurant O Paula genießen wir in der Sonne ein leckeres Mittagessen. Pulpo für mich und Thunfisch für Axel. Wie immer sehr, sehr lecker. Am Nebentisch sitzt unser Lieblingsedelstahlspezialist Sergio aus Vilamoura. Er hat mit seinen Freunden eine Motorradtour unternommen. Keine schlechte Idee bei dem Wetter und der schönen Mopedstrecke! Zurück an Bord genießen wir wie üblich noch ein wenig die Sonne im Frontcockpit und verbringen einen ruhigen Abend an Bord.
Der Sonntag startet ruhig. Frühstück. Mit Ei! Duschen an Land. Dann widmen wir uns gemütlich der Bootsarbeit. Axel konstruiert ein paar Scheiben für unsere Umlenkrollen in den Davits und startet den 3D-Druckauftrag. Unsere Davitleinen neigen nämlich nicht nur zum Vertörnen, sondern rutschen gerne auch mal neben die Umlenkrollen und verklemmen sich dort. Nun kommen gedruckte Scheiben daneben, die dies verhindern sollen. Dann räumen wir unser Cockpit auf. Dort stapeln sich Kisten, die normalerweise in den Motorräumen stehen. Da die Arbeiten an den Motoren und Saildrives abgeschlossen sind, können sie nun wieder eingeräumt werden. Vorher bringen wir noch Warnsensoren in den Motorräumen an, die uns zukünftig vor Wassereinbruch und Hitze warnen sollen. Was so einfach in eine Satz geschrieben steht, nimmt an Bord den ganzen Vormittag in Anspruch. Denn natürlich ist das Unterfangen mit unserer Lieblingssportart Bootyoga verbunden. Man darf sich das so vorstellen: Wie in Zeitlupe setze ich einen Fuß auf den Motorblock. Senke den Körpermittelpunkt ab und platziere den anderen Fuß neben der Motorhalterung weiter unten. Leichte Drehung um 90 Grad und dann beide Füße ein Stück weiter nach unten neben die Ölwanne. Füße hintereinander und in eine knieende Position übergehend, dabei Kabel, Schläuche und Lüftungsrohre geschickt umgehen. Schließlich folgen Schulter und Kopf, dann die Hände noch weiter nach unter und um den Motorblock herum in einem weiteren 90 Grad Winkel. Der Gedanke an einen Chiropraktiker oder Physiotherapeuten schießt mir kurz in den Kopf, aber um deren Behandlung zu genießen, müsste ich ja erst einmal wieder aus dem Motorraum hinauskommen. Und die Arbeit ist noch nicht einmal angefangen. Kopf und Schultern wieder hoch, Putzmittel und Lappen einsammeln, wieder runter und alles klinisch reinigen. Kopf und Schultern wieder hoch und von Axel die zwischenzeitlich mit Sikaflex eingeschmierte Halterung für den Wassersensor übernehmen. Köpfchen wieder runter und besagte Halterung an die gesäuberte Stelle aufkleben. Up again! Nun nehme ich von Axel den Sensor entgegen und begebe mich wieder in die Kopfüberlage, um den Sensor in die Halterung zu setzen. Laaangsam wieder aufrichten und alle Knochen wieder in die richtige Lage bringen, bevor der nächste Sensor angebracht werden muss. Der wird angeschraubt und erfordert Knien, Kopfanlehnen und beidhändiges Schrauben in ein Holzbrett. Abschließend beseitige ich noch mit weiteren Körperverrenkungen und unter Einsatz unserer Grillzange und diverser Lappen die Bilge von Wasser, welches bei der Erneuerung der Saildrivedichtungen aus irgendwelchen Schläuchen in die Bilge gelaufen ist. Tja, und das Ganze dann gleich nochmal, denn wir haben ja zwei Motoren! Aber auch das gelingt, ohne Bandscheibenvorfall. Anschließend räumen wir alle Kisten wieder ein und haben nun wieder deutlich mehr Platz im Cockpit. Zwischendurch krabbel ich unsere Leiter runter und bringe eine Ladung Wäsche zur Werftwaschmaschine. 40 Minuten später ist die Wäsche fertig und ich lade sie in den Werfttrockner. Eine Stunde später ist auch dieser Vorgang abgeschlossen und die frische Wäsche kann die Leiter hoch wieder zurück an Bord. Tja, und irgendwie ist der Tag dann auch schon wieder rum. Wir wandern zu Strand und testen die dritte Beachbar. Im Restaurante São Roque genießen wir Cesar Salat und Cheeseburger. Beides sehr lecker und gut. Abends noch den Tatort aus Wien und schon liegen wir wieder in den Kojen.
Endlich wieder Montag und die Faulenzerei vom Wochenende hat ein Ende. Naja, jedenfalls für die Bauarbeiter. Die starten morgens um 9 Uhr die Betonfräse hinter unserem Heck und verbreiten damit eine gewisse Ungemütlichkeit. Asphaltiert wird ebenfalls wieder. Und außerdem werden die ersten Teile für den neuen 60 t Travellift angeliefert. Auch mal spannend, so etwas in Einzelteilen zerlegt zu sehen. Für unsere eigenen Arbeiten ist es uns allerdings heute zu unruhig. Wir nehmen lieber die Fahrräder und fahren in Richtung Alvor. Die Lagune ist schnell erreicht und wir fahren weiter durch das Vale da Lama. Neben einer der Austernfarmen entdecken wir die Rauchquelle von letzter Woche. Scheinbar ist ein Schuppen samt Lager in Flammen aufgegangen. Außerdem können wir ein Bienenesser-Pärchen beobachten, wenn auch leider nicht wirklich aufs Foto bannen. Schade, denn diese farbenprächtigen Vögel sind echt sehenswert. Schließlich erreichen wir die N125 Bundesstraße und kehren wieder um, denn die belebte Hauptstraße wollen wir lieber nicht entlang fahren. Zurück am Meia Praia kehren wir in der Strandbar Quim ein und genießen eine leckere Garnelenpfanne zum Mittag. Der Service ist allerdings erstaunlich uncharmant, so kennen wir die Algarve gar nicht. Aber der Blick auf die Brandung und den recht leeren Strand, sowie die Live-Musik aus dem Nachbarrestaurant reißen es wieder raus. Schließlich geht es zurück zur Werft, wo leider immer noch gelärmt und gestunken wird. Nicht nett, aber da müssen wir wohl durch, wenn wir nicht direkt noch einmal fliehen wollen. Und es gibt wirklich Schlimmeres. Leider werden die Arbeiten auch heute nicht endgültig abgeschlossen, so dass es morgen wohl noch einmal laut und stinkend wird. Für den Travellift wurden derweil weitere Teile geliefert und wir sind gespannt, wie aus diesen riesigen Puzzle am Ende ein Kran werden soll. Wer weiß, vielleicht kann La Ola ja schon mit dem neuen Lift ins Wasser? Aber vielleicht nicht unbedingt als erstes Testobjekt!
Nachdem am gestrigen Tag nicht wirklich viel bei uns an Bord gemacht wurde, geht es heute endlich zwei kleine Mini-Schrittchen weiter. Wir räumen die Motorräume wieder leer und ein Mechaniker kommt und arbeitet an unseren Ruderbefestigungen. Nachdem die gelöst sind, wird das Backbordruder vorsichtig nach unter rausgelassen. Allerdings ist der Ruderschaft zu lang, so dass das Ruder nicht ganz weggenommen werden kann. Wir sind gespannt, wie die Werftarbeiter das Problem lösen, denn eigentlich kann uns der Krokodillift nicht höher anheben. Und es fehlt etwa ein knapper Meter Höhe. Der Lift ist leider heute aber sowieso ausgelastet, so dass das Projekt Ruderausbau erst einmal wieder verschoben wird. Axel baut in der Zwischenzeit die gedruckten Rollen in die Davits und wir können einen weiteren, sehr kleinen Punkt von der To-Do-Liste streichen. Den Rest des Tages verbummeln wir und schauen dabei zu, wie der gestern angelieferte Travellift zusammengebaut wird. Es wird, wobei der neue Lift für La Ola wohl eher nicht geeignet wäre. Vom Gewicht zwar kein Problem, aber er scheint nicht breit genug zu werden, um unsere knapp 8 m Breite bewältigen zu können. Aber in zwei Wochen soll noch ein zweiter neuer Lift kommen, der dann über 100 Tonnen und 12 m Breite schafft. Wir hoffen aber, dass wir davor bereits wieder im Wasser sind. Abends gehen wir heute mal zum Inder Delhi Darbar essen. Ich bekomme Chicken Tikka Birjani und Axel genießt Chicken Balti. Dazu Knoblauch-Naan und Raita. Alles superlecker und gut. Zurück an Bord kommt noch Janis von der Helma bei uns vorbei und leiht sich unser Endoskop für eine Inspektion seiner Masten. Nach getaner Arbeit leistet er uns dann noch ein wenig Gesellschaft bei einem Glas Wein im Cockpit und wir plaudern mal wieder über das Seglerleben und seinen Herausforderungen.
Am nächsten Tag starten wir unser nächstes Projekt auf dem Oberdeck. Wir bringen einen Bullenstander – auch Preventer genannt – an. Der Bullenstander soll auf Vorwindkursen verhindern, dass der Großbaum in einer ungewollten Patenthalse unkontrolliert auf die andere Seite schlägt und dabei Schaden verursacht. Schaden am Material, aber auch an Personen, also uns. Am Großschotbeschlag bringen wir zwei kurze Leinen an, die an einer Klampe am Baum bei Nichtbenutzung befestigt werden können. An diese Leinen können wir nun zwei sehr lange Leinen nach Backbord und Steuerbord anbringen, die bei geöffnetem Großbaum den Baum nach außen hin festhalten. Dafür werden die Leinen vom Ende des Großbaums durch die Klampe am Bug durchgezogen und auf der achteren Klampe belegt. Ein paar Teile dafür benötigen wir noch und kaufen sie schnell beim Sopromar-Shop auf dem Werftgelände ein. Außerdem fehlt uns noch ein Auge auf einer der langen Leinen. Das Auge könnten wir natürlich vom Segelmachen anfertigen lassen. Wir entscheiden uns aber, nun endlich einmal selber spleisen zu lernen und kaufen uns die dafür benötigten Werkzeuge. Normales, geschlagenes Tauwerk können wir bereits spleisen. Modernes Kern-Mantel-Geflecht bisher noch nicht. Zwar habe ich vor etwas 30 Jahren mal an einem Spleisabend teilgenommen und dort das Spleisen gelernt. Aber seitdem habe ich dieses Wissen nicht mehr angewendet und erstaunlicherweise dadurch auch komplett vergessen, wie es geht. Aber zum Glück gibt es YouTube und zahlreiche Videos, die wir uns nun erst einmal fleißig anschauen. Zahlreiche Schweißperlen, viel Gezerre und Video-Gegucke später, hat Axel es dann tatsächlich geschafft, ein Auge zu spleißen. Seine neue Haupterwerbstätigkeit wird es aber wohl eher nicht werden. Ein weiteres Projekt sind unsere neuen Heavy-Duty-Ruckdämpfer. Bereits vor ein paar Monaten haben wir stählerne Federn gekauft, die ein Einrucken des Bootes bei Schwell und Wellen im Hafen abdämpfen sollen. An diese Federn bringen wir nun dicke Festmacherleinen auf der Bootsseite und dicke Stahlkette auf der Anlegerseite an. Die Ketten können dann in einer Bucht um eine Klampe oder durch einen Festmacherring gezogen werden. Kette deswegen, damit wir auch an steinernen Piers damit festmachen können und nicht Gefahr laufen, dass sich die Ketten am Beton aufscheuern können. Werftseitig wird dagegen leider nicht an La Ola gearbeitet. Eigentlich hatten wir damit gerechnet, dass man La Ola heute anheben und die Ruder weiter ausbauen würde. Aber es tut sich nichts. Auch am Antifoulinganstrich wird nicht gearbeitet. Und von Lagoon haben wir auch keine Nachricht erhalten, ob unsere Ruderlager inzwischen auf dem Weg zu uns sind. Auf unsere Nachfragen reagiert man leider nicht. Irgendwie Frustrierend! Aber hey, vier Wochen mit Maschinenschaden zur Regenzeit mit 100% Luftfeuchtigkeit damals mit Hello World in Panama waren schlimmer! Wir schnappen uns mal wieder unsere Fahrräder und radeln zum Einkaufen. Wenig später brutzeln Spiegeleier in der Pfanne und wir sitzen gut gesättigt im Cockpit. Dann erreicht uns allerdings ein Anruf von Axels Eltern, der uns leicht Verzweifeln lässt. Bei ihnen ist ein Paket angekommen. In Bremen. Aus Frankreich. Von Lagoon. Unsere Ruderlager!!! Wie so etwas passieren kann, ist uns ehrlich gesagt schleierhaft. In unserer Bestellung, in unseren Emails und in unseren Telefonaten haben wir die Werft in Lagos als Lieferort angegeben. Warum liegt das Paket also nun in Bremen?! Wir schlucken den Ärger runter und organisieren den Weiterversand nach Portugal. Bleibt nur abzuwarten, wann das Paket dann endgültig bei uns eintrifft. Immerhin ist Freitag ein Feiertag und danach Wochenende. Es wird wohl ganz schön knapp werden, mit dem Zeitfenster in der nächsten Woche uns bei der nächsten Springtide wieder ins Wasser zu bringen.
Nachdem wir uns von dem gestrigen Schock erholt haben, sind unsere Ersatzteile dank Axels Vater nun endlich auf dem richtigen Weg zu uns. Die Werft wird entsprechend informiert und plant die weiteren Arbeiten. Zunächst muss La Ola angehoben werden, um die beiden Ruder zu entfernen. Das geschieht voraussichtlich am Samstag. Dabei wird noch geprüft, ob eventuell der Ruderlagerschacht etwas ausgeschlagen ist und dann nachlaminiert werden muss. Dann kann La Ola eine neue Schicht Antifouling bekommen. Sobald die neuen Ruderlager dann endlich in Portugal angekommen sind, wird La Ola wieder angehoben und die Ruder werden wieder eingebaut. Wann wir dann tatsächlich wieder ins Wasser können, hängt also leider von vielen Faktoren ab. Wir haben ja immer noch Hoffnung, dass alles von jetzt an reibungslos läuft. Insbesondere, weil sich für Mai Besuch angesagt hat. Unsere amerikanischen Freunde Marcie und David, die wir 2008 in Panama kennengelernt haben, sind gerade in Portugal und Spanien auf dem Jacobsweg unterwegs und wollen im Anschluß bei uns vorbeikommen. Natürlich würden wir dann gerne mit den Beiden ein wenig an der Algarve Segeln gehen und nicht an Land stehen. Wir werden sehen. Da wir selber nahezu keine Projekte mehr an Bord zu erledigen haben, können wir uns in der Zwischenzeit anderen Dingen widmen. Wir beobachten wie der neue Travellift weiter zusammengebaut wird. Als uns dies zu langweilig wird, gehen wir zu Fuß auf Erkundungstour. Wir laufen auf die andere Flussseite und zur kleinen Festung Ponta da Bandeira. Die liegt malerisch an der Hafeneinfahrt, ist aber leider geschlossen. Also gehen wir einmal über die Hauptstraße und durchqueren die antike Stadtmauer durch die Porta de São Gonçalo. Hinter der Stadtmauer befindet sich die Altstadt von Lagos. Wohnviertel grenzen an belebte Fußgängerzonen. Cafés reihen sich an Restaurants und die zahlreichen Souvenirläden. Wir laufen nach links und rechts ums Eck und entdecken so die erstaunlich große Innenstadt von Lagos. An jeder zweiten Ecke hängt ein verlockender Geruch nach Knoblauch, gegrillten Sardinen oder anderen Leckereien. Wir werden hungrig und müssen eigentlich nur noch entscheiden, wo wir uns zum Lunch niederlassen. Am Ende landen wir im Restaurant Maré auf dem Dach der Markthalle. Hier waren wir bereits im letzten Jahr mit meiner Mutter Bärbel und haben es gut in Erinnerung. Nicht nur wegen dem schönen Ausblick, sondern auch wegen dem Essen. So auch diesmal. Hähnchen-Avocado-Burger und Indonesischer Salat schmecken gut und wir können von unserem Tisch La Ola auf der anderen Flussseite sehen. Gut gesättigt geht es irgendwann wieder zurück an Bord. Den Nachmittag vertreiben wir uns damit, unsere Freunde von den anderen Booten zu besuchen. Bei Janis auf Heima wird weiter an seinen Holzmasten gearbeitet, Saskia von der Robulla kümmert sich um ihren Cockpitboden. Bei Dirk von der Spätzle begutachten wir Ruder und Ruderlager, nach Risse aufweisen. Beim neuen Kran machen wir natürlich auch noch einmal eine Baukontrolle. Man kann sich den Tag auf der Werft eigentlich auch ganz gut vertreiben!
Erster Mai, Tag der Arbeit. Ist auch in Portugal ein Feiertag und so wird auf der Werft heute nicht gearbeitet. Mit Ausnahmen. Am neuen Kran wird weitergeschraubt und im Hafenbecken werden Pfähle gerammt. Ich nutze mal wieder die Waschmaschine an Land und baue den Wäscheberg ab. Im Waschsalon treffe ich auf einen kleinen Spatzen, der sich bei seinem ersten Flugversuch wohl verflogen hat. Ich kann ihn zum Glück schnell einfangen und in die Freiheit bugsieren. Dabei beobachte ich, wie eine Möwe, die sich anscheinend einen Flügel gebrochen hat, in eine der Werkstätten mogelt und sich über das Futter der Werftkatze hermacht. Die Katze scheint es nicht zu stören und die Möwe hat so vielleicht eine Überlebenschance. Zurück an Bord wird der Abwasch erledigt. Da wir an Land stehen, können wir das Abwaschwasser nicht einfach durch den Ausguss ablassen, sondern sammeln es in einem Eimer. Der volle Eimer wird dann per Seil nach unten gelassen und der Inhalt in die Kanalisation entsorgt. Anschließend begeben wir uns mal wieder auf Lecksuche. Unsere Frischwasserpumpe springt schon wieder oder immer noch ständig kurz an. Irgendwo geht uns Wasser verloren bzw. das Leckwasser sammelt sich in der Backbord-Bilge. Vermutlich leckt es immer nur ein paar Tropfen, aber über die Zeit kommen dabei auch ein paar Liter zusammen. Wir nehmen die Bodenbretter auf, schauen jede Schlauchverbindung an und werden trotzdem nicht fündig. Vorsichtshalber ziehen wir alle Schlauchschellen an und hoffen, dass wir das Leck damit beseitigt haben. Immerhin, da wir an Land stehen, kann das Wasser in der Bilge ja kein Salzwasser sein und damit auf ganz andere Probleme hindeuten. Nachdem meine Wäsche fertig ist, nehmen wir uns heute mal unsere Ankerkette vor. Dafür lassen wir den Anker mitsamt der gesamten Ankerkette auf den Boden ab. Wir prüfen den Zustand der Kette und kontrollieren, ob unsere Kettenzählanlage tatsächlich die richtige Länge misst. Tut sie, wir haben insgesamt 90 m Ankerkette mit einer Stärke von 12 mm. Da bei dem Teil, der bisher immer beim Ankern im Wasser war, die Verzinkung schon ganz schön gelitten hat, drehen wir die Kette auch gleich noch um. Der noch gut verzinkte Teil kommt an den Anker, der rostige Teil wird mit einer Sicherungsleine im Ankerkasten befestigt. Dann kommen Kette und Anker wieder an Bord und wir haben uns ein kühles Bier verdient. Abends geht es dann zusammen mit Dirk zum Restaurant Munich. Wir haben nicht nur eine 10% Rabattkarte erhalten, sondern es sind auch noch Spargelwochen. Das muss genutzt werden! Wir sind uns bei Spargel mit Schnitzel Wiener Art, Kartoffeln und Suace Hollandaise einig und genießen dazu leckeres Bier aus Deutschland. Auch wenn der Spargel angeblich aus Deutschland stammt, kommt er an den guten niedersächsischen Spargel von früher nicht ran. Aber, man nimmt, was man kriegen kann. Lecker war es am Ende in jedem Fall.
Der Samstag startet leicht bewölkt. Ab 8:30 Uhr wird in der Werft gearbeitet, aber bei uns tut sich erst einmal nichts. So können wir in Ruhe Frühstücken und Duschen. Inzwischen sind aus den geplanten drei Tagen Werftaufenthalt bereits zwei Wochen geworden. Und ein Ende ist noch immer nicht absehbar. Immerhin ist unser Paket inzwischen im Export-Paketzentrum angekommen und befindet sich nun auf dem Weg nach Portugal. Von Lagoon gab es zur Versendung an den falschen Ort übrigens bisher keinerlei Reaktion oder gar Entschuldigung. Fehler können ja passieren, aber so gar keine Reaktion? Tja… Egal, wir machen uns an weitere Arbeiten. Unsere Wasserleitungsreparatur war scheinbar erfolgreich, denn die Pumpe ist nicht mehr angesprungen. So können wir die vollgetropfte Bilge trockengelegt. Bei einem unserer letzten Einkäufe haben wir weitere Schwimmnudeln erstanden und setzen diese nun zur weiteren Entklapperung und den Mast ein. Ob es hilft, können wir leider erst einmal nicht feststellen, denn es weht kein Wind und La Ola schaukelt zum Glück an Land auch rein gar nicht. Für alle Fälle haben wir aber auch noch eine weitere Schwimmnudel in Reserve. Weiter geht‘s mit einem Schaltereinbau und entsprechender Verkabelung. Wir wollen unser AIS, also das Signal, welches wir aussenden, damit man unseren Standort sehen kann, abschaltbar machen. In der Regel ist es für uns natürlich von Interesse gesehen zu werden, aber es gibt halt auch Regionen, in denen man nicht unbedingt Aufmerksamkeit erregen möchte. Gesagt, getan und nach kurzer Zeit ist auch dieses Projekt abgeschlossen. Ein weiteres Projekt, der sogenannte „Bier-auf-Brücke“-Schalter muss dagegen mangels passendem Schalter erst einmal verschoben werden. Stattdessen laufen wir zum Pingo Doce Supermarkt und versorgen uns mit ein paar frischen Lebensmitteln. Und dann heißt es Warten. Warten und nochmals Warten. Wir warten darauf, ob La Ola nun wie angekündigt noch angehoben wird. Der Feierabend nähert sich und nichts tut sich. Das Krokokodil, also der CrocLift, der uns bewegen soll, wird zwar hin und her bewegt. Aber leider nur unter andere Katamarane. So müssen wir uns also bis Montag gedulden, bis es endlich ein Stückchen weitergeht. Immerhin scheint die Sonne und wir können den Feierabend mit einem kühlen Glas Rosé einleiten. Es gibt definitiv Schlimmeres, aber ich glaube ich wiederhole mich mal wieder.
Am nächsten Tag steht endlich mal wieder eine Freizeitaktivität auf dem Programm. Bereits im März 2025 war Axel mit unserem Freund Stephan auf dem Palmares Golfkurs, während ich an Bord gearbeitet habe. Da Beide sehr begeistert von dem Platz waren, steht ein erneuter Besuch seitdem auf meiner Freizeit-To-Do-Liste. Der Platz liegt direkt neben Lagos und wir haben eine Tee-Time für den späten Vormittag gebucht. Da wir aktuell keinen Leihwagen haben, geht es per Uber zum Platz. Da der Platz recht hügelig ist, gönnen wir uns einen Buggy und fahren damit erst einmal zur Driving Range. Immerhin haben wir seit Monaten keinen Golfschläger in der Hand gehabt, da können ein paar Übungsschläge nicht schaden. Während ich nach ein paar Schlägen den Dreh wieder raus habe, geht es bei Axel andersherum. Er schlägt erst wie ein Pro, dann geht gar nichts mehr. Wir starten schließlich mit einem Schweizer Paar und mühen uns alle mehr oder minder über den Platz. Die ersten neun Löcher entschädigen mit tollen Ausblicken auf die Bucht von Lagos und den Meia Praia für das durchwachsene Spiel. Auf den zweiten neun Loch verzweifeln wir immer mehr und können dem Platz auch optisch nicht viel abgewinnen. Der Praia Kurs verläuft durch die Dünen, jeder zweite Ball landet irgendwo im völlig unspielbaren Unkraut und einen schönen Ausblick hat man leider auch nicht mehr. Den schönen Ausblick können wir dann erst wieder auf der Terrasse des Clubhauses genießen und freuen uns, dass wir so nette Mitspieler hatten. Per Uber geht es zurück zur Werft, wo wir uns heute ein Abendessen im gerade vor ein paar Tagen eröffneten Restaurant MoB gönnen. Wir können direkt vom Werftgelände durch die Hintertür eintreten und sind erst einmal die einzigen Gäste. So haben wir die volle Aufmerksamkeit von Service- und Küchenteam. Wir starten mit einem ausgesprochen leckerem Thunfischtartar. Superfrischer Thun mit hauchzart gewürfelten Paprikastückchen, feinst gehobelten roten Zwiebeln und gut abgestimmten Gewürzen. Als Clou wird das Tartar von einem Kügelchen Zitronensorbet gekrönt, welches perfekt den Geschmack abrundet. Weiter geht es mit einem perfekt gegrillten Steak mit Chimichurri-Sauce für mich und Nudeln mit Meeresfrüchten für Axel. Beides ebenfalls sehr lecker! Ausnahmsweise gönnen wir uns nach dem harten Golftag auch noch einen Nachtisch zum Abschluss. Axel bekommt eine Komposition aus weißer Schokolade mit kandierten Pistazien, ich schwelge in einer kreativ interpretierten Pavlova mit Mango-, Pistazien- und Curry-Eis. Inzwischen hat sich das Restaurant gefüllt und wir schleichen uns durch den Hinterausgang wieder 50 m zurück zu La Ola. Äußerst praktisch, so ein Restaurant ums Eck. Und wirklich eine absolute Überraschung, was Qualität und Kreativität der Küche angeht. Auf einem Werftgelände hätten wir dies so nicht erwartet.
Der Montag startet mit Nichts. Unser Paket mit den Ruderlagern hängt irgendwo zwischen Lahr im Schwarzwald und Portugal. Und Werftarbeiter zeigen sich auch nicht bei uns, um nun endlich unsere Ruder zu demontieren. Dafür meldet sich Decathlon, dass wir meinen reparierten oder ersetzten Kayakboden abholen können. Nun müssen wir nur noch überlegen, wie wir zum Laden nach Portimão kommen. Noch einmal ein Auto mieten oder per Uber? Wir warten erst einmal ab, wann unser Paket nun endlich zur Auslieferung bereit steht und wir endlich damit rechnen können, wieder ins Wasser zu kommen. Während wir also geduldig warten, fängt unsere Frischwasserpumpe wieder an zu brummen. Mist, irgendwo muss wohl doch noch ein Leck sein. In dem umfangreichen Wassersystem mit den zahllosen Verbindungen ist es gar nicht so einfach zu finden. Axel versucht es daher erst einmal mit der Wasserpumpe an sich. Die hat einen Druckausgleichbehälter, der laut Axels Vermutung zu wenig Luft enthält bzw. sogar Luft verliert. Also füllen wir mit der Fahrradluftpumpe ein wenig Luft nach. Dummerweise fängt das Gebrumme nach einer Weile wieder an. Wir zerbrechen uns die Köpfe, wo wohl noch ein Fehler zu suchen sein könnte. Vielleicht liegt es auch am Heißwasserboiler? Der ist nachts ausgeschaltet und vielleicht muss die Pumpe beim Erkalten des Wassers einfach eine Weile ausgleichen? Nach dem ganzen Gesuche und Überlegen haben wir am Abend die Nase voll und fletzen uns vor den Fernseher. Star Wars Teil 103 oder so.
Am nächsten Morgen sitzen wir gerade bei der zweiten Tasse Kaffee, als sich plötzlich etwas tut. Der Croclift wird unter La Ola gefahren und wir können gerade noch die Leiter runterklettern, bevor wir durch die Gegend bugsiert werden. Erst versucht man die Ruderblätter an Ort und Stelle zu ziehen. Das funktioniert allerdings nicht, da die Stützen vom Lift nicht hoch genug gefahren werden können. Dann sucht man nach einer Lösung, wie man das Ruder doch noch hinausbekommen könnte. Schließlich wird ein Abwasserschacht geöffnet, nachgemessen und dann La Ola mit dem Ruder über den Schacht gefahren. Das funktioniert für das Backbordruder, aber nicht für das Steurbordruder, da ein Stromkasten im weg ist. Also wird La Ola als nächstes über eine Kante an der Sliprampe gefahren und dort kann auch das zweite Ruderblatt abgelassen werden. La Ola bekommt im Anschluss auch direkt noch eine Powerwäsche des Unterwasserschiffes, welches dann in Kürze einen neuen Unterwasseranstrich bekommen kann. Nach zwei Stunden steht La Ola wieder fest an einem neuen Platz und wir können wieder an Bord. Der Kaffee ist in der Zwischenzeit allerdings leider kalt. Lucky hat die gesamte Aktion auf seinem Lieblingsplatz verschlafen und gar nicht gemerkt, dass er hin und her gefahren wurde. Nach einer kurzen Verschnaufspause können wir heute unser verschobenes Schalterprojekt angehen. Bereits auf Hello World hatte Axel einen „Bier auf Brücke“-Schalter eingebaut. Mit diesem Schalter kann man vom Steuerstand einen Signalton im Salon auslösen und so signalisieren, dass man etwas braucht. Das geht natürlich auch, wenn man gerne ein Kaltgetränk angereicht haben möchte. Der eigentliche Zweck ist aber, dass man auf diese Weise schnell um Hilfe rufen kann, ohne das Steuer zu verlassen. Also, wenn sich nachts zum Beispiel das Wetter drastisch verschlechtert und Segel gerefft werden müssen. Oder wenn kritische Kollisionskurse mit anderen Schiffen zu bewältigen sind. Der Schalter ist inzwischen geliefert und so begeben wir uns an den Einbau im Steuerpanel. Dazu müssen Kabel verlegt und Löcher gebohrt werden. Beim Kabelziehen kommt auch wie fast immer bei dieser Tätigkeit auch wieder unsere Grillzange als Greifverlängerung zum Einsatz. Eine große Grillzange gehört aus unserer Sicht auf jeden Fall als unverzichtbares Werkzeug auf jedes Boot. Inzwischen hat sich der Zustellstatus unseres Paketes auf Auslieferung am Mittwoch verändert. Das lässt uns hoffen, dass wir am Donnerstag der Freitag vielleicht wieder ins Wasser können. Wir drängeln noch einmal bei der Werft bezüglich unseres Antifoulinganstrichs und hoffen, dass umgehend mit den Arbeiten begonnen werden kann. Bei dem aktuell trockenen und warmen Wetter, sollte der Anstrich eigentlich problemlos innerhalb von einem Tag erledigt werden können.
Tja, das Drängeln hat nicht viel geholfen. Der Morgen auf der Werft startet geschäftig an allen Ecken, nur bei uns tut sich mal wieder nichts. Wir verlassen am Vormittag das Boot und fahren mal wieder mit einem Leihwagen durch die Gegend. Erster Stop – Decathlon. Nach einigem Suchen gibt man uns einen neuen Kayakboden. Neueres Modell mit augenscheinlich deutlich dickeren Nähten. Wie immer kaufen wir auch noch ein paar andere Sachen bei Decathlon und packen alles in unseren Ford Puma. Weiter geht es zu Intermarche, Auchan, Aldi und Lidl. Großer Proviantierungsrundumschlag in der Hoffnung, dass La Ola bald wieder schwimmt. Zurück in der Werft hat sich am Boot allerdings immer noch nichts getan. Und unser Ersatzteilpaket schwebt leider irgendwo im Nirwana. Zustelldatum Mittwoch passt jedenfalls nicht mehr. Wir gehen trotzdem noch einmal wegen des Unterwasseranstrichs quengeln und bekommen das Versprechen, dass es am nächsten Tag losgehen soll.
Immerhin, über das Wetter kann man sich nicht beschweren. Die Sonne scheint und bereits morgens herrschen angenehme Temperaturen. Das Wetter soll sich allerdings in den nächsten Tagen verschlechtern. Ungewöhnlich in Portugal für diese Jahreszeit sind Wind aus Süd und Regen angesagt. Eigentlich sollte sich so langsam doch das Azorenhoch bilden und für stabiles Sonnenwetter mit nördlichen Winden sorgen. Na ja, so müssen wir uns jedenfalls nicht ärgern, dass wir an Land stehend vielleicht gerade ein tolles Wetterfenster nach dem anderen für die Fahrt nach Madeira verpassen. Dafür wünschen wir uns nämlich für ein paar Tage stabile 3-4 Windstärken aus Nordosten. Pünktlich um 9 Uhr starten dann doch endlich die Arbeiten am Unterwasserschiff. Erst wird das alte Antifouling angeschliffen. Zwei Mann sind mit Schutzkleidung, Atemschutzmaske und Schleifgerät mit Staubabsauger im Einsatz. Unser Ruderlager dagegen ist immer noch nicht da. Der Lieferzeitpunkt wird in der Sendungsverfolgung nicht mehr angezeigt. Durch die ganzen Verzögerungen ist inzwischen das Zeitfenster für unsere Wiedereinwasserung für diese Springtide aber eh geschlossen und wir können frühestens am 12. Mai wieder ins Wasser. Also noch fast eine Woche länger Landleben auf dem Werftgelände. Werden wir wohl auch noch überleben! Schön wäre es, wenn wir Axels Geburtstag am 14. Mai nicht mehr in der Werft verbringen müssten. Nach dem Schleifen wir La Olas Rumpf fein sauber gewaschen und sieht nun wieder aus wie neu. Dann wir abgeklebt und Antifouling verstrichen. Der Gestank ist nicht erträglich und sicherlich auch nicht gesund, so dass wir uns lieber verziehen. Wir laufen zum Strand und nehmen in der Strandbar einen verfrühten Sundowner ein. Vermutlich hätten wir noch einen zweiten oder dritten Drink nehmen müssen, denn bei unserer Rückkehr ist erst ein Rumpf gepinselt. Also verziehen wir uns in den Salon und versuchen den Geruch weitmöglichst zu ignorieren. Nicht einfach, aber Axel arbeitet gezielt mit Knoblauch für seine Guacamole gegenan. Irgendwann ist Feierabend und wir können uns wieder nach draußen wagen. Puh! Die Guacamole genießen wir mit Tacos und Salsa. Gesellschaft leist uns dabei Janis von der Heima, dessen Mastenprojekt sich langsam dem Ende nähert. Am nächsten Montag soll es für ihn endlich wieder ins Wasser gehen. Wir drücken die Daumen, dass alles passt.
Inzwischen sind es drei Wochen, die wir in Lagos bei Sopromar an Land stehen. Es zeigt sich mal wieder, dass man als Segler viel planen kann, aber in der Regel auch wieder viel umplanen muss. Die Idee vor dem Trip nach Madeira noch in den Norden zu segeln und vielleicht noch mal die galizischen Rias zu genießen, hat sich inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst. Na gut, dann können wir vielleicht einfach länger Porto Santo und Madeira genießen. Und vorher noch ein wenig die schöne Algarve genießen. Die Arbeiten am Morgen starten langsam. Und Axel muss erst einmal ausdiskutieren, dass wir mit den Arbeiten am Backbordrumpf so nicht einverstanden sind. Bei dem verwendeten Antifouling muss nämlich mindestens sechs Stunden zwischen dem ersten und zweiten Anstrich gewartet werden. Das hat man leider nicht getan, sondern direkt hintereinander gepinselt. Würde man immer so machen und bisher hätte es noch nie Probleme gegeben. Mag ja sein, aber wenn wir im nächsten Jahr tausende Meilen weg sind und das Antifouling nicht hält, was es verspricht, wird man uns wohl kaum den – ehrlich gesagt recht hohen – Preis zurückerstatten. Also, bitte nochmal streichen! Auf der Werft wird ansonsten weiter an den neuen Kränen gearbeitet. Der „kleine“ 60 Tonnen Kran wird erstmalig in Fahrt gesetzt. Für den neuen „großen“ Kran werden die Reifen angeliefert. Und unser innig erwartetes Paket mit den Ruderlagern gibt eine neue Statusmeldung ab. Es ist an der Algarve angekommen! Lieferdatum? Weiter unbekannt! Nachmittags kommt dann eine Hubbühne bei uns vorbei gefahren. Unser Radar, welches am Mast angebracht ist, zeigt auf See leider die in der Nähe befindlichen Ziele nicht an. Nicht gut, denn genau für diese Objekte, die man z.B. bei Nebel ungern rammen möchte, hat man ja das Radar an Bord. Das Problem lässt sich mit Hilfe zweier Plastik-Unterlegscheiben schnell lösen. Nun schaut das Radar nicht mehr nach oben, sondern eher nach unten. Axel bastelt derweil an einer weiteren Verbesserung für die bevorstehenden Nachtfahrten. Unser Deckslich lässt sich bisher nur vom Schaltpanel im Salon einschalten. In Situationen, wo man nachts schnell mal Licht an Deck braucht, eher semi-optimal. Daher wird ein Schalter am Steuerstand eingebaut und parallel geschaltet. Nun sind beide Optionen möglich. Unter Boot wird weiter geschliffen und gestrichen. Nachmittags sind die Ruder und die Saildrives dran. Die Farbe von den Ruderschäften war bereits teilweise abgeblättert, so dass wir einen neuen Anstrich in Auftrag gegeben haben. Nachdem die Ruderblätter und -schäfte abgeschliffen sind, werden sie zum Streichen in eine der Werkstätten gebracht. Pünktlich zum Feierabend fängt es dann wie vorhergesagt an zu Regnen. Wir verziehen uns in den Salon, braten uns Rösti mit Lachs und verbringen den Abend gemütlich vorm TV.
Die Nacht durch prasselt der Regen an Deck und heult der Wind durchs Rigg. Aber am Morgen scheint zum Glück wieder die Sonne. Also gibt es erst einmal ein leckeres Frühstück im Cockpit. Obwohl gestern angekündigt wurde, dass man heute den zweiten „korrekten“ Antifoulinganstrich vornehmen wollte, zeigt sich im Laufe des Tages leider kein Werftmitarbeiter bei uns. Und unser Paket verharrt auch in seinem Lieferstatus „an der Algarve“. Irgendwie frustrierend. Der morgendliche Sonnenschein verschwindet hinter dicken Wolken und ein flotter Wind weht frisch um die Ecken. Axel beschäftigt sich mit einem neuen Druckprojekt und entwirft eine Halterung für unsere Außendusche. Den alten, mit nassen Fingern kaum zu bedienenden Duschkopf wollen wir gegen eine größere Gartensprühpistole austauschen. Diese soll dann komfortabel an dem Edelgestänge von unseren Solarpaneln angebracht werden, so dass wir gemütlich stehend Duschen können. Zudem lässt sich das Wasser über den neuen Duschkopf besser dosieren und schnell abschalten, um vor Anker nicht zu viel Wasser zu verschwenden. Nachmittags geht es kurz zum Einkaufen und wir kommen rechtzeitig vor den nächsten Regenschauern wieder an Bord an. Dem herbstlichen Wetter angemessen, kochen wir abends ein wärmendes Chili con Carne und kuscheln uns anschließend unter ein paar Plaids im Salon vorm Fernseher.
Ähnlich wie am Vortag gießt es in der Nacht in Strömen und der Wind heult. Da bleibt man morgens gerne ein wenig länger in der Koje liegen. Aber irgendwann muss man halt. Also schnell aufgestanden, in einer Regenpause die rutschige Leiter hinunter und zu den Toiletten an Land geeilt. Zurück an Bord schnell wieder unter die warme Decke bis sich wieder die Sonne zeigt. Der Sonntag verläuft auf der Werft ruhig. Kein Schleifen, kein Piepen vom Kran, kein beißender Geruch vom frisch gestrichenen Antifouling. Ich nutze die große und schnelle Waschmaschine und den Trockner in der Werft, um einen Großwaschtag einzulegen. Bettwäsche, Plaids, Handtücher und was sonst noch alles gewaschen werden muss. Drei Maschinen später ist es auch schon Nachmittag und ich verschiebe den Rest der Wäsche auf den nächsten Tag. Abends kommen dann unsere Nachbarn Rita und Peter vom Katamaran Dahoam zu einem Glas Wein und Bier bei uns vorbei und wir verbringen einen netten Abend mit Klönschnack übers Segeln und Tauchen. An Bord der Dahoam sind auch zwei Katzen an Bord und Lucky freundet sich schnell mit Rita und Peter an. Schon erstaunlich, wie zutraulich der schüchterne Kater inzwischen geworden ist. Rita und Peter bleiben mit der Dahoam noch ein paar Wochen an Land, aber wollen irgendwann auch in Richtung Westen. So gibt es bestimmt inrgendwann eine Wiederholung des Abends.
Der Montag startet wieder geschäftiger. Für den neuen großen Kran werden weitere Teile angeliefert und wie bei einem großen Puzzle zurechtgelegt. Unser Paket soll sich tatsächlich auf dem Weg zu uns befinden und wir sind sehr gespannt, ob und wann es ankommt. Und wie schnell es dann weitergeht. Für den nächsten Tag haben wir auf jeden Fall prophylaktisch einen Termin zum Einwassern gebucht. Wäre schön, wenn wir den auch wahrnehmen könnten. Dafür müssen nach Ankunft des Paketes „nur noch“ die Ruderlager an die Ruder gebaut werden, die Ruder wieder eingebaut, die Rümpfe mit einer zweiten Schicht Antifouling versehen werden und das Boot geschrubbt werden. Ein sportlicher Plan! Und zwei Maschinen Wäsche gewaschen werden. Damit fange ich dann auch nach dem Frühstück direkt erst einmal an, werde aber schnell wieder aufgestoppt. Die Maschinen sind belegt und ich muss mich in die Warteschleife einreihen. Stattdessen machen wir mal wieder eine Stippvisite bei dem für uns zuständigen Werftmitarbeiter und fragen, wann denn nun der korrekte zweite Antifoulinganstrich gemacht wird. Er weiß allerdings plötzlich von Nichts mehr und sagt, dass zweimal gestrichen wurde. Wurde es auch, aber halt nicht mit der korrekten Trockenzeit zwischen den Anstrichen. Er verspricht das Problem zu klären und mit seinem Vorgesetzten zu sprechen. Hätte er natürlich auch schon in der letzten Woche machen können. Auf dem Weg zurück schaue ich nochmal, ob die Waschmaschine inzwischen frei ist, stehe aber direkt vor dem nächsten Problem. Maschine kaputt! OK, dann wird das wohl heute nichts mehr. Nach der Mittagspause kommt dann tatsächlich jemand vorbei und erledigt den zweiten Antifoulinganstrich. Sehr schön, so sollte es hoffentlich bis in die Karibik halten. Um dem Gestank zu entfliehen, schauen wir kurz bei Janis und der Heima vorbei, für die es heute ins Wasser zurück geht. Die Masten sind gestellt, aber es herrscht noch ein mittleres Chaos. So kommen wir gerade recht und packen mit an, damit in einer Stunde, wenn der Travellift kommt, alles an Bord ist. Klüverbaum, Groß- und Besanbaum, die beiden Gaffeln, alles wird an Bord gehievt. Die Beiden Helfer von Janis, Han und Jonathan, unterstützen ebenfalls und so ist nach einer Stunde fast alles tatsächlich an Bord und vormontiert. Wir helfen noch beim Einwassern und sind nach drei Stunden pünktlich zum Feierabend wieder bei uns an Bord. La Ola ist fertig gestrichen, aber unser Paket wurde leider nicht geliefert. Unseren Krantermin für den morgigen Nachmittag können wir damit wohl canceln. Abends gönnen wir uns noch einmal ein leckeres Essen im Werftrestaurant MoB und genießen Thunfischfilet und Entenbrust.
Wetter durchwachsen, Paketzustand immer noch auf dem Weg und Waschmaschine weiterhin kaputt. Was macht man mit solch einem Tag?! Erstmal entspannt angehen und Müslifrühstück genießen. Duschen, Abwaschen, wieder Entspannen. Ein Techniker kommt für die Waschmaschine und mit Glück ist sie in ein paar Stunden wieder in Ordnung. Irgendjemand hat wohl zu viel Waschmittel eingefüllt. Braucht man bzw. darf man allerdings nicht, denn das Waschmittel ist inklusive und wird automatisch dosiert. Für den neuen großen Kran werden weiter zahlreiche und sehr große Teile angeliefert. Schon spannend beim Aufbau zuzuschauen. Lieber wäre uns natürlich, wenn unsere Ersatzteile nun langsam mal ankommen würden und unsere Ruder wieder eingebaut werden könnten. Geduld ist ja angeblich eine schöne Tugend, aber so langsam haben wir einfach keinen Bock mehr auf das Landleben. Mittags fahren wir mit den Rädern zur Abwechslung mal zum Baumarkt. Für unsere neue Außenduschonstruktion benötigen wir noch Schlauch, den wir auch schnell bekommen. Dann geht es noch schnell zu Aldi, um ein paar Nahrungsmittel für die nächsten Tage zu shoppen. Sehr zu unserem Leidwesen hat Aldi die leckere Geflügelfleischwurst aus dem Programm genommen. Dafür, uns zwar sehr zu Axels allergrößten Freude, gibt es neu im Programm jetzt salzige Lakritzfische und Lakritzmuscheln. Da wird der Bordvorrat natürlich großzügig aufgestockt. Zurück an Bord gibt es erstmal einen kleinen Mittagssnack und siehe da, unser Paketstatus verändert sich auf „In Auslieferung“. Ob das bedeutet, dass es heute ankommt? Ein kleiner Hoffnungsschimmer immerhin. Wenn jetzt auch noch die Waschmaschine wieder funktionieren würde! Aber nein, das ist dann doch zuviel verlangt. Wir packen nach dem Regen der letzten Tage nachmittags mal wieder den Schrubber aus und befreien La Olas Deck vom Schmutz und Staub des Werftumfeldes. Ganz schön dreckig mal wieder. Aber am Ende sieht alles wieder einigermaßen schick aus und wir können uns wieder unserer Entspannung widmen. Und unsere Geduld weiter trainieren, denn unser Paket ist immer noch „in Auslieferung“ und nicht geliefert. 4-5 Werktage sollte es laut DHL Webseite dauern. Wir warten inzwischen leider doppelt so lange. OK, ein kurzes OM und tief durchatmen. Die Sonne scheint und wir sind da, wo andere sonst Urlaub machen. Nein, natürlich macht keiner Urlaub auf der Werft. Aber am traumhaft langen Strand von Lagos und den können wir von unserer Dachterrasse aus sehen. Wir könnten theoretisch dort auch mal Baden gehen, aber die Wassertemperatur ist uns mit 16° C dann doch noch zu frisch. Abends gibt es heute mal wieder was aus der Bordküche. Axel kocht leckeres asiatisches Hähnchen mit crunchy Erdnusssauce. Mmmhh! Und – oh Wunder und das Highlight des Tages – der Lieferstatus unseres Pakets ändert sich auf zugestellt! Juchuhhhh!!! Nun geht es morgen hoffentlich schnell weiter und wir sind endlich bald wieder im Wasser.
Voller Vorfreude warten wir am nächsten Tag auf den Mechaniker. Wir warten und warten und warten. Nichts tut sich. Angeblich soll er nur noch einen Job an einem anderen Boot machen und sich dann um uns kümmern. Als wir mittags nachfragen, weiß man aber leider nicht, wann das nun wirklich sein wird. Also üben wir uns mal wieder in Geduld, aber es fällt nun noch schwerer. Uns ist natürlich klar, dass man nicht nur, weil endlich unsere Ersatzteile da sind, den ganzen Arbeitsplan der Werft über den Haufen werfen kann. Aber irgendwie könnte man uns doch vielleicht dazwischenschieben? Oder wenigstens schon mal mit den Vorbereitungen anfangen? Oder uns verlässlich einen Termin nennen? Keine Chance, es tut sich einfach nichts. Also nutzen wir die weitere Zeit in Lagos, um noch einmal Getränkevorräte einzukaufen. Mit den Fahrrädern und zwei Satteltaschen geht es zu Lidl und voll bepackt wieder zurück. Nachmittags ist dann erfreulicherweise immerhin die Waschmaschine repariert und ich kann noch schnell den Rest der Bordwäsche erledigen. Man muss ja auch mal Glück haben. Wobei ich auch heute wieder in der Warteschlange festhänge und sich der Waschvorgang ins Endlose dehnt. Meine Vorwäscherin räumt nicht pünktlich ihre Wäsche aus der Maschine und vergisst dann, den von ihr befüllten Trockner auch anzustellen. Kein Problem, denn Geduld ist inzwischen mein zweiter Vorname. Und außer Warten haben wir ja eh nichts weiter zu tun.
14. Mai 2026 – ein toller Tag! Axel hat Geburtstag, es gibt ein fulminantes Frühstück mit Ei und Croissants, die Sonne strahlt vom Himmel. Und Vatertag ist auch noch. In Portugal ist das allerdings kein Feiertag. Unsere Ruderarbeiten gehen trotzdem nicht voran. Der Mechaniker hat frühestens am Nachmittag, wahrscheinlich aber erst morgen Zeit für uns. Damit wir ein wenig besser planen können, haben wir aber inzwischen auch entschieden, dass wir erst am nächsten Montag wieder ins Wasser zurück wollen. Denn für das Wochenende hat sich unser Besuch angesagt und wir sind nun verlässlich in Lagos und nicht eventuell irgendwo anders vor Anker. Unsere Freunde Marcie und David haben sich ein Apartment bei der Marina gebucht und wir können entspannte zwei Tage gemeinsam genießen, bevor die Beiden wieder in die USA zurückfliegen. Damit wir den Beiden ein wenig die schöne Algarve zeigen können, haben wir uns für Sonntag auch noch einmal ein Auto gemietet. Mit dieser neuen Planung können wir nun deutlich entspannter geduldig sein. Nach dem Frühstück sausen wir mal wieder mit den Fahrrädern los. Ich habe ums Eck einen holländisch-skandinavischen Minimarkt entdeckt, den wir nun einmal durchstöbern. Es gibt einige Leckereien, wie Abba Sild, Bitterballen mit Old Amsterdam, Remouladensauce und Lakritze in zahlreichen Varianten. Dummerweise akzeptiert man nur Barzahlung, so dass unsere Einkaufsauswahl leider eingeschränkt wird. Zurück an Bord gibt es dann einen leckeren Geburtstagschampagner. Die letzte Flasche aus der Champagne, die uns Andrea und Pit im Herbst 2024 mitgebracht haben. Kurz vor Feierabend kommt dann noch der Chefmechaniker vorbei und unsere überarbeiteten Ruderblätter werden zurückgebracht. Obwohl uns bisher immer gesagt wurde das die Ruder eingesetzt werden müssten, um festzustellen ob die neuen Ruderlager passen oder eventuell der Schacht ausgeschlagen ist, werden wir nun positiv überrascht. Der Mechaniker hat ein kurzes Stück Testruderlager mit dabei und kann so auch ohne erneuten Kraneinsatz testen. Allerdings steht schnell fest, dass der Schacht tatsächlich ausgeschlagen, sprich zu groß für das neue Ruderlager ist. Der Schacht muss nun also erst mit Epoxy enger gemacht werden, damit das Ruderlager eingebaut werden kann. Nun denn, wir haben es ja nicht eilig. Abends lade ich Axel dann zu einem schönen Geburtstagsessen ein. Wir laufen in die Stadt und probieren ein neues Restaurant aus. Das kleine Restaurant Irreverente hat nur fünf Tische und wir haben Glück, dass wir einen Platz ergattern können. Und wir werden mal wieder sehr positiv überrascht! Die Karte ist klein, aber dafür sind die Gerichte ausgewählt gut. Wir entscheiden uns für Tunfischtartar und Rindertartar als Vorspeisen und erleben eine Geschmacksexplosion mit kleinen Limetten- und PiriPiri-Kaviarperlen. Dann geht es mit slow-cooked Oktopus und Chimichurri für Axel und einem Wassermelonensalat mit knuspriger Ente für mich weiter. Beides saulecker! Zum Abschluß noch ein geteiltes Schokoladenmouse mit Mandel- und Orangenknusper. Ein Genuß! Dazu eine leckere Flasche Wein und wir rollen nach Hause. Ein sehr gelungener Geburtstagsabschluß.
Am nächsten Morgen geht es um 9 Uhr direkt an unseren Ruderlagern weiter. Der Chefmechaniker hat nun den Vorschlag, dass er uns lieber ein neues und perfekt passendes Ruderlager anfertigen würde. Das würde schneller gehen, als mühsam Epoxischichten aufzubauen und nach dem Trocknen immer wieder auzuprobieren, ob das Lager passt. Tja, waren wir an dem Punkt nicht schon vor vier Wochen?! Damals hieß es „keine Zeit, dauert zu lange“. Nun hat man Zeit und kann das neue Lager schnell fertigen. Es soll sogar länger halten, als das Originalersatzteil und günstiger als der Aufbau mit Epoxi soll der Spaß auch sein. Na dann. Haben wir halt ein paar Wochen auf Ersatzteile gewartet, die wir nun gar nicht benötigen. Aber die werden ja nicht schlecht und wandern ins unsere Ersatzteilkiste. So sind wir in ein paar Jahren schon mal gut gerüstet. Das erste neue Ruderlager wird noch am Vormittag aus dem Material Delrin gefertigt und dann auch direkt eingebaut. Delrin ist übrigens ein Hochleistungskunststoff, der sich durch außergewöhnliche Dimensionsstabilität, geringe Reibung und metallähnliche Haltbarkeit auszeichnet. Wir verbringen den Tag derweil mit kleineren Polierarbeiten, Einkäufen beim örtlichen Yachtausstatter und der Planung der nächsten Tage. Touri-Programm und Ankerplätze für die nächste Woche. Am Nachmittag ist auch das zweite Ruderlager fertig und wird eingebaut. Die Lager werden leicht eingeklebt und damit sie an der richtigen Stelle sitzen und dort trocknen können, kommt auch direkt der CrocLift. La Ola wird angehoben, an die Rampe gefahren und die Ruderblätter werden eingesetzt. So steht einer Einwasserung am Montag nun hoffentlich nichts mehr entgegen. Es sei denn, das Krokodil macht schlapp. Es verliert beim Fahren nämlich plötzlich Hydrauliköl. Aber so pessimistisch wollen wir mal nicht denken! Abends sind wir auf der Dahoam zu Gegenbesuch eingeladen und verbringen wieder einen sehr netten Abend miteinander. Die beiden Katze Floki und Kato freuen sich ebenfalls über unseren Besuch und die mitgebrachten Leckerli. Nur Lucky ist sichtbar sauer, als wir endlich wieder zurück an Bord sind, dass wir andere Katzen gefüttert und gestreichelt haben.
Endlich Wochenende! Der Betrieb auf der Werft läuft auch am Samstag weiter und so werden wir morgens von Gebrumme und Gepiepe geweckt. Entsprechend früh sind wir auf den Beinen und können uns den täglichen Aufgaben widmen. Heute steht für den Vormittag ein Besuch im Angelladen auf dem Programm. Mit den Fahrrädern geht es in Lagos den Hügel hinauf und zu Nautimar. Dort bekommen wir eine Gaff und ein paar neue Köder. Auf dem Weg nach Madeira und weiter möchten wir nämlich endlich mal wieder einen schönen Fisch fangen. Dafür die Köder, die für Dorade, Mahi-Mahi und Thunfisch geeignet sind. Mit der Gaff, einem Metallstab mit gebogenen Ende, wollen wir die Fische dann an Bord holen. Kurz zurück an Bord und dann geht es auch schon wieder zu Fuß los. Wir laufen zum nahe gelegenen Busbahnhof und holen unsere Freunde Marcie und David ab. Kennnengelernt haben wir uns vor 18 Jahren in Panama und zuletzt gesehen haben wir uns vor 17 Jahren in Neuseeland. Trotzdem scheint keine Zeit vergangen zu sein. Klar, wir sind alle einen Hauch älter geworden und Axel und ich haben das eine oder andere Kilo mehr auf den Rippen. Aber die Konversation und das Miteinander knüpft nahezu nahtlos an damals an. Wir bringen Marcie und David zu ihrem Appartment und genießen im Anschluß einen leckeren Mittagssnack beim Pearl-Foodtruck. Dann halten wir jeweils ein wenig Siesta, bevor wir uns abends wiedertreffen. Leider sind alle Strandbars bereits geschlossen, aber dafür landen wir mal wieder im Werftrestaurant, wo man uns inzwischen wie Stammgäste begrüßt. Wir genießem Thunfischfilet, Seafood-Ravioli und Thunfisch-Sandwich. Zum Nachtisch gibt es Chocolate-Cake, Weiße Schokolade und Ananas-Carpaccio. Wie immer, alles sehr lecker und der perfekte Abschluss für einen schönen Abend.
Am Sonntag sind wir freiwillig sogar noch früher auf den Beinen. Wir treffen uns bereits um 8:30 Uhr mit Marcie und David und gehen gemeinsam im Café Alex Frühstücken. Anschließend holen wir unseren Mietwagen ab und starten unsere Tour entlang der Algarve. Erster Programmpunkt ist die Ponta de Piedade, die wie immer mit tollen Aussichten verzaubert. Weiter geht es entlang der Küste nach Salema. Trotz herrlichem Wetter und kristallklarem, azurblauen Wasser ist der Strand wie leergefegt. Nächster Halt Cabo São Vicente, quasi der nächste Punkt von Festlandeurope bis zur Heimat von Marcie und David in den USA. Die Anzahl der Touristen hat seit unserem letzten Besuch drastisch zugenommen und so verschwinden wir nach einem Rindumblick schnell wieder in Richtung Westen. Wir fahren nach Ferragudo und kehren im Club Nau zum Lunch ein. Auch hier werden wir mal wieder nicht enttäuscht, sowohl vom Essen als auch dem netten Ausblick aufs Wasser. Weiter geht es nach Carvoeiro, wo wir ein wenig an der Algar Seco entlanglaufen und auch hier die einmalige Küstenlandschaft der Algarve genießen. Schließlich geht es zurück nach Lagos. Auf dem Weg dorthin halten wir als letztes Highlight bei dem Storchenfeld von Odiáxere. Von den hunderten Storchennestern sind inzwischen nahezu alle mit Nachwuchs besetzt, der auch schon bald flügge sein dürfte. Zurück in Lagos gönnen wir uns eine kleine Siesta, bevor wir uns am Abend an Bord von La Ola zu einem Glas Wein und Snacks wiedertrefffen. Nach vielen angeregten Gesprächen endet schließlich ein erneut schöner Tag und Abend.
Montag. Der letzte Tag nach 4 1/2 Wochen an Land stehend. Marcie und David besuchen uns ein letztes Mal zu einem gemeinsamen Frühstück, bevor es für die Beiden nach Lissabon und von dort wieder zurück in die USA geht. Wir versprechen uns, dass wir mit dem nächsten Treffen nicht wieder 17 Jahre warten werden und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen. Währenddessen gehen die Arbeiten an unseren Rudern weiter und werden schließlich erfolgreich abgeschlossen. Die Ruder sitzen fest in ihrem Schacht und sind wieder mit dem Steuerrad verbunden (und bewegen sich auch wieder parallel zueinander!). Nachdem Marcie und David uns verlassen haben, klaren wir alles auf. Die Fahrräder werden geputzt, das achtere Deck geschrubbt, frische Lebensmittel für die nächsten Tage besorgt und noch einmal eine Ladung Wäsche gewaschen. Unter La Ola arbeitet man derweil eifrig am CrocLift und versucht die Hydrauliköl-Leckage zu beseitigen. Und die Arbeiten am großen Travellift gehen auch munter voran. Mit drei Kränen wird der obere Teil heute auf den unteren Teil gesetzt. Wir bezahlen unsere recht saftige Rechnung, verabschieden und von allen und werden Nachmittags dann tatsächlich vom reparierten Krokodil abgeholt und ins Wasser gesetzt. Alles ist dicht, die Motoren funktionieren noch und wir dürfen noch eine Nacht am Steg liegen bleiben. Schnell noch alles wieder aufgeräumt und schon sind wir bereit für die nächsten Abendteuer!
Nachdem unser Landaufenthalt deutlich länger als gedacht gedauert hat, werden wir nun nicht wie geplant in den Norden von Portugal segeln, sondern noch ein wenig an der Algarve bleiben und auf ein passendes Wetterfenster für den Törn nach Madeira warten. Aktuell zeichnet sich für den Ende des Monats gerade passendes Wetter ab, aber da kann sich natürlich noch viel dran ändern. Wir schauen mal und bleiben geduldig!