Lagos – Praia Grande Ferragudo 7,6 sm

Nach einer ruhigen Nacht am Werftsteg nutzen wir noch einmal die Gelegenheit für eine lange, heiße Dusche an Land. In den nächsten Tagen vor Anker heißt es nämlich wieder Wasser sparen. Zurück an Bord bereiten wir uns gerade auf ein schönes Frühstück vor, als wir mehr oder minder unsanft gebeten werden abzulegen. Ein großer Katamaran braucht den Platz. Lasst Euch Zeit, aber legt jetzt endlich ab! Also, schnell die Fahrräder an Deck, Leinen klariert, von Rita und Peter verabschiedet und los geht’s. Unter Motor fahren wir dann das kurze Stück nach Portimão und gehen vor der Praia Grande von Ferragudo vor Anker. Fünf Minuten später ist der Frühstückstisch im Frontcockpit gedeckt und wir genießen die Sonne und eine leichte Brise. Herrlich, endlich wieder auf dem Wasser zu sein. Ok, es ist ein wenig schaukeliger, denn zahlreiche Ausflugsboote und Fischer sorgen für ordentlich Schwell im Ankerfeld. Aber immerhin können wir so feststellen, dass unsere Schwimmnudelaktion erfolgreich war und die Leinen kaum noch im Mast klappern. Neben uns liegen „alte“ Bekannte von der Bigfoot. Steffi und Jörg kommen auch direkt mit dem Schlauchboot vorbeigesaust und laden mal wieder für Donnerstag zum gemeinsamen Grillen am Strand ein. Dann rufen Corinne und Matthias von der Seren Wen an und wir verabreden uns für den nächsten Abend ebenfalls. Das Programm für die nächsten Tage steht also schon mal fest. Am Nachmittag pumpe ich dann endlich mal wieder mein Kayak auf. Der neue – verbesserte – Boden kann 3,5 PSI Druck mehr ab und wirkt deutlich stabiler. Das Aufpumpen ist schnell erledigt, aber der erste Paddelausflug wird auf den nächsten Tag verschoben. Der Wind hat inzwischen ordentlich zugelegt und macht es auf dem Wasser recht kühl und unangenehm. So haben wir Zeit zahllose Surfen vor Portimão zu beobachten. Dort findet nämlich gerade die Europameisterschaft der iQFoil Windsurfer statt. Und die sind ziemlich fix unterwegs bei dem Wind. Abends werfen wir nach langer Zeit mal wieder den Grill an. Nürnberger Würstchen (muss man hier in Portugal nicht wiederholen!), Grillkartoffeln und Guacamole stehen auf dem Programm. Anschließend genießen wir den Abend im Cockpit und dürfen mal wieder einen schönen Sonnenuntergang beobachten.
Die Nacht verläuft ruhig und selbst Lucky schläft (fast) durch. Aber mit der ersten Morgenröte fordert er dann doch lieber mal Futter an. Und bekommt es natürlich auch. Ich bin entsprechend früh auf den Beinen und genieße die Ruhe am Ankerplatz. Ein Glas Wasser, etwas TaiChi im Cockpit, der erste Kaffee und dann irgendwann Müsli zum Frühstück. Nebenbei Wetter checken, die sozialen Netzwerke durchscrollen und meiner Admin-Tätigkeit bei der TO-Seefrauen WhatsApp-Gruppe nachgehen. So lässt sich der Vormittag hervorragend über die Runden bringen. Mittags mache ich dann mein Kayak klar und schaffe es ohne Platscher auch hinein. Der Versuch ein wenig durch das Ankerfeld zu Paddeln endet allerdings ziemlich schnell. Zu viel Wind und ich komme mit meinem Kayak nicht voran. Der Wind drückt den Bug immer wieder herum und ich mühe mich im Zickzackkurs vorwärts. Also zurück zum Kat und abgewartet, ob der Wind wie vorhergesagt irgendwann nachlässt. Macht er natürlich erst gegen 16:30 Uhr und damit heute leider zu spät für einen weiteren Kayakversuch. Denn um Fünf fahren wir mit dem Dinghy zu Praia Grande an Land, um uns im Club Nau mit Corinne und Matthias von der Seren Wen und Guido von der Playmobil zu treffen. Das Anlanden fällt bei inzwischen spiegelglattem Wasser leicht, doch kaum werfen wir den Anker, kommt ein Rettungsschwimmer angelaufen. Ankern sei hier verboten! Wegen der Gefahr, dass ein Badender oder Strandspaziergänger über den Anker stolpert. Wir sollten doch einfach das Dinghy den Strand raufziehen, so dass es nicht wegschwimmt. Tja, unser Schlauchboot wiegt mindestens 200 kg, die ziehen wir nicht mal eben so. Also versuchen wir zu verhandeln, erreichen am Ende aber nur das man uns bei Raufziehen hilft. Und wir bekommen den Tipp, dass wir lieber ums Eck anlanden sollen. Da wäre der Strand nicht überwacht und entsprechend dürften wir dort auch Ankern. Logisch! Im Club Nau begrüßt uns unser Kellner von Sonntag wie alte Bekannte und wir bekommen einen schönen Tisch mit Blick auf Dinghy und Ankerfeld. Wenig später sind dann Corinne, Matthias und Guido da und wir freuen uns, die drei nach so langer Zeit wiederzusehen. Wir genießen einen schönen Abend miteinander, wie immer bei leckerem Essen und netten Getränken. Irgendwann startet die Live-Band und vertreibt uns schließlich an den Strand. Nicht wegen der Musik, sondern wegen der Lautstärke, die eine Unterhaltung kaum noch möglich macht. Gemeinsam gelingt es uns unser Dinghy, welches inzwischen sehr hoch und trocken an Land steht, wieder ins Wasser zu bugsieren. Alleine hätten Axel und ich wohl kapitulieren müssen. Wir verabschieden uns in der Hoffnung, dass wir uns irgendwann, irgendwo auf dieser Welt wiedersehen. Sowohl Seren Wen als auch Playmobil wollen in ein paar Wochen ins Mittelmeer aufbrechen, während wir in die entgegengesetzte Richtung segeln wollen. Zurück an Bord genießen wir noch ein wenig die schöne Abendstimmung und die Live-Musik von Land bevor es in die Kojen geht.
Eine erneute ruhige Nacht mit erstaunlich wenig Katermiauen. So kann es bleiben. Das Wetter am Morgen zeigt sich ruhig, aber mit bedecktem Himmel. Scheinbar bringt die Wetterlage nicht nur warme Temperaturen sondern auch mal wieder Staub aus Afrika zu uns herüber. Im Cockpit messen wir bereits morgens um 9 Uhr 24° C und in den nächsten Tagen soll es auf die 30° C zugehen. Von Regen weit und breit keine Spur. Genauso mögen wir es. Nach dem Frühstück bereiten wir einen Salat fürs Grillen und packen mal wieder unseren Picknickkorb. Um 13:30 Uhr fahren wir dann mit dem Dinghy an den unbewachten Strandteil von Ferragudo und treffen uns dort mit zahlreichen Seglern. Die Organisatoren Steffi und Jörg von der Bigfoot kennen wir schon. Dazu kommen zahlreiche andere Segler, die vor Portimão vor Anker oder in der Marina liegen. Es wird eine lustige Grillrunde mit vielen netten Gesprächen. Die Tide vertreibt uns schließlich am frühen Abend von unserem gemütlichen Eckchen zwischen den Felsen und überflutet unseren Grillplatz. Zurück an Bord müssen wir erst einmal unser Dinghy grundreinigen. Das Meer hat Unmengen an Sand hineinschwappen lassen und wir könnten aus dem Sand eine ganze Burg bauen. Irgendwie müssen wir uns mit dem Dinghy nochmal was überlegen. Es ist durch den Steuerstand für uns eigentlich zu schwer. Wir können es nicht mal eben den Strand hochziehen. Die Räder, die wir angebaut haben, versinken am Strand durch das Gewicht zu tief, als dass man das Schlauchboot darauf rollen könnte. Und draußen Ankern funktioniert leider auch nicht. Heute sind wir bei Niedrigwasser angelandet und bei Hochwasser wieder weggefahren. Geankert hätten wir ganz schön weit rausschwimmen müssen, um wieder zu unserem Dinghy zu kommen. Bei 16° C Wassertemperatur nicht so spaßig. So haben wir es, mit Hilfe der anderen Segler, immer wieder ein Stückchen weiter den Strand hochgezogen. Mit dem Effekt, dass die Brandung diverse Male das Schlauchboot mit Sand und Salzwasser geflutet hat. Den restlichen Abend verbringen wir gemütlich im Cockpit und hoffen, dass der für den nächsten Tag vorhergesagte Starkwind nicht ganz so ungemütlich wird.
Erfreulicherweise bleibt der Starkwind aus und die Nacht verläuft erneut ruhig. So stehen wir am Morgen erholt auf und frühstücken unser leckeres Selfmade-Müsli. Danach geht es an die Arbeit. Ich bereite Pizzateig für den Abend vor. Außerdem versuche ich mich an Teig für Baguette. Axel begibt sich derweil in die Backbordgästekabine. Der Druckschalter von unserer Frischwasserpumpe schaltet nicht mehr ab und lässt die Pumpe dauerlaufen. Zum Glück haben wir eine Ersatzpumpe an Bord. Allerdings ist die Pumpe so dermaßen versteckt eingebaut, dass es eigentlich einen Schlangenmenschen braucht, um sie auszubauen. Mit vereinten Kräften gelingt es uns am Ende. Unser Bootyoga wird immer akrobatischer. Blaue Flecken, abgeschürfte Haut und blutende Finger sind natürlich inklusive. Zum Glück haben wir einen kleinen Kanister mit Wasser vorher abgefüllt, sonst hätten meine Teigprojekte zwischendurch nicht weitergehen können. Sowohl Teig, als auch der Einbau der neuen Druckpumpe brauchen bis zum Abend. So kann man sich seinen Tag auch vertreiben. Draußen scheint derweil die Sonne und es sind sommerliche 31,8° C in unserem Cockpit. Beim Arbeiten entsteht so schnell ein Saunaeffekt, den wir eigentlich so gar nicht gebrauchen können. Nachdem alles eingebaut ist, stellen wir dann leider fest, dass das Problem wohl doch nicht die Pumpe war. Die neue Pumpe läuft immer noch auf Dauerbetrieb. Mist! Was kann es also sonst sein? Ein gebrochenes Kabel? Das Relais? Wir vertagen die weiter Arbeit auf den nächsten Tag, denn in jedem Fall müssten wir nun mühsam wieder alles ausbauen, was wir heute eingebaut haben. Boatlife in Reinstform! Das kühle Weizenbier am Ende haben wir uns heute jedenfalls redlich verdient! Und selbst Baguette und Pizza gelingen uns heute irgendwie nicht einwandfrei. Das Baguette ist unten schwarz, die Pizza unten fast schwarz und oben noch nicht knusprig. Nun denn, dann haken wir den Tag halt einfach ab. Für die nächsten beiden Tage gäbe es übrigens ein tolles Wetterfenster nach Madeira. Aber ohne funktionierende Frischwasserpumpe werden wir es vermutlich verstreichen lassen und auf die nächste Gelegenheit warten.
Am nächsten Vormittag gehen die Reparaturarbeiten an der Frischwasserpumpe munter weiter. Natürlich erst nach dem Frühstück! Das selbstgebackene Baguette schmeckt durchaus gut, aber ich werde mir doch nochmal ein anderes Rezept raussuchen. Und die Backtechnik überarbeiten. Während Axel die Pumpe repariert, kümmere ich mich um den Haus- äh nein Bootsputz. Der Staub aus der Werftzeit muss dringend entfernt werden. Gegen Mittag sind wir beide fertig mit unseren Arbeiten. Die Pumpe läuft wieder, hat ordentlich Druck und steht nicht mehr auf Dauerpumpen, Am Ankerplatz kommt derweil Leben auf. Ein Ausflugsboot nach dem anderen geht um uns herum vor Anker und hat dutzende, laut gröhlende Touristen an Bord. Gekreische beim Sprung ins kühle Nass. Wumpernde Musik mit Bassgedröhne. Alles nicht schlimm, sondern eher belebend, Dann kommt allerdings die Pest der Ankerplätze hinzu. Zwei Jetskies ziehen laut jaulend ihre Kreise. Gehört wohl leider aber auch dazu. Wir genießen trotzdem unser Eis, den Sundowner und schließlich das Abendessen im Front-Cockpit und freuen uns, dass wir wieder fließend Wasser haben. Morgen wollen wir den Wassermacher in Betrieb nehmen. Mal schauen, was dabei alles so schief läuft.
Pfingstsonntag. Eigentlich alles wie immer, Wochentage haben schon lange ihre Bedeutung für uns verloren. Lediglich wenn es um die Ziehung der Lottozahlen oder den neusten Tatort im Ersten geht, schauen wir nochmal auf den Kalender. Apropros Ziehung der Lottozahlen. Ich habe gewonnen! Nein, nicht den Lottojackpot mit 20 Millionen. Nein, auch nicht den Eurojackpot mit 120 Millionen. Ich habe bei Lagoon die neue Lagoon 47 gewonnen! Ein Katamaran, wie wir ihn sofort kaufen würden, hätten wir nicht bereits La Ola. Dummerweise habe ich leider auch keinen echten Katamaran gewonnen, sondern nur ein Puzzle. Tja, immerhin! Ich puzzle ja sehr gerne. Täglich sogar. Per App. Soll ja gut fürs Gehirn sein und macht auch noch Spaß. Der Pfingstsonntag startet ansonsten wie jeder Sonntag mit einem leckeren Frühstück mit Ei. Dann startet Axel unseren Wassermacher. Wir haben zwar noch ausreichend Wasser in den Tanks, aber wir wollen testen, ob der Wassermacher nach der langen Winterpause auch ohne Probleme anläuft. Erfreulicherweise funktioniert alles reibungslos und wir lassen ihn eine Stunde laufen. Obwohl der Wassermacher läuft und dabei Strom verbraucht, laden unsere Solarpanel unsere Batterien zusätzlich noch auf. Mittags könnten wir bereits wieder ein Schild mit „Strom zu verschenken“ raushängen. Immer wieder schön, wenn man in einer Welt mit massiv steigenden Energie- und Strompreisen so autark leben kann. Angesichts der guten Stromausbeute gönnen wir uns zudem unseren Heißwasserboiler täglich eine Stunde laufen zu lassen. So können wir in den nächsten Tagen angenehm warm Duschen und auch den Abwasch besser erledigen. Ansonsten beschäftigen wir uns mit den aktuellen Wetterprognosen und dem Routing für den Weg nach Porto Santo und Madeira. Während wir 2006 mit Hello World einfach bei irgendwie passendem Wind losgesegelt sind, gibt es heute ein Vielfaches an Wetterdaten zu berücksichtigen. Die Prognosen gaukeln einem dabei manchmal vor, dass sie durch die Datenmenge deutlich verlässlicher sind, aber in vielen Fällen ist das ein Trugschluss. Die verschiedenen Wettermodelle weichen teilweise konträr voneinander ab, sowohl was Windstärke als auch Windrichtung angeht. Neben dem Wetter müssen wir auch nach wie vor die Orca-Problematik beachten. Die Orcas sind im Moment sehr aktiv und haben vor der Straße von Gibraltar bereits zahlreiche Ruder von Segelyachten zerstört, Man geht davon aus, dass ein Teil der Orcas nun den Thunfischen folgend in den Norden migrieren wird. Dabei kommen sie an der Algarve vorbei, d.h. wir kreuzen mit Pech ihren Weg, wenn wir nach Madeira lossegeln. Da die Empfehlung lautet, auf möglichst kürzestem Weg in tiefes Wasser mit mehr als 1.000 m Wassertiefe zu gelangen und Unterwassercanyons zu vermeiden, werden wir wahrscheinlich nicht von Portimão auf direktem Wege nach Madeira segeln, sondern einen kleinen Umweg über Sagres und das Cabo Saõ Vicente machen. Von dort sind es nur 7 sm ins tiefe Wasser, während es von Portimão circa 30 sm sind und wir am Portimão Canyon vorbeimüssten. Aber erstmal muss das Wetter passen. Bei angenehmen 30° C vertrödeln wir ansonsten den Tag und genießen das Leben vor Anker, Abends gibt es Grillkäse mit Backkartoffeln und einem Glas Rosé dazu.
Pfingstmontag und mal wieder kein Feiertag in Portugal. Wir starten nach dem Frühstück mit dem Dinghy und fahren nach Ferragudo. Dort binden wir unser Schlauchboot bei den Wasser-Taxis fest. Natürlich nicht, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Von dort geht es dann per Uber nach Parchal. Beim Yachtausrüster erstehen wir mal wieder ein paar Teile für neue Projekte an Bord, Denn geht es zu Fuß zu Lidl, wo wir ein paar frische Lebensmittel einkaufen. Zurück zum Dinghy geht es wieder per Uber, damit wir die schweren Sachen nicht knapp 2 km durch die Hitze schleppen müssen. Der Fahrer setzt uns direkt beim Anleger ab und wir laden schnell alle Einkäufe ins Schlauchboot. Gegen ordentlich Wind geht es zurück zu La Ola und ich werde ordentlich mit kühlen Seewasser geduscht. Zurück an Bord stellen wir fest, dass sich im Wind eines unserer Frontcockpitpolster selbstständig gemacht hat. Es hängt achtern halb im Wasser und droht abzurutschen und wegzuschwimmen. Wie es dorthin gekommen ist, bleibt zunächst fraglich, erst ein paar Tage später erfahren wir, dass unsere Nachbarn von der Santos es aus dem Wasser gerettet und am Heck deponiert haben. Vielen Dank dafür! Wir verstauen alle Einkäufe und ich mache mich direkt an die Arbeit. Grillfleisch einlegen, Kartoffelsalat und Tzaziki zu erbereiten, Getränke kaltstellen. Für den Abend haben wir Steffi und Jörg von der Bigfoot, sowie Heike und Frank von der Mariposa zum Grillen eingeladen. Pünktlich um 18 Uhr kommen die Vier zu uns und Heike und Frank bringen außerdem ihren Hund Käppi mit. Das gefällt Kater Lucky allerdings so gar nicht so recht und er flüchtet erst einmal nach drinnen. Käppi bleibt derweil bei uns im Cockpit, so dass beide Tiere am Ende getrennt voneinander zufrieden sind. Es wird ansonsten mal wieder ein sehr netter Abend mit vielen Geschichten von See und dem Leben allgemein. So mögen wir die Abende vor Anker!
Am nächsten Morgen werden wir von lautem Getröte geweckt. Ein Kreuzfahrtschiff läuft nach Portimão ein und fühlt sich bemüßigt alle um 7 Uhr wach zu machen. Vielen Dank! Egal, einmal wach, stehe ich dann auch direkt auf. Gut, ehrlich gesagt war ich auch schon vorher wach – dank eines sehr hungrigen Katers. So sitze ich früh im sonnigen Cockpit und genieße den Morgen. Ein paar Stunden später kommt Axel dazu und es gibt Frühstück. Der Wind hat mal wieder zugenommen und weht mit Windstärke 6 bis 7 in Böen durchs Ankerfeld, Kein gutes Wetter, um einen Ausflug an Land zu machen. So bleiben wir an Bord und beschäftigen uns mal wieder mit Wettervorhersagen und Routenplanungen, Über die Plattform NoForeignland (NFL) und die Gruppe Finding Dory bin ich auf die BRally aufmerksam geworden. Einer Gruppe, die lockere Segler-Rallys in Brasilien organisiert und ausländische Seglern mit Informationen und Hilfe vor Ort unterstützt. Ich registriere mich auf der Webseite und stelle dann fest, dass wir den Gründer der Gruppe Silvio mit seiner Yacht Matajusi tatsächlich 2009 in Französisch Polynesien getroffen haben, Die Welt ist sooooo klein und man sieht sich irgendwie immer zweimal im Leben. Schnell ist über WhatsApp Kontakt aufgenommen und wir haben unsere erste Verabredung in Brasilien! Über die gleiche Gruppe meldet sich wenig später Astrid, die gerade mit ihrem Kat in Brasilien ist. Sie gibt nicht nur viele Informationen und Tipps durch, sondern kennt auch unsere Freundin Sanni und hat bis vor einem Jahr noch in Ritterhude gewohnt. Sagte ich bereits, dass die Welt klein isr?! Ritterhude, unser Wohnort von 2001 bis 2006, als auch zuletzt Langwedel von 2026 bis 2024, scheinen Hotspots für Blauwassersegler zu sein, Aus Ritterhude und Langwedel kennen wir intwischen jeweils drei andere Blauwassersegler(paare). Ansonsten beschäftige ich mich heute mit dem Studium für ein paar neue Nähprojekte. Für unser Edelstahlgitter für das Frontluk im Salon soll eine Aufbewahrungstasche genäht werden und für unseren Benzinreservekanister für das Dinghy soll es eine Schutzhülle geben. Ich schaue in unser Boots-Nähbuch und hole mir Video-Anregungen beim amerikanischen Anbieter Sailrite. Am Ende bin ich theoretisch viel schlauer und habe zu mindestens einen Plan für die beiden Nähprojekte. Nun müssen wir „nur noch“ die Nähmaschine wieder aus ihrem Versteck herausholen. Abends verabschiedet sich dann der heutige Kreuzfahrer mit um und bei zwanzig mal Tröten wieder aus Portimão. Muss das eigentlich sein? Unsere Begeisterung für den Kreuzfahrttourismus wird dadurch jedenfalls nicht wirklich gesteigert. Abends bereite ich dann noch erstmalig alles für eine selbstgemachte Haselnussmilch vor, sprich ich weiche Haselnüsse in Wasser ein. Für Donnerstag sind wir nämlich mit den anderen Seglern zu Kaffee und Kuchen bei Heidi und Robert in Ferragudo eingeladen. Jeder bringt etwas mit und ich möchte mal selbstgemachte Ferrero Rocher ausprobieren. Dafür benötige ich Haselnussmilch und den Trester aus unserem Slowjuicer, Hauptsache der Versuch gelingt!
Vermutlich ausschließlich um mir die schöne Morgendämmerung zu zeigen, weckt mich Lucky morgens um 6:30 Uhr. Und wo ich ja schon mal wach und auf den Beinen bin, gebe ich ihm auch direkt sein Frühstück. Das Wetter verspricht wieder schön und sonnig zu werden, allerdings ist es immer noch recht windig und die Böen heulen durchs Ankerfeld, Aber in den nächsten Tagen soll es wieder schwachwindiger werden. Das Wetter spielt ansonsten auch in diesem Jahr wieder europaweit verrückt. Es herrschen Rekordtemperaturen von über 30° C auch in Deutschland. Für Ende Mai eher ungewöhnlich, Für Teile Portugals wird für die nächsten Tage vor trockenen Gewittern gewarnt und einer damit großen Gefahr von Waldbränden. Vielerorts liegen noch die abgeknickten und inzwischen trockenen Bäume von den Winterstürmen. Trockenes Gras und Büsche kommen hinzu. Bei Blitzschlag ohne Regen kann sich daraus schnell ein Buschfeuer oder Waldbrand entzünden. Die Anzahl der Waldbrände nimmt auch so bereits zu. Im Naturschutzgebiet Doñana, vor dem wir im letzten Jahr so schön im Rio Guadalquivir geankert haben, stehen aktuell mehrere hundert Hektar in Brand und zerstören das einmalige Ökosystem. Inzwischen scheint man den Brand aber zum Glück unter Kontrolle zu haben. Nach dem Frühstück ist heute Küchenarbeit angesagt. Ich stelle mit unserem Slowjuicer aus den eingeweichten Haselnüssen eine Haselnussmilch her, Dann wird eine 3-Tagesportion Saft produziert. Weiter geht es mit den Rocher. Es werden Datteln und Chiasamen in Nussmilch eingeweicht, Hafermehl hergestellt und dann alle Zutaten mit Kakao zu einer schönen Masse gemixt. Daraus rolle ich kleine Kugeln mit je einer Haselnuss in der Mitte und wälze sie noch einmal zum Abschluss im Nusstrester. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und schmeckt durchaus lecker, hat aber ehrlich gesagt mit den echten Ferrero Rocher nicht viel zu tun.Wo wir schonmal dabei sind, wird im Anschluss auch gleich noch Granola-Müsli hergestellt und ein leckerer Duft nach Zimt durchzieht den Salon und das Cockpit. Ob davon angelockt oder nicht, plötzlich fliegt ein Vogel durch unseren Salon, findet aber zum Glück schnell den Ausweg ins Cockpit, Ich kann ihn als Nachtschwalbe oder Ziegenmelker identifizieren. Ein hübscher Vogel, der uns dann aber auch schnell wieder verlässt, bevor ich ein Foto machen kann. Damit ist unser Tagwerk für heute erledigt und wir können uns dem Entspannungsprogramm widmen. Lesen, Puzzeln, Kater kraulen, faul in der Sonne sitzen. Das halten wir tapfer bis zum Abend durch. Beim Sonnenuntergang gucken auf dem Achterdeck – ja, auch da kann man sitzen – tummeln sich Delfine in der Hafeneinfahrt. Ein schöner Abschluss für den Tag!
Donnerstag ist der traditionelle Seemannssonntag und wir können dem Tag angemessen ein schönes Frontcockpitfrühstück in der Morgensonne genießen. Ich beschäftige mich anschließend mal wieder mit der Wettervorhersage für die nächsten Tage. Leider hat sich die Prognose für eine Fahrt in Richtung Madeira verschlechtert und wir müssen wobl mindestens noch eine Woche abwarten, bis wir uns auf den Weg machen können. Wenn, ja wenn sich das Ganze nicht wieder ändert. Eine stabile Hochdrucklage bei den Azoren ist allerdings weiter nicht in Sicht. Aber vor Anker haben wir ja nicht viel auszustehen und können das Leben auch hier genießen. Am Nachmittag machen wir uns mit dem Dinghy auf den Weg nach Ferragudo. Wir haben einen ganzen Berg Müll an Bord, den wir in Ferragudo recht gut in der Nähe unseres Dinghyanlegeplatzes loswerden können. Erstaunlich, wie selbstverständlich man als Segler so mit seinen Mülltüten munter eine touristisch belebte Promenade entlang gehen kann, ohne sich dabei irgendwie komisch vorzukommen, In Deutschland würde man uns vermutlich sehr merkwürdig anschauen. Gut, in Deutschland gibt es natürlich auch nicht diese zahlreichen öffentlichen Müllstationen, wo man seinen Müll ohne Probleme loswerden könnte. In Portugal stehen die überall und man kann sogar sortenrein trennen. Nachdem wir unseren Müll losgeworden sind, geht es die Treppen hinauf in Richtung Kirche und weiter zur wohl hünschesten Gasse von Ferragudo. Dort wohnen Heidi und Robert, die heute zum gemeinsamen Kaffee und Kuchen eingeladen haben. Wir sind die ersten Gäste und werden auf der Terrasse erst einmal mit Wasser bewirtet. Nach und nach trudeln Heike und Thomas von De Barben, Heike und Frank von Mariposa und Steffi und Jörg von Bigfoot ein. Wenig später kommt auch noch Jens von Tendrel Aurelie dazu. Jeder hat etwas mitgebracht und wir schwelgen in Apfel- und Orangenkuchen, Pasteis de nata, Erdbeertiramisu und meinen Nusskugeln. Lecker! Dazu viele nette Gespräche und später auch noch das eine oder andere Glas Wein. Was geht es uns wieder gut! Gegen 20 Uhr machen wir uns auf den Heimweg und werden an Bord kläglich von Lucky angemaunzt. Er hätte ja noch gar nichts zu Fressen bekommen! Mauzt und steht dabei vorm bereits bei unserer Abfahrt gefüllten und immer noch vollen Napf. Wir genießen den Sonnenuntergang im Frontcockpit und chillen dann noch ein wenig im Achtercockpit weiter, bevor es irgendwann mal wieder in die Kojen geht.
Ich bin wieder früh wach und genieße den Sonnenaufgang. Am Praia Grande wird bereits fleißig gearbeitet und der Strand für die Touristen ordentlich gemacht. Dafür fährt ein kleiner Trecker mit einer Rolle durch die Gegend und eggt den Strand schön gleichmäßig und fein. Am Morgen ist es mit 17°C noch angenehm frisch, aber der Tag verspricht wieder angenehm sonnig und warm zu werden. Mein erster Blick geht mal wieder auf den Wetterbericht und die Vorhersagen für unseren Trip Richtung Madeira. Für die nächsten vier Tage sieht es allerdings nach wie vor nicht gut aus. Zu viel Wind, zu hohe Wellen von der Seite, damit unbequemes und lautes Segeln. In unserem Wetterprogramm PredictWind wird jede Route mit einem roten Warnhinweis versehen. Bei solchen Bedingungen segeln wir sehr ungern und wirklich nur, wenn es keine andere Alternative gibt. Also warten wir einfach weiter auf besseres Wetter für die Überfahrt. Während ich noch auf das kommende Wetter schaue, zieht um uns herum Seenebel auf und verwandelt die Landschaft gespenstig gefiltert. Nach nicht einmal einer halben Stunde ist der Spuk vorbei und die Sonne hat allen Dunst weggebrannt. Zeit für Frühstück. Heute mal mit Pfannkuchen unter Verwendung unserer selbstgemachten Haselnussmilch. Kann man machen und die Pfannkuchen schmecken dadurch leicht nussig. Anschließend schnappe ich mir endlich mein Kayak, denn ausnahmsweise pustet der Wind heute mal nicht mit 25 Knoten durchs Ankerfeld. So paddele ich munter los, erkunde einen nahegelegenen Strand, fahre bei den anderen deutschen Yachten vorbei und sage Hallo. Petra und Tom von der Santos bringe ich eine Flasche Wein vorbei, als Dankeschön, dass sie vor ein paar Tagen unser Cockpitpolster aus dem Wasser gerettet haben. Schließlich geht es nach dem bestandenen Test des neuen Kayakbodens zurück zu La Ola. Axel packt am Nachmittag die Putzwut und er reinigt schwimmend unseren ziemlich eingeschmuddelten Wasserpass. Nun sieht La Ola wieder pico aus. Das Bad ist bei 20°C Wassertemperatur durchaus angenehm und so lasse auch ich mich zu einem kurzen Dipp ins Wasser hinreißen. Danach wird mit unserer neuen Außenduschkonstruktion angenehm warm geduscht. Zum Trocknen geht es dann in die Sonne im Frontcockpit. Ansonsten bleibt uns für den Rest des Tages mal wieder nicht viel zu tun, außer das Leben zu genießen. Ist ja manchmal auch schon ganz schön anstrengend…
Samstag und wir stehen früh auf. Gut, ich stehe so früh auf wie immer, genieße den Sonnenaufgang und kann zusehen, wie das Kreuzfahrtschiff Norvegian Dawn vor der Hafeneinfahrt vor Anker geht. Heute kommt allerdings auch Axel früher als gewöhnlich auch der Koje raus. Wir wollen einkaufen fahren und das möglichst vor der einsetzenden Hitze erledigen, Also geht es nach dem Frühstück direkt mit dem Dinghy nach Ferragudo los. Wir binden unser treues Gefährt wie immer in der Nähe vom Wassertaxistand an und fahren per Uber nach Parchal. Diesmal geht es zu Aldi, wo wir frisches Obst und Gemüse, sowie weitere frische Lebensmittel erstehen. Per Uber geht es zurück nach Ferragudo, gerade rechtzeitig, um den zweiten Kreuzfahrer Amera einlaufen zu sehen. Das wird wohl heute voll werden. Schnell sind wir wieder an Bord, verstauen die Lebensmittel und verkriechen uns in den Schatten. Es ist bereits ganz schön warm und der Wetterdienst hat eine gelbe Hitzewarnung herausgegeben. Außer entspannt im Cockpit zu sitzen, haben wir aber zum Glück heute auch nicht viel vor. Am Ankerplatz ist es dafür allerdings leider ziemlich unruhig. Die Norvegian Dawn spuckt im Minutentack Passagiere aus, die per Bootsshuttle an Land gefahren werden. Dazu kommen gefühlt die doppelte Anzahl Ausflugsboote wie sonst und natürlich unsere geliebten Jetskies. Eine Strandbar in Portimão beschallt uns den ganzen Tag, wobei wir uns wundern, wie die Leute es in der Bar aushalten können. Gegen den Wind hören wir die Musik noch so laut, dass sie unser Radio locker übertönt. Am späten Nachmittag bereitet Axel dann leckere Garnelenküchlein. Die nehmen wir abends zu den Nachbarn von der Santos mit, die uns zu Drinks an Bord eingeladen haben. Es wird ein netter Abend mit den Gastgebern Petra und Tom, sowie Steffi und Jörg von BigFoot. Das ganze wird gekrönt von einem toll aufgehenden Vollmond. Ein Blue Moon, da bereits der zweite Vollmond im Monat Mai.
Ich starte heute etwas später in den Tag und sitze erst um 7:30 Uhr im Cockpit. Die Sonne brennt bereits und das Sportprogramm wird nicht nur dadurch recht schweißtreibend. Um kurz nach 9 Uhr fährt die Santos an uns vorbei und verabschiedet sich nach Albufeira. Schade, dass sich unsere Wege so schnell wieder trennen. Nach dem Frühstück widmen wir uns heute mal wieder der Saftherstellung. Außerdem fertigen wir für den Nachmittag einen Erdbeer-Mango-Spritz an, den wir mitsamt Prosecco zum nachmittäglichen Kaffee und Kuchen mitnehmen wollen. Dann geht es an den Abwasch und schließlich auch schon in die verdiente Siesta. Es ist hochsommerlich warm und um uns herum wird gepaddelt, geschwommen und gesuppt. Auch wir genießen die Abkühlung im Wasser und freuen uns über den herrlichen Sonntag. Mittags kommt dann statt Kreuzfahrer heute mal ein Frachter angefahren. Das Schiff der Spliethoff-Reederei, mit der wir damals Hello World von Neuseeland nach Europa verschifft haben, hat ein recht großes Fischfarming-Spezialschiff, an Deck geladen. Ob es wohl in Portimão abgeladen wird? Mal schauen… Um 15 Uhr geht es dann mit den Dinghy zu den Nachbarn von der Mariposa. Heike und Frank haben eingeladen und es kommen zahlreiche Segler. Wir verteilen uns auf Salon und Cockpit, schnacken, schlemmen und sippen das eine oder andere Glas Prosecco und Wein nach dem Kaffee. So wird aus dem Nachmittag schnell ein langer Abend in netter Gesellschaft. Die Seglercommunity ist hier vor Anker wirklich toll und macht das Warten auf gutes Reisewetter sehr, sehr einfach.
1, Juni und ich sitze um kurz vor Sieben bereits mal wieder im Cockpit. Vor der Hafeneinfahrt hat sich schon wieder der Kreuzfahrer Norvegian Dawn breitgemacht. Es dürfte also wieder ein etwas unruhigerer Tag vor Anker werden. Inzwischen sind wir schon seit zwei Wochen an unserem Ankerplatz vor dem Praia Grande von Ferragudo und die Zeit ist wie nichts verflogen. Ein Wetterfenster zeichnet sich immer noch nicht ab und so werden wohl noch ein paar Tage hinzukommen. In den nächsten Tagen soll mal wieder ordentlich Wind kommen und so überlegen wir, ob wir nochmal ein paar Tage in die Marina gehen. Dort wäre es nicht nur bequemer und weniger schaukelig, sondern wir könnten auch mal wieder unsere Räder auspacken und ein wenig durch die Gegend radeln. Portimão sagt jedoch direkt ab, da man keinen Platz für uns hat. In Lagos fragen wir auch an, bekommen aber auch von dort eine Absage, Also zurück nach Vilamoura? Ist ja eigentlich die entgegengesetzte Richtung zu Madeira. Aber wir könnte so natürlich noch einmal unsere Freunde von Seren Wen und Playmobil wiedersehen. Wir überlegen hin und her und bleiben dann doch vor Anker. Immerhin würde uns die Nacht in der Marina bummelige 175 Euro pro Nacht kosten. Da gehen wir lieber noch ein paar Mal lecker Essen und liegen weiter kostenlos vor Anker. Nach einem kleinen Mittagssnack fahren wir kurz an den Strand und probieren eine neue Dinghy-Ankertechnik aus. Dafür hat Axel eine lange, umlaufende Leine gekauft, mit der wir das Schlauchboot nun zum Anker raus und an den Strand reinziehen können. Im Prinzip funktioniert das System gut, allerdings vertüdelt sich die lange Leine und macht das Hinausziehen recht schwergängig. Da müssen wir uns wohl noch einmal eine Verbesserung überlegen. Zurück an Bord haben wir am Nachmittag außerdem nach langer Zeit mal wieder ein Online-Meeting. Unser Freund Dietmar, den wir 2008 in der Südsee kennengelernt haben, organisiert die Ocean Posse bei der wir natürlich Mitglieder sind. Die Ocean Posse ist ein lockerer Zusammenschluss von Segler, die im gleichen Revier unterwegs sind und bietet viele Benefits, wie Rabatte in Marinas und eine Gruppenversicherung, die gute Konditionen für weltweite Fahrt bietet. Der Mitgliedsbeitrag ist überschaubar und hat sich in der Regel durch die Rabatte schnell amortisiert. Während wir noch im Meeting sitzen, macht sich im Ankerfeld plötzlich Hektik breit. Der Wind hat ordentlich zugelegt und eine morgens neu angekommene Yacht hat scheinbar ihren Anker nicht gut gesetzt. Nicht nur sie geht auf Drift, sondern auch eine bereits seit langer Zeit hier vor Anker liegende Yacht, droht auf die Außenmole zu treiben. Schnell sind diverse Schlauchboote, die Seenotrettung und ein großer Schlepper vor Ort, die gemeinsam das Ankerkuddelmuddel entwirren und größeres Unheil abwenden können. Puh! So etwas muss man nicht haben! Und dabei haben wir gerade einmal 25 kn Windgeschwindigkeit, also eigentlich keine dramatsichen Windverhältnisse. Am Abend grillen wir uns heute mal wieder einen leckeren Hamburger mit Rindfleisch von den Azoren. Dazu selbst gemachte Pommes und wir sind happy. Der Wind lässt auch irgendwann nach und wir genießen den Rest des Abends bei sommerlichen Temperaturen im Cockpit.
Warum ich immer so früh aufstehe, weiß ich eigentlich auch nicht. Aber es braucht keinen Wecker, ich bin einfach schwupps wach und munter. Und so sitze ich auch heute wieder um 7 Uhr im Cockpit und genieße die morgendliche Ruhe. Irgendwann wird ein wenig Sport gemacht, von Land schallen die ersten Geräusche des Tages herüber und im Ankerfeld starten die ersten Außenbordermotoren. Die Fischer kommen mit ihrem Fang von See rein und ein Segler schiebt sich im Zeitlupentempo um die Hafenmole und weiter flußaufwärts voran. Es weht nur eine ganz seichte Brise. Am Monchique-Gebirge haben sich Wolken am Bergrücken festgekrallt und decken die Hänge wie mit einem Bettuch zu. Um 9 Uhr kommt dann auch Axel aus seiner Koje und wir genießen gemeinsam ein schönes Frühstück im Cockpit. Der Blick auf die Wettervorhersage zeigt keine Veränderung. Nach wie vor zu viel Wind und Wellen für die Reise nach Madeira. Warum fahrt ihr dann nicht doch noch Richtung Norden, wie ihr es eigentlich mal geplant habt, wird sich sicherlich der eine oder andere fragen. Ganz einfach, weil der Starkwind, der uns von Madeira fernhält aus Norden kommt und wir dann auch noch gegenan müssten. Keine gute Option, insbesondere wenn man auch noch den Schwell aus Nordwesten hat und an einer sehr ungeschützten Steilküste entlang müsste. Natürlich könnten wir nochmal ein wenig nach Osten fahren, aber wer bewegt sich schon gerne in die falsche Richtung? Obwohl?! Muss es wirklich nach Westen weitergehen? Fürs Erste harren wir aber lieber vor Ort in Portimão aus, auch wenn es für uns sicher spannendere Abenteuer zu erleben und für die Leser dieses Blogs zu lesen gäbe. So ist halt das Seglerleben. Immer vom Wetter bestimmt und selten planbar. Muss man mögen und lernen geduldig zu sein. Langweilig wird uns aber trotzdem nicht. Neben den vielen sozialen Kontakten vor Anker, gibt es auch immer wieder kleine Projekte und Baustellen. Nicht jedes mal erwähnenswert, aber wir wurschteln uns so häufig durch den Tag. Heute stellt beispielsweise Axel beim Betrieb des Wassermachers fest, dass das Wasser muffig riecht. Also wird der Filter kontrolliert und für schlecht befunden, da er bereits völlig dicht gesetzt ist. Da wir im Moment in der Mündung des Aradeflusses liegen, sind hier einfach viele Sedimente im Wasser gelöst und die Filter müssen öfter erneuert werden. Der Filter ist schnell ausgetauscht und schon riecht das Wasser wieder etwas besser. Aber noch nicht komplett gut. Also wird der Wassermacher auch noch gereinigt. Das dauert länger, aber am Ende riecht und schmeckt das Wasser wieder gut. Von Heike und Frank von der Mariposa habe ich außerdem einen neuen Sauerteig bekommen, den ich nun hätscheln und pflegen muss. Und natürlich auch mal etwas draus Backen kann. Ein wenig Probleme bereitet mir dabei, die richtige Temperatur an Bord zu finden. Zu Hause würde man einfach den Backofen auf sehr niedriger Temperatur nutzen. Hier bleibt mir nur, nach einem warmen Ort im Cockpit zu suchen. Zum Glück ist das bei sommerlichen Außentemperaturen kein allzu großes Problem und so findet der Sauerteig heute seine erste Anwendung. Ich bereite Pizzateig und verfeinere mein Rezept mit Sauerteig. Mal schauen, ob dass funktioniert! Nachdem die Wassertanks irgendwann wieder gut gefüllt und der Filter leider bereits wieder dreckig ist, gibt es abends mediterranes Gemüse mit überbackenem Feta aus dem Airfryer. Lecker und gesund! Der Wind, der über den Tag immer weiter zugenommen hat und uns eine Böe nach der anderen durchs Rigg schickt, hält heute auch bis zum späten Abend durch. Angeblich soll er über Nach wieder nachlassen, was uns rein schlaftechnisch doch sehr recht wäre. Aber wann macht der Wind schon mal etwas nach Vorhersage?
Erstaunlich, der Wind hat sich tatsächlich dran gehalten abzunehmen! Allerdings nur bis 2 Uhr nachts, dann fängt es wieder an zu wehen. Also kurz Aufstehen, Rundumblick, alles noch in Ordnung und an Ort und Stelle, wieder in die Koje. Dabei wird Lucky wach und möchte ein paar Kraueleinheiten im Bett. Bekommt er natürlich. Irgendwann schlafen wir wieder ein. Und irgendwann wacht Lucky wieder auf. Ob es denn nicht schon Frühstück geben könnte?! Nein, aber es ist ja noch reichlich Futter im Napf. Es wird allerdings so lange miaut, bis ich aufstehe und mit ihm zum Napf gehe, Danach ist erst einmal Ruhe bis kurz nach Fünf. Dann dämmert es und es ist definitiv Zeit fürs Frühstück. Jedenfalls nach Luckys Meinung. Also Aufstehen, Napf füllen und wieder ins Bett. Entweder Lucky leidet bereits an fortschreitender Demenz oder er trainiert mich für die kommenden Nachtwachen. Egal was, um 7 Uhr bin aber auch ich wie gewohnt wach und munter und stehe auf. Lucky und auch Axel schlafen noch tief und fest. So fängt auch dieser Tag wie der gestrige an. Auf unserem heutigen Tagesprogramm stehen ansonsten Wäschewaschen, Pizza machen und Sauerteigbrot vorbereiten. Sonst passiert nicht viel und wir verbummeln den Tag. Der Wind nimmt ab Nachmittag wieder mal ordentlich zu und macht das Leben vor Anker etwas unruhig. Die abendliche Pizza mit Sauerteig gelingt gut, macht aber auch nicht den großen Unterschied zu den vorherigen Pizzen aus. Da muss ich wohl noch weiter experimentieren. Der restliche Abend verläuft wie der letzte Abend im Cockpit sitzend. Inklusive dem täglichen wunderschönen Sonnenuntergang über Portimão. Wird nie langweilig!
Und täglich grüßt das Murmeltier? Der Wettercheck am Morgen lässt weiter keine Abfahrt nach Madeira zu. Zu viel Wind, zu hohe Wellen. Also üben wir uns weiter in Geduld. Nachdem ich gestern den Sauerteig für mein Brot vorbereitet habe, kann ich es heute weiterbearbeiten. Alle paar Stunden wir es gedehnt und gefaltet, damit es eine schöne Spannung aufbauen kann. Über 24 Stunden geht das so, bevor es dann endlich gebacken werden kann. Bis es soweit ist, erledigen wir den umfangreichen Abwasch, machen mal wieder frischen Saft und bürsten Lucky, dem sein Pelzmantel deutlich zu warm ist. Jeden Tag bürste ich einen halben Kater aus ihm raus und lasse einen kleinen Katerfellball aufs Meer hinaus. Lustig, wie der so durch das Ankerfeld treibt und nicht untergeht. Am Nachmittag kommt dann das Brot in den Airfryer und darf eine Stunde backen, Heraus kommt ein knuspriges, luftiges Brot mit einem schönen herzhaften Geschmack, Nachdem das Brot fertig ist, geht es mit den Dinghy zu Steffi und Jörg rüber, die spontan zum Kaffeetrinken auf BigFoot eingeladen haben. Heike und Frank mit Hund Käppi sind auch nit dabei und es wird ein schöner Nachmittag. Gegen 20 Uhr sind wir wieder zurück an Bord von La Ola und lassen den Abend im Cockpit ausklingen. Natürlich auch heute mal wieder mit einem schicken Sonnenuntergang untermalt.
Endlich Freitag. Hätten wir nicht allzu langer Zeit wohl noch gedacht. Hier vor Anker ist es ein Tag wie jeder andere. Frühsport, Frühstück und Fellpflege. So kann man den Tag gut starten. Der Wind ist mal wieder ordentlich stark und böig. Mein kleines Fellboot muss riesige Wellenberge bewältigen und zerfällt dann in einer Böe in vier Teile. Bei dem Wind verschieben wir den Plan heute einkaufen zu gehen lieber auf den nächsten Tag. Dafür legen wir mal einen kleinen Bürotag ein. Verschiedene Internet- und Softwaresachen müssen erledigt werden. Und die Versicherung für La Ola muss geklärt werden. Aktuell sind wir nur für das Gebiet Nordeurope versichert, Portugal gehört zwar dazu, aber Madeira und die Kanaren leider nicht, Also holen wir bei unserem Versicherer Pantaenius ein entsprechendes Angebot ein. Nicht nur dort, sondern auch bei weiteren Versicherungsgesellschaften. Die Bedingungen von Pantaenius erscheinen uns irgendwie eher abweisend. Den Tag bekommen wir auf diese Weise schnell rum. Abends gibt’s Backfisch mit selbstgemachten Pommes und dann einen ruhigen Abend im Cockpit.
Das Wochenende startet mit einem schönen Cockpitfrühstück, gefolgt von Abwasch und einer schönen heißen Dusche. Gegen Mittag brausen wir mit unserem Schlauchboot bei einer lauen Brise nach Ferragudo und machen wie üblich neben dem Wassertaxistand fest. Der Grillmeister von einem der Fischrestaurants weist uns darauf hin, dass wir lieber noch ein Stück weiter verholen sollen, da das Wasser vom Fischputzen sonst womöglich in unserem Schlauchboot landen würde. Machen wir dann lieber auch. Dann stärken wir uns im Restaurante Borda do Cais erst einmal mit gegrillter Dorade und Pulpo. Gut gesättigt geht es heute mal zu Fuß weiter. Wir laufen die Strecke nach Parchal und zu Lidl entlang der Straße und sind mal wieder begeistert von der Anzahl an Storchennestern entlang des Weges. Die Jungvögel. teilweise drei oder vier pro Nest, sind bereits mit den ersten Flügelübungen beschäftigt und werden wohl bald flügge. Bei Lidl stocken wir mal wieder unsere Frischvorräte auf und kaufen Grillsachen. Für Sonntag haben wir nämlich unsere Segelfreunde zum Grillen an Bord von La Ola eingeladen. Zurück zum Dinghy geht es wieder per Uber-Tesla und schnell sind wir wieder zurück an Bord. Alles wird verstaut und dann noch ein wenig das Cockpit aufgeräumt, damit die Gäste morgen Platz haben. Das Chaos lässt sich zum Glück schnell beseitigen und so können wir den Rest des Tages abwechselnd im Frontcockpit in der Sonne und im Achtercockpit im Schatten genießen. Abends schnell noch dem Sonnenuntergang zugeschaut und schon ist der Tag wieder vorbei.
Sonntag – Eitag. Nach dem Frühstück wird mediterraner Tortellinisalat und Tzaziki zubereitet, Getränke kaltgestellt und die Eiswürfelmaschine in Betrieb genommen, Gegen 13:30 Uhr kommen dann unsere Gäste. Heike und Frank kommen mit Hund Käppi von der Mariposa herüber. Inge und Thommy sausen aus der Marina heran. Heidi, Robert und Jens werden vom Strand abgeholt. Später stoßen noch Steffi und Jörg von der BigFoot mit ihren Gästen Petra und Christoph dazu. Es wird ein schöner Grillsonntag mit viel zu viel Essen, viel zu viel Getränken und viel – davon kann man nicht zu viel haben! – gemeinsamen Lachen und Gesprächen. Unser Käpt‘n Blaubär mischt sich natürlich auch irgendwann unter die Gäste und freut sich über neue Freunde. Erst weit nach Sonnenuntergang verlassen uns unsere Gäste wieder und wir bringen noch schnell ein wenig das Chaos in Ordnung, bevor wir erschöpft aber glücklich in die Kojen fallen.
Sind es tatsächlich schon drei Wochen seitdem wir von den Werft wieder ins Wasser gekommen sind?! So richtig weit sind wir ja noch nicht gekommen! Mal schauen, ob es noch vier Wochen vor Anker werden oder ob uns der Wettergott irgendwann gnädig ist und uns ein schönes Wetterfenster nach Madeira eröffnet. Aktuell sieht es jedenfalls tatsächlich so aus, als ob sich am Wochenende eine Gelegenheit ergeben könnte. Aber noch ist die Prognose zu unsicher, als dass wir uns schon freuen würden, Und erst einmal müssen wir uns heute dem Abwasch widmen. Ein dicker Stapel Teller und zahlreiche Gläser warten darauf gereinigt zu werden. Geschirrspülmaschine Brit mit Trockenautomatik Axel erledigen alles im Nu und wir können uns wieder entspannteren Themen widmen. Fairerweise muss man auch sagen, dass unsere Gäste gestern durchaus angeboten hatten, beim Abwasch zu helfen und wir dankend abgelehnt haben. Mittags verzwicken wir die Reste vom gestrigen Salat und Tzaziki. Zum Glück ist diesmal nur eine kleine Menge übrig geblieben. Am Nachmittag haben wir dann einen Call mit einem amerikanischen Versocherungsmakler, der uns ein Angebot für weltweite Fahrt machen will. Abends gibt es noch ein interessantes Webinar zum Thema Provisionierung und medizinische Ausrüstung und einen ansonsten ruhigen Tagesausklang im Cockpit.
Nach einem sehr ruhigen Montag starten wir fit und munter in den Dienstag. Der erste Blick geht wie üblich auf den Wetterbericht. Und siehe da, dass Wetterfenster ist immer noch offen. Es schaut so aus, als ob wir am 14. oder 15. Juni gut nach Porto Santo lossegeln könnten. Wahrscheinlich eher am 15. Juni, denn so könnten wir am Vorabend bei Sagres ohne Wind und Welle gut Ankern und – ja auch nicht ganz unwichtig – am Sonntag noch das erste WM-Spiel der deutschen Herren-Fußballnationalmanschaft gegen Curaçao sehen. Gegen Mittag fahren wir heute mal mit dem Dinghy nach Portimão, wo wir mit Anne und Pete von der Segelyacht Moonfleet verabredet sind. Wir kennen die Beiden bisher nur „virtuell“ über die Gruppe Finding Dory und treffen uns heute zum ersten Mal persönlich. Die Beiden planen wie wir Richtung Madeira, Kanaren und über den Atlantik zu segeln, allerdings steht das Boot aktuell noch in Portimão für Wartungsarbeiten an Land. Wir essen gemeinsam Mittag beim Inder und freuen uns, wenn wir uns irgendwo auf dem Weg nach Westen wiederbegegnen. Im Anschluss gehen wir noch ein paar Kleinigkeiten bei Pingo Doce einkaufen, bevor es durch die sengende Sonne wieder zurückgeht. An Bord müssen wir uns von dem Ausflug erst einmal erholen. Ausnahmsweise weht heute mal wenig Wind und die Hitze steht selbst über dem Anlerfeld. Nur gut, dass man zu Abkühlung einfach ins Wasser springen kann (bei mir: nur 10 Minuten braucht, um an der Badeleiter zentimeterweise ins Wasser zu klettern). Ansonsten beschäftige ich mich mit der Ausflugsplanung für Porto Santo und Madeira. Auf beiden Inseln möchten wir unbedingt Golf spielen gehen. Außerdem möchten wir für Madeira einen Leihwagen nehmen und einige Inselausflüge machen. Ein paar Anregungen und Idee habe ich schon gesammelt, aber mit dem Ziel nun recht nah vor Augen, kann ich endlich an die Feinplanung gehen. Außerdem fragen wir auch schon mal Liegeplätze für die Kanarem an. Auch wenn es noch einige Monate hin ist, sind viele Marinas bereits im Oktober – November ausgebucht. Mal schauen, ob wir irgendwo Glück haben. Der abendliche Wetterbericht schaut dann leider schon wieder gar nicht mehr so optimal aus. Es ist aber auch nicht einfach mit der Reiseplanung! Und dabei würden wir so gerne möglichst schnell nach Porto Santo fahren. Dort liegen nämlich auch gerade unsere Freunde Uli und Imke von der Eiland, die wir bereits aus unseren Ostseezeiten mit Blue Noot kennen. Wäre doch schön, wenn wir uns nach all den Jahren nun auf Porto Santo wiedersehen könnten, Außerdem sind auch unsere ehemaligen Nachbarn Petra und Jens aus Langwedel demnächst auf Madeira. Auch die würden wir natürlich gerne wiedersehen. Aber, wenn der Wettergott nicht will, dann will er im Zweifelsfall halt nicht. Wir werden uns jedenfalls nicht mit ihm anlegen. Den Fehler haben wir schon zu oft gemacht und müssen ihn nicht wiederholen.
Neuer Tag, neuer Wetterbericht. Ein wenig kommen wir uns wie bei der Ziehung der Lottozahlen vor. Haben wir heute gewonnen? Jackpot?! Oder wieder nur eine richtige Zahl und außer Spesen nix gewesen? Und was ist eine gute Wettervorhersage heute eigentlich wert. Die verschiedenen Wettermodelle liegen oft genug einfach komplett daneben. Wie bei den Lottozahlen. Alle Angaben ohne Gewähr! Erst wenn man am Ziel ist oder der Gewinn auf dem Konto eingegangen ist, weiß man ob die Zahlen und Wetterprognosen richtig waren. Aner irgendwann muss man sich entscheiden, ob man den Daten traut oder lieber noch ein wenig wartet. Oder die Reiseplanung ändert. Zum Glück sind wir absolut flexibel und ohne Zeitdruck. Gut, den Lottogewinn hätten wir natürlich schon gerne zeitnah! Aber ob wir nun am Sonntag, in drei Wochen oder erst in drei Jahren nach Madeira kommen, ist eigentlich egal. Trotzdem, wir fühlen uns wie ein Rennpferd in der Startbox und wollen endlich los. Und denken einfach posiitv. Ich überlege schon mal, was es an den Seetagen zu Essen geben könnte. Überlege, ob ich etwas vorkochen soll oder darauf vertraue, dass das ruhige Wetter auch eintritt. Erstelle eine Einkaufsliste und bin sicher, dass wir auf den drei Tagen Überfahrt nicht verhungern werden. Warte dabei auf den Wetterbericht. Der wird morgens und abends aktualisiert und hat heute Verspätung. Irgendwann nach dem Frühstück ist dann die neue Prognose da und lässt wieder hoffen. Aber mehr als drei Tage im Vorhinaus trauen wir keiner Wettervorhersage. Also wird noch nichts entschieden. Auch heute ist mal wieder ein wenig Büroarbeit angesagt. Ich versuche mich als Microsoft 365 Admin und hoffe, dass ich es irgendwie hingefummelt bekomme, dass ich meine Emails auch zukünftig weiter enpfangen kann. Axel kümmert sich derweil weiter um unsere Yachtversicherung. Ein Fragebogen muss ausgefüllt werden und es sind zahlreiche Seriennummern und Daten einzutragen, die wir nicht auswendig im Kopf haben. Am Ende bewältigen wir auch diese Aufgabe und können wieder den schönen sonnigen Tag genießen. Abends grillen wir uns eine schöne Dorade und bereiten einen frischen Salat dazu. Das Leben könnte nicht besser sein!
Obwohl eigentlich nicht viel passiert, rasen die Tage nur so vorbei und es ist schon wieder Donnerstag. Seemannssonntag. Hatte ich wohl schon mal erwähnt, Also gibt es Frühstück mit Ei. Heute zur Abwechslung mal als Omelette mit Schafskäse in Paprikaschote. Sehr lecker! Dazu den aktuellen Wetterbericht, der nach wie vor für eine Abreise nach Madeira am 15. Juni ganz gut ausschaut. Am späten Vormittag machen wir uns mal wieder auf einen kleinen Dinghy-Shopping-Trip auf. Wie gewohnt geht es nach Ferragudo und dann mit dem Uber zu Lidl. Wenig später tatsächlich mit dem gleichen Uber wieder zurück nach Ferragudo. Bevor wir zu La Ola zurückfahren, machen wir noch einen kurzen Tankstopp in der Marina Portimão und füllen Benzin in unsere Dinghy-Tanks nach. Dummerweise hat in der Zwischenzeit der Wind ordentlich zugenommen und wir müssen uns mühsam gegenan zurück an Bord quälen. Gut durchnässt kommen wir schließlich wieder bei La Ola an und verstauen erst einmal unsere Einkäufe, bevor es eine Mittagsstulle zur Stärkung gibt. Inzwischen haben wir auch unsere Versicherungssachen klären können und sind nun eigentlich abreisebereit in Richtung Madeira. Aber, heute ist natürlich erst Donnerstag und das Wetter passt noch nicht. Also lehnen wir uns entspannt zurück und genießen den Sommertag vor Anker. Den meisten Teil des Tages verbringen wir allerdings lieber im schattigen Cockpit. In der Sonne ist es definitv zu heiß und man wird in kürzester Zeit gut durchgebraten. Es ist selbst für portugiesische Verhältnisse zu warm für diese Jahreszeit. Ob dies bereits die Auswirkungen des Super-El-Niño Jahres sind? Die Hitze und Trockenheit der letzten Wochen hat zudem dafür gesorgt, dass die Waldbrandgefahr bereits jetzt höher als im Rekordwaldbrandjahr 2022 ist. Kater Lucky ist es mit seinem schwarzen Fell wohl auch zu warm. So richtig bewegen mag er sich tagsüber nicht und liegt freiwillig auf seinem neuen Kühlkissen. Wir machen uns abends zur Abwechslung mal Spaghetti Bolognese und genießen anschließend ein Glas Wein in der Abendsonne auf dem Vordeck.
Ups, schon wieder Freitag! Ein Brummen weckt mich schon vor 6 Uhr und ich werde mit einem schönen Morgenrot für das frühe Aufstehen belohnt. Den Brummer kann ich auch direkt identifizieren, denn hinter uns schleicht sich mal wieder ein Kreuzfahrtschiff nach Portimão rein. Ich nutze den ruhigen Morgen für ein wenig Frühsport in Cockpit und komme bei 22°C schon ganz schön ins Schwitzen. Irgendwann kommt Axel dazu und wir frühstücken erst einmal gemütlich. Währenddessen dreht recht unvermittelt der Wind auf und es bäst mit knapp 30 kn durchs Ankerfeld. Dem Winddruck hält der Anker eines kleinen Dauerliegers nicht stand und er driftet auf unseren Vorlieger zu. Zum Glück sind schnell einige Schlauchboote helfend vor Ort und schleppen den Segler wieder an eine sichere Position. Wenig später steigt hinter Ferragudo dicker schwarzer Qualm auf. Es brennt! Zum Glück treibt der Rauch von uns weg und noch besser, das Feuer wird schnell wieder gelöscht. Mehr Ankerkino und Action brauchen wir für heute aber auch wirklich nicht mehr! Vor unserer geplanten Abreise nach Madeira wird dann noch einemal die Waschmaschine angeworfen und die Wäsche fein im Cockpit getrocknet. Ich arbeite nebenbei am Laptop, bereinige Daten, beschäftige mich mit meinem neuen Exchange Server und am Ende funktioniert tatsächlich auch alles eineandfrei. Am Abend bekommen wir dann mal wieder Besuch an Bord. Barbara und Max aus Italien gehören ebenfalls zur Finding Dory Gruppe und sind vor zwei Tagen mit ihrer Lagoon 400 Goat in Portimão eingetroffen. Sie wollen auch nach Madeira und wir tauschen uns angeregt zu Wetter, Häfen und Ankerplätzen aus. Immer wieder schön, dass man beim Segeln so schnell und unkompliziert Gleichgesinnte findet.
Nach einer fast windstillen Nacht, fängt es morgens wieder an zu Wehen wie Blöde. Es klappert und pfeift und ich mache nach dem Aufstehen erst einmal alle Luken dicht und kontrolliere, ob alles fest und sicher ist. Nicht das uns wieder irgendwelche Polster wegfliegen. Einen unserer Sitzsäcke auf dem Oberdeck hat es bereits verweht, aber zum Glück ist er gut festgebunden und kann nicht weiter weg. Dann wird mal wieder das Wetter gecheckt. Für die Abfahrt am Montag sieht immer noch alles gut aus, doch am Horizont zeigt sich eine dunkle Wetterwolke. Wir würden zwar mit gutem Wind nach Madeira kommen, aber ab Donnerstag//Freitag wird auf Madeira und Porto Santo Südwind erwartet. Je nach Wettermodell zwischen leichter Brise und Windstärke 5. Dummerweise sind alle Ankerplätze und Marinas auf den beiden Inseln nach Süden sehr exponiert und offen. Sie würden im Worst Case Szenario also leider keinen Schutz für uns bieten. Einfach auf der Nordseite der Inseln zu Ankern würde aber leider auch nicht als Alternative funktionieren, da der Atlantikschwell weiterhin mit 1,5 m aus Norden kommen soll. Mist1 Das würfelt unsere Pläne ja mal wieder schön durcheinander. Aber noch geben wir die Hoffnung nicht auf, sondern warten für eine Entscheidung die nächsten Wetterberichte ab. Vielleicht klärt sich die Lage ja wieder. Den Tag verbringen wir geruhsam an Bord. Durch den Wind und auch den Seegang mit 2 bis 2,5 m, der vor der Hafeneinfahrt herrscht, hält sich die Anzahl an Schwell erzeugenden Ausflugsbooten heute erfreulich in Grenzen. Aber dafür arbeitet sich die Welle von draußen auch ins Ankerfeld vor und schaukelt uns trotzdem durch. C‘est la vie. Gegen 16 Uhr lässt der Wind nach und der Lärm von den Partyboote und Beachbars nimmt entsprechend wieder zu. Ja, so ist das Leben im Urlaubsparadies. Klingt aber auch schlimmer als es ist und nachts ist es meisten schön ruhig. Abends kommen unsere Nachbarn Steffi und Jörg noch kurz vorbei. Eigentlich, um sich von uns zu verabschieden, doch irgendwie stellen wir im Gespräch alle zusammen fest, dass morgen gar kein guter Tag zum Anker aufgehen ist. Steffi und Jörg können sich nicht überwinden nach Osten zu motoren und wir sind uns mit dem Wetterbericht auch nicht wirklich sicher, was wir eigentlich wollen. Und ein Wetterfenster mit Wind aus Nordost wäre uns eh viel lieber. Und überhaupt. Ob wir wohl noch jemals hier wieder wegkommen?! Doch, doch, bestimmt! Aber vielleicht nicht unbedingt morgen. Aber wir warten nochmal den nächsten Wetterbericht ab. Und versuchen parallel schon mal herauszufinden, mit wem wir am Sonntagabend gemeinsam Fußball gucken können. Abends lassen wir uns von Land mit Musik beschallen und bestaunen aus der Ferne eine arabisch angehauchte Feuershow im Club Nau. Ohne Wind, ohne Welle, ohne Schwell. Einfach nur schön!
Sonntag und der Himmel zeigt sich grau und bedeckt. Kennen wir gar nicht mehr! Gut, dass wir heute nirgendwo hin wollen. Außer nach Ferragudo am Abend zum Fußballgucken. Aber alles der Reihe nach. Wir frühstücken, checken den Wetterbericht und entscheiden uns. Morgen fahren wir nach Sagres und von dort aus am Dienstag nach Porto Santo. Dort sollten wir mit gutem Wind am Donnerstagabend ankommen. Bevor leichter Südwind einsetzt. Der Südwind wird irgendwann mehr werden, aber in Porto Santo sollte es hoffentlich auszuhalten sein. Nachdem wir die Entscheidung getroffen haben, bereiten wir schon mal ein paar Sachen vor. Mein Kayak wird entlüftet und in der Backskiste verstaut. So haben wir an Backbord bessere Sicht. Dafür kommt aus der gleichen Backskiste unser Code Zero Segel heraus. Bei dem angesagten Halbwindkurs sollte er uns gut nach Süden bringen. Auch im Boot werden ein paar Sachen gesichert, die nicht umherfliegen sollen. Das Meiste kann zwar einfach stehen bleiben, aber manche schweren Geräte, wie der Slow-Juicer oder der Sodastream, bekommen einen standsichereren Platz zugewiesen. Und wir bereiten uns akribisch auf die Überfahrt vor und lesen unseren Blogbeitrag vom September 2007. Immerhin haben wir die Strecke ja schon einmal erfolgreich absolviert. Allerdings hoffen wir inständig, dass wir diesmal nichts kaputt machen und auch besser schlafen können. Und Porto Santo soll übrigens deutlich netter sein, als wir damals gedacht haben! Wir werden sehen… Am Nachmittag steht dann noch Entmüllen und Einkaufen auf dem Programm. Wie gewohnt geht es nach Ferragudo und zu Lidl nach Parchal. Diesmal bleiben wir nach dem Einkaufen aber noch eine Weile im Örtchen. Mit der Segler-Gang sind wir in der 3 Macacos Bar zum Fußballgucken verabredet. Das Spiel Deutschland gegen Curaçao können wir dort in gemütlicher Runde und mit zahlreichen anderen Deutschlandfans auf einem Großbildschirm verfolgen. Die Stimmung ist bereits nach dem ersten Tor in der sechsten Minute hervorragend und hält bis zum Ende. Mit 7:1 kann man zum Auftackt ja auch sehr zufrieden sein und Axel und ich lagen mit unseren Tipps gar nicht so schlecht. Nach dem Spiel geht es noch gemeinsam an den Strand, wo wir in einem alten Fischerboot sitzend noch einen Sundowner genießen. Der Rückweg zu La Ola gestaltet sich dann allerdings für uns gar nicht so einfach. Unser Dinghy hängt zwar nach wie vor an der Kaimauer von Ferragudo. Allerdings haben wir Springniedrigwasser und der Außenborder steckt in den Muscheln am Grund fest. Vereint gelingt es schließlich das Schlauchboot an die Treppe zu ziehen, wo es zum Glück wieder schwimmt. Schöner Schreck in der Abendstunde, aber zum Glück ist nichts passiert und wir kommen wenig später wohlbehalten bei La Ola an.
Nach vier Wochen wollen wir endlich wieder los. Aber die Wettervorhersage hat sich mal wieder verschlechtert und dann kommt auch noch eine aktuelle Orca-Sichtung genau auf unserem geplanten Weg dazu. Und nicht nur, dass der Wetterbericht plötzlich mehr Wind und Welle aus Nordwest vorhersagt, er hält sich noch nicht einmal daran, denn es weht fein aus Südwest. Also genau aus der Richtung in die wir müssten. Also doch keine Abreise nach Porto Santo. Das Wetter macht einfach keinen Spaß im Moment! Und wenn man sich im Atlantik schon nicht auf das Wetter verlaasen kann, wo dann? Die Warterei auch ein passendes Wetterfenster und dann trotzdem völlig anderes Wetter zu bekommen, nervt uns im Moment ziemlich. Hinzu kommt, dass es Axel zunehmend widerstrebt sich von Europa zu entfernen. Und der Kurs Richtung Madeira und weiter zu den Kanaren wäre schwer umkehrbar. Auf den Kanaren zu bleiben, wäre zwar eine Alternative, allerdings darf man dort nur maximal 18 Monate bleiben. Dann muss man Steuern auf das Boot zahlen. Wollen wir nur ungern. Auch wenn ich gerne weitersegeln und über den Atlantik in Richtung Brasilien oder Karibik ziehen würde, kann sich Axel damit im Moment noch weniger anfreunden. Im graut regelrecht vor den langen Seeschlägen und der Annahme, was alles kaputt gehen könnte. Da wir La Ola nicht einfach zweiteilen können, muss irgendwie eine neue Idee und ein Kompromiss her. Zurück in den Norden schließen wir beide absolut aus. Noch eine Saison an der Algarve ebenfalls, Was bleibt also? Genau, der Weg nach Osten und in Richtung Mittelmeer. Auch wenn wir dem Mittelmeer sehr kritisch gegenüber stehen, erscheint es uns im Moment mehr und mehr als gute Alternative. Und müssen ja nicht gleich bis ganz nach Griechenland durchsegeln. Bis Gibraltar und dann noch ein Stückchen weiter? Wir wissen es noch nicht, aber wir beschließen gemeinsam, dass es erst einmal nicht nach Madeira für uns geht, sondern wir Kurs auf Gibraltar absetzen. Die Saison ist noch jung und wir könnten im Zweifelsfall auch im Herbst noch einen erneuten Versuch nach Westen starten. Oder im Mittelmeer. leiben. Wir wissen es nicht und müssen es zum Glück auch gar nicht wissen, Wir können jeden Tag neu entscheiden und den Bug in eine andere Richtung wenden. Man nennt das glaube ich Freiheit! Heute bleiben wir allerdings erst noch einen Tag vor Anker. Morgen soll es dann losgehen. Culatra, Mazagon und dann Cádiz. Schön im flachen Wasser, damit wir nicht doch noch den Orcas über den Weg segeln. Von Cádiz dann irgendwann nach Gibraltar. Bis dahin sollten die Thunfischnetze weg sein, an denen vorbei man im Moment nur durch tiefes Wasser und Orca-Gebiet kommt. So also der neue Plan. Mal schauen, wie lange er hält! Statt mit den Ausflugsplänen für Madeira beschäftigen wir uns nun mit Plänen für Andalusien und Gibraltar. Die schöne Stadt Cádiz wollen wir uns gerne noch einmal näher anschauen. Und in Gibraltar natürlich die berühmten Affen auf den Felsen sehen. Ach, es gibt so viele tolle Dinge zu sehen auf dieser Welt. Und bei uns an Bord am Abend auch mal wieder was Leckeres zu Essen. Wir sind inzwischen Fans von gegrillten Oktopusarmen auf Kartoffeln mit einem Hauch – quasi ein Fitzelchen – Knoblauch. Später genießen wir einen letzen Sonnenuntergang über Portimão. Morgen sind wir weg….
