Nach unserem Tagesausflug nach Marokko müssen wir uns erst einmal ein wenig erholen. Von den vielfältigen Eindrücken und von den Fußmärschen durch die Altstadt von Tanger. Der Sonntag startet also erst einmal sehr ruhig. Frühstück mit Ei ist dabei natürlich selbstverständlich! Ich schreibe unsere Erlebnisse zusammen und sichte die Fotos. Axel pflegt seinen Rücken und probiert das neue Arganöl mit Arnika aus. Für eine Stunde wirkt es tatsächlich scheinbar ganz gut. Danach lässt die Wirkung nach und man muss nachölen. Da ein Tropfen reicht, sollte das gekaufte Fläschchen aber auch so eine ganze Weile reichen. Lucky freut sich, dass er heute wieder Gesellschaft hat und den Lachs fürs Abendessen nicht mit irgendwelchen mitgebrachten Katzenbabies teilen muss. Schließlich ist er ja der unangefochtene König an Bord! Unsere eindringlichen Worte, dass er ja ebenfalls mal so verwahrlost und unterernährt auf der Straße gelebt hat, ignoriert er geflissentlich und fordert sein Futter ein. Gut, wir gehorchen. Am Nachmittag spannen wir ob der brennenden Sonne mal wieder unser Sonnensegel über dem Vorschiff auf. So können wir gemütlich bei Mandelkuchen und einem Glas Cava im Halbschatten im gut belüfteten Frontcockpit sitzen und das Showprogramm genießen. Zunächst kommt ganz unspektakulär ein offenes Holzboot ums Eck der Marina. Spektakulärer ist schon, dass es ein deutlich größeres Motorboot schleppt. So richtig Showcharakter bekommt die Sache allerdings erst durch das dritte Boot im Schleppverband – einer bis zum Dach im Wasser versunkenen zweiten Motoryacht. Die Sache wirkt entspannt, entbehrt allerdings nicht einer gewissen Tragikomödie. Zu mindestens scheint niemand beim Sinken des Bootes verletzt worden zu sein, denn weder Rettungsboot noch Polizei begleiten die Aktion. Ein kleines Video von der Schleppaktion wird bei Instagram übrigens schnell zu meinem bisher erfolgreichsten Post. Sensation verkauft sich halt immer! Wir bleiben verwundert im Cockpit sitzen, nur um wenig später die fast menschenleere Legend of the Seas rückwärts an uns vorbei aus dem Hafen fahren zu sehen. Eine kurze Recherche ergibt, dass das Kreuzfahrtschiff der Icon-Klasse erst im Juni 2026 fertiggestellt wurde und die Jungfernfahrt erst im Juli stattfinden soll. Scheinbar wird im Moment wohl noch geprobt und getestet, ob alles funktioniert. Wir bereiten uns zum Abendessen eine schöne Lachs-Avocado-Mango Poke-Bowl und warten auf weitere Showeinlagen im Hafen. Vergeblich! So ziehen wir ins Achtercockpit um und lesen dort ein wenig, bis es Zeit ist in die Kojen zu gehen.
Der Montag startet grau und diesig. Immerhin ist es mit 23° C am Morgen schon angenehm warm, so dass ich gemütlich im Cockpit sitzen kann. Mein gestriger Post über das halb gesunkene Motorboot ist inzwischen über 15k mal abgerufen worden. Schon erstaunlich, wie sich so etwas entwickeln kann. Für Instagram-Profis ist das natürlich eher eine lächerliche Zahl. Aber meine anderen Posts liegen ansonsten eher so bei 500-1.000 Aufrufen. Nach ein wenig Frühsport, Wettercheck und Nachrichtenlesen folgt mal wieder Reiseplanung. Da das Wetter eine Weiterreise nach Gibraltar in den nächsten Tage nicht zulässt, haben wir uns ab morgen mal wieder einen Mietwagen genommen. Für drei Tage müssen also Ausflüge in die Umgebung geplant werden. Kein Problem, denn die Costa da Luz bietet viel Sehenswertes. Obwohl wir bereits im letzten Jahr viel in der Region unterwegs waren, gibt es noch Neues zu entdecken. Da wir in den nächsten Tagen viel Wind aus Ost und Südost erwarten, fragt Axel außerdem beim Marina Office, ob wir von unserem sehr exponierten Platz am Hafeneingang etwas weiter nach innen in den Hafen verholen können. Können wir und machen das dann auch direkt. Inzwischen ist die Sonne rausgekommen und sticht bei gefühlten 95% Luftfeuchtigkeit von oben. Es wird dank Null Wind zwar eine leichte Angelegenheit La Ola ein paar Plätze weiter nach innen zu verholen. Die Leinen ordentlich und sturmtauglich zu befestigen wird allerdings zur Saunaaktion. Klatschnass geschwitzt gibt es dann erst einmal ein leckeres alkoholfreies Weizenbier im Cockpit. Dann wird mal wieder der Schlauch angeschlossen und La Ola sauber gewaschen. Der Hafen bringt viel Dreck in der Luft und damit auch auf dem Deck mit sich, der dringend entfernt werden muss. Und wenn wir schon mal in Putzlaune sind, geht es auch direkt weiter. Wir tauen unseren Cockpitkühlschrank ab und säubern ihn. Dann geht es der Eiswürfelmaschine an den Kragen. Altes Wasser raus, trockengelegt und gewischt. Neues Wasser rein und angestellt. So können wir an späten Nachmittag genüßlich ein eisgekühltes Glas Wein im Frontcockpit genießen. Paul und Julia kommen mit den Hunden Piper und Trixie vorbei und erzählen von ihren Bootsprojekten. Die agile Piper springt dabei hin und her und steht irgendwann vor Lucky, der sie ordentlich von seine Stuhl anfaucht und verscheucht. Zum Glück passiert nicht mehr, denn die kleine Piper hätte bestimmt den Kürzeren gezogen. Abends gibt es Nudeln mit vorgekochter Bolognese-Sauce und dann am späten Abend noch ein wenig Fußball. Deutschland gegen Paraguay. Es wird ein langer Abend mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Am Ende leider ohne Erfolg für Deutschland. Aber nun können wir einfach unserem aktuellen Gastgeberland Spanien die Daumen drücken!
Am nächsten Morgen geht es früh raus aus den Kojen. Unvorhergesagt hat der Wind zugenommen und unser Sonnensegel schlägt wilde hin und her. Also nehmen wir es schnell wieder ab. Dann klappert es und unsere spanische Gastlandflagge liegt an Deck. Die Flagge können wir gerade noch retten, aber das Ende der Leine hängt unter der Saling. Da wird wohl ein Einsatz im Mast notwendig. Aber nicht heute. Nach einem kleinen Frühstück laufen wir eine halbe Stunde zum Bahnhof, wo wir unseren Leihwagen in Empfang nehmen. Dann geht es direkt weiter. Über die spektakuläre Hängebrücke und weiter nach Jerez de la Frontera. Hier waren wir bereits im letzten Jahr, haben aber damals nur die Festung und die Bodega Gonzalez Byass besucht. Den Besuch in der Altstadt hatten wir angesichts der Hitze damals verschoben. Nun aber! Heiß ist es auch diesmal wieder, doch wir sind früh dran und so ist es noch einigermaßen erträglich. Wir parken erneut am Alcázar de Jerez de la Frontera und laufen an den Festungsmauern entlang. Am Plaza del Arenal legen wir eine kurze Frühstückspause ein und genießen Kaffee und Schinkenbrötchen. Gestärkt geht es weiter. Die Stadt erwacht gerade erst zum Leben und die Geschäfte öffnen für den Tag. In den zahlreichen Cafés herrscht dagegen bereits Hochbetrieb. Wir machen einen Schwenk zur Markthalle, die neben einem schönen Mix aus modernen Ständen und historischem Gebäude auch mit einem tollen Fischangebot überzeugt. Weiter geht es durch die Gassen. Hinter fast jeder Ecke verbirgt sich eine kleine Plaza. Nette Boutiquen und zahlreiche Tabancos säumen die beschatteten Straßen. Die Tabancos sind leider noch nicht geöffnet, stellen aber eine große Tradition in der Stadt Jerez dar. Es handelt sich um andalusische Wein- und Tapas-Bars in denen Sherry vom Fass verkauft und konsumiert wird. Wir widerstehen dem Shoppingangebot und erreichen nach einem schönen Rundweg wieder unseren Parkplatz. Weiter geht es in das historische Örtchen Medina-Sidonia. Die Stadt liegt strategisch günstig auf einem Berghügel, von dem man die gesamte Region überblicken kann. Sie wurde bereits von den Phoeniziern gegründet. Später wurde sie eine wichtige römische Kolonie, bevor sie eine westgotische Hauptstadt wurde. Im 8. Jahrhundert wurde Medina-Sidonia dann von den Mauren erobert. Schließlich wurde sie 1440 im Rahmen der Reconquista Sitz eines christlichen Herzogtums. Aus all diesen Epochen findet man in Medina-Sidonia historische Sehenswürdigkeiten und eine schöne, maurisch geprägte Innenstadt. Wir durchwandern auch hier zu Fuß die Gassen und erklimmen den Hügel zur Kirche Santa María la Mayor la Coronada mit Baustilen aus Gotik, Renaissance und Barock, die zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert erbaut wurde. Heute wirkt sie sehr zerfallen und ist geschlossen. Obwohl in Medina-Sidonia ein schönes Lüftchen weht, ist es inzwischen ziemlich heiß geworden und wir sind gut durchgeschwitzt. So geht es ohne Besichtigung vom Castillo und den römischen Ruinen zurück zum Auto. Über Land fahren wir über Los Naveros in Richtung Meer und genießen erst die langgestreckten Sonnenblumenfelder und die schöne, hügelige Landschaft. Parallel zur Atlantikküste wir die Landschaft flacher, langweiliger und sehr touristisch geprägt. Es gibt schönere Ecken in Andalusien. Wir wechseln auf die Autobahn und fahren nach Cádiz zurück. Unterwegs halten wir bei Lidl und kaufen ein paar Leckereien. Sehr zur Freude von Lucky gibt es an Bord dann erst einmal ein paar Garnelen mit Baguette, von denen er natürlich ein paar abstauben kann. Den Rest des Tages erholen wir uns von dem Herumgelaufe und halten Siesta. Im schattigen Cockpit lässt es sich dank eines netten Lüftchens gut aushalten. Ansonsten wären die Temperaturen von bis zu 37° C heute doch recht anstrengend.
Zweiter Tag mit unserem Mietwagen und es geht wieder früh los. Wir fahren in Richtung Süden und besuchen erneut Tarifa. Bei unserem Ausflug nach Marokko konnten wir das Städtchen nicht so richtig genießen und bei unserem Besuch um letzten Jahr haben wir keinen Parkplatz gefunden. Diesmal sind wir besser vorbereitet und finden auf Anhieb einen schönen Stellplatz für unser Leihmobil. Wir wandern zunächst ein wenig durch die nette Innenstadt und laufen dann am Hafen vorbei in Richtung Isla de Tarifa. Hier befindet sich laut Anzeigetafel der südlichste Punkt von Festland-Europa. Haben wir den Programmpunkt also auch schon mal wieder abgearbeitet. Obwohl, so richtig eigentlich nicht, denn der Zugang zur Isla de Tarifa bleibt leider verschlossen. Also begnügen wir uns damit, dass wir auf dem schmalen Damm zur Isla de Tarifa genau zwischen Mittelmeer und Atlantik stehen können. Also haben wir dieses touristsiche Highlight nun auf zwei Kontinenten – Afrika und Europa – hinter uns gebracht. Mehr geht nicht! Für das Erlebnis müssen wir allerdings auch ganz schön etwas einstecken! Der starke Wind weht den Sand vom Strand mit Highspeed über den Weg. Wir werden mit nadelspitzenartigen Schmerzen gesandstrahlt. Da ich mich vor Abfahrt schön mit Sonnencreme eingerieben habe, bleibt der Sand an mir zudem wie eine dünne Panade kleben. Aus meinen Haaren hole ich noch Tage später Sandkörner heraus. Wir laufen entlang der Stadtmauer zurück, durchqueren die mittelalterliche Puerta de Jerez und stehen schließlich wieder an unserem Auto. Weiter geht es entlang der Küste, wo wir kurze Stopps in Zahara de los Atunes und Barbate einlegen und schauen, ob die Thunfischnetze noch ausgelegt sind. Sind sie leider. Im kleinen Örtchen Los Caños de Meca legen wir einen Stopp zum Mittagessen ein und landen im Restaurante Jardín de Madreselva. In einem schönen Ambiente sitzen wir gut beschattet und genießen Mango-Gazpacho (muss nachgekocht werden!), Humus, Thunfischspieße und Tangine mit Hähnchen, einem Filouteig mit Füllung aus Hähnchen und Rosinen mit einer orientalischen Gewürzmischung. Lecker! Schließlich fahren wir gut gesättigt wieder nach Cádiz und kaufen noch schnell ein paar Frühstücksbrötchen ein. Dann machen wir es uns für den Rest des Tages im Frontcockpit gemütlich, wo wir schön schattig mit einem frischen Lufthauch nicht allzu sehr unter der Sommerhitze leiden müssen.
Den dritten Tag mit Leihauto nutzen wir mal wieder für eine Einkaufstour. Es geht zunächst nach Jerez de la Frontera, wo wir bei Decathlon ein paar Klamotten und batteriebetriebene Lampen für unsere Fahrräder kaufen. Wir schnuppern kurz auch bei Desigual vorbei, werden aber leider diesmal nicht fündig. Dann geht es zu Al Campo, der spanischen Tochter vom französischen Supermarkt Auchan. Schnell ist der Einkaufswagen gefüllt und wir wieder auf dem Rückweg zum Schiff. Bei knapp 35° C gilt es schnell die gekühlten Produkte in den Kühlschrank zu bekommen. Dabei leistet unser Kühltaschenrucksack in Zusammenarbeit mit vier Kühlakkus saubere Arbeit. Nach einer kleinen Verschnaufspause geht es noch einmal los und zu Aldi in Cádiz. Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten für uns und für unsere Nachbarn von Spisea packen wir Wasser, Wein und Ingwerschokolade ein. Zurück an Bord wird alles abgeliefert, verteilt und an Bord verstaut. Erstaunlicherweise ist es dann auch schon wieder Abend und wir müssen nur noch die Beine hochlegen. Ganz schön anstrengend, so ein Shopping-Tag! Der Levante hat inzwischen ordentlich zugenommen und pfeift mit trockener, heißer Luft durch das Rigg. Wir lüften auf Durchzug und können so ein wenig Hitze vertreiben. Der arme Kater Lucky wünscht sich wohl sein dickes Fell loszuwerden und liegt nur noch schlapp auf dem Fußboden. Leider versteht er nicht, dass er besser auf seiner Kühlmatte liegen könnte. Während wir gemeinsam vor uns hin schwitzen, knallt es plötzlich laut im Cockpit. Eine Suche bringt schnell eine explodierte Weizenbierflasche als Verursacher zutage. Der gefiel die Hitze wohl auch nicht. Da sie im Getränkeschapp explodiert ist, bestand zum Glück keine Verletzungsgefahr. Doch nun müssen wir ungeplant alle Dosen und Flaschen einmal mit Wasser säubern und die Glassplitter entfernen. Ansonsten verläuft der Abend ruhig und irgendwann kühlt es nach Sonnenuntergang zum Glück auch wieder ein wenig ab. Die Klimaanlage in der Eignerkabine sorgt außerdem zusätzlich dafür, dass wir einigermaßen frisch in den Schlaf finden können.
Die Nacht verläuft sehr unruhig, denn der Levante bläst inzwischen mit 7-8 Windstärken genau in den Hafen. Wir sind froh, dass wir nicht mehr direkt in der Hafeneinfahrt liegen und verholen konnten! Aber trotz Ruckdämpfern in den Leinen und Lage mitten in der Box, ist es superunruhig und laut. Der Wind heult, die Stege quietschen, Fallen klappern. Aber auch heute heißt es wieder früh raus aus den Federn. Wir müssen den Leihwagen zurückgeben und laufen anschließend gemeinsam durch die Stadt zurück. Morgens sind die Temperaturen noch einigermaßen erträglich und die Gassen in der Altstadt schön schattig. Wir kehren zum Frühstück in das Café de Ana ein und bekommen Eggs Benedict und frischen Orangensaft in einem interessanten Retro-Ambiente. Anschließend bummeln wir noch ein wenig durch die schattigen Gassen. Vom Wind ist hier rein gar nichts zu spüren. Den letzten Teil des Weges müssen wir über den offenen Damm zurück zur Marina und werden ordentlich durchgepustet. Zurück an Bord werfen wir mal wieder einen Blick aufs Wetter. Nachdem unser Sightseeing-Programm abgearbeitet ist und unsere Bordvorräte wieder gut gefüllt sind, drängt es uns zur Weiterreise. Bei dem aktuellen Levante aus Südost, also genau aus der Richtung in die wir wollen, ist bei dem aktuellen Wind allerdings nicht an eine Weiterfahrt zu denken. Also schauen wir, wann der Wind wieder weniger wird oder gar auf westliche Richtung dreht. Auch wenn die Thunfischnetze noch ausgebracht sind, halten wir das Orca-Risiko inzwischen für recht geringt. Die angriffslustigen Orcas scheinen nach Norden abgezogen zu sein und machen inzwischen die Gegend nördlich von Lissabon unsicher. In der Region von Cádiz bis Gibraltar wurden seit über 14 Tagen keine Orcas mehr gesichtet oder Angriffe verzeichnet. Und, laut Bericht von anderen Seglern, sind die Netze auch bereits deutlich reduziert worden, so dass man nicht mehr ganz so weit ins Orca-Jagdrevier hineinfahren muss. Vor Dienstag oder Mittwoch wird es aber wohl nix werden. Bis dahin müssen wir das Levante-Georgel wohl noch aushalten. Der Wind hat inzwischen kleine Sanddünen an Deck gebildet. Das gesamte Schiff ist mit einer leichten Staubschicht überzogen. Leider auch innen. Wir verschließen daher lieber alle Luken und fangen dafür innen an zu Schmoren. Doch für solche Situationen hat Axel schon vorgesorgt. Er verbindet einen großen Lüftungsschlauch mit der Klimaanlage im Eignerrumpf und kühlt so den Salon ordentlich runter. Nun kann Lucky ein wenig aufatmen und wir können uns ebenfalls ab und an bei 29° C drinnen erfrischen. Am Abend kommen Paul und Julia zum Pizza-Friday bei uns vorbei und wir verbringen erneut einen schönen Abend miteinander. Axel hat für die Beiden außerdem Ersatzteile für das abgebrochene Scharnier ihrer Kühlbox gedruckt und macht sie damit glücklich. Was haben wir bloß früher ohne den 3D-Drucker gemacht?!
Endlich Wochenende! Ausschlafen, Frühstücken und dann erstmal Aufräumen. Der Pizzaofen wird wieder weggestaut, der Abwasch erledigt. Der Wind weht jetzt zum Glück ein wenig östlicher, so dass wir nicht mehr ganz so viel Sand und Staub aus dem Hafen abbekommen. Das Heulen im Rigg und die Bewegung im Wasser bleiben uns aber erhalten. Wir lassen den Tag ruhig angehen und beschäftigen uns mit Wetterbericht, Reiseplanung und der wichtigen Entscheidung, was es heute zu Essen geben soll. Im Wetterbericht verschiebt sich die Abreise mal wieder nach hinten. Statt Mittwoch/Donnerstag sehen jetzt Samstag/Sonntag für eine Weiterfahrt gut aus. Wir werden es sehen, wenn es soweit ist. Mit der Reiseplanung ist es auch nicht einfacher. Stoppen wir vor Gibraltar noch einmal in Sancti Petri, Barbate oder Bolonia? Ankern wir oder gehen wir in Barbate in die Marina? Und in welche Marina wollen wir in Gibraltar gehen? Gibraltar selbst bietet verschiedene Marinas und im benachbarten La Línea de la Concepción gibt es auf spanischer Seite ebenfalls eine Marina. Vor- und Nachteile für die eine oder andere Marina? Schwer zu sagen. Wenn man öfter nach Gibraltar zur Erkundung möchte, lohnt vermutlich der Aufenthalt in Gibraltar, da man so nur einmal einklarieren und zur Passkontrolle muss. Auf der anderen Seite ist die Marina in La Linea etwas günstiger. Und eigentlich sollen ab dem 15. Juli 2026 auch die Grenzkontrollen im Rahmen eines Schengen-Abkommens wegfallen. Aber ob das auch wirklich passieren wird? Wir fragen auf jeden Fall mal in der Queensway Marina in Gibraltar an, ob man überhaupt einen Platz für uns hätte. Hat man und schickt auch direkt Informationen zur Registrierung und Einreise mit. Nun muss nur noch das Wetter passen! Ansonsten verbringen wir den Tag ohne große Aktivitäten. Der Wind heult und es ist heiß. Föhnstufe 3 könnte man meinen. Da fällt es schwer über eine Radtour oder einen Spaziergang in die Stadt nachzudenken. Aber Lesen ist ja auch mal ganz nett. Abends grillen wir Hähnchenbrust und bereiten einen Salat dazu. Genau das Richtige für dieses Wetter.
Am nächsten Morgen hat der Wind weiter nachgelassen, drückt aber immer nochmal ordentliche Böen durch die Marina. Während andere Bootseigner bereits fleißig mit dem Waschen ihrer Yachten beschäftigt sind, rücke ich erst einmal dem Staub im Innenraum zu Leibe. Alles, aber auch wirklich alles ist mit einer klebriges Staubschicht eingemehlt. Nicht schön! Nach ein paar Stunden blitz und blinkt alles wieder sauber. Axel nimmt sich währenddessen doch noch den Außenbereich vor und befreit La Ola von schmierigen Sandbergen. Irgendwann poltert es ziemlich laut! Axel hat den Abgang vom Ober- aufs Seitendeck unfreiwillig etwas schneller gemacht. Zum Glück ist nichts passiert und sowohl Axel als auch das Fahrrad, welches seinen Sturz abgefangen hat, sind noch unversehrt. Den Stunt sollte man aber wohl lieber nicht wiederholen! Am späten Nachmittag sind wir mit allen Säuberungsarbeiten durch und wir gönnen uns ein Eis aus dem Tiefkühler. Wahrer Luxus! Dem armen Lucky spendieren wir eine gekühlte Katzensuppe, die ihn aber leider nur kurz erfrischt. Der Versuch ihm mit einem Ventilator etwas Abkühlung zu verschaffen, geht leider auch schief. Viel zu unheimlich, als dass man davor liegen bleiben könnte. So bleibt er weiter schlapp auf dem Salonboden liegen und hebt nur ab und an ein Augenlid um zu komtrollieren, ob wir noch da sind. Wir selbst sitzen dagegen liebend gerne vorm Ventilator und lassen uns anpusten. Zum Glück kühlt es abends ein wenig an und der Wind lässt endlich deutlich nach. Wir nehmen unser Abendessen in Form von Thunfischsalat im Frontcockpit ein. Schattig mit Lufthauch. So darf es bleiben! Die Luft hat sich deutlich geklärt und man kann an der Festlandküste die Berge im Hinterland klar und deutlich sehen. Insgesamt ist die Luftfeuchtigkeit in den letzten Tagen deutlich herunter gegangen. Statt 80 Prozent nur noch 30 Prozent. Deutlich erträglicher, da der Körper eine Chance hat über Verdunstung ein wenig herunterzukühlen.
Wie vorhergesagt, hat der Wind am Montagfrüh nachgelassen und es ist wieder ruhiger in der Marina. Die Hitze ist geblieben und so rollen wir unsere Cockpitverkleidung auf, damit wir ein wenig mehr frische Luft und Durchzug bekommen. Anschließend zieht mich Axel mit unserem Bootsmannsstuhl in den Mast. Nicht, weil ich mal wieder zu viel Schlaugeschnackt habe! Im Starkwind hat sich ja unsere spanische Gastlandflagge losgerissen und das eine Ende der Flaggenleine hängt nun unter der ersten Saling fest. Also geht es mit dem Fahrstuhl in die erste Etage. Dank e-Winsch eine schnelle Fahrt. Ich schnappe mir das Ende der Leine und bin schon wieder auf dem Weg nach unten. Dummerweise greife ich kurz vorm Erdgeschoss in meine Leine, um mich abzustützen und von der sitzenden Position zum Stehen zu kommen. Im selben Moment lässt Axel die Leine nach und ich ziehe mir mit meinem eigenen Gewicht den kleinen Finger in die Rolle des Spinnakerfalls. Autsch!!! Axel liefert schnell die Weinkühlmanschette zur Schmerzlinderung, aber der Finger blutet und schwillt schnell an. Ein kurzer Eigencheck ergibt: Nichts gebrochen, nichts gerissen, alle Gelenke noch frei beweglich. Alles also nicht dramatisch – ich werde es überleben – aber trotzdem sehr ärgerlich und schmerzhaft (ein paar Mitleidsbekundungen wären jetzt angebracht!!!). Während ich mich von dem Schreck im Cockpit erholen darf, läuft Axel zum ortsansässigen Bootsausrüster und kauft eine neue spanische Gastlandflagge. Die Befestigung der alten Flagge war nämlich gerissen und der Grund für das ganze heutige Manöver. Vielleicht auch nicht ganz unbegründet, denn die spanische Gastlandflagge stammt noch aus unseren Zeiten mit Hello World und dürfte damit etwa 20 Jahre alt sein. Außerdem kauft Axel eine Gastlandflagge für Gibraltar. Die fehlt in unserem Sortiment noch und wird vermutlich bald benötigt. Wenn, ja wenn das Wetter mitspielt. Aktuell ändert sich der Wetterbericht von morgens bis abends 180° konträr. Mal sieht es nach perfektem Wetter für die Weiterfahrt aus, mal nach noch einer Woche in Cádiz. Tja, kommt uns ja irgendwie bekannt vor. Zwar ist die Passage nach Gibraltar mit ein wenig gutem Willen und frühem Aufstehen innerhalb von einem Tag zu bewältigen. Aber die Fahrt durch die Straße von Gibraltar ist halt auch nicht ohne. Strömung, akzeleriende Winde, Orcas und der Schiffverkehr müssen beachtet werden. Und Orcas wurden leider gestern auch hier in der Region wieder gesichtet. Mist! Wir geben uns trotzig und planen trotzdem mal für eine Abfahrt am Wochenende. Ansonsten legen wir den Rest des Tages die Füße hoch. Zu warm, um irgendwelche Aktivitäten an Land zu unternehmen! Abends bereitet uns Axel leckeren Oktopus mit Kartoffeln und Oliven-Crunch. Superlecker und schnell zubereitet. Den Rest des Abends verbringen wir im luftgekühlten Frontcockpit und schauen den zahllosen Fischern bei der Ausfahrt zu. Da gibt es bestimmt leckeren Fisch auf dem Markt am nächsten Tag!
Nach einer heißen Nacht geht es morgens früh raus aus den Kojen. Wir wollen zum Markt und möchten die relative Frische am Morgen nutzen. Leider macht der Markt erst um 9 Uhr auf, was wir angesichts der sommerlichen Temperaturen sehr erstaunlich finden. Hätte man doch irgendwie erwartet, dass auch die Marktleute die frischeren Morgentemperaturen gerne nutzen. Aber dafür hat der Markt dann auch abends bis Mitternacht geöffnet. So richtig haben wir unsere Lebensgewohnheiten (noch) nicht den spanischen Geflogenheiten angepasst. Aber ob wir uns jemals an Abendessen nach 22 Uhr gewöhnen können? Und wollen? Siesta können wir dagegen schon sehr gut! Nachdem wir auf dem Markt frisches Obst und Gemüse, Brot und Brötchen, Schinken und frischen Thunfisch eingekauft haben, geht es mit den Rädern in Windeseile wieder zurück zur Marina. Ein Teil der Einkäufe wir direkt zu Saft verarbeitet. Der Rest wandert in den Kühlschrank. Es sind bereits wieder 30°C und wir üben weiter an unseren Siesta-Fähigkeiten, sprich faul im schattigen Cockpit herumliegen. Können wir, wie gesagt, bereits sehr gut! Leckere Kirschen sorgen für einen kühlen Snack und zum Mittag gibt es Baguette mit Iberico Schinken. Das Leben kann so einfach lecker sein. Abends wagt sich Axel dann an das Experiment Mango-Gazpacho. Ein Rezept ist schnell gefunden und natürlich wird es gekonnt noch verfeinert. Dazu gibt es ein sauleckeres Thunfischtartar. Bei unserem aktuellen Lieblingsfischhändler bekommen wir Blauflossenthunfisch in Sushi-Qualität für einen äußerst bezahlbaren Preis. Allerdings endet die Thunfischsaison langsam aber sicher, so dass dies wohl unser letzter Delikatessenthunfisch für dieses Jahr sein wird. Das Leben kann schon hart sein!
Meine Güte, wie schnell die Zeit vergeht! Sind wir wirklich schon wieder über zwei Wochen an Ort und Stelle und haben uns nicht voran bewegt?! So langsam müssen wir aufpassen, dass wir nicht festwachsen! Aber, der Wetterbericht schaut gut aus und so sind die Zeichen auf Aufbruch gestellt. Vorher wird nochmal eingekauft. Diesmal fahren wir mit den Fahrrädern zu Aldi und decken uns mit Leckereien für die nächsten Tage ein. Dann geht es La Ola noch einmal an den Kragen. Zwar hat Axel den groben Dreck bereits vor ein paar Tage abgespült, aber nun ist ein Feinwäsche dran. Immer wieder erstaunlich, wie viel Sand und Dreck sich auf dem Deck sammelt! Selbst Mast, Wanten und die Reling sind fein eingestaubt und geben beim Absprühen eine Strom an Dreckwasser ab. Aber nach ein paar Stunden harter Arbeit sieht alles wieder pico aus. Die Fahrräder kommen wieder an Deck und die Waschmaschine darf auch noch einmal ein wenig arbeiten. Schlussendlich kommt auch noch die Bestätigung, dass man in der nächsten Marina einen Liegeplatz für uns frei hat. Eigentlich würden wir zwar lieber Ankern, aber dafür passt leider der Wind nicht. Und – Besuch kündigt sich an! Axels Schwester Anja kommt uns in Gibraltar besuchen und segelt mit uns ein Stück die Küste entlang. Ich fülle Online schon mal das Pre Arrival Formular für unsere Ankunft in Gibraltar aus. Ganz schön viele Fragen! Ob wir Verletzte, Kranke oder Tote an Bord haben. Wie viel Alkohol sich an Bord befindet. Wie viele Betäubungsmittel mitgenommen werden. Und welche Tiere sich an Bord befinden. Gibraltar gehört nicht zur EU, entsprechend hoch ist der bürokratische Einreiseaufwand. Wollen mal hoffen, dass unsere Angaben ausreichend sind und Luckys und unsere Papiere in Ordnung sind. Sonst reisen wir halt wieder aus! Abends gibt es heute nur ein wenig Tomatensalat, Baguette und Humus mit Paprika- und Möhrenstiften.
Cádiz – Barbate 36,5 sm

Der nächste Morgen begrüßt uns grau und schwülwarm. Man könnte meinen, dass es Regen gibt, aber der ist laut Wetterbericht weit und breit nicht in Sicht. Nach dem Frühstück checken wir aus der Marina aus und bereiten La Ola für die Abreise vor. Da wir es nicht eilig haben, trödeln wir bis 11 Uhr, bis wir schließlich die Leinen lösen. Inzwischen hat sich die Sonne wieder durchgesetzt und wir fahren an Cádiz vorbei auf den Atlantik hinaus. Die See ist leider völlig konfus und schaukelt uns ordentlich durch. Der Wind kommt derweil genau von vorne obwohl er eigentlich deutlich westlicher vorhergesagt war. Naja, Wetterberichten ist halt nicht zu trauen. Wir passieren das vorgelagerte Castillo de Sancti-Petri und fahren die Küste nach Süden entlang. Ein Hotel reiht sich an das nächste und die Strände sind gut besucht. Nachdem wir am Cabo Roche vorbei sind, kommen unsere Verfolger in Sicht. Julia und Paul sind uns mit Spisea dicht auf den Fersen. Wir passieren das ausgetonnte Thunfisch-Netz von Conil de la Frontera ohne Probleme, denn es ist augenscheinlich nicht mehr ausgebracht. So können wir schön im flachen Wasser durchfahren. Als nächstes kommt der Leuchtturm von Trafalgar in Sicht. Ein wenig Unruhe und Aufregung entsteht, als eine andere Segelyacht vor uns zwei Orcas sichtet, die sich auf Gegenkurs befinden. Also rücken wir noch näher ans Ufer heran und fahren in noch flacherem Wasser. Sicher ist sicher! Wir passieren den Faro de Trafalgar so recht dicht und können schöne Fotos schießen. Weiter geht es dicht unter Land am Punta Paloma vorbei und auf Barbate zu. Dort ist das Thunfischnetz ebenfalls schon teilweise eingeholt und wir können ohne Probleme die Hafeneinfahrt erreichen. Da wir reserviert haben, bekommen wir über Funk direkt unseren Liegeplatz zugewiesen und liegen wenig später fest und sicher in unserer Box. Begrüßt werde ich unmittelbar von einem kleinen grauen Kätzchen. Lucky in klein und ausgebleicht. Es maunzt herzzerreißend, als ob es schon seit Tagen auf uns wartet und lässt sich bereitwillig kraulen. Scheinbar wohnt es schon länger in der Marina, denn auch unsere Freunde Corinne und Matthias von Seren Wen haben es bereits vor ein paar Wochen mit Thunfisch versorgt. Während Axel im Office einklariert, erobert das Kätzchen schnell unser Boot. Der Sprung an Deck ist ein Klacks. Erst die Rückkehr von Axel lässt ihn kurzzeitig die Flucht ergreifen. Wir spannen schnell unser Sonnensegel auf dem Vorschiff auf und treffen uns mit Julia und Paul zum Sundowner. Nachdem die Beiden uns wieder verlassen haben, kommt auch das Kätzchen wieder und erkundet das Boot. Lucky bleibt bei dem Besuch erstaunlich gelassen und sagt kein Wort. Ob er sich über Gesellschaft wohl freut? Oder denkt er, dass Kätzchen wäre sein Spiegelbild? Nur etwas ausgebleicht. Wir schließen nachts aber doch vorsichtshalber alle Türen und Fenster und behalten Lucky drinnen, um ein unkontrolliertes Aufeinanderprallen zu Verhindern.
Der Freitag startet erneut grau und bewölkt. Und mit deutlich frischeren Temperaturen. Auch mal ganz angenehm. Ich werde morgens von einem lauten Mautzen begrüßt. Erst von Lucky, dann von seinem grauen Ebenbild auf dem Steg. Wenig später sitzt das Kätzchen wieder an Bord und macht ein Nickerchen an Deck. Dann schleicht es sich erst ins Cockpit, dann in den Salon. Als es sich an Luckys Napf bequem macht, greife ich aber doch lieber ein. Sonst haben wir bei Abreise aus Barbate vermutlich einen blinden Passagier an Bord. Am späten Vormittag machen wir die Räder klar und starten zu einem kleinen Ausflug ins Örtchen. Julia und Paul begleiten uns auf Leihtädern. Wir fahren aus der Marina hinaus und in Richtung Barbate. Es geht entlang der Strandpromenade und zum Rio Barbate. Der Himmel ist inzwischen aufgeklart und wir können bis nach Afrika schauen. Der Rückweg führt uns mitten durch den Ort, in dem sich zahlreiche Autos stauen, um den besten Parkplatz zu ergattern. Entsprechend gut ist der Strand inzwischen gefüllt. Wir kehren in der Taberna Barbatún ein und stärken uns mit einem kühlen Bier und verschiedenen kleinen Gerichten. Thunfischtoast, Tomatentartar mit Avocado und Kartoffelsalat mit Thunfisch munden hervorragend. Der Thunfisch auf Tomate mit Spiegelei hingegen ist nicht so prickelnd. Anschließend machen wir einen kurzen Einkaufsstopp beim El Jámon Supermarkt, bevor es zurück in die Marina geht. An Bord werden wir laut maunzend begrüßt. Nicht von Lucky, denn der ist im Salon eingesperrt, sondern von dem kleinen grauen Kätzchen. Es hat es sich während unserer Abwesenheit im Cockpit gemütlich gemacht. Unsere Anwesenheit stört es nicht und hält mit uns eine ausgiebige Siesta im Cockpit. Lucky gesellt sich irgendwann dazu und bestaunt den Katzenbesuch. Ohne Aufregung, ohne Agrression, nur sehr verwundert. So friedlich haben wir ihn früher in der Mühle gegenüber fremden Katzen nie erlebt. Tja, vielleicht haben wir uns auch zu viel gewundert. Kaum dreht das graue Kätzchen Lucky den Rücken zu, greift er an. Ein kurzer Kampf, Gekreische, Gemaue, Fellfetzen fliegen durch die Luft und schon ist Lucky wieder alleine an Bord. Mistvieh! Aber wir hätten das kleine Kätzchen natürlich sowieso nicht mitnehmen können und dürfen. Unser nächster Hafenstopp ist Gibraltar und die verstehen keinen Spaß bei der Einführung von Tieren. Ohne Papiere, ohne Impfausweis, ohne gechippt zu sein, darf dort kein Tier einreisen Also auch kein kleines. graues Kätzchen, so süß und niedlich es auch sein mag. Vielleicht findet es ein anderes Boot für die Weiterreise, vielleicht ist es aber auch ganz glücklich mit seinem Leben, so wie es ist. Und bestimmt interpretieren wir Menschen viel zu viel Emotionen und menschliches Verhalten in Tiere hinein. Wie dem auch sei, wir werden vor der morgendlichen Abreise auf jeden Fall kontrollieren, ob sich nicht doch irgendwo eine kleine, graue Katze versteckt hat! So im grauen Segelkleid ist sie nämlich ziemlich gut getarnt!
Barbate – Playa de El Rinconcillo 36,5 sm

Es geht schon wieder weiter für uns! Das Wetter sieht gut aus und Barbate ist nicht sooo schön, als dass man sich hier wochenlang aufhalten müsste. Von anderen Yachten kam zudem die beruhigende Nachricht, dass man auch das nächste Thunfischnetz in Zahara de los Atunes inzwischen in flachen Wasser umfahren kann. Also ein eindeutiges Go für den Trip ins Mittelmeer! Weit ist die Strecke nicht, aber wir wollen mit möglichst wenig Wind durch die Straße von Gibraltar. Die hohen Felsen können nämlich für eine ziemliche Verstärkung der Winde sorgen und so aus 20 kn schnell mal 40 kn machen. Brauchen wir nicht, auch wenn der Wind wohl aus der richtigen Richtung kommen wird. Also geht es nach dem Frühstück raus aus Barbate und weiter in Richtung Süden. Vorm Ablegen vergewissern wir uns allerdings noch einmal, dass wir kein kleines graues Kätzchen an Bord als blinden Passagier mitnehmen. Bestimmt findet es irgendwann eine Crew, die ihn mitnehmen und nicht schon eine Kampfkatze an Bord haben! Bis dahin wissen wir, dass es gut von den freiwilligen Katzenschützern im Hafen versorgt wird. Unter Motor – wegen der Orcas – geht es munter voran und schnell erreichen wir das Thunfischnetz von Zahara de los Atunes. Wie beschrieben, kann man zwischen Land und den Netzresten hindurchfahren und im flachen Wasser bleiben. Wir fahren weiter entlang einer beeindruckenden Küste mit tollen Villen, römischen Ruinen und riesigen Dünen. Schließlich nähern wir uns Tarifa, wo wir noch ein weiteres Thunfischnetz umfahren müssen. Dazu geht es kurz in tieferes Wasser und wir beobachten sehr aufmerksam das Wasser um uns herum. Zum Glück schleicht sich kein ruderhungriger Orca an und wir runden ohne Probleme das Netz. Schließlich biegen wir an der Isla de Tarifa in Richtung Osten ab und verlassen damit den Atlantik. Die Straße von Gibraltar liegt vor uns. Europa links und Afrika rechts. Was für ein einmaliger Anblick! Weiter geht es die Küste entlang bis schließlich der mächtige Felsen von Gibraltar auftaucht. Der Schiffsverkehr nimmt deutlich zu und wir müssen uns einen Weg durch die zahlreichen Frachter und Tanker auf Reede suchen. Wir passieren die Hafenanlagen von Algeciras und fahren ganz bis zum Ende der Bucht von Gibraltar durch. Vor den Dunas del Rinconcillo gehen wir vor Anker und freuen uns darüber, dass wir neben all den Industrie- und Hafenanlagen ein schönes Stück Natur gefunden haben. Der Blick aus dem Cockpit nach achtern ist auch beeindruckend. Die gesamte Bucht mit dem Felsen von Gibraltar und den zahllosen Ankerliegern liegt hinter uns. Und dann kommt auch noch ein Delfin zur Begrüßung vorbei. Den hätten wir hier nun wirklich nicht erwartet! Später kommt dann eine ganze Delfinschule vorbei. Sie umkreisen dicht unser Boot, springen und bieten eine tolle Show am späten Nachmittag. Natürlich mal wieder viel zu schnell, um sie auf ein schönes Foto bannen zu können. Trotzdem. Ein toller Ankerplatz! Das Erlebnis wird vielleicht ein wenig durch die umhersausenden Jetskies und Motorboote geschmälert. Nicht so sehr durch den Schwell verursachenden Großschoffverkehr. Und der Sonnenuntergang macht es allemal wieder wett! Wir sind jedenfalls froh, dass wir uns vorm nächsten Marinaaufenthalt noch etwas Ankern gegönnt haben. Was wir allerdings überhaupt nicht gut finden – es ist kalt! Das Wasser hat nur noch 18,8° C statt vorher 25°C. Am Abend fröstelt es uns und statt Klimaanlage kommt die dicke Bettdecke zum Einsatz. So hatten wir eigentlich nicht gewettet. Haben doch alle unsere Freunde immer berichtet, wie angenehm warm die Wassertemperaturen sind. Klares Wasser, herrliches Baden. Aber hier ist das Wasser im Moment kälter als in der Ostsee! Wir hoffen, dass dies nur ein kurzfristiger Effekt von aufgewirbeltem kühlen Tiefenwasser ist. Sonst überlegt Axel schon, ob wir nicht doch lieber wieder an die Algarve zurückfahren.
Sonntagmorgen vor Anker. Die Sonne scheint. Am Strand laufen vereinzelte Frühaufsteher. Delfine spielen im Wasser. Klingt kitschig, oder? Ist es auch! Aber sooo schön! Man muss sagen, dass dieser Ankerplatz in der Bucht von Gibraltar wohl der Ankerplatz mit den meisten Delfinsichtungen in unserer gesamten Seglerlaufbahn ist. Egal zu welchem Moment man aufs Wasser blickt, man sieht eigentlich inmer Delfine. Toll und sehr unerwartet in dieser betriebsamen und sehr industriell geprägten Umgebung. Aber scheinbar ein gutes Jagdrevier für Delfine. Uns freut es jedenfalls, dass wir diesen Platz gewählt haben. Nach dem Frühstück versuchen wir heute mal unsere gesamten Fender aufzupumpen. Dies gelingt leider erst nach diversen Versuchen. Gar nicht so leicht, den passenden Fülladapter zu finden. Am Ende schafft Axel es aber doch und die Fender sind wieder bereit für den nächsten Marinaeinsatz. Da wir demnächst wohl auch öfter an einer Mooringleine oder dem Anker mit dem Heck zur Kaimauer anlegen werden, dem sogenannten Med-Mooring, pumpen wir zudem unsere zwei Reserve-Kugelfender auf. Die sollen eigentlich nun zukünftig beim Anlegen am Heck befestigt, damit wir uns nicht irgendwo Beulen ins Schiff fahren. Allerdings stellen wir fest, dass sich einer der beiden Fender gar nicht mehr aufpumpen lässt und beide total klebrig sind. Da wird wohl eine Neuanschaffung in Gibraltar notwendig. Ansonsten müssen wir heute nicht viel mehr machen. Nur entspannen, den Sonntag genießen und ab und an Delfine gucken. Ach ja, und diesen Blogbeitrag schreiben und online stellen!
Morgen geht’s weiter nach Gibraltar selbst! Wir freuen uns, ein paar Tage den Affenfelsen zu erkunden und mal wieder britisches Flair zu genießen.